Pro:
Authentizität, Nachvollziehbarkeit, Atmosphäre, bodenständiger als ähnliche Publikationen
Kontra:
kleinere Logiklöcher
Empfehlung:
Ja
Dass „Low Budget“ Produktionen nicht unbedingt etwas schlechtes sein müssen, bewies mir seinerzeit bereits „Cube“ aufs absolut umwerfendste.
Der im Jahre 2012 auf die Leinwand gezauberte US-amerikanische Filmbeitrag von Oren Peli, der sich bereits für „Paranormal Activity“verantwortlich zeigt, wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diverser Vergleiche zu bereits vor zig Jahren publizierten Horrorszanarien gefallen lassen müssen ~ zumal selbst mir ad hoc drei Filme eingefallen sind, die mich an das, was ich nunmehr inmitten von
“Chernobyl Diaries“
zu sehen bekam, erinnerten.
Dass ich eben jene Vergleichsfilme nicht beim Namen nennen werde, halte ich persönlich für die bestmögliche Entscheidung, um dem potentiellen Zuschauern nicht zuviel von der Wirkung der sich langsam immer mehr zuspitzenden Atmosphäre vorwegzunehmen.
Den Umstand, dass somit manche Genre-Fans auch nach Lektüre dieses Beitrages nicht werden wissen können, dass sie hier zumindest ein Liebhaber-Stück vorfinden könnten, muss man somit einfach mal hinnehmen.
In der Tat kling die Handlungszusammenfassung nicht sonderlich innovativ, geht es auch hier um eine Art besonderen Abenteuerdrang, der die jungen Freunde Chris (Jesse McCartney), Natalie (Olivia Dudley), Amanda (Devin Kelley), Paul (Jonathan Sadowski) Zoe (Ingrid Bolsø Berdal) und Michael (Nathan Phillips) einen absonderlichen Tagesausflug buchen lässt.
Paul als älterer Bruder von Chris, der zugleich ein Auge auf Amanda geworfen hat, erweist sich als treibende Kraft, um alle etwaigen Bedenken bezüglich der Reise mit „Juris Extreme Travel“ fortzuwischen.
Während der Zuschauer entsetzt die Hände vors Gesicht schlägt, lässt sich erwartungsgemäß Juri (Dimitri Diatchenko) nicht davon abhalten, den Trip umzusetzen ~ einen Trip in die Geisterstadt Pripyat, die seit des Reaktorunglücks in Tschernobyl nach wie vor als verseucht gilt....
Die Umsetzung
gestaltete sich für mich von Anfang bis Ende als absolut packend. Die Mischung aus Abgebrühtheit, Sensationsgier und stoische Leichtsinnigkeit ist genau das, was man heutzutage vermehrt auf den Straßen der Jugend erblickt und mich für meinen Teil immerfort fassungslos stimmt.
Bereits in _„Eden Lake“_ konnte der Filmgucker verfolgen, wie sehr sich manche Menschen hinter einer Kamera verschanzen und somit die tatsächlichen Ereignisse scheinbar ausblenden. Der inmitten von _„Chernobyl Diaries“_ kurz nach einer überaus brenzligen Situation gesprochene Satz
„Hat jemand ein Foto gemacht?“
wird mit einem Lachen der Umstehenden quittiert, während man zumindest spüren darf, dass dem ein oder anderen nicht wirklich wohl bei der Sache ist.
Den Gedanken, wie gemütsarm und nicht zuletzt risikoaffin der Trup durch die verseuchte Gegend stapft und sich dabei vollends auf den Geigerzähler von Juri verlässt, der über kurz oder lang allerdings den Eindruck erweckt, seinen zahlenden Kunden nicht immer die ganze Wahrheit zu sagen.
Trotzdessen es irgendwo vollends auf der Hand lag, dass kurz vor der geplanten Rückfahrt der kleine Reisebus nicht mehr anspringt, gestaltete sich das Gesamtwerk unglaublich spannend, packend wie beklemmend.
Manch einer wird es mit ein wenig Missmut betrachten, dass die ungefähre Filmhälfte sich im Dunklen abspielt (wobei man sich, nebenbei bemerkt, generell über allzu flotte Wechselspiele der Gezeiten wundern darf) ~ erfreulicherweise sind die Aufnahmen jedoch zu keiner Stelle derartig zappenduster, dass es keinen „Spaß“ mehr machen würde.
Bis auf wenige Szenen, die zweifellos zur schaurigen Stimmung beitragen, bleibt das Bild stetig so hell, dass man als Zuschauer immerfort den „mittendrin statt nur dabei“ Effekt am Leibe spürt.
Momente, in denen man schreckhaft zusammenzucken darf, wurden wohldosiert in der Szenerie verteilt, wohingegen absolute Ekelaufnahmen (für Zartbesaitete immerhin beinahe) vollumfänglich außen vorgelassen wurden.
Wer Filmfehler sucht, mag in der Tat fündig werden können: wie schnell sich hier Tag und Nacht abwechseln, ist auf eigene Weise faszinierend, während man sich gut und gerne fragen darf, warum um alles in der Welt der Trupp, der sich gegenseitig zur Eile antreibt, doch immer wieder stehen bleibt, diskutiert, durch die Gegend schaut oder gar so deppert ist, die hochgradigen Piepsgeräusche des Geigerzählers zu ignorieren.
Bezüglich letztgenanntem lasse ich vor mir selbst durchaus die These zu, dass die Freunde schlicht und ergreifend den kürzesten Weg zurück nehmen wollten... doch so 100%ig überzeugen wollen mich diverse Kleinigkeiten in der Tat nicht.
Mag sein, dass man erst selbst in jener Situation stecken muss, um solche beurteilen zu können... zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich für mich persönlich jedoch definitiv ausschließen, dass ich eines schönen Tages so verrückt sein werde, um einen Abenteuerurlaub in einer Gegend zu buchen, die „nur dann gefährlich ist, wenn man mehrere Stunden dort bleibt.“
Besonders hervorzuheben an „Chernobyl Diaries“ de facto der Aspekt, dass möglichen unwissenden Zuschauern ein kurzer grober Einblick in das „drumherum“ des Reaktorunglücks gegeben wird, ohne hierbei allzu belehrend zu wirken. Eine Gänsehaut ob der Schilderung, dass diverse Käufer von Schwarzmarktware aufgrund ihrer Kenntnislosigkeit der Objekt-Herkunft kontaminiert wurden, gibt es hingegen gratis obendrein.
Großes Plus meinerseits weiterhin, dass ich durchaus früh meine Verdachtsmomente hegte, welche Charaktere bis zuletzt die quasi „Unberührbaren Helden“ sein würden. Wie falsch ich damit lag, mag für die filmischen Personen durchaus tragisch sein... in cineastischer Sicht hingegen begeistert mich der Ausgang bis über den Marylin Manson-Song-Abspann hinaus.
Die DVD an sich
bietet neben der deutschen ebenfalls die englische Vertonung nebst entsprechender Untertitel.
Egal, ob die Darsteller schreien oder flüstern, jedes Wort ist deutlich zu verstehen; erkennen kann man in den düsteren Aufnahmen exakt so viel, wie man erkennen muss (und vermutlich soll), die Synchronstimmen sind vorbildlich passend gewählt.
Als '''Bonusmaterial''' steht eine einzige '''nicht verwendete Szene''' zur Verfügung, bei der man sich durchaus fragen darf, warum diese entfernt wurde. So wirklich ist sie zwar nicht von Belang.. aber sonderlich überflüssig erscheint sie mir ebenfalls nicht. Tippen wir somit gelinde auf eine „Tempo-straffende“ Entscheidung seitens des Regisseurs Bradley Parker.
Der '''Kurzfilm „Das Tschernobyl-Verschwörungsvideo&ldquo dauert lediglich 3 Minuten, geht jedoch definitiv spürbar unter die Haut. Gezeigt werden diverse Aufnahmen von 1986, während ein erklärender Text eingeblendet wird.
Obschon vielen Guckern jene Hintergrundaspekte bekannt sein dürften, stimmen die Informationen erneut fassungslos, wütend wie traurig zugleich.
Mit der '''FSK16''' Freigabe gehe ich in diesem Fall erneut absolut konform, empfinde diesen Entscheid als schlüssig und durchaus angebracht.
===Summa summarum===
kann ich mir sehr gut vorstellen, dass etlichen Guckern manche Fragen auf der Seele liegen. Die Antwort „die Gegend wurde verstrahlt“ wird unter Umständen als „lieblos gerechtfertigt“ angesehen werden ~ für meinen Geschmack hingegen involviert _„Chernobyl Diaris“_ genau da an Nicht-Erklärungen, was ich persönlich als durch die Bank überzeugend empfinde. Über mannigfaltige vermeintlich winzige Geschehnisse oder gar Dialoge wird, wer will, noch etliche Momente lang nachgrübeln, diskutieren wie seine eigenen Verschwörungstheorien entwickeln können, um zu guter Letzt ein noch flaueres Gefühl in der Magengegend beizubehalten.
Trotz anfänglicher Klein-Enttäuschung über das recht minimalistische Bonusmaterial bin ich mir dessen bewusst geworden, dass es im Grunde genommen zu dem 82minütigen Hauptfilm schlicht und ergreifend nicht mehr zu sagen gibt.
Zweifelsohne fiebert, bangt und leidet man mit den Protagonisten mit; kann jedoch von Grund auf nicht verstehen, dass diese ihre anfänglichen Bedenken ob der Strahlen so einfach auf Seite kehren.
...zugleich schleicht sich die eigene Ehrlichkeit ins Bewusstsein, dass es aller imaginären Besserwisserei eben doch so kommen könnte ~ das es eben doch reicht, von seinen Freunden ermutigt und mitgerissen zu werden, um sich auf solche einen Trip zu begeben.
Denn schließlich wurde das Gelände laut Juri offiziell für den Tourismus freigeben, was die Schlussfolgerung nach sich zieht, dass die Gegend sicher sein muss... nur... das ist sie nicht. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben