Bowers & Wilkins 804 Diamond

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Produktbeschreibung

Bowers & Wilkins 804 Diamond

gelistet seit 05/2010

Allgemeine Informationen

Belastbarkeit 200 Watt
Breite 238 Millimeter
Gewicht 27 Kilogramm
Höhe 1020 Millimeter
Lautsprecher-Typ Passiv-Lautsprecher
Tiefe 351 Millimeter
Typ Standlautsprecher

Ausstattung

Signalübertragung kabelgebunden
Soundprojektor nicht vorhanden

Tests und Erfahrungsberichte

  • Diamonds are the men’s best friends…

    Pro:

    Verarbeitung und Klang

    Kontra:

    man muss gute Musikwiedergabe lieben...

    Empfehlung:

    Ja

    Wer kennt ihn nicht, den insbesondere durch Marylin Monroe bekannt gewordenen Song. Im Original heißt es natürlich „Diamonds are the girl’s best friends“. Dass auch Männer sich von Diamanten betören lassen können, soll dieser Bericht aufzeigen, schließlich geht es auch hier um Musik, präziser um Musikwiedergabe durch hochwertige Stereo-Lautsprecher, die ihren Namenszusatz „Diamond“ nicht als Werbegag tragen…

    Die Lautsprecher

    Bei den 804 Diamond handelt es sich um hochwertige High-End-Lautsprecher - drei Wege, vier Systeme. Dies bedeutet, dass insgesamt vier Membranen für Tief-, Mittel- und Hochton verantwortlich sind. Das Material des Hochtöners ist für den Namenszusatz verantwortlich, er besteht aus Diamant. Wieso ein Diamant klingen kann, erläutere ich weiter unten.

    Um das Klangpotential auszuschöpfen, bedarf es natürlicher hochwertiger Elektronik und hochwertiger Software, die hier aber nicht das Thema sind, nur so viel: mit einem Verstärker und CD-Spieler aus dem Kaufhaus um die Ecke hat man nicht viel Freude, immerhin handelt es sich um Lautsprecher, die 7000 Euro kosten (Paarpreis).

    Die Lautsprecher sind in den Ausführungen Kirschbaum, Nussbaum rot und Klavierlack (hochglänzend) erhältlich. Meine (siehe Bild 1) sind in der Ausführung Kirsche.

    Das Auspacken und Aufstellen

    Der Laie mag annehmen, dass Standlautsprecher in dieser Preisklasse riesig sein müssen. Dem ist Gott sei Dank nicht so, sie fügen sich noch harmonisch in den Wohnraum ein (Bild 1). Sie sind etwas über einem Meter hoch (ohne Füße), 24 cm breit und 35 cm tief. Sie wiegen allerdings 27 kg.

    Wer sich ein wenig mit HiFi auskennt, kann ahnen, dass die Lautsprecher nicht zu nah an Wänden aufgestellt sein sollten. Wandnahe Aufstellung betont den Bass u. U. zu stark und vor allem geht räumliche Tiefe verloren bei der Musikwiedergabe. Die Anleitung empfiehlt einen Abstand von mindestens einem halben Meter zu den Wandseiten und einen Abstand von ca. 1,5 bis 3 Metern voneinander.

    Die Lautsprecher sind in den Kartons gut verpackt, wo „oben“ und „unten“, „vorn“ und „hinten“ ist, geht aus dem Karton klar hervor. Deswegen empfehle ich, die Lautsprecher in den Kartons in Nähe der Hörposition auf den Boden längs zu legen. Mit einem Messer sollte man vorsichtig am Boden den Karton öffnen, Styropor entfernen, die Bodenteile nach außen wegklappen, dann die Lautsprecher mitsamt den Karton aufzustellen. Oben öffnen, den Zubehörkarton zur Seite legen, die separat verpackte Frontabdeckung weglegen und dann den Karton nach oben wegziehen. Schon stehen die Lautsprecher unverpackt vor einem, natürlich noch ohne Füße, die befinden sich im Zubehörkarton. Bevor man diese anschraubt (Spikes oder Gummifüße) sollte man die endgültige Position gefunden haben, besonders dann, wenn man die empfohlenen Spikes verwendet. Diese bohren sich tief in den Teppich, Laminat wird beim Verrücken zerkratzt. Vorsichtige Naturen verwenden noch zusätzliche Unterlegscheiben, die man allerdings separat erwerben muss.

    Bevor man die Lautsprecher anschließt, muss noch die Transportsicherung des Hochtöners abgeschraubt werden. Der Hochtöner ist oben auf dem Gehäuse befestigt, die Transportsicherung befindet sich an der Rückseite. Es muss nur eine Schraube (Kreuzschlitz) entfernt werden. Dann geht es ans Anschließen.

    Die Lautsprecher können per Bi-Wiring an den Verstärker angeschlossen werden, also zwei separate Kabel für Mittel- und Hochton und für den Tieftöner. Wer ein Kabel verwendet, muss vorher die Kabelbrücken anschließen, um alles zum Tönen zu bringen.

    Wem die offenen Membranen stören, kann diese mit einer mit schwarzen Stoff bespannten Blende abdecken (im Lieferumfang enthalten). Sie hält per Magnet am Gehäuse, so dass auch bei Nichtverwendung optisch keine Halterungsmechanismen am Gehäuse stören. Bild 6 zeigt die Lautsprecher mit der Stoffblende, Bild 7 ohne. Die Stoffblende hält bombenfest, man muss auch nicht die Blende ausrichten, es genügt, das obere Ende an die Gehäusekante zu halten, den Rest erledigt die Magnetkraft.

    Das Anschließen

    Die Kabelbrücken befinden sich im bereits erwähnten Zubehörkarton zusammen mit den Füßen. Das Anschlussterminal (siehe Bild 3) kann entweder Bananenstecker oder Kabelschuhe aufnehmen. Die Kabelbrücken besitzen beidseits Bananenstecker.

    Kabelschuhe werden am besten von unten angeschlossen. Damit man die Kabelbrücken anschließen kann, muss man erst einmal die silberfarbenen Arretierungsringe komplett abschrauben, dann kommt man an das Innere des Bananensteckers heran. Die Hohlräume sind nämlich durch Plastikeinsätze geschützt, die man erst entfernen muss, bevor ein Kabel hineingesteckt werden kann. Ist dies getan, können die Arretierungsringe wieder angeschraubt werden, um die Kabelschuhe festzuschrauben. Um die Kabelbrücken einzustecken, benötigt man ein wenig Kraft. Im Bild 3 ist diese Anschlussvariante zu sehen. Hat man Lautsprecherkabel schon mit Bananensteckern, werden die Kabelbrücken seitlich in die Buchsen gesteckt.

    Wer noch nie Lautsprecher angeschlossen hat, findet in der Anleitung hierzu leider kein einziges Wort. Es zeigt nur die Anschlussvarianten auf, aber nicht, dass man zuvor die Plastikeinsätze entfernen muss, was natürlich einerseits logisch ist, andererseits sich nicht jeder traut, mit einer Zange Plastikteile abzuziehen. Natürlich sollte darauf geachtet werden, dass man die Kabel polrichtig anschließt und dass keine blanken Kabel sich aneinander berühren.

    Das Aufstellen

    Das Klangbild ist natürlich stark von der Wohnumgebung und Raumgröße abhängig. Die Lautsprecher eignen sich für Räume um 20 bis 25 Quadratmeter, die normal bedämpft sein sollten, also nicht zu hallig bzw. durch dicke Teppiche, Vorhänge, diverse Sofas zu trocken.
    Von diesen Gegebenheiten ist das Feintuning abhängig. Gegen zu trockene Räume kann man wenig machen (außer Einrichtungsgegenstände entfernen), ist der Raum zu wenig bedämpft, kann es helfen, den Bass zu dämpfen durch die Schaumstoffeinsätze in die Bassreflexöffnungen. Ansonsten kann man noch Kissen aufstellen oder unregelmäßige Strukturen durch z. B. Regale schaffen. Ein Trick besteht auch darin, seine schönsten Fotos auf Leinwand drucken zu lassen und den möglichst dicken Keilrahmen hinten mit Watte auszustopfen. Nach Innen anwinkeln ist bei diesen Lautsprechern eher nicht notwendig, dazu müsste das ideale gleichschenkelige Stereodreieck sehr stark spitz verformt sein. Die von diesen Lautsprechern entworfene akustische Bühne geht insbesondere Dank der Hochtöner deutlich in die Breite und natürlich auch Tiefe. Hat man die endgültige Position gefunden, sollten die Füße angeschraubt werden. Zur Wahl stehen Spikes oder Gummiteller. Empfohlen werden Spikes, um Vibrationen nach unten abzuleiten. Wer um seinen Boden besorgt ist, kann noch zusätzliche Unterlegscheiben für Spikes verwenden. Ich verwende die Edelstahlunterlegteller von Clearaudio für 9,00 Euro pro Stück.

    Das Klangbild

    Schon nach den ersten Takten wird klar, dass den Lautsprechern die bisherige von den Vorgängern bekannte britische Zurückhaltung fremd ist. Spritzig und lebendig klingen diese Lautsprecher. Die räumliche Abbildung und Dynamik verbessern sich im Laufe der Zeit, da jeder Lautsprecher eine gewisse Zeit des Einspielens benötigt.

    Als erstes lege ich „The Raven“ von Rebecca Pidgeon ein, allerdings nicht die Standard-CD, sondern eine audiophile Gold-CD, d. h. die CD ist tatsächlich vergoldet (Chesky JG 90115). Gute Elektronik, Hochtöner aus Diamant und eine vergoldete CD, was kann da schief gehen? Mit einem Wort: absolut nichts - o. K., es sind zwei Wörter daraus geworden ;-)

    Augen schließen und genießen: nachdem die CD zu Ende gespielt ist, möchte ich aufstehen, mich bei der Künstlerin bedanken für diese Privatvorstellung und um ein Autogramm bitten, so authentisch kommt die Musik ‘rüber! Eindeutig im Raum ist vor mir ist die glockenklare Gesangsstimme zementiert, die Begleitinstrumente klar positioniert hinter ihr links und rechts, außer eine Gitarre, die spielt sie selbst. In ein paar Tracks gesellt sich noch eine Männerstimme hinzu, eindeutig im Raum abgegrenzt. Ein Highlight ist der Titel „Grandmother“: absolut realistisch klingt der beginnende Sprechgesang, der sich langsam in allerhöchste Töne melodiöser steigert, dann das plötzliche relativ laute Wort „Well“ mitten im Gesang von ihr, das lässt aufhorchen, dien Dynamik selbst im Hochtonbereich ist atemberaubend!

    Sehr schön auch der Track 12, der Folksong „Spanish Harlem“: zunächst nur ihr Gesang nebst gezupftes Cello, ab der 2. Strophe gesellt sich ein Piano links hinter dazu. Nach einer weiteren Strophe kommen Streicher, Percussion und Gitarre hinzu. Alle Instrumente sind im Raum genau ortbar, alle klingen unglaublich neutral und authentisch. Man hört, dass das Piano links angeschrägt steht, die höheren Töne näher, die tieferen weiter hinten vom Hörer entfernt…

    Tja, nun öffne ich die Augen, das Ergebnis ist enttäuschend: nicht Rebecca Pidgeon nebst Begleitmusiker stehen vor mir, auch kein Piano, sondern „nur“ zwei 804 Diamond von B&W.

    Die nächste CD: Holly Cole „Temptation“

    Ebenfalls eine sehr schöne, hier tiefere und etwas raue Gesangsstimme gesellt sich zu spartanisch instrumentiertem Vokal-Jazz mit Songs von Tom Waits, die hier aufs allerfeinste gecovered werden. Track 2, „Train Song“: Im Song das authentische Klingeln am Bahnhof von links nach rechts eines durchfahrenden Zuges, die mit ihrem Schicksal hadernde Stimme Holly Coles, einen Zug hinterhersingend, der sie nicht nach Hause bringt, weil irgendwo gestrandet, jetzt kein Geld mehr habend und einsam seiend. Unglaublich, wie diese Atmosphäre geschaffen wird durch die Musik, unglaublich wie diese reproduziert wird. Ein dunkler Bass links, die Stimme klar abgegrenzt, Percussion im Hintergrund, jede Nuance hervorbringend, immer wieder kleine klangliche durch Percussion eingesetzte Überraschungen.

    Auf „Little Boy Blue“ sehr schön das Piano: hell dazu ihre Stimme in ebenfalls höheren Tönen, aber gebrochen und auch ein gezupftes Cello gesellt sich zu diesem Arrangement. Das Trio spielt vor meinen geistigen Augen!

    Schade, dass es meine Räumlichkeiten nicht hergeben, in Hörrichtung auch einen Kamin zu haben, ein Kaminfeuer wäre für diese CD eine ideale Ergänzung. Aber halt! Wenn ich einen hätte, müsste ich ja die Augen öffnen, wenn ich etwas von ihm haben möchte. Dann wiederum sehr ich wieder nur „nur“ die Lautsprecher, nicht das Holly Cole Trio…

    Den geneigten Leser möchte ich nun nicht mit so unbekannten Künstlern weiter quälen, eine weitere klanglich sehr lohnenswerte Aufnahme ist die vorletzte CD von Katie Melua: „The House“.

    Ich steige mit dem sechsten Track „Tiny Alien“ ein: Wieder absolut authentische Klänge, einfach umwerfend, wie die Gefässrassel (ein Percussioninstrument) in Hüfthöhe geschwungen wird und für Klänge sorgt, im Vordergrund der wunderschöne Gesang und die Gitarre. Dann später die akustisch ausdifferenzierteren Instrumente, mehr Percussion, mehr Sound, aber niemals geht irgendein Instrument oder der Gesang in einem Einheitsbrei unter…

    Track 3, „Happy Place“, auch hier wieder eine glasklare Stimme im Vordergrund, dahinter in noch höheren Tonlagen Background-Vocals, umwerfend, was diese Hochtöner können, insbesondere kommt diese ein paar Strophen später noch deutlicher zum Tragen, wenn aus die Background-Sänger ein wenig mehr von sich geben (Minute 1:56). Aber auch tiefe Töne werden felsenfest, dynamisch und unverfälscht wiedergegeben.

    Und jetzt geht es in die Tiefen mit Yello: „Touch“

    Schon die ersten Tracks zeigen, wie tief diese Lautsprecher hinlangen können, kein Vergleich mit meinen alten Kompaktlautsprechern des gleichen Herstellers. Die CD zeigt aber auch, dass elektronische Musik räumlich klingen kann, aber auch hier ist es wieder die Hoch- und Mitteltonwiedergabe, die absolut überzeugen. Einen guten Mix gibt es in Track 5 „Till Tomorrow“, kein geringerer als Till Brönner bläst hier ins Flügelhorn.

    Einige Specials

    Bei der von mir bevorzugten Musik gibt es selten abgrundtiefe Bässe, deswegen habe ich auch einige Test-CDs herangezogen, insbesondere die Hörkurs-CDs der Zeitschrift „Audio“. Das Ergebnis ist eindeutig, die Bässe gehen tief hinunter, sind stets kontrolliert, rutschen nie ins Dröhnen ab. Wenn doch, ist es eher der Raum, der hierfür verantwortlich ist, so hat durchaus die Vitrinentür meines Wohnzimmerschranks mitgeschwungen, weil ich sie nicht richtig geschlossen hatte…

    Falls der Bass dröhnt, kann man ihn mit dem mitgelieferten Schaumstoff dämpfen, der ins Ende der Bassreflexröhre unten gesteckt wird.

    Natürlich ist es noch immer das Beste, gute Musik wiederzugeben anstatt irgendwelche tiefen Sinustöne oder zu Testzwecken aufgenommene Instrumentensoli. Also wieder zurück zur Musik:

    Wer absolut hochwertige Aufnahmen genießen möchte, den empfehle ich die Reihe „Audios Audiophile“, 24-Karat vergoldete CDs mit hochwertigen Aufnahmen, wobei die Aufnahmen noch einmal mit einer besonderen Technik noch weiter verbessert worden sind, bevor sie Platz auf den CDs gefunden haben. Bisher sind 25 CDs in dieser Reihe beim Label „Zounds“ erschienen (www.zounds.de).

    Da ich mich schon lange mit guter Musikwiedergabe beschäftige, besitze ich alle CDs dieser Reihe, auch die inzwischen vergriffenen. Alle CDs präsentieren verschiedene Künstler aus Pop und Jazz, jede CD steht unter einem bestimmten Motto.

    An dieser Stelle kann ich nur ein paar absolute Highlights vorstellen, dem Leser wird sicherlich schon aufgefallen sein, dass ich Wert lege auf eine gute räumliche Wiedergabe. In „Bass Power“ steuert Jennifer Warnes eine wunderschöne Ballade bei: „Way Down Deep“. Man achte auf die Background-Stimme, die sich später dazu gesellt und räumlich klar abgrenzbar ist!

    Aber auch komplexerer a-capella-Gesang wird exakt wiedergegeben („Voices and Instruments“): „The Power of Seven“ singen den Klassiker „When something is wrong with my Baby“ und dann der Dynamiksprung, dieselben Künstler mit „Mockingbird“ u. a. mit Percussion instrumentiert. Hier zeigen die Membranen, dass sie schnell auf Dynamiksprünge reagieren können. Aber es geht noch mehr:

    Auf der CD „Blow Up“ liegt der Schwerpunkt auf Blasinstrumente, neben Joe Jackson, der Jazzkantine, Curtis Stigers u. a. gibt es hier auch einen Ausflug in Musik der Renaissance. Das Atrium Musicae de Madrid spielt einen Auszug aus „Principalis“, eine Klangcollage aus Percussion, Krummhorn und alten Flöten. Nach ein paar Minuten (1:19) kommt ein extrem lauter Knall, das muss man gehört haben! Allerdings sollte man die Lautstärke durchaus vorsichtig dosieren, will man den Nachbarn nicht allzu sehr ärgern, denn gerade die Blasinstrumente verleiten dazu, den Lautstärkeregler etwas höher aufzudrehen… Hier zeigt sich der unglaublich machbare Dynamikumfang. Nur hervorragende Lautsprecher können diesen problemlos reproduzieren.

    Aber wenn diese CD schon im Player liegt, lohnt sich auch die Jazzkantine mit dem Titel „Jazzhaus“, schön zu hören, wie die Musiker hier den Text von sich geben, klar räumlich gestaffelt in der Breite und Tiefe. Der Aufforderung „hier ist das Jazzhaus, so tritt doch ein“ braucht man nicht nachkommen, man ist bereits mitten drin!

    Ich könnte noch viel mehr sehr schöne Klangbeispiele liefern, z. B. das tolle Akkordeon, das sich rechts im Hintergrund im Titel „ Rue du Lappe“ kurz in den Vordergrund spielt (auf der CD „Sex without Bodies“ von Dave’s True Story), Jane Monheits „Home“ (insbesondere das Duett mit Peter Eldridge auf Track 8 It’s only smoke), CDs von Friend ‘N Fellow oder oder oder…

    Nun ja, das eben erwähnte Duett möchte ich ein wenig hervorheben. Jane Monheits Stimme tönt links aus den Lautsprechern, das Piano ebenfalls. Man spürt, wie sie selbst am Piano sitzt, spielt und gleichzeitig singt. Ihre Stimme ist Dank der überzeugengenden räumlichen Abbildung in der Vertikalen höher angesiedelt, die Pianotöne spielen weiter unten. Dann gesellt sich mittig die männliche Stimme hinzu, erst abwechselnd, einige Passagen zusammen singend. Nie hat man das Gefühl, dass sich die Stimmen vereinen, alles bleibt klar getrennt, absolut authentisch!

    Die Verarbeitung

    Für den hervorragenden Klang ist natürlich eine ebenso hervorragende Technik und Verarbeitung verantwortlich. Bei diesen Lautsprechern ist einiges so außergewöhnlich, dass ich sie ausführlicher vorstellen möchte, auch wenn es mir jetzt schwer fällt, wieder sachlich-nüchtern zu werden. Ich beginne mit dem Meisterstück.

    a) Der Hochtöner

    Wie oben bereits schon erwähnt, besteht die Kalotte (das ist eine besondere Bauform eines Hochtöners) aus Diamant. Ein generelles Problem bei der Musikwiedergabe ist die materialabhängige sg. „Aufbrech-Frequenz“. Bei steigenden Frequenzen reagiert die Kalotte unkontrolliert und erzeugt Resonanzen. Demzufolge muss man ein Material finden, dass möglichst weit oberhalb der menschlichen Hörgrenze dieses Verhalten zeigt. Der Einsatz von Aluminium trieb diese Frequenz von ca. 23 kHz auf 30kHz hoch, was zu Klangverbesserungen führte. Demzufolge liegt es nahe, diese Frequenz noch weiter oben anzusiedeln, was einer weiteren Klangverbesserung dient. Wer sich ein wenig mit Akustik auskennt, weiss, dass das menschliche Gehör, sofern jung und ohne Knalltrauma geschädigt, bis ca. 20.000 kHz hört. Allerdings hat man durch viele viele Versuche inzwischen auch herausgefunden, dass Klangeindrücke auch von nicht mehr hörbaren Frequenzen abhängig sind, so dass es durchaus sinnvoll erscheint, die Aufbrech-Frequennz weiter nach oben zu treiben. Und wie aus obigen Klangeindrücken hoffentlich hervorgeht, ist dieser Ansatz durchaus gerechtfertigt. Das Ideal, eine unendlich steife Kalotte, gibt es nur in der Computersimulation. Aber mit EDV-Unterstützung kann man experimentieren, ein Material, dass diesem Ideal am nächsten kommt, ist eben der Diamant. Im Hörbereich (also bis ca. 20 kHz) kommt eine solche Kalotte dem Ideal der unendlichen Steifheit sehr nah, die Aufbrech-Frequenz liegt bei ca. 70 kHz.

    Natürlich kann man nicht einfach in Südafrika nach Diamanten suchen, um Lautsprecher zu bauen, erst recht nicht für eine Massenfertigung. Die Diamanten sind natürlich künstlich erzeugt in einem sehr aufwendigen Prozess. Mit Hilfe der chemischen sg. „Gasphasenabscheidung“ kann man ihn künstlich herstellen. Hier benötigt man ein Trägermaterial, auf dem sich der Kristall ablagert. Unter extrem hohen Temperaturen und Drücken lagern sich aus einem Gasgemisch Diamantkristalle ab, die ja chemisch gesehen nur aus Kohlenstoff bestehen.

    Mit einem Laser wird die abgelagerte Kristallfläche von Unreinheiten und Unebenheiten gesäubert, eine dünne Platinschicht dient als Schutz obenauf. Nach einem ausgiebigen Test erhält die Kalotte eine eigene Seriennummer. Da der Hochtöner besonders empfindlich ist, ist er bereits im Auslieferungszustand mit einer Blende ausgestattet. Die Anleitung empfiehlt, und daran sollte man sich auch halten, diese tunlichst auch nicht abzunehmen.

    Zum Erfolg des Hochtöners trägt aber auch das besondere Gehäuse bei (siehe Bild 2). Sie sitzen separat auf dem Gehäuse obenauf, innerhalb einer sich nach hinten verjüngenden Röhre. Diese Bauform ist von der großen Nautilus abgeleitet, einem Lautsprecher-Flagschiff von Bower&Wilkens. Akustisch unerwünschte hintere Klanganteile werden nach hinten abgeleitet. Den beiden großen Modellen aus der neuen Diamond-Serie wird auch dem Mitteltöner diese Gehäuseform gegönnt, diese sind aber ungleich teurer und größer (zum Vergleich: die 800er kostet 22.000 Euro, die 802 14.000 Euro, jeweils Paarpreise).

    b) Der Mitteltöner

    Der Mitteltöner (Bild 4) ist bereits im normalen Gehäuse eingebaut. Sein Material besteht aus Kevlar®, eine Faser, die u. a. für kugelsichere Westen verwendet wird. Als Lautsprechermembran wird die Ausbildung konzentrischer Wellen reduziert, unterstützt von einem Ring aus FST® (einem geschäumten Material), dessen akustische Eigenschaften denen der Membrankante entsprechen: Biegewellen werden absorbiert. In der Mitte befindet sich ein Phase-Plug, der Schallreflexionen gegeneinander innerhalb der Membran minimiert.

    c) Die Tieftöner

    Die beiden Basstreiber (Bild 5) besteht aus dem Hartschaumstoff Rohacell®, der sonst in der Raumfahrt Verwendung findet. Er ist außergewöhnlich stabil, aber auch antrittsschnell. Für das exzellente Ansprechverhalten und vor allem Klang ist aber auch ein Doppelmagnetantrieb verantwortlich. Aufgrund seines symmetrischen Magnetfeldes werden harmonische Verzerrungen reduziert.

    d) Das Gehäuse

    Das Gehäuse ist hinten, oben und seitlich abgerundet, um störende Reflexionen (stehende Wellen) im Gehäuse zu vermeiden. Somit gibt es nur zwei ebene Flächen: die Fronseite mit den Chassis und die Bodenplatte. Innen ist das Gehäuse mit der sg. Matrix™-Technik versteift, das man sich von Spanten eines Schiffsrumpfs abgeschaut hat. Auf diese Weise wird maximale Stabilität und Dämpfung erreicht.

    Das Gehäuse besteht aus hochwertigem Holzfurnier, das in einer eigenen Fertigungsstätte aus einer einzigen 35mm dicken Holzplatte in Form gepresst wird. Die verwendeten Furniere wurden vorher von Hand selektiert, nur die besten 10% werden verwendet.

    e) Die Frequenzweiche

    Je höherwertiger die Chassis sind, desto einfacher kann die Frequenzweiche aufgebaut werden. In hochwertigen Lautsprechern werden Frequenzweichen erster Ordnung verbaut, so auch in diesen Lautsprechern. Die hervorragenden Chassis sind so konzipiert, dass sie mit den Nachteilen solcher Frequenzweichen problemlos umgehen können. Schließlich ist es das Ergebnis was zählt! Aufgrund der Qualität der Chassis kann eine Frequenzweiche 1. Ordnung eingesetzt werden, die zwar ihrerseits problembehafteter sind als Weichen höherer Ordnung, die Gesamtkonstruktion kann aber klanglich damit umgehen, die Qualität der Chassis macht es aus. Vorteil der Weichen erster Ordnung ist der deutlich geringere Einfluss auf den Klang. Als Kondensatoren kommen sehr hochwertige Gold/Silber/Öl-Kondensatoren von Mundorf zum Einsatz.

    Service

    Lautsprecher von B&W sind etwas Besonderes. Ganze 10 Jahre Garantie gibt es für die Lautsprecher, auch für preiswertere Modelle. Hochwertige Lautsprecher werden nicht auf Halde gefertigt und stehen dann beim Händler im Lager, so dass diese nach dem Kauf erst angefertigt werden müssen. Die Wartezeit beträgt ca. 4 bis 6 Wochen, je nach aktueller Auftragslage. Dafür werden die Lautsprecher automatisch registriert, der Besitzer bekommt noch eine sg. „Owner’s Card“ mit den Seriennummern. Im Falle eines Weiterverkaufs ist diese übertragbar, d. h. es wird für den Neubesitzer eine neue Karte ausgestellt, wenn man sich an den Support wendet. Außerdem gibt es für den Käufer eine hochwertige CD, die leider viel zu kurz ist. Dafür ist die Aufnahmequalität über jeden Zweifel erhaben, es handelt sich um eine nicht im Handel erhältliche Zusammenstellung von Künstlern des Stockfish-Labels.

    Fazit

    Man erhält hier absolut hochwertige Lautsprecher mit einer ausgefeilten Technik, die deutliche klangliche Fortschritte bringt. Die entworfene akustische Bühne ist frappierend, die Wiedergabe enorm neutral. Die Lautsprecher eignen sich dank ihrer nicht übertriebenen Größe durchaus noch für kleinere Räume, sofern ihr Bass dann nicht raumbedingt zum Dröhnen neigt.


    © Text&Fotos: Thomas Biegel, der Bericht erscheint auch auf anderen Plattformen

    Bild 1: die Lautsprecher im Raum
    Bild 2: die separaten Hochtöner
    Bild 3: die Anschlüsse
    Bild 4: der Mitteltöner
    Bild 5: einer der beiden Tieftöner
    Bild 6: der Lautsprecher mit Stoffblende
    Bild 7: der Lautsprecher ohne Stoffblende

Bowers & Wilkins 804 Diamond im Vergleich

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