Pro:
Täter ist bis zum Schluss nicht auszumachen
Kontra:
einige Längen, zu viel Thematik wird hier angerissen, Krimi sticht nicht aus der Masse raus
Empfehlung:
Ja
*** Angaben zum Buch ***
Autor: Voosen, Roman u. Danielsson, Kerstin Signe
Titel: Später Frost
Originaltitel: -
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 10. September 2012
ISBN-13: 978-3462044492
Seiten: 377
Einband: Broschiert
Serie: Band 1 der Ingrid Nyström u. Stina Forss-Reihe
Preis: 9,99 €
*** Autorenportrait ***
Roman Voosen, Jahrgang 1973, aufgewachsen in Papenburg, lebte in Bremen, Växjö und Göteborg. Kerstin Signe Danielsson, Jahrgang 1983, geboren und aufgewachsen in Växjö, studierte in Deutschland und Schweden. Beide leben gemeinsam in Hamburg und arbeiten als Lehrer und Autoren.
Quelle: Klappentext
*** Inhaltsangabe ***
Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss
Die junge Deutsch-Schwedin Stina Forss verlässt Freund und Berlin und tritt eine Stelle in Växjö an, im schwedischen Småland. Kaum hat sie ihre neue Chefin, die gerade frisch beförderte Ingrid Nyström, kennengelernt, wird der greise Engländer Balthasar Frost grausam verätzt und verstümmelt in seinem Gewächshaus aufgefunden. Wer tötet einen hochbetagten Insektenforscher? Und warum? Als die besonnene und erfahrene Nyström und ihre impulsive junge Kollegin die Ermittlungen aufnehmen, ahnen sie nicht, wie weit diese sie führen werden: tief hinein in die bewegte schwedische Geschichte, in die höchsten Stockholmer Kreise und Forss sogar bis nach Jerusalem. Die beiden Frauen erkennen, dass in ihrer Heimat nichts so ist, wie es scheint – und dass der Fall mehr mit ihnen zu tun hat, als ihnen lieb ist.
Quelle: Verlagsseite
*** Mit meinen Worten ***
Es gab für mich mehrere Gründe, diesen Roman zu lesen. Zum einen stammt die eine Hälfte des Autoren-Duos aus Papenburg, was quasi bei mir vor der Haustür liegt und zum anderen bin ich sowieso ein Krimifan und das Cover war einfach zu verlockend für mich. Obwohl ich eher ein Sommermensch bin, hat mich die schneebedeckte Landschaft mit den Holzhütten magisch angezogen. Als ich dann den Klappentext gelesen hatte, stand für mich fest, dass dies ein Krimi ganz nach meinem Geschmack sein könnte. Ob dies auch tatsächlich der Fall gewesen ist, dazu komme ich später.
„Später Frost“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe mit den beiden Kommissarinnen Ingrid Nyström und Stina Forss. Das Buch beginnt mit einem Prolog, der im Jahre 1948 in Jerusalem spielt. Henrik befindet sich in einem Auto mitten in einem Konvoi. Der Fahrer und ein französischer Offizier sind in ein politisches Gespräch vertieft, als der Wagen von einer „Militärkontrolle“ gestoppt und plötzlich beschossen wird. Das Letzte, was Hendrik wahrnimmt, ist eine Explosion und das Blut, welches aus ihm herausläuft …
Szenenwechsel: Schweden im Jahr 2012! Die junge Schwedin Stina Forss verlässt Berlin, um wieder ins schwedische Städtchen Växjö zurückzukehren. Eine in ihren Augen gescheiterte Beziehung und die Tatsache, dass ihr Vater an Krebs erkrankt ist, waren für Stina Grund genug, sich eine neue Arbeitsstelle bei der Polizei inVäxjö zu suchen. Ihre neue Chefin Hauptkommissarin Ingrid Nyström hat ihre Stelle gerade erst frisch von ihrem Vorgänger Gunnar Berg übernommen. Die eigentlich erst in ein paar Jahren angedachte Beförderung musste bedingt durch einen Autounfall ihres Chefs vorgezogen werden.
Eine Woche später beschäftigt die beiden Frauen ihr erster gemeinsamer Fall. Der englische Insektenforscher Balthasar Frost wird verstümmelt und verätzt in seinem Gewächshaus aufgefunden. Ein nachträglich abgeschnittener Finger gibt der Polizei einige Rätsel auf. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich kompliziert und führt die Ermittler sogar nach Jerusalem …
Die Idee, zwei Ermittlerinnen als Protagonisten einzusetzen, hat mir von Anfang an gut gefallen. Allerdings ist es den Autoren leider nicht gelungen, mir die Zwei überzeugend rüber zu bringen. Es kam mir eher so vor, als würden die beiden Frauen gegeneinander und nicht miteinander arbeiten. Auch die Aktionen, die Stina Forss im Alleingang durchzieht, sind mehr als fragwürdig. So etwas würde es in Deutschland nicht geben – und schon gar nicht bei der Polizei. Sie ist unbeherrscht und jähzornig. Ich habe mich schwer getan, manche ihrer Verhaltensweisen nachzuvollziehen.
Da in „Später Frost“ sehr viele Charaktere aus ihrer Sicht erzählen, habe ich zeitweise Probleme gehabt, mich so schnell umzustellen. Wie sagt man so schön? Viele Köche verderben den Brei. In diesem Fall ist es einfach ein bisschen zu verwirrend. Dasselbe gilt für die Abhandlungen diverser Themen, die (wie es mir scheint) krampfhaft mit in die Geschichte gepackt werden mussten, aber leider nur angerissen werden. Davon hätte sicherlich einiges in den Folgebänden untergebracht werden können.
Gut gefallen hat mir, dass es mir bis zum Schluss nicht möglich war, den Täter auszumachen. Hier haben die Autoren den Leser manches Mal in die Irre geführt. Als ich den Krimi beendet hatte, wurde mir die Doppeldeutigkeit des Buchtitels erst so richtig bewusst und ich finde, es hätte keine passenderen Titel geben können.
Abschließend kann ich sagen, dass mir der Krimi zwar schon gefallen hat, er aber aus der Masse nicht heraus sticht. Es waren meines Erachtens auch einige Längen vorhanden, die den Lesefluss etwas gestört haben. Zu wenig genutztes Potenzial ist ein weiterer Grund, warum ich „nur“ drei Sterne vergeben kann. Meine Empfehlung fällt deswegen auch etwas verhaltener aus. Trotzdem würden die beiden Autoren von mir jederzeit noch eine Chance bekommen, weil ich denke, dass die Zwei sich weiterentwickeln werden – ebenso wie ihre Protagonisten.
*** Rechtliches ***
© M. Schulte im September 2012 - Alle Rechte vorbehalten. Text unterliegt meinem Urheberrecht. Dieser von mir verfasste Bericht erscheint auch auf anderen Plattformen. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben