Pro:
sehr gut und spannend geschrieben, leicht zu lesen
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Peter Prange
Den Namen hatte ich, und ich lese recht viel, bisher noch nicht gehört. Und Historienromane die in ein Kostümfest oder Schlachtfest mit Pest und Cholera ausarten sind normalerweise nicht so mein Fall.Als ich aber mehrfach im Radio von diesem Roman hörte und auch ein Interview mit dem Autor aufschnappte, da musste ich mir den Titel notieren, musste danach googeln und schließlich bei eBay nachschlagen.
Das Thema interessierte mich und so habe ich bei eBay bei einem Mängelexemplar mitgesteigert und auch für 12,90 Euro zzgl. 1,60 Euro für Porto und Versand ersteigert.Schon nach wenigen Tagen war das Buch da und da ich mit dem Buch, welches ich las überhaupt nicht weiterkam, habe ich es fast sofort "entschweißt" und angefangen zu lesen.
der Autor
Peter Prange wurde 1955 geboren und hat mit einer Arbeit zur Philosophie und Sittengeschichte der Aufklärung promoviert. Er schrieb u. a. die Romane "Das Bernstein-Amulett und die Weltenbauer-Triologie "Die Principessa", Die Philosophin" und "Die Rebellin".
(entnommen dem hinteren Klappentext)
Vorbemerkung
Den Papst Benedikt IX gab es wirklich und es entspricht den Tatsachen, das er schon als Kind mit der Tiara gekrönt wurde. Im Anhang des Buches sind die gesicherten geschichtlichen Daten aufgeschrieben. Allein diese Zahlen und Tatsachen sind es fast wert das Buch zu lesen. Umstritten ist allerdings das genaue Alter von Teophylakt III. Tuskulum, so der bürgerliche Name, des Kindpapstes.
vorderer Klappentext
Dies ist die Geschichte des wohl rätselhaftesten Papstes in zweitausend Jahren Kirchengeschichte. Sein Name: Benedikt IX. Sein Drama: Als Kind auf den Stuhl Petri erhoben, blieb ihm die Liebe versagt, der sein ganzes Leben galt. Unter der Bürde, Stellvertreter Christi zu sein, wurde er zum Teufel in Menschengestalt. Dreimal vom Papstthron verjagt, ging er über Leichen, um die Herrschaft wieder an sich zu reißen. Doch so entsetzlich seine Taten scheinen, war sein Leben in Wahrheit ein einziger Schrei nach Gott, Ausdruck seiner verzweifelten Hoffnung, dass der Schöpfer aus dem Dunkel seines Schweigens trete. Dabei stand Gott dem Verzweifelten zeit seines Lebens vor Augen, in Gestalt der Liebe – in Gestalt jener Frau, nach der sein Herz sich von allem Anfang an verzehrte …
zum Roman
Die Geschichte beginnt im Jahre 1032 in Rom, nein halt, sie beginnt zwar in Rom, aber im Juli 1981 als sich die päpstliche Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen die aus dreißig Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen besteht mit der Frage beschäftigt, ob der Seligsprechungsprozess von Papst Benedikt IX. eingeleitet werden soll oder nicht.
Die eigentliche Geschichte beginnt dann wirklich im 11. Jahrhundert, als Contessa Ermelina Gräfin von Tuskulum in den Wehen liegt und bei der Geburt ihres vierten Sohnes beinahe stirbt. Liebt sie ihn deswegen mehr als ihre anderen Söhne? Als sie vor der Geburt, der Ohnmacht nahe, nach dem Namen gefragt wird, den das Kind erhalten soll. sagt sie, dass er Teofio, den Gott liebt, heißen soll. Auf die Frage der Hebamme nach einem Mädchennamen, schüttelt sie nur den Kopf und antwortet "Es ist ein Junge ... ich weiß es ... Und es soll Teofilo heißen". Danach sinkt sie in Ohnmacht.
Die Geschichte geht dann weiter, als der Junge bei seinem Taufpaten einem gläubigen Eremiten sitzt, der auch der Beichtvater von Teofilos Mutter ist, und der ihn als "Außerwählten Gottes" bezeichnet hat gleichzeitig aber dabei auch betont hat, dass Erwähltheit und Verdammnis oft nur einen Schritt auseinander liegen. Und so, Giovanni Graziano weiter, "die Seele des Menschen ist aus Dunkelheit und Licht geschaffen. Wehe, wenn die Dunkelheit das Licht erstickt".
Wenn man am Ende des Romans und am Ende des Lebens von Teofilo auf sein Leben zurückblickt, und sich dieser Worte erinnert, wird man daran denken, dass genau das auf das Leben und Wirken von Papst Benedikt IX. zutrifft, Dunkelheit und Licht liegen nahe beieinander, ja sie liegen sogar unmittelbar beieinander. Aber was das bedeutet, dazu muss man die Geschichte lesen.
Als Teofilo mit seinen Eltern zur Kaiserkrönung von König Konrad mit seinen Eltern nach Rom reisen soll (1027) begehrt sein ältester Bruder auf und das sicher nicht zum ersten und auf gar keinen Fall zum letzten Mal, weil Teofilo als der Jüngste mit darf, die anderen Brüder aber nicht. Als der auf das Recht des Erstgeborenen pocht antwortet ihm seine Mutter, dass er nur vor seinem leiblichen Vater der Erstgeborene sei, nicht aber vor Gott, dem Vater aller und dem Herrn im Himmel. Als er seinen Bruder als Hosenscheißer bezeichnet verpasst sie ihm eine Ohrfeige und das vor Teofilo und dem Eremiten. Was muss das für eine Demütigung gewesen sein. Aber es soll für die drei noch schlimmer kommen.
Aber nicht nur Teofilo reist Ostern zur Kaiserkrönung nach Rom, auch Chiara, das Mädchen, welche Teofilo als Braut versprochen ist, kommt mit ihrem Vater in den Petersdom um mitzuerleben, wie Papst Johannes XIX. Konrad die Kaiserkrone Karls des Großen auf das Haupt setzt.
In den kommenden Jahren treffen Teofilo und Chiara des Öfteren aufeinander und verlieben sich auch ineinander. Auch die Reibereien der Adelsfamilien untereinander sind ein Thema und als Papst Johannes XIX. ein leiblicher Onkels stirbt droht der Familie Teofilos Ungemach, ja ein Verlust der Macht, der einhergehen würde mit dem Verlust von viel Geld. Anzumerken ist noch, das der Vorgänger von Johannes XIX. Papst Benedikt VIII. ein Bruder seines Nachfolgers war.
Durch Ränkespiele und viel Geld wird bei der Wahl des neuen Papstes durch die Adelsfamilien das Kind Teofilo zum neuen Papst gewählt, setzt sich die Tiara auf und wird so zum unumschränkten Herrscher über Rom und die Welt, er wird der Stellvertreter Gottes auf Erden, ein Kind, der mächtigste Mensch auf Erden. Natürlich gibt es die Strippenzieher im Hintergrund, die Kardinäle, allen voran Petrus da Silva der Kanzler des Papstes.
Im Grunde macht jeder was er will, und durch den Krieg, den die Adelsfamilien untereinander führen, bricht Armut und Hunger über die Menschen herein, die Ernährer der Familien sind als Söldner im Kampf. Und nicht nur die Menschen sterben, Viehseuchen raffen die Tiere dahin. Die Menschen haben nichts mehr zu essen. Hunger, Krankheit, Not, Elend und Tod zieht über das Land. Und der Papst ist ein Kind und kann nichts tun, während seine Kardinäle in Saus und Braus leben, mit ihren Mätressen Kinder zeugen und keinerlei Lust haben, den Plänen des mittlerweile verständiger gewordenen Papstes dem ein Ende setzen zu wollen, zuzustimmen.
Die damalige Zeit aber ist verwirrend, und die Menschen machen den Papst für ihre Not verantwortlich und so kommt es wie es eigentlich kommen muss, Benedikt wird das Opfer eines Komplotts, an dem auch die Widersacher seiner Familie beteiligt sind, denen es natürlich um Macht und Geld geht und so wird auf den, der der Hurerei und Zauberei bezichtigt wird am Hoch Fest der Apostel Petrus und Paulus während des Festgottesdienstes ein Anschlag verübt und nur durch eine, just zu dem Zeitpunkt auftretende Sonnenfinsternis (erwiesenermaßen), gelingt ihm die Flucht, aber er wird exkommuniziert, gelangt aber durch den Schutz des Kaisers wieder zurück nach Rom und auch wieder auf den Thron.
Allerdings sind die Ränkespiele damit nicht vorbei, Macht, Sex, Geld und Gier regieren weiterhin. Die Familien bekämpfen und bekriegen sich bis aufs Blut.
Ich will hier nicht zu viel von den Irrungen und Wirrungen die im Roman geschildert werden vorwegnehmen. Nur so viel: vieles was im Roman geschildert wird sind geschichtlich erwiesene Tatsachen. So unter anderem, dass Benedikt noch mehrmals als Papst zurücktritt, bzw. abgesetzt wird, es aber wiederum auch mehrmals wieder schafft, auf den Papstthron zurückzukehren, dass er zwischendurch sein eigenes Zölibat aufhebt um Chiara zu heiraten, was ihm deren Vater aber verweigert, dass es zwischendurch sogar drei Päpste zur gleichen Zeit gibt Silvester III., Gregor VI (Giovanni Graziano der Taufpate von Benedikt) und eben Benedikt IX..
Als sich die Einwohner Roms daraufhin hilfesuchend an König Heinrich III. wenden, der inzwischen seinem Vater Kaiser Konrad II. auf den Thron gefolgt ist, zieht dieser mit großem Heer über die Alpen in die ewige Stadt ein. Es folgen mehrere Synoden um die Papstfrage zu klären mit dem Ergebnis, dass am 24. Dezember 1046 Bischof Suidger von Bamberg zum neuen und alleinigen Papst Clemens II. ernannt wird. Am 25. Dezember krönt er Heinrich III. zum Kaiser und die Römer treten dem Herrscher das Recht auf die Ernennung zukünftiger Päpste ab. Allerdings stirbt der neue Papst bereits im darauffolgenden Oktober (durch einen Giftanschlag?).
Dessen Nachfolger wird, nein nicht Benedikt, obwohl dieser kurzfristig unterstützt vom Markgrafen Bonifatius von Tuscien nach Rom zurückkehrt, sondern Poppos der Bischof von Brixen, als Papst Damasus II..
Als auch Damasus bereits am 9. August 1048 stirbt sieht es so aus, als solle der Papstthron für längere Zeit unbesetzt bleiben, denn unter allen Kandidaten geht die Angst um, die Wahl zum Papst könne ihren eigenen Tod bedeuten.
Schließlich wird der Bischof von Toul, Cousin des Kaisers, als Papst Leo IX. gekrönt.
Wie das alles in den Roman einfließt, will ich hier nicht verraten, nur die geschichtliche Tatsache, dass ein leeres Grab mit Benedikt gehörenden Insignien gefunden wird und damit Vermutungen um Tod entstehen.
Wirklich gestorben ist er dann wohl zwischen dem 18. September 1055 und dem 09. Januar 1056.
Der Roman endet dann wieder im Jahr 1981 bei der päpstlichen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen und der Frage ob der Prozess zur Seligsprechung nun eröffnet werden soll oder nicht. Aber auch hier will ich dem Ergebnis und dem wirklichen Ende der Erzählung nicht vorgreifen.
Fazit
Das der Roman mir gefallen hat, geht sicherlich schon aus den langen Erörterungen hervor, die ich im Übrigen sogar mehrfach gekürzt habe.
Ich war total begeistert und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dass ich nicht rund um die Uhr durchgelesen habe, wurde vielfach nur durch die Tatsache verursacht, dass mir irgendwann einfach die Augen vor Müdigkeit zufielen.
Peter Prange gelingt es, dass man von der ersten Seite an im Geschehen ist, fast das Gefühl hat, daran teilzunehmen. Auch wenn es sich bei meiner Wiedergabe sicherlich verwirrend anhört, dem Autor gelingt es viel besser, beim Leser kaum Verwirrung aufkommen zu lassen. Das Ganze Hin- und Her von Papst und nicht Papst, von Gegenpapst und Gegenpapst erlebt der Leser als hätte er in der damaligen Zeit gelebt. Wenn man sich dann noch die Ergänzungen am Ende des Buches durchliest und erfährt, dass sich dies damals tatsächlich so zugetragen hat, dann erlebt man die Geschichte als wirklich authentisch. Ich rate aber dazu, um die Spannung zu erhalten, nicht gleich zu Beginn die geschichtlchen Tatsachen komplett zu lesen.
Auch wenn meine Ausführungen sich vielleicht oft verwirrend anhören, ich bin eben kein Peter Prange, liest sich der Roman sehr flüssig, die damalige Zeit, die Personen, die ja selbst viele der beschriebenen Landschaften sieht man förmlich vor dem eigenen Auge, man taucht quasi in die Erzählung regelrecht ein, wird Teil der damaligen Zeit. Ich war regelrecht enttäuscht, als der Buch zu Ende war.
Ich hoffe, ich habe nicht zu viel verraten, denn ich möchte keinem die Spannung nehmen, denn das Lesen diesen Buches lohnt sich auf jeden Fall und das nicht für den Historienfreund, derer ich eigentlich keiner bin.
Ergänzung
Was ich mit diesem Bericht erreichen möchte, ist euch das Buch vorstellen, ich hoffe, dass mir das gelungen ist und das Lesen des Buches empfehlen.
Fakten zum Buch
erschienen im Pendo Verlag ISBN 978-3-86612-276-5 gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag 601 Seiten 15,99 Euro
Nach dem von euch absolut toll bewerten Bericht (vielen Dank euch allen) über mein ersten Navi nun ein Bericht über ein Buch welches ich zwischen den Jahren nahezu verschlungen habe, und an dem ich euch teilhaben lassen möchte. weiterlesen schließen
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