Pro:
Reicht immer noch aus
Kontra:
Nicht mehr das modernste Gerät
Empfehlung:
Ja
Einleitung
Unser Haushalt gehört zu denjenigen, in dem das was andere als unverzichtbare, technische Alltagselektronik sehen, lange Zeit geflissentlich ignoriert wird, bis tatsächlich bei dem einen oder anderen Gerät Bedarf entsteht. Smartphones oder Tablets gingen uns bislang vierspurig am Allerwertesten vorbei. Doch auch bei Pharaos bleibt die Zeit nicht stehen, was man an altersbedingten Ausfällen so mancher Hardware dann doch bemerkt, sodass Neuanschaffungen trotzdem irgendwann im Raum stehen. Und der zunehmend (auch und gerade) vernetzten Welt um uns herum kann man sich nur schwerlich entziehen. So begab es nun, dass aufgrund einer jüngst stattgefundenen MediaMarkt-Restposten-Kampagne zwei ältere Modelle des Apple iPad Mini mit Cellular in den Tempel einzogen. Als langjährige Mac-User käme auch kaum etwas anderes infrage, jedenfalls nicht zu dem Preis zu welchem wir fündig wurden - auch wenn Apple verdammt proprietär ist, was mich sonst generell eher abschreckte.
Display
Die 5 MP (iSight-)Haupt-Kamera ist halbwegs brauchbar. Für Hein Piepenbrink und Lieschen Müller, die Verwandten von Otto Normalverbraucher, ist das Teil, nebst seinen Grafik-Verbiegungs-Apps, bestimmt vollkommen genügend. Ich bin allerdings in Fotofragen hochwertiges DSLR-Kaliber gewohnt, sodass ich diesbezüglich sicher ganz andere Ansprüche habe. Für'n schnellen Schnappschuss in akzeptabler Qualität reicht's allemal. Über die fisselige Frontcam für FaceTime, Skype & Co schweigt des Dichters Höflichkeit - ich brauch' sowas nicht wirklich aber der gemeine Nerd steht offenbar drauf - oder eben davor. Meinetwegen. Dahingegen lobe ich mir schon eher das schlanke, flache Design mit schickem, handschmeichlerischen Aluminiumgehäuse und IPS-Hochglanzscreen. Allein aus Schutzgründen schreit es nach einem Cover- hier war es gleich eins mit externem Bluetooth-Keyboard. Das wertet das iPad in Sachen Produktivität sogar noch weiter auf. Dieser Text entstand übrigens komplett mittels dieser fruchtbaren Kombi - Allerdings kein Keyboard von Apple, sondern das eines Drittanbieters.
Akkulaufzeit
Geladen wird das iPad Mini über den "Lightning"-Port, ein Fast-USB, den Apple blöderweise mal wieder proprietär ausführt, auf dass auch niemand auf die Idee kommen könnte einfach Standard-Hardware daran anzuschließen, was die Datenübertragung zwischen unterschiedlichen, peripheren Medien gleichschon mal einen unnötigen Dämpfer verpasst. Schade. Wenn schon kein SD-Slot für eine Speicherkapazitätserhöhung dran ist, wäre ein handelsüblicher USB eine feine wie flexible Sache. Das wünscht Apple offenbar nicht. Stattdessen sind (wieder mal) spezielle Adapter nötig. Diese Philosophie ist einer meiner größten Kritikpunkte an diesem Unternehmen. Ansonsten funktioniert alles wie man es von den Kaliforniern gewohnt ist - und womit sie sich ihren jetzigen, immer noch legendären Ruf erworben haben - nämlich glatt und reibungslos. Knackscharfe Darstellung auf dem robusten Display, präzise Tiltfunktion, Bluetooth (inklusive Tethering, Datentransfer ins Netz also auch ohne eigene SIM), eingängige Gestensteuerung bis hin zum erfreulich audiophilen Sound aus den eingebauten Lautsprechern. Alles läuft rund und smooth. Eigentlich nie hat man den Eindruck, als ginge dem Dual-Core A5-Prozessor ernsthaft die Puste aus. Das halbe Gig RAM ist ebenfalls in den allermeisten Fällen ausreichend. Klar darf's immer etwas mehr sein.
Design
Insbesondere die Gratis-Apps für Musik, Foto/Video und Textverarbeitung, GPS sowie dem inzwischen wohl unvermeidbaren Online-Community-Klimbim, machen so ein Tablet erst zu dem, wofür es gebaut wurde. In China übrigens, und zudem in der gleichen Bude, in der auch Hauptkonkurrent Samsung fertigen lässt - aber das nur nebenbei. Spiele gibts natürlich auch. Auch kostenlose selbstverständlich, darunter viele bekannte Titel aus dem Facebook-Portofolio. Über iTunes muss man kein Wort verlieren, das ist logischerweise ebenso fest integriert (aber entfernbar), wie Garageband, Photobooth und Safari als Apples Standard Browser. Für Mac-User alles alte Bekannte. Auch wenn GPS bereits serienmäßig dabei ist, macht es auch Sinn sich Google Maps als Karten-Alternative aufs Pad zu schaufeln. Der App-Wut setzt nur der interne Speicher Grenzen, welcher bei unseren Geräten mit 16 GB nicht sonderlich üppig ausfällt. Aufrüsten ist - ohne Trickserei - übrigens unmöglich, das Bedienkonzept setzt ohnehin verstärkt aufs Clouding (Apple lobt kostenlose 5 GB in der iCloud aus, auch amazon, google & Co bieten kostenlosen Online-Platz), sodass man auf physischen Speicher eigentlich fast schon verzichten könnte, sofern man über eine gute, schnelle Datenanbindung/Netzabdeckung verfügt.
Verarbeitung
Apropos Daten: Ein "Weniger" fände ich bei den Standortdiensten attraktiver, immerhin lassen sich geschwätzige Apps davon per Kontrollcenter abhalten, ständig den aktuellen Standort an ihre, für Data-Mining, bekannten Betreiberfirmen (allen voran Apple selbst, sowie natürlich google und amazon) auszuplaudern. Selbst wenn die betreffende App gar nicht aktiv ist. Ich denke, es geht niemanden etwas an, ob ich grade eine Mail vom Bahnhofsklo von Duisburg-Hochfeld verschicke, es sei denn, vor der Türe tummeln sich irgendwelche sinistren Gestalten, die es eventuell aufs Leben - oder schlimmer auf's iPad - abgesehen haben. So schnell schickt beispielsweise amazon keinen hier so dringend benötigten Schlagstock aus, auch wenn er noch so aufdringlich wie situationsbedingt passend angeboten würde. Mit anderen Worten: Außer bei Navigation mit GPS oder vielleicht auch noch für ganz wenige andere Anwendungsfälle, braucht man sich nicht zum gläserenen User machen. Man hinterlässt schon so genug trackbare Spuren und damit für Firmen wertvolle Bewegungs-, Kauf- und sonstige für Werbetreibende interessante Verhaltensmuster. Grundsätzlich sollte daher auch Werbespion "iAds" gleich nach der Erstinbetriebnahme mit Bannspruch belegt werden.
Gewicht
Für so ein vergleichsweise kleines Tablet, welches sich in der Acht-Zoll-Klasse tummelt, scheint es mit seinem Äqivalent zu drei Tafeln Schokolade (313g) dagegen erstaunlich schwer. Es liegt dafür aber satt in der Hand.
Weitere Erfahrungen & Fazit
Sicher nicht mehr das Neueste am Markt, doch immer noch mehr als rüstig und praktisch. Zudem gehört dieses Modell noch in die Zeit, als die an Apple gestellen Qualitätsansprüche noch bedingungslos erfüllt wurden. Wer nicht grade auf cutting egde features gepolt ist, kommt auch mit dem "Kleinen" mehr als gut über die Runden, ob als Surfmaschine, mobiles Postfach (dank integrierter SIM auch als Mobiltelefon nutzbar), Sound/Video/Foto-Multimediatool, eBook-Reader, bis hin zur Nutzung als GPS-Navi. Das Format ist mit 8 Zoll der ideale Kompromiss zwischen Ablesbarkeit und Handling. Die Darstellung ist ausgezeichnet, man ist erstaunt wozu - heute "veraltete" - 1024x786 px fähig sind, gleiches gilt für die "nur" 2,4 GHz Dual-Core A5-CPU, die sich in nahezu allen Disziplinen immer noch wacker bis wieselflink zeigt. Natürlich einer der Vorteile, wenn Soft- und Hardware dermaßen aufeinander abgestimmt sind. Nicht so schön nehmen sich die Einschränkungen aus, die Apple seinen proprietären Geräten so gern mitgibt: Kein Standard-USB, keine externe Speichererweiterung (16 Gig sind schon etwas mickrig), Apple-eigene Apps und Restriktionen nicht völlig frei über seine System-Ressourcen verfügen zu können. Für inzwischen unter 300 Euro macht man jedoch nichts falsch.
Für alle, die es immer noch etwas genauer wissen wollen hier eine kleine Auswahl von technischen Daten:
Typ: Apple iPad Mini, Modell MF450FD/A (WiFi + Cellular)
Betriebssystem: iOS 8 (ausgeliefert mit iOS 7.2)
CPU: Intel Dual-Core A5, 2,4 GHz
RAM: 512 MB / 16 GB Speicher
Display: 7,9 Zoll (20,1cm) LED IPS, 1024x768 Pixel, 163 ppi
WLAN: 802.11b/g/n
Mobilfunk: integriert 4G/LTE, SIM-Bauform: Nano
Lage-/Beschleunigungssensor: Ja - drei Achsen
Bluetooth: Ja
GPS: Ja
USB: Jein - proprietärer "Lightning"
Speichererweiterung: Nein
Kameras: 2
Sound: integrierte Stereolautsprecher, 1x Klinkenbuchse 3,5 mm
Gewicht: 313 g
Abmaße: 25 x 15 x 5 cm
Akku: Li-Ion, ca. 10 Stunden Laufzeit je nach Nutzung und Umgebungsvariablen
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