Pro:
interessant
spannend
blumig
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Einleitung
Daten zum Buch:
Übersetzer aus dem Finnischen: Andreas Ludden
ISBN: 978-3-404-17009-8
Preis: 9,99 €
Verlag: Bastei Lübbe
Seitenanzahl: 1104
Erschienen: 1987
Autor:
Mika Toimi Waltari wurde am 19. September 1908 in Helsinki geboren und starb am 26. August 1979. Er war einer der erfolgreichsten Schriftsteller Finnlands. Seine Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt.
Klappentext:
In der Einsamkeit der Verbannung, erfüllt von der Sehnsucht nach seiner Heimatstadt Theben, schreibt der Arzt Sinuhe die Geschickte seines bewegten Lebens. Es ist zugleich die Kultur- und Sittengeschichte des vorchristlichen Orients, umhüllt von Glanz und Rausch, bis an den Rand gesättigt mit grausamen Lüsten und den Mysterien heidnischer Erotik.
Inhaltsverzeichnis:
2 Bände aufgeteilt in Bücher
1. Band
Das Binsenboot
Das Haus des Lebens
Im Taumel Thebens
Nefernefernefer
Die Chabiri
Der Tag des falschen Königs
Minea
Das dunkle Haus
Der Krokodilschwanz
2. Band
Die Stadt der Himmelshöhe
Merit
Die Wasseruhr misst die Zeit
Atons Reich auf Erden
Der Heilige Krieg
Haremhab
Handlung
Sinuhe wurde von Senmut und Kipa in einem Binsenkorb am Ufer des Nils gefunden. Die beiden nehmen ihn als Sohn an und ziehen ihn auf. Sinuhe wächst heran und zuerst will er Krieger werden, doch sein Vater sorgt dafür, dass der Junge den Beruf des Arztes ergreift und in die Fußstapfen des Vaters tritt. Voraussetzung dafür allerdings ist, dass er zuerst eine Ausbildung in der Theologie macht und die Weihe eines Amonpriesters erhält. Amenophis III liegt im Sterben und Sinuhe wird gerufen, um dem Arzt an Ort und Stelle zur Hand zu gehen. Echnaton ist der Sohn von Amenophis. Der gibt den Befehl, ihm in die Wüste zu folgen. Dort will er die Offenbarung seines Gottes Aton erleben. Dort, wo Sinuhe studiert, im "Haus des Lebens" ist eine hübsche junge Frau. Ihr Name ist Nefernefernefer, eine Kurtisanin. Sinuhe ist wie von Sinnen und gibt dieser Frau all das, was er besitzt. Er merkt erst viel zu spät, dass er einen Fehler gemacht hat. Mit Kaptah, seinem Diener macht er sich auf den Weg nach Syrien. Sie kommen nach Smyrna und Babylon. Dort lernt Sinuhe Minea kennen und verliebt sich in sie. Sie wird Minotaurus als Opfer gebracht. Sinuhe ist voller Trauer. Den Kult um den Gott Minotaurus ist von den Priestern gewollt. Dafür ermorden sie Jungfrauen und junge Männer, die noch nicht verheiratet sind. Sinuhes Reise geht weiter und Ägypten und das Reich Echnatons ist vor dem Niedergang. Echnaton legte die Gottheit und die Gläubigkeit an Ammon niedergelegt und dafür den Gott, an den er glaubt, Aton, hervorgerufen. Niemand mehr darf Ammon huldigen. Das erzürnt die Menschen, die sich gegen Echnaton auflehnen. Ein Bürgerkrieg entbrennt. Echnaton trifft keine Entscheidung und so muss er sterben. Sinuhe kommt nach Ägypten zurück und betreibt den Kult um Ammon weiter. Das aber bringt ihm die Verbannung ein.
Niveau
Dieser Roman ist auf hohem Niveau geschrieben. Die Kultur und die Bräuche wie die Lebensgewohnheiten der alten Ägypter sind wunderbar dargestellt, die Zeit ist sehr lebenig, realistisch und glaubwürdig erzählt. Dabei geht es um die Zeit vor Christi Geburt.
Stil
Dieser Roman enthält die Aufzeichnungen des Tagebuches von Sinuhe. Es geht um seine Bekenntnisse, die sich um sein Leben drehen. Sehr viel hat er erlebt in den Jahren 1390 bis 1335 vor Christus. Es ist die Zeit Echnatons in Ägypten. Es handelt sich um die altägyptische Kultur und die Lebensweise der damaligen Zeit. Mitreißend und fesselnd ist die Darstellung Sinuhes dieser Epoche. Es gab Stellen, an denen ich sogar lachen konnte. Anziehend und zauberhaft, verträumt, romantisch und poetisch ist der Schreibstil. Packend ist es, in die Welt Echnatons einzusteigen und zu erfahren, was sich in dieser Zeit zugetragen hat. Aus einer negativen Sichtweise heraus ist dieses Buch geschrieben. Sinuhe weiß, er hat Fehler gemacht und nicht alles war richtig, was er machte. Es geht um seine Gedanken und Gefühle, die er mitschwingen lässt und wovon sein Sachverhalt lebt. Offen und ehrlich geht Sinuhe mit den begangenen Fehlern seines Lebens um, was ihn sehr sympathisch wirken lässt und ich stand ihm ganz nahe. Sehr gekonnt mischt Waltari Fiktives mit den historischen Fakten. Sinuhe ist ein Mensch, der sehr viel Schlechtes erlebt hat und er wird sogar zum Mörder. Weil seine Beweggründe dafür jedoch nachvollziehbar sind, bleibt er immer noch ein Sympathieträger. All das, was Sinuhe erlebte, erlebte ich auch. Ich konnte mit ihm fühlen und alles miterleben wie er auch. Traurige Passagen wechseln mit witzigen. Farbenfroh ist das historische Bild, was Waltari dem Leser hinterlässt und gute Recherchen waren vonnöten, um Echnaton und seine Zeit des alten Ägyptens in solche Bilder umzusetzen. Esotisch und orientalisch mutet das alles an, die Sprache ist sehr blumig. All das, was das Leben bestimmt, die Religion, die historischen Hintergründe, die Medizin und auch die Macht, Intrigen und Korruption - all das entwirft Waltari mit seiner einzigartigen Vielfalt der Sprache. Der gesamte Roman in seiner Darstellung faszinierte mich, war unterhaltsam, interessant und spannend. Der Schreibstil ist einfach, sehr flüssig zu lesen und bleibt im Erzählfluss immer gleich.
Unterhaltungswert
Sehr unterhaltend ist dieser Roman. Aus der Sicht Sinuhes selbst ist der Roman geschrieben und erzählt in einer sehr spannenden und interessanten Weise die Lebensgeschichte Sinuhes.
Weitere Erfahrungen & Fazit
Leseprobe:
Senmut, den ich meinen Vater nannte, war Armenarzt in Theben. Kipa, die ich meine Mutter nannte, war sein Weib. Kinder besaßen sie nicht. Erst in ihren alten Tagen kam ich zu ihnen. In ihrer Einfalt nannten sie mich eine Gabe der Götter, ohne das Böse zu ahnen, das dieses Geschenk über sie bringen sollte. Meine Mutter Kipa nannte mich nach einem Märchen Sinuhe, denn sie liebte Märchen, und außerdem war ich auch nach ihrer Meinung auf der Flucht vor Gefahren zu ihr gekommen, gleich dem sagenhaften Sinuhe, der im Zelte des Pharao unfreiwillig ein schreckliches Geheimnis vernommen hatte, worauf er floh und viele Jahre unter mancherlei Abenteuern in fremden Ländern verbrachte.
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