Pro:
toll gespielt - geschickt aufgebaut
Kontra:
kann die Realität nur andeuten - etwas langatmig
Empfehlung:
Ja
Da ich in letzter Zeit mal wieder einige Filme auf DVD gesehen habe, ist es vielleicht Zeit für ein paar neue Berichte. Den Anfang macht eine aktuelle DVD, die ich mir angesehen habe, weil ich Biographien eigentlich sehr gern sehe. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich an Politik nicht sooo interessiert bin, fand ich den Film
*** DIE EISERNE LADY ***
doch interessant genug, um ihn mir mal zu ertauschen.
Der Film erzählt die Geschichte von Margarete Thatcher, von der wohl jeder zumindest schon mal gehört haben dürfte.
Margarete Thatcher, geboren 13.10.1925 als Tochter eines britischen Kolonialwarenhändlers unter dem Namen Margarete Hilda Roberts, machte als britische Premierministerin ( als erste Frau in einem solchen Amt in Großbritannien) von Mai 1979 bis November 1990 mehr als nur einmal von sich reden.
*** INHALT ***
Im Film wird ihre Geschichte in Rückblenden und Erinnerungen erzählt. Margarete selbst ist alt geworden und leidet unter Demenz. Immer häufiger fühlt sie sich von ihrem Mann 'verfolgt', der vor kurzem verstorben ist. Verzweifelt bemüht sie sich, einen letzten Rest an Würde zu behalten.
Ihre Erinnerungen neben den Zuschauer mit in ihre Jugend, lässt sie kurz im Geschäft ihrer Eltern arbeiten, einen Studienplatz am renommierten Somerville College in Oxford bekommen, ihren Mann Denis kennenlernen. Und natürlich ihre ersten Schritte in die Politik erleben.
Der Hauptteil des Film wird geprägt durch ihre Zeit als Politikerin – welche Ziele hat sie verfolgt – wie hat sie sie durchgesetzt …
*** MEINE MEINUNG ZUM FILM ***
Mehr gibt es zum Inhalt selbst eigentlich nicht zu sagen. Der Film erzählt die Geschichte von Margarete Thatcher – nicht mehr und nicht weniger. Auch bei einer durchaus interessanten (wenn auch recht kontroversen) Persönlichkeit wie Margarete Thatcher kann das durchaus mal etwas trocken rüberkommen – schließlich ist ein Menschenleben nur in den seltensten Fällen von tränentriefenden Romanzen und wilden Schießereien geprägt – also von dem was man üblicherweise in einem Film zeigen möchte.
Langweilig ist der Film sicherlich nicht – wenn man bereit ist, sich auf Biographien einzulassen. Das Leben von Margarete Thatcher hat sicherlich einiges zu bieten, was es verdient, nicht vergessen zu werden. Sie war eine starke, eine einzigartige Persönlichkeit – was im Film recht gut rüberkommt.
Sympathiepunkte gewinnt sie vor allem, weil der Film von einer älteren Frau ausgeht, die spürt, wie ihr das Leben durch die Finger gleitet, die verzweifelt versucht, sich an ihre Erinnerungen und ihren verstand zu klammern, der einst ihr Leben bestimmt hat und den sie jetzt langsam aber sicher zu verlieren scheint. Tatsache ist, das bei Margarete Thatcher 2008 beginnende Demenz festgestellt wurde. Ebenso ist es natürlich eine Tatsache, das niemand sagen kann, wie genau sie damit umgeht, welche Ängste und Gefühle sie beherrschen. Die Ängste und Verzweiflung, die der Film ihr unterstellt - und der den Zuschauer durchaus zu berühren weiß - sind entstanden auf dem Papier der Drehbuchschreiber und umgesetzt worden von einer genial spielenden Meryl Streep.
Genauso wenig weiß man, wie weit andere Gefühle und Gedanken, die sie während des Filmes beherrschen, 'echt' waren. Im Film kommt sie rüber als eine starke Frau – was sie sicherlich gewesen ist, sonst wäre sie in der Politik nicht so weit gekommen – auch wenn ihre Methoden und Handlungen nicht immer die Zustimmung der Öffentlichkeit fanden.
Sicherlich hat sie sich keiner leichten Aufgabe gestellt, hat mehr als eine unpopuläre Entscheidung getroffen, war entscheidend beteiligt am Falklandkrieg, hat sich (wie wir alle wissen nicht erfolgreich) gegen die deutsche Wiedervereinigung ausgesprochen, galt als 'Busenfreundin' von Ronald Reagan … Das alles kann in einem Spielfilm natürlich nur angeschnitten werden. Ich finde es durchaus geschickt, wie der Film an ihre Geschichte herangeht. Dadurch das dem Zuschauer bewusst ist, das es sich hier um Margaretes (teilweise bruchstückhafte, teilweise verschwommene) Erinnerungen handelt, kann man es eher akzeptieren, wenn hier manches nicht mit der Tiefe behandelt wird, mit der es das eigentlich sollte. Das entscheidende Tatsachen nur am Rande erwähnt werden und sogar ganz unter den Tisch fallen.
Wenn man mehr Wissen will über die Regierungszeit von Margarete Thatcher, über die Konsequenzen ihres Handelns für England, für Europa, teilweise sogar der ganzen Welt, dann sollte man sich sicherlich andere Quellen suchen, als diesen Film.
Denn genau das ist er doch – ein Film, der vor allem unterhalten will. Es ist kein korrekter Geschichtsunterricht. Ich fand ihn durchaus interessant anzusehen. Die Machart, ausgehend von einer gealterten Margarete und ihre Erinnerungen, hat mir sehr gut gefallen. Dadurch bekommt der Film ein paar Emotionen, die ihm sonst eher abgehen. Insgesamt hat er sicherlich ein paar Längen, vor allem, wenn man sich nicht wirklich für Politik interessiert, denn Politik war eigentlich alles, was Margarete Thatchers Biographie bestimmt hat. Private Beziehungen spielen im Film deswegen auch nur eine untergeordnete Rolle.
*** DIE SCHAUSPIELER UND IHRE ROLLEN ***
Da dieser Film sich eigentlich nur um die Person der Margarete Thatcher dreht, bleibt ihr vor allem ein Name zu erwähnen: Meryl Streep. Sie macht ihre Sache nicht nur gut, sondern geradezu perfekt. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, ob sie nun die jüngere Margarete (nur das ganz junge Mädchen wurde von einer weiteren Schauspielerin besetzt, weil der Altersunterschied hier doch zu krass war: Alexandra Roach, die ihre Sache auch sehr gut macht) oder die demente Margarete, die verzweifelt um ihren Verstand kämpft, darstellt. Sicherlich trägt auch ein brillantes Makeup dazu bei, dass man fast das Gefühl hat, als würde man hier Margarete Thatcher erleben, wie man sie von Bilden und Videos kennt. Was Meryl Streep an Emotionen rüberbringt wirkt ebenfalls sehr glaubwürdig, auch wenn man hier natürlich nicht unbedingt sagen kann, wie weit diese der realen Person entsprechen.
Ihr Ehemann Denis wird gespielt von Jim Broadbent (bzw. Der jüngere Denis von Harry Lloyd) – er macht seine Sache sehr gut und sympathisch. Allerdings muss man dazu sagen, dass sein Part doch eher sehr klein ist. Alle anderen Nebendarsteller spielen ebenfalls gut, fallen aber im Film kaum ins Gewicht, weil sie höchstens ein paar Minuten Screenzeit haben.
Zum Schluß noch ein paar
*** FAKTEN RUND UM FILM UND DVD ***
Die eiserne Lady
OT: The iron Lady
gedreht: Großbritannien 2011
Regie: Phyllida Lloyd
deutsche DVD Veröffentlichung: 2012
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bild: 16:9 - 2.35:1
Bild und Ton entsprechen gutem DVD Standard, sind aber nichts ungewöhnliches
FSK: 6 Jahre
Lauflänge: 101 Minuten
Preis: DVD ca. 13,00 Euro – BluRay ca. 15,00 Euro – gebraucht schon etwas günstiger
Extras: Hier findet man die üblichen Sachen wie Making of und diverse Interviews. Dazu sechs kürzere Featurettes, denen ich ehrlich sagt keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt habe. Irgendwie beschleicht mich mal wieder das Gefühl, hier hätte man ein wenig mehr draus machen können, aber ich habe sowieso das gefühl, das den Extras immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird – solange man sie nicht auf eine Bonusdvd verpacken und den Film so teurer vermarkten kann :(
*** MEIN FAZIT ***
Durchaus interessant anzusehen, vor allem durch das brillante Spiel von Meryl Streep. Allerdings darf man dabei nicht aus den Augen verlieren, dass man nicht ein ganzes Leben in einen knapp 2-stündigen Film packen kann, vor allem nicht, wenn es sich bei der Hauptperson um eine so komplexe Persönlichkeit handelt wie Margarete Thatcher es ist. Es ist und bleibt eben nur ein Film, der die Realität bestenfalls streifen kann.
@ Prisca – September 2012 weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben