Pro:
Originelle Einfälle ...
Kontra:
... deren Umsetzung nicht immer optimal gelungen ist.
Empfehlung:
Ja
Der Name lässt es bereits vermuten: atypyk ist eine Website, die sich mit außergewöhnlichen Dingen befasst. Hinter dem Namen stecken zwei französische Designer, die ganz Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs neu interpretieren.
„Warum ist da eigentlich nicht längst jemand drauf gekommen?“ Die Frage schießt einem angesichts der atypyk-Artikel, die auf der Website in Bild und Text vorgestellt werden, immer wieder durch den Kopf. Warum ist nicht längst jemand darauf gekommen, einen Untersetzer zu fertigen, der nicht wie ein Untersetzer aussieht – sondern so, als habe jemand Wasser auf dem Tisch verschüttet? Warum hat nicht schon vor den atypyk-Jungs mal jemand ein Klebeband mit Schlangenmuster bedrucken lassen? Und warum, zum Deibel, bin ich nicht darauf gekommen, dass ein Lutscher aussehen kann wie ein Schraubenzieher ... !?
Viele der Dinge, die bei atypyk präsentiert und vertrieben werden, spielen mit Sehgewohnheiten: Da sieht ein Taschenspiegel plötzlich aus wie ein Polaroid-Schnappschuss, Aufkleber laden dazu ein, den heimischen Kühlschrank optisch zum Bunte-Kuh-Schrank zu machen, und ein hundsgemeines Geschirrtuch im Karodesign wird plötzlich zur Krawatte. Nicht alles von atypyk ist dabei schon gutes Design. Vieles, was präsentiert wird, lebt eher von einer originellen Idee als von tatsächlichem Nutzwert: Die augenzwinkernd auf „Clumsy“ („ungeschickt“) getauften Wasserfleck-Untersetzer sind hübsch, dabei aber wenig praktisch, weil aus weichem Kunststoff-Material gefertigt, das sich sehr viel inniger an den Boden des darauf platzierten Glases anschmiegt als, zum Beispiel, das Gros handelsüblicher 0815-Bierdeckel.
Mit „Fortune Teller“ ist das ganz ähnlich: Die Idee, den Begriff „Kaffeesatz“ mal sehr wörtlich zu nehmen und kurze Quasi-Prohezeiungen in den Boden einer Kaffeetasse zu gravieren, ist sehr charmant; die Art, in der diese hübsche Idee umgesetzt worden ist, enttäuscht hingegen etwas. Die reichlich grob glasierte Keramik trübt den Spaß an der eigentlich schönen Idee etwas, die Henkel der Tassen sind um jene Spur zu klein ausgefallen, die einen beim Gebrauch jedes Mal aufs Neue ärgert: Warum lassen sich die kleinen Tässchen nur mit ganz spitzen Fingern anfassen – warum hat man den Durchmesser der Griffe nicht wenigstens so groß gewählt, dass man mühelos durchgreifen und die Tasse so etwas sicherer halten kann? Etwas weniger verspielt, dafür aber etwas besser durchdacht – das wäre keine schlechte Devise für atypyk, zumal die Preise, die die Herren Designer an ihre Erzeugnisse kleben, auch nicht von schlechten Eltern sind: 9 Euro für eine reichlich grob anmutende Keramiktasse sind genauso wenig ein Sonderpreis wie 10 Euro für einen Taschenspiegel – oder 5 Euro für einen Lutscher. In meinen Augen zeichnet sich gutes Design dadurch aus, dass es ansprechende Formgebung mit hohen Gebrauchswert verbindet. In diesem Sinne ist auch ein „Design“-Klassiker wie z.B. Philippe Starcks Zitruspresse „Juicy Salif“ für mich kein wirklich gut gestaltetes Produkt: Was taugt eine Presse, die so geformt ist, dass nicht nur der ausgepresste Saft im Glas landet, sondern auch Kerne und andere feste Bestandteile? Oder besser gefragt: Als was taugt solche eine Presse? Klarer Fall: als netter, dabei aber arg teurer Dekorationsartikel macht die „Juicy Salif“ in jeder Bar eine gute Figur.
Folglich tue ich mich etwas schwer damit, den atypyk-Artikeln das Prädikat guten Designs zuzugestehen.
Die Sachen, die auf atypayk.com präsentiert werden und im angegliederten Webshop auch gleich bestellt werden können (Zahlung per Kreditkarte, für die Lieferung nach Deutschland werden 8 Euro für Porto und Verpackung fällig), sind für mich eher bessere Scherzartikel. Das meine ich nicht einmal negativ, denn ich fasse den Begriff des Scherzartikels sehr weit (im englischsprachigen Raum gibt es die schönen Begriffe „gimmicks“ und „gadgets“ – die empfinde ich als etwas weniger herablassend als den deutschen Scherzartikel). Für mich sind nicht nur mit Senf gefüllte Krapfen und Furzkissen Scherzartikel, sondern für mich ist auch so mancher Eierbecher aus dem Alessi-Sortiment eine Art Scherzartikel (vom Flötenkessel mit Kuckuck mal ganz zu schweigen): ein Artikel eben, der auf überraschende Weise für Heiterkeit sorgt, der aber durchaus noch einen anderen Zweck erfüllt als nur den, zum Lachen oder doch wenigstens zum Schmunzeln zu bringen.
Die Dinge von atypyk schaffen das. Manchmal gerät der Nutzwert dabei zwar etwas ins Hintertreffen, und wirklich nützlich sind auch beileibe nicht alle Dinge von atypyk. Im Gegenteil: Jeder der witzig getalteten atypyk-Artikel hat natürlich auch ein ganz typisches, gewöhnliches Gegenstück in typischer, gewohnter Optik.
Eines aber sind die Artikel von atypyk für mich in jedem Falle: eine sehenswerte Einladung dazu, alltägliche Dinge einmal mit anderen Augen zu betrachten – und damit auch eine wirklich schöne Inspirationsquelle. Mit anderen Worten: Ich finde, atypyk.com lohnt in jedem Falle einen Besuch. Mensch muss dort ja nicht unbedingt auch etwas bestellen: Gucken kostet ja nichts. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben