Pro:
Spannung pur, fesselnder Schreibstil, authentische Charaktere, überraschendes Ende
Kontra:
rein gar nichts
Empfehlung:
Ja
*** Angaben zum Buch ***
Autor: Winkelmann, Andreas
Titel: Wassermanns Zorn
Originaltitel: -
Verlag: Wunderlich
Erschienen: August 2012
ISBN-10: 3805250371
ISBN-13: 978-3805250375
Seiten: 416
Einband: TB
Serie: -
Preis: 14,95 Euro
*** Autorenportrait ***
Andreas Winkelmann, geboren im Dezember 1968, entdeckte schon in jungen Jahren seine Leidenschaft für unheimliche Geschichten. Mit "Blinder Instinkt" und "Bleicher Tod" eroberte er die Bestsellerlisten. Er lebt mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldesrand bei Bremen.
Quelle: Klappentext
*** Inhaltsangabe ***
Manuela Sperling ist neu bei der Polizei. Gleich an ihrem ersten Tag muss sie sich mit dem grausigen Mord an einer Prostituierten befassen, deren Leiche eingekeilt zwischen Baumwurzeln im seichten Teil des Flusses liegt – ertränkt. Auf dem Bauch der Toten finden die Spurensicherer eine grausige Botschaft, gerichtet an Manuelas Chef, Kriminalhauptkommissar Stiffler. Manuela muss erkennen, dass ihr Eifer nicht von allen im Präsidium gern gesehen wird. Da ertrinkt erneut eine Frau, direkt vor ihren Augen. Eine unsichtbare Macht zieht sie auf den See hinaus und unter die Wasseroberfläche. Und Stiffler dreht durch …
Quelle: Klappentext
*** Mit meinen Worten ***
Obwohl Andreas Winkelmann bereits einige Bücher herausgebracht hat, die allesamt sehr gute Kritiken bekommen haben, ist „Wassermanns Zorn“ mein erster Roman, den ich von ihm lese. Das Erste, was mir auffiel, war, dass das Cover sehr gut zum Titel des Buches passt. Es zeigt einen Blitz, der sich über einem See entlädt. Bis auf die Buchstaben des Titels, die hervorgehoben sind, fühlt sich das Buch total glatt an, was ich als sehr angenehm empfunden habe.
Andreas Winkelmann ist einer der wenigen Autoren, der es schafft, auch ohne einen Serien-Ermittler auszukommen und trotzdem erfolgreich zu sein. Krimi- oder Thriller-Serien sind ja im Moment der Renner und mir fällt aus dem Stegreif so kein bekannter Autor ein, der keine Serie auf den Markt gebracht hat. Ich selber liebe Serien, weil ich bei jedem neuen Band das Gefühl habe, auf alte Bekannte zu treffen. Aber Einzeltitel haben nun einmal den Vorteil, dass man nicht Gefahr läuft, mitten in eine Serie einzusteigen und das Gefühl zu bekommen, zu viel verpasst zu haben. Aber nun zum neuesten Werk des Autors:
Die junge Kommissarin Manuela Sperling bekommt die Möglichkeit, ihr erstes Praktikum in einem Morddezernat zu absolvieren und wird Kriminalhauptkommissar Eric Stiffler unterstellt. Stiffler hält jedoch nicht viel von Frauen und erst recht nichts von denen, die sich in seine Arbeit einmischen und so behandelt er Manuela gleich vom ersten Tag an sehr schroff und herablassend. Diese lässt sich aber nicht so leicht einschüchtern und assistiert ihrem neuen Chef ganz selbstbewusst bei ihrem ersten gemeinsamen Mordfall. Eine Prostituierte wird tot an einem See aufgefunden. Die Untersuchungen ergeben, dass sie zwar ertränkt wurde, der Fundort aber nicht der Tatort ist, da das Wasser in den Lungen des Opfers nicht aus diesem Gewässer stammt. Aber das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit: Der Toten wurde eine Nachricht mit einem Lötkolben in den Bauch gebrannt „Geschenk für Stiffler“.
Manuela Sperling merkt sehr schnell, dass ihr Chef keine großen Ambitionen hat, den Fall schnell zu klären und stürzt sich übereifrig in die Arbeit. Sie findet heraus, an welchem See die Prostituierte ermordet wurde und macht sich zusammen mit ihrem Vorgesetzten auf den Weg dorthin. Dort angekommen werden sie Zeugen, wie eine Frau von unsichtbarer Hand unter Wasser gezogen wird. Während Manuela sich mutig ins Wasser stürzt, steht ihr Chef wie gelähmt am Ufer, unfähig ihr zur Hilfe zu eilen. Doch Manuela schafft es nicht, die Frau zu retten und entkommt selber nur mit knapper Not dem Tod. Der Wassermann hat ein zweites Mal zugeschlagen ...
Die junge Kommissarin ist entsetzt darüber, wie feige sich ihr Vorgesetzter verhalten hat. Was sie nicht weiß: Stiffler wurde über beide Morde durch den Täter darüber in Kenntnis gesetzt, was geschieht. Aber wieso verschweigt der Hauptkommissar, dass er mit beiden Toten bekannt war und wie ist sein merkwürdiges Verhalten zu erklären?
Selten habe ich einen Thriller gelesen, der es schafft, mich auch ohne viel Blutvergießen in den Bann zu ziehen. Andreas Winkelmann versteht sein Handwerk ganz eindeutig. In anderen Thrillern sind es oft die blutigen Taten, die mir eine Gänsehaut bescheren. Anders ist es in „Wassermanns Zorn“. Der Leser weiß im Grunde genommen, was jeden Moment passieren wird und dass es eigentlich ein relativ lautlos eintretender aber nicht kampfloser Tod ist. Aber es sind gerade diese Minuten vor der Tat - sich in die Situation der Opfer zu versetzen, die um ihr Leben schwimmen und im Grunde genommen gar keine Chance haben, weil sie ihren Mörder nicht sehen können. Die Angst ist greifbar und die Vorstellung, jeden Moment damit rechnen zu müssen von unten unter Wasser gezogen zu werden, sorgt bei mir für mehr Gänsehaut, als jedes Gemetzel es je schaffen könnte. Zu ertrinken, ist für mich die schlimmste vorstellbare Todesart.
Sehr gut gelungen ist dem Autor die Darstellung der schwierigen beruflichen Beziehung zwischen Manuela und Eric. Eric ist ein sehr schwer einzuschätzender Charakter. Im Gegensatz zu Manuela, die sehr direkt ist und auch so tough, dass sie ihre Sache im Alleingang durchzieht. Ein wenig Unterstützung erhält sie vom Kollegen Nielsen, der ihr verrät, dass Stiffler ein absoluter Feigling ist, bei Allen aber ein Stein im Brett hat und es ganz bestimmt nicht förderlich für ihre berufliche Karriere wäre, wenn die Öffentlichkeit davon erfahren würde, dass ihr Chef ihr nicht zur Hilfe geeilt ist. Dass Manuela ganz anders gestrickt ist, wird besonders in der Szene deutlich, in der Stiffler darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen und nicht weiß, dass er von Manuela dabei beobachtet wird, die zufällig an seiner Tür vorbeikommt (Warum Stiffler in diese Situation gerät, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Es ist für den Fortlauf der Geschichte auch nicht maßgeblich – somit erzähle ich auch nicht zu viel). Auf jeden Fall ist Manuela hin- und hergerissen, ob sie sich bemerkbar machen soll oder einfach so tun, als hätte sie ihn nicht gesehen und weitergehen. Bevor sie sich entscheiden kann, kommt ihr Stiffler jedoch zuvor. Ich konnte ihre innerliche Zerrissenheit richtig fühlen. Wie würde ich selber in dieser Situation reagieren? Bei einem freundlichen Mitmenschen, den man mag, stellt sich die Frage gar nicht erst. Aber wie sieht es mit einem unfreundlichen Arbeitskollegen aus, der vorsätzlich Informationen zurückhält und einem das Leben zur Hölle macht???
Neben den beiden Protagonisten lernt der Leser auch noch die ehemalige Prostituierte Lavinia kennen, die sich seit der Ermordung ihrer Freundin Susan permanent verfolgt führt. Als sie wieder mal vor ihrem vermeintlichen Verfolger flieht, steigt sie zu dem sympathischen Taxifahrer Frank Engler ins Auto. Die beiden fühlen sich sehr schnell zueinander hingezogen, werden aber beide durch ihre Vergangenheit daran gehindert, Nähe zuzulassen, denn beide haben ein Geheimnis, über das sie nicht sprechen möchten …
Für mich sind die 400 Seiten wie im Flug vergangen. Ein absolut fesselnder Schreibstil und die kurzen Kapitel, die das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen, sorgen dafür, dass die Geschichte niemals langweilig wird und die Spannung durchgängig bis zum Schluss erhalten bleibt. Das Ende des Buches wartet übrigens mit einem absoluten Showdown auf, was mich total von den Socken gehauen hat. Aber auch hier wird nichts verraten. Da hilft es nur, selber zu lesen!
Bei dem letzten Thriller, der von mir fünf Sterne bekommen hat, handelte es sich um „Die Larve“ von Jo Nesbø. Das war 2011. Dieses Jahr ist zwar noch nicht um, aber „Wassermanns Zorn“ hat die besten Chancen mein Highlight des Jahres 2012 zu werden. Thrillerfreunden kann ich dieses Werk nur ans Herz legen. Andreas Winkelmann hat mich zu hundert Prozent überzeugt - sowohl mit seinem Schreibstil als auch mit seinen Charakteren. Deswegen gibt es von mir die volle Punktzahl. Die anderen Bücher des Autors werde ich mir natürlich auch noch zu Gemüte führen.
*** Rechtliches ***
© M. Schulte im Oktober 2012 - Alle Rechte vorbehalten. Text unterliegt meinem Urheberrecht. Dieser von mir verfasste Bericht erscheint auch auf anderen Plattformen. weiterlesen schließen
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