Der sixtinische Himmel

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Produktbeschreibung

Der sixtinische Himmel

EAN 9783862311545
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Tests und Erfahrungsberichte

  • Die Erschaffung des Himmels

    Pro:

    Lebendige Kunstgeschichte, sehr schöne Charaktere

    Kontra:

    nichts

    Empfehlung:

    Ja

    Meine erste bewusste Begegnung mit der Kunst der Renaissance war, wie bei vielen anderen auch in der Schule, als uns der Geschichtslehrer - ausnahmsweise mal ausgestattet mit Bildmaterial - die wichtigsten Kunstwerke der Renaissance näher gebracht hatte. Neben Leonardo da Vinci, Botticelli, Rafael und anderen ging es natürlich auch um Michelangelo. Das Deckenfresko wurde sehr ausführlich behandelt, nackte Leute hat man zu jener Zeit in der Schule noch selten zu sehen bekommen. Deshalb kann ich mich wahrscheinlich auch so gut erinnern.

    Als auf der Leseplattform „liesundlausch.de“ eine Hörprobe zu „Der sixtinische Himmel“ zu hören war und man durch Posten eines „Höreindrucks“ an der Verlosung eines Hörbuchs teilnehmen konnte, habe ich die Chance ergriffen und wurde durch Fortunas Wirken mit diesem wunderbaren Hörbuch beglückt, das ich nun vorstellen möchte.


    === Hörbuchdaten ===

    Titel: Der sixtinische Himmel
    Autor: Leon Morell
    Anzahl CDs: 6
    Hördauer: 509 Minuten, gekürzte Lesung
    Erschienen: Juni, 2012
    Verlag: DAV – Der Audio Verlag
    ISBN: 978-3862311545
    Preis: 19,99 € (Verlagspreis Juli 2012)
    Sprecher: Wolfgang Condrus


    === Autor ===

    Leon Morell, geboren 1967, ist ein Künstlername. Der Autor zahlreicher Romane und Sachbücher studierte Musik- und Literaturwissenschaften. Seine große Begeisterung für Italien und die Kunst der Renaissance inspirierte ihn zu diesem Roman, an dem er ebenso lange gearbeitet hat wie Michelangelo an den Fresken der Sixtinischen Kapelle. Heute lebt der Vater von drei Kindern in Berlin.

    (Quelle: Fischer Verlag)


    === Sprecher ===

    Wolfgang Condrus, geboren 1941 in Berlin, war in den 50ern ein gefragter Kinderdarsteller und spielte u.a. in „Briefträger Müller“ (1953) mit Heinz Rühmann und in „Emil und die Detektive“ (1954). Er ist die Synchronstimme von Sam Neill (Paläontologe Dr. Grant in „Jurassic Park“), Ed Harris („The Rock“) und Mark Harmon („Navi CIS“).
    Wolfgang Condrus spricht Hörbücher sowie Computerspiele, u.a. die Rolle des Elrond in „Der Herr der Ringe“.

    Quelle: Verlagsinfo)


    === Inhalt ===

    Rom, 16. Jahrhundert. Michelangelo Buonarroti, der begnadetste Bildhauer seiner Zeit, soll im päpstlichen Auftrag die Decke der Sixtinischen Kapelle gestalten. Nur widerstrebend macht er sich ans Werk. Bald jedoch entflammt seine Leidenschaft und er möchte nicht weniger als das eindrucksvollste Fresko aller Zeiten erschaffen. Verzweifelt kämpft er an gegen abblätternde Farbschichten und die Bösartigkeiten seines Widersachers Bramante. Vor allem jedoch die Leidenschaft für seinen Schüler Aurelio droht ihn zu zerstören. Doch erst, als er die Kurtisane des Papstes in Marmor meißelt, scheint sein Tod besiegelt.

    (Quelle: Verlagsinfo)


    === Meine Inhaltsangabe ===

    Der junge Aurelio wächst mit seiner Familie im ländlichen Forlí auf. Sein Vater Tommaso ist Bauer und fährt regelmäßig nach Bologna, wo er seine Erzeugnisse, Wein und Olivenöl, gewinnbringend verkaufen kann. Als Aurelio etwa 7 Jahre alt ist, darf er seinen Vater begleiten. Im Seitenschiff einer Basilika, vor einer Engelstatue kommt es zu einer folgenschweren Begegnung. Aurelio trifft den Bildhauer Michelangelo Buonarroti persönlich. An diesem Tag beschließt der junge Aurelio, Bildhauer zu werden und bei Michelangelo in die Lehre zu gehen.
    Das Leben von Aurelios Familie wird wiederholt überschattet von Überfällen von Söldnern, die sich an den Bauernfamilien schadlos halten. Da Aurelio als jüngerer Sohn den Hof nicht übernehmen kann, verlässt er Forlí und macht sich auf, in Richtung Rom, wo Michelangelo für Papst Julius ein riesiges Julius-Grabmahl in Arbeit hat.
    Er trifft tatsächlich auf Michelangelo und nach anfänglicher Skepsis nimmt in dieser als Lehrling in seine „Botega“ auf. Allerdings arbeitet er nicht wie geplant am Julius-Denkmal. Der etwas launische Papst Julius hatte eine neue Idee: Michelangelo soll an der Decke der Sixtinischen Kapelle ein Fresko gestalten. Obwohl Michelangelo eigentlich Bildhauer ist und zuvor noch kein großes Werk gemalt hat, nimmt er den Auftrag, zwar etwas widerwillig, an. Er entwickelt dann aber doch eine unglaubliche Schaffenskraft, deren Ergebnis man ja heute wieder in neuem Glanz bewundern kann.


    === Meine Meinung ===

    Leon Morell lässt den Leser Rom zur Zeit der Renaissance an der Seite Michelangelos erkunden. Die verschiedenen, teilweise völlig gegensätzlichen Stadtteile erwachen durch anschauliche Erklärungen und Beschreibungen zum Leben. Man erlebt einerseits die zermürbenden Streitigkeiten von Michelangelo mit seinem Widersacher, dem Baumeister Bramante, andererseits die Kämpfe, die der Künstler Michelangelo mit sich selber ausficht bis er die optimalen Lösungen für seine Darstellungen findet. Ganz nebenbei erfährt man auch einiges über Kunstgeschichte, über die einzelnen Arbeitsschritte zur Erstellung eines Freskos und die Schwierigkeiten mit denen die Künstler zu kämpfen hatten.

    Die Charaktere sind ausgesprochen sorgfältig ausgearbeitet und in meinen Augen sehr gelungen. Papst Julius erscheint als sehr starker und kämpferischer Papst, der aber durchaus sehr menschliche Schwächen hat und auch echte Bewegtheit und Gefühle zeigen kann. Michelangelo ist einerseits der Künstler, der ganz in seinen künstlerischen Figuren aufgeht, noch bevor sie geschaffen sind. Er steht aber doch mit beiden Beinen im Leben und muss sehr viele praktische, auch bauliche Entscheidungen treffen, die vorerst mit Kunst wenig zu tun haben. Das überaus arbeitsintensive und anspruchsvolle Werk erfordert neben handwerklichem Geschick auch unternehmerische Fähigkeiten. Oft kämpft er gegen wirtschaftliche Probleme an, sei es, weil der Papst mehr bestellt, als er bezahlt oder sei es, weil ihn seine Familie durch riskante Spekulationsgeschäfte fast in den Ruin treibt.

    Aurelio macht eine große Reifeentwicklung durch. Er reist als noch sehr kindlicher junger Mann nach Rom und wird dort mit sehr vielen Aspekten des Lebens konfrontiert, auf die er aufgrund seiner bäuerlichen Herkunft überhaupt nicht vorbereitet ist. Im Gegensatz zu den Charakteren von Michelangelo und Papst Julius hätte ich mir bei Aurelio etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Er wird als rundum gutherziger, neugieriger junger Mensch dargestellt. Erst gegen Ende findet er zu sich selber, trifft eigene, nicht unbedingt weise Entscheidungen und stellt sich auch gegen seinen Lehrmeister.

    Es gibt auch noch zahlreiche weitere sehr interessante Nebencharakteren, sie weiter auszuführen würde aber zuviel vom Inhalt vorwegnehmen.

    Meine Lieblingsszene in diesem Buch war die Enthüllung der ersten Hälfte des Freskos. Das war echtes Gänsehautgefühl! Morell hat es wunderbar geschafft die Anspannungsgeladene Stimmung und das darauf folgende erlösende Staunen in Worte einzufangen. Allein dafür, lohnt es sich das Buch zu lesen beziehungsweise dem Hörbuch zu lauschen.

    Wolfgang Condrus verleiht mit seiner reiferen Stimme Michelangelo einen sehr würdevollen Auftritt in diesem Hörbuch. Er schafft es auch, die anderen Charaktere lebendig und glaubhaft zu intonieren, ohne bei den weiblichen Figuren ins Lächerliche abzudriften, wie das bei Hörbüchern manchmal der Fall ist. Ich habe ihm in diesem Hörbuch sehr gerne zugehört und ich finde, er wird im Verlauf des Buches immer besser.
    Condrus liest sehr ruhig und relativ langsam. Er wird an passenden Stellen auch mal sehr leise bis zu einem Flüstern, was die Stimmung im Buch sehr gut verdeutlicht. Da ich Hörbücher meist neben anderen Tätigkeiten oder beim Laufen höre, hatte ich dadurch etwas Verständnisschwierigkeiten und musste öfter mal lauter drehen oder etwas zurückgehen. Wenn man es sich einrichten kann, ist der Genuss des Hörbuchs sicher größer, wenn man sich hinsetzt und einfach nur zuhört.
    Das Hörbuch kommt aus ohne musikalische Hintermalungen oder Geräuschkulissen.

    Auf der Verlagshomepage steht eine Hörprobe zur Verfügung:

    http://dav2.juni.com/details.php?p_id=1368

    Sie ist dem Prolog entnommen, wird aber meiner Meinung nach dem Hörbuch nicht wirklich gerecht. Ich fand, dass Condrus im Verlauf der Geschichte einiges lebhafter liest.


    === Mein Fazit ===

    Für mich war diese Geschichte um die Entstehung des Deckenfreskos der Sixtinischen Kapelle eindeutig ein Buchhighlight in diesem Jahr. Ich konnte herrlich in die Zeit der Renaissance eintauchen, obwohl ich jetzt in dieser Geschichte eigentlich keine direkte Identifikationsfigur gefunden habe. Ich fand es auch mal entspannend, einen historischen Roman zu lesen, mit Männern als Hauptfiguren. Das Buch hat mich auch angeregt, wieder mal in einem schönen Bildband zu schmökern und diese großartige Kunst auf mich wirken zu lassen.

    Da ich gesehen habe, dass das gebundene Buch noch einige Extras hat, z.B. im Schutzumschlag einen Farbdruck des Deckenfreskos, würde ich bei einem Kauf wahrscheinlich das Buch dem Hörbuch vorziehen.

    Von mir gibt es für dieses Werk eine eindeutige Lese- beziehungsweise Lauschempfehlung.

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