Pro:
Originelle Dia- und Monologe, erfrischende Gags, durchaus unkonventionelle Drehbuchideen
Kontra:
Nüscht
Empfehlung:
Ja
Ich bin aktiv bei "ciao", und erlaube mir, mal einen Text hierhin zu kopieren: Der eine oder die andere mögen mich kennen, und vielleicht ist das ja auch mal was für diese platte Form.
Mein Anseh-Anlass:
Nun ja, ich musste 30 werden, um den Film erstmals anzusehen. Ich bin ständig auf der Suche nach Filmen, die meine TOP TEN vervollständigen und/ oder ergänzen können, die jedenfalls vor dem Ansehen dieses Streifens [in alphabetical order] aus "American History X", "Bube, Dame, König, Gras", "California", "Fight Club", "From Dusk till Dawn [1]", "Heat", "Natural born killers", "Pulp Fiction", "Snatch - Schweine und Diamanten", und "Reservoir Dogs" bestanden. Natürlich mag ich hier auch den einen oder anderen Film nicht angemessen gewürdigt haben, sehe aber grundsätzlich am liebsten Filme, in denen auch mal nett anzusehende männliche und auch weibliche Protagonisten [Man[n] denke nur an die grundsätzlich großartige Juliette Lewis] irre Geschichten um irre Erlebnisse in meist recht verwirrender Art präsentieren.
"The Big Lebowski" und damit der "Dude" zog sich dabei schon lange durch die Parties [die liebsten Freunde trinken sich mit "White Russian" nahe ans Koma, ich habe 1. nie gewusst warum und 2. mag ich das auch nicht], bis mich die Erleuchtung heimsuchte: Ich m u s s einfach mal den "Dude" sehen.
Also, neulich irgendwann, Filmabend bei der Mama, die diesen Film rechtmäßig erworben hat. Rotwein bereit gestellt, einen frischen Ascher und Zigaretten auch, und "The Big Lebowski" eingelegt.
Die Story:
Recht einfach erzählt ;-). Der "Dude" ist Jeffrey Lebowski. Er ist schlicht das, was man als einen gemeinen Penner bezeichnen würde. Keine Ahnung, woher er sein Geld hat für seine Amüsements, keine Ahnung, wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet, sein Dope finanziert [er ist jedenfalls permanent bekifft]. In seiner - abgesehen von einem Teppich [und ich finde ja auch nicht, dass der besonders schön ist] - recht ungemütlichen Bude wird ihm von irgendwelchen bis dato unbekannten und auch fehlgeleiteten Pseudoverbrechern auf seinen Bodenbelag gepinkelt, weil seine Frau angeblich irgendwelchen Leuten irgendwelche Kohle schuldet, obwohl er nicht verheiratet ist [und auch sonst keine Frau hat, jedenfalls bis dahin nicht]. Er lebt, bowlt, trinkt und kifft in L.A. und hat einen Namensvetter, der allerdings wahrscheinlich weder "lebt", noch trinkt, noch kifft. Ob der schon mal bowlen war, bleibt offen.
Letztgenannter [um die 60 Jahre alt] sitzt in einem Rollstuhl, ist verbittert angesichts seiner [der eigenen Ansicht nach] untauglichen Umwelt, jedenfalls was die Mitmenschen angeht. Der vermeintliche Millionär ist verheiratet mit einer ganz und gar typischen Blondine um die 30 [von der ich meine Person ausdrücklich distanziere], die sich in Pornofilmen produziert [es soll ja Leute geben, die solche Streifen mögen], außerdem dem geneigten Kunden für einen 1000er [Dollar, für den interessierten Leser: momentan ungefähr 850 Euro] auch gerne mal einen Mann oral befriedigt [um hier nicht gleich gestrichen zu werden, vermeide ich treffendere und landläufigere Bezeichnungen dieser Art der körperlichen Zuwendung], und inszeniert angesichts einer temporären Abwesenheit seiner Angetrauten die Geschichte einer Entführung, die nie stattgefunden hat.
Den "Dude" engagiert er, um die nur scheinbar vermisste Gattin aufzufinden, wohl wissend, dass sich diese nicht wirklich in Gefahr [jedenfalls nicht in besonderer, sondern wenn überhaupt, in selbst gewählter und provozierter] befindet. Er verspricht ihm [dem Dude] einen knapp bemessenen Prozentsatz der imaginären Lösegeldsumme, und schickt ihn zu einer Lösegeldübergabe, zu der drei deutsche [und unangenehm blöde, für den, der Deutschland generell mag] Pseudo-Verbrecher kommen, die allerdings statt des [nur vermeintlich mit Geld gefüllten] Koffers, den der Dude von seinem Namensvetter für die Lösegeldübergabe erhält, eine mit verunreinigten Unterhosen gefüllte Tasche des Kumpels Walter, auf den ich später noch mein Augenmerk richten will, erbeuten können.
Ab diesem Zeitpunkt geht es drunter und drüber, was das Zeug hält, der "Dude" wird als Samenspender von einer abgeklärten, durchgeknallten, äußerlich aber recht ansprechenden Emanze missbraucht, obwohl ihm das "Missbrauchen" wahrscheinlich ganz gut gefallen hat, da es doch offenbar lange her war, dass der Dude in diesem Sinne malträtiert worden ist. Die Tochter des vermeintlichen Millionärs [eben jene Emanze] macht danach auch richtig lustige Verrenkungen, um die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung zu erhöhen, wie nur die wirklich extrem Kinder-wollenden Frauen sie machen können [Nicht dass ich so etwas auch kennen würde, ich habe nur davon gelesen und das eben hier gesehen…]. Gar nicht mal so unsymphatisch, die Frau, wenn auch ein Mann das anders sehen mag. Nebenbei wird irgendeiner Tussi ein Zeh abgeschnitten, um eben besonders realitätsnah die angebliche Entführung zu bekräftigen und zu vermitteln, dass eben jener schon mal genannten Blondine jetzt ein Teil ihrer Extremitäten fehlt. Außerdem geht es noch um einen [ganz wichtigen!!!] Bowling -Wettbewerb, die Tatsache, dass Geld nur eingeschränkt wichtig ist und eben um Drogen und Sex. Und um ein geklautes Auto. Und den Johannes des Dude, der in ganz besonderer Gefahr ist, als ein Nagetier in seine Badewanne gelassen wird. Zum Ende sind jedenfalls alle irgendwie [gezwungenermaßen] zufrieden, wenn auch traurig, weil leider ein Kumpel stirbt. Ich denke, das genügt als Überblick.
Die Personen/ Darsteller:
Der Dude [Jeff Bridges]: Nicht wirklich sexy und auch nicht wirklich körperlich anziehend präsentiert er sich vorwiegend in Shorts, auch so genannten "Schnellfi**er-Hosen" [die man also ganz besonders schnell von den Hüften runter kriegt] oder irgendwelchen merkwürdigen Pullis, die jedenfalls die einigermaßen ästhetisch denkende Frau mit dem "nicht tragbar!!!"-Stempel versehen würde. Besonders erwähnenswert auch eine Strickjacke, die an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten ist. Mindestens 3 mal präsentiert er auch ein Stück Bauch, welches ich jetzt mal als "neutral" beurteilen würde, zugeben muss man ihm allerdings, dass er recht schöne Beine hat, für einen Mann. Und dann hört er auch noch Walgesänge auf Kassette!!! Dennoch: Er ist in jedem Fall ehrlich, ohne Zweifel, diskutiert und versucht, seinen Kumpel [Walter] von der Sinnlosigkeit der beabsichtigten Aktionen zu überzeugen, vermag aber leider nicht zu ihm durchzudringen. Wenn er sich allerdings angesichts des scheintoten Namensvetters die Sonnenbrille aufsetzt, um mal eben desinteressiert zu wirken [was er ja auch ist] in Anbetracht der detaillierten und demonstrativ affektierten Lebensweisheiten des älteren Herrn, dann verursacht dies Lachorgien, die einige Minuten andauern. Ich gestehe: So stelle ich es mir vor, wie es ist, wenn man sich die E**r kraulen möchte. Schön muss das sein.
Walter [John Goodman]: Der wahrscheinlich loyalste Kumpel, den es gibt, bis zum Geht-nicht-mehr. Leider hat Walter eine Macke, die nicht zu ignorieren ist: Er ist cholerisch und unbelehrbar, was seine persönlichen Ansichten und Meinungen angeht bis zu dem Punkt, an dem es einfach offensichtlich ist, dass er im Unrecht war mit seiner Ansicht. Als Beispiel sei hier nur eine Szene genannt, in der er einem - leider komplett unansehnlichen - Freund und Gegner im besagten [Liga!!!-] Bowling-Wettbewerb auf der Bowlingbahn eine Knarre an den Kopf hält, weil dieser angeblich die Spielregeln missachtet hat, jedenfalls, was die Überzeugung des Walter angeht, und der ist ja immer im Recht. Auch die gefakte "Lösegeldübergabe", von deren Gelingen Walter bis zur letzten Sekunde überzeugt ist, scheitert an seiner Beschränktheit. Walters Borniertheit lässt mich einige Male nur kopfschüttelnd dasitzen, die überspitzte Darstellung seiner Person ist eines der Highlights dieses Films. Sexy ist allerdings John Goodman nun auch nicht.
Donny [Steve Buscemi]: Ist einer, der Walter gelegentlich zur Raserei bringt und zum Bowlingteam gehört. Ebenfalls für das weibliche Auge nicht besonders bemerkenswert schleicht er sich an der Seite des Dudes und Walters durch den Film und stirbt schließlich an einem beschissenen Herzinfarkt, den er einem Zusammentreffen mit deutschen Nihilisten und den Interventionen des Walter zu verdanken hat. Ob es noch mehr zu sagen gäbe, wage ich zu bezweifeln. Viel sagt Donny jedenfalls nicht.
Maude Lebowski [Juliane Moore]: Jene schon erwähnte Emanze, die sich von dem Dude - selbstverständlich erst nach einer ärztlichen Bestätigung der Zeugungsfähigkeit [die Bestätigung wundert mich eigentlich angesichts der mannigfaltigen Drogen, die der Dude zu sich nimmt] - besteigen lässt und dann komische Verrenkungen veranstaltet. Jenseits von Gut und Böse initiiert sie das Treffen mit dem Dude, einzig und allein, um ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Weiber halt. Wenigstens nett anzusehen ist sie. Wenn auch nur eingeschränkt empfehlenswert, da sie auf jeden Fall eine Macke hat. Sehr lustig: Die Szene nach dem Vollzug des Beischlafes, in der sie den Dude bittet, doch ein wenig von sich zu erzählen. Die "Begeisterung", mit der sie ihm zuhört, ist zum schlapp lachen.
Jesus [John Turturro]: Jener im ganz und gar unästhetischen Ganzkörpersynthetikglanzanzug [PS. Lila auch noch!!!] präsentierte Mann [???] ist der Rivale auf der Bowling - Bahn, den es unter anderem zu besiegen gilt. Der ist vielleicht unangenehm und benutzt ganz unanständige Worte, für den Fall, dass Walter beim Halbfinale wieder mal mit seiner Knarre rumfuchteln sollte. Der würde die Knarre nämlich in den Ar*** vom Dude rammen, und so lange abdrücken, bis es "Klick" macht. Ganz und gar unanständig, dieses Pendejo (assho*e).
Mr. Lebowski [David Huddleston]: Nun ja, was soll ich sagen, allein das Alter dieses Herren streicht ihn aus der Liste der ansehenswerten Mannsbilder, was die Intentionen angeht, mir einen Film anzusehen. Er ist ein Heuchler, und das kann ich gar nicht ab. Benutzt den Dude für seine Zwecke und redet diesem immerzu ein, dass "ihr Leben [das der Blondine] in seinen Händen liegen würde" in Kenntnis der Tatsache, dass dem nicht so ist.
Schließlich: Der Sprecher des Films, den ich persönlich als unentbehrlich empfinde: Sam Eliott. Ein im Cowboylook daherkommender Mann, der schon die Einleitung so lustig spricht, dass man sich auf den Film nur noch freuen kann. Er begegnet dem Dude auch in der Bowlinghalle und schließt den Film ab. Weil man nur so wenig von dem sieht, kann ich den Attraktivitätsfaktor nicht besonders gut angeben. Wäre ich 50, was ich nicht bin, fände ich den wahrscheinlich ganz nett.
Blondinen, blöde Deutsche, Pornofilmer, ein wahnsinniger Freund von Maude und anderes Gekreuche: Seht sie Euch einfach an.
Soundtrack:
Ganz besonders ist mir "Hotel California" präsent, in einer Version, die ebenso irre wie interessant ist, und auf der Bowlingbahn gespielt wird, als Jesus einen Strike landet. Spanisch am Anfang und arythmisch zunächst, jedenfalls nicht wie das Original von den Eagles. "Oye como va" fällt mir auch noch ein, anlässlich einer Aggressionstherapie des "Dude" gespielt. Die Situationen werden angemessen untermalt, das nur gespielte Entsetzen des Mr. Lebowski angesichts der nur vorgegebenen Entführung zum Beispiel wird dramatisch unterlegt. Die Begegnung des Dude und des Cowboys ist ebenso passend untermauert. Der Soundtrack insgesamt ist hörenswert und auch separat zu erwerben, die einzelnen Titel allerdings sind mir nicht mehr präsent, vielleicht hole ich es ja mal nach. In zwei bis 8 Monaten.
Besonderes:
Hier alle besonderen Szenen oder Zitate des Films aufzuzählen, würde definitiv den Rahmen sprengen. Besonders bemerkenswert finde ich einige Ereignisse und Bemerkungen dennoch, und möchte Sie dem geneigten Leser nicht vorenthalten:
1. Das Mixverhältnis des Dude, was den "White Russian" angeht, ist höchst bedenklich. Standard-Cocktail-Mixer verwenden 4 cl Wodka, 2 cl C Kalhua oder auch 3 cl von jedem, jedenfalls kommt noch mehr oder weniger Sahne oben drauf oder sie wird untergerührt. Der "Dude" gießt sich das Glas [egal wie groß] fast komplett mit Wodka voll, füllt mit wenig Kalhua auf und ergänzt mit einem Schuss Milch, notfalls auch mit Milchpulver. Krass.
2. Der Dude wird extrem [also noch extremer als sonst] unter Drogen gesetzt von dem Porno-Produzenten, dem die Blondine Geld schuldet. Der Rausch, der folgt, und untermalt wird von "Just dropped in (to see what condition my condition was in)" ist grandios. Eine Symbiose aus Bowling und Sex, die so noch nie dagewesen ist. Leider wird der - bis dato - noch ganz angenehme Rausch von den mit großen klappernden Scheren herumhantierenden Deutschen beendet, die eben jenen Johannes abtrennen wollen. Irre und fantastisch.
3. Ebenfalls bei dem Pornoproduzenten: Ein Trampolin wird nachgebildet, die "Federn" sind Männer, die das runde Stück Stoff hoch und runter federn lassen, auf dem eine - natürlich nackte - Frau umherturnt. Interessant.
4. Cool auch: Der Dude und Walter versuchen auf eher unkonventionelle Weise aus einem 15jährigen Jungen das Geständnis herauszubringen, den Wagen des Dude mit dem imaginären Lösegeldkoffer gestohlen zu haben. Wie erwartet gelingt das nicht und Walter zerdeppert den ebenso vermeintlichen Wagen des Knaben. Blöde nur, dass es nicht das Auto des Buben war, sondern das eines Nachbarn, der ganz und gar nicht begeistert ist angesichts der Zerstörung der soeben erworbenen Corvette.
5. Herzzerreißend: Die Szene, in der Donny verabschiedet wird. Walter faselt Vietnam-Mist, bevor er die Asche in den Pazifik entlassen will, der Dude steht hinter ihm und wird von der Asche des Freundes [Windrichtung nicht beachtet!!!] bedeckt. Scheiße. Der Dude hilflos. Besonders bemerkenswert.
"Mr. Treehorn behandelt Objekte wie Frauen." [Der "Dude"]
"Glücklicherweise habe ich meinen Drogenkonsum ganz gut im Griff." [Ebenso der "Dude"]
"Ich brauche meinen bekackten Johannes." ["Dude"] - "Wofür brauchst Du den denn?" [Donny]
"Brauchst Du einen Zeh? Ich besorg' Dir einen Zeh!" [Walter]
"Weißt Du, Walter, Du hast Recht. Weißt Du, was ich eigentlich im Prinzip sagen will ist: ,Fick Dich'… Ja, ich komm' zum Training." [Ausschnitt aus einem Telefonat mit Walter]
Mein Fazit:
Nun ja, ansehenswert ist der Film, wie es bisher kaum ein anderer war. Die Darsteller sind keineswegs nett anzusehen, geschweige denn sexy. Obwohl ich mich an den "Dude" schon gewöhnt habe. Dennoch - wahrscheinlich eine der irrsten Geschichten, die ich je gesehen habe. Der Dude besticht durch eine Normalität, die den meisten Kinobesuchern oder DVD-Besitzern ebenso fremd wie irrational erscheint. Die Geschichte ist verrückt, die Personen ebenfalls, oder gerade nicht? Dieser Film ist wunderbar.
Also: Ich tausche "California" gegen den "Dude". Wenn ich korrekt sein will, ist allerdings eine neue alphabetische Sortierung nötig.
"Du ziehst Dein Ding schon durch."
"Ich schwafel schon wieder. Also, ich hoffe, es hat Euch gefallen." weiterlesen schließen
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