Ägyptisches Museum München Testbericht

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Erfahrungsbericht von Haramis

So schrieben die alten Ägypter

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Im Zuge meines Archäologie-Studiums machte ich mich letzte Woche mit einer Freundin auf \"Museumstour\" quer durch München. Geplant waren eigentlich drei Museen, geschafft haben wir dann aber nur zwei. Fast zwei Stunden lang stiefelten wir durch die Archäologische Staatssammlung und mußten uns dann beeilen, noch früh genug ins Ägyptische Museum zu kommen, um alles in Ruhe anschauen zu können. Museen haben ja leider die dumme Angewohnheit, zwischen 16 und 17 Uhr zu schließen.


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Was kriegt man zu sehen?
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Eine Menge alter Ägypter. Und nein, keine Sorge, Mumien gibt\'s dort außer einer Kindermumie keine. Die meisten Ägypter, die man dort bewundern kann, sind aus Stein, sei es als Büste oder als überlebensgroße Statue.
Über das Leben der Ägypter wird man leider wenig finden, da sich das Museum ausschließlich mit der ägyptischen Kunst beschäftigt. Ach, was rede ich - mit den Ägyptern kenne ich mich ja eh nicht so gut aus. Sehen wir lieber mal, was das Museum selbst dazu sagt:

\"Der Name des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst ist Programm: Es ist weltweit das einzige Museum seiner Art, das sich auf die Kunst, und hier vor allem auf die Rundplastik, Altägyptens konzentriert, wobei alle Epochen von der Vorgeschichte über die klassischen Perioden des Alten, Mittleren und Neuen Reiches über die Spätzeit bis in die griechisch-römische Zeit in qualitätvollen Denkmälern repräsentiert sind. Darüber hinaus sind in komprimierter Form die Kulturen des antiken Sudan (Nubien) und die spätantik-koptische Periode vertreten, hinzu kommen ägyptisierende Denkmäler aus dem kaiserzeitlichen Ägypten.\"

(Quelle: http://www.aegyptisches-museum-muenchen.de)

Ein bißchen hochgestochen, aber klingt trotzdem verlockend, oder?

Darüber hinaus gibt es zur Zeit übrigens noch eine Sonderausstellung: \"Stimmen vom Nil - Altägypten im Spiegel seiner Texte\". Die Sonderausstellung macht ziemlich genau die Hälfte des Museums aus und zeigt jede Menge Schriften, von Märchen über Romane bis hin zu Gerichtsurteilen.


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Daten
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So, erstmal das Theoretische. Zu finden ist das Museum unter:

Residenz, Eingang Hofgartenstraße 1
80539 München


Öffnungszeiten:

Di. - Fr. 09:00 - 17:00 Uhr
Sa., So. 10:00 - 17:00 Uhr
Di. auch 19:00 - 21:00 Uhr
Montags geschlossen
Tel.: 089 / 298546 (nur während der Öffnungszeiten)


Eintrittspreise:

Erwachsene: 5.- Euro
ermäßigt 4.- Euro
Kinder (ab 6 Jahre) 1.- Euro
Am Sonntag ist der Eintritt in die Dauerausstellung (Teil II des Museums) kostenlos.


Verkehrsverbindung:

U-Bahn bis Odeonsplatz,
Tram 19 bis Nationaltheater,
Bus 53- Museumslinie bis Odeonsplatz


Internetadresse:

http://www.aegyptisches-museum-muenchen.de


Ja, ich gebe zu, die Eintrittspreise sind ziemlich gesalzen. Für jemanden, der sich mit den Ägyptern nicht auskennt, lohnt sich die Ausgabe fast nicht. Warum erkläre ich gleich...



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Und so lief unser Museumsbesuch ab
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Nach dem Besuch der Staatssammlung stiegen wir erstmal in die U5 (U4 fährt übrigens auch die Strecke) und stiegen dann plangemäß am Odeonsplatz aus. Die Hofgartenstraße betritt man durch einen schönen Bogen direkt neben der U-Bahn-Station, soweit lief noch alles ganz gut. Nur wie sollte man die Hofgartenstraße 1 finden, wenn nirgendwo Hausnummern oder Schilder angebracht sind?
Wir beschlossen also einfach mal, die Straße entlang zu gehen. Links von uns konnte man schöne Gemälde an der Wand betrachten, während rechts eine Zeile hoher, alter Gebäude war. Ich weiß nicht wieso, aber wir beschlossen, rechts zu gehen und notfalls jemanden zu fragen. Ein paar Schritte weiter konnten wir uns dann die Fragerei sparen, da wir bereits am Museum angelangt waren, völlig unvermutet sozusagen. Was sich in dem Haus befindet erfährt man nämlich erst, wenn man buchstäblich mit der Nase an der Tür klebt...

Vielleicht kennt ihr diese riesengroßen Türen mit den alten verschnörkelten Klinken, wo man sich mit all seinen Kräften dagegenstemmen muß, um sie überhaupt aufzukriegen. Wir also rumms dagegen und kaum drinnen, dreht sich meine Freundin um und knallt die große Tür wieder zu. Als wir uns dem Innenraum zuwandten, standen wir erstmal vor einer Folie, die von der Decke herunterhing und auf der ein Schild befestigt war: \"Tür bitte nur anlehnen\"...
Ich dachte erst, die reparieren dort irgend etwas, aber am Ende kamen wir zu dem Schluß, daß es vermutlich immer so aussieht. Nach Passieren der Folie standen wir in einem riesigen und völlig menschenleeren Vorraum. Man könnte wirklich meinen, daß das Haus leerstehen würde, wäre an einer kleinen Tür rechts hinten nicht ein Schild mit der Aufschrift \"Kasse\". Na bitte, die nächste Hürde war genommen.

Wir öffneten die Tür (nach erfolgreichem Kampf mit der Klinke, die man ausnahmsweise nicht drücken sondern drehen mußte) - und befanden uns plötzlich in einer ganz anderen Welt. Auf einmal wimmelte es von Menschen, die düstere Atmosphäre der Vorhalle war wie weggeblasen und ein älterer Herr an der Kasse grinste uns schon von weitem entgegen (Der Kampf war offensichtlich nicht unbemerkt geblieben).
Der Kartenkauf ging recht schnell. Vergünstigt, da wir ja Studentinnen sind, machte es immerhin noch satte 4 Euro (den Studentenausweis will übrigens keiner sehen ;-)) und außerdem verpaßte man uns noch Kopfhörer. Diese Dinger sehen aus wie übergroße Handys und man hat die Möglichkeit, sich Texte zu den Exponaten anzuhören. Ursprünglich wollte ich auf den Kopfhörer verzichten, weil das Ding doch irgendwie stört, wenn man es durch das ganze Museum mitschleppen muß. Aber bereits bei der ersten Vitrine war ich froh, das Teil doch mitgenommen zu haben. Die Exponate waren nämlich so gut wie gar nicht beschriftet und man mußte erst die angegebenen Ziffern in den Kopfhörer eintippen, um mehr darüber zu erfahren.

Nun weiß ich ja nicht, was \"Otto Normalverbraucher\" von so einem Museum erwartet, oder präziser: von einer Sonderausstellung zu ägyptischen Texten (in dem Teil waren wir nämlich gelandet). Ich jedenfalls versuche seit einiger Zeit, Hieroglyphen zu lernen und habe inzwischen einiges darüber gelesen. Wenn dann im Museum vor mir ein paar Schrifttafeln sind, dann erwarte ich eigentlich auch eine vernünftige Übersetzung dazu. Der erste Text war ein Märchen, und alles, was man über den Kopfhörer (der übrigens keinen Lautstärkeregler hat) erfuhr, war eine Nacherzählung des Märchens. Toll. Super. Bringt mir sehr viel.

Bei den nächsten Exponaten war es dann leider nicht viel anders. Nichtssagende Beschreibungen in den Vitrinen und allgemeines Blabla über den Kopfhörer. Dazu noch ein \"freundlicher Hinweis\" eines Mitarbeiters, wir sollten doch unsere Rucksäcke nicht auf dem Rücken, sondern in der Hand tragen. Die Folge waren Rückenschmerzen und zwei Rucksäcke, die ständig von einer Hand in die andere gewechselt wurden. Wenn die Leute dort Angst um ihre Vitrinen haben, dann bin ich mir sicher, daß das Glas bei uns höchst gefährdet war, da die Rucksäcke wirklich ständig in Bewegung waren. Kommt davon, wenn man einen Liter Mineralwasser und Bücher für den Zug mitschleppt *g*

Die Exponate an sich waren dann auch wunderschön (von den Begleittexten mal abgesehen). Selbst wenn man keine Ahnung hat, was da vor einem rumsteht, gewinnt man doch einen Eindruck von der sagenhaften Kunst der alten Ägypter. Mehrere Räume waren gefüllt mit Statuen oder behauenen Steinblöcken, die nicht nur irgendwelche Menschen darstellten, sondern auch immer eine lange Inschrift aufwiesen. Neu war mir, daß die Ägypter tatsächlich schon ganze Romane verfaßt hatten, die allerdings nicht in altäpgytischen Hieroglyphen, sondern in einer einfacheren Schrift geschrieben waren.
Dadurch daß wir fast nichts zu lesen hatten und das Kopfhörer-Spielchen mit der Zeit einfach zu nervig war, hatten wir die Sonderausstellung in Null Komma Nichts durch und machten uns auf den Weg zur Dauerausstellung, quer durch die Vorhalle und diesmal durch die linke Tür. Die Kopfhörer konnten wir abgeben, da die nur für die Sonderausstellung waren.

Die Dauerausstellung ist im selben Stil wie die Sonderausstellung gehalten - wunderschöne Stücke, aber keine Beschreibungen dazu. Hier findet man die ägyptische Kunst in all seinen Facetten, vom bemalten Stoff bis zu reich verzierten Sarkophagen. In dem Raum mit den Sarkophagen ist dann auch die Kindermumie zu sehen. Übrigens kann man in dem winzigen Nebenraum mit den riesigen Sarkophagen, die bis unter die Decke reichen, regelrecht Platzangst kriegen, so eng ist es da.

Ich würde gerne noch mehr erzählen, weil die Stücke wirklich hervorragend waren, doch wie gesagt - ich weiß selber nicht, was ich da eigentlich alles gesehen habe. Ich glaube, wir brauchten keine halbe Stunde, bis wir durch die 3 oder 4 Räume durch waren und uns auf den Heimweg machten - fasziniert von dem, was wir gesehen haben, enttäuscht von dem, was wir nicht erfahren haben.


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Kritik
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Zu bemängeln ist natürlich die schlechte, bzw. zum Teil sogar fehlende Beschriftung der Exponate, aber das habe ich ja oben schon mehrfach angesprochen.

Was mich noch gestört hat, waren die Preise. 4 Euro für den Eintritt und die wenigen Ansichtskarten nochmal 50 Cent pro Stück, wobei die nicht einmal besonders schöne Stücke gezeigt haben. Die schönsten Sachen konnte man sich nur in den Katalogen anschauen, und daß man dafür horrende Summen haben will, kennt man ja aus jedem Museum.

Traurig gestimmt hat mich auch, daß man von der Sonderausstellung nichts mit nach Hause nehmen konnte, weder Ansichtskarten noch Kataloge. Da in der Ausstellung selbst nirgendwo etwas wörtlich übersetzt wurde, hätte ich mir die Inschriften gerne zu Hause noch einmal in Ruhe angesehen.


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Noch ein kleiner Nachtrag
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Da ich eigentlich nur zum Studieren nach Regensburg gekommen bin und ursprünglich aus Weiden stamme, hat es mich verwundert zu lesen, daß das Ägyptische Museum ein Zweigmuseum in Weiden besitzt. Dort kann man ägyptische Keramik bewundern, und soweit ich das gelesen habe, nicht nur ägyptische, sondern auch Keramik aus drei weiteren Münchner Museen, u. a. meiner heißgeliebten Archäologischen Staatssammlung.

Zu finden ist das Museum unter:

Internationales Keramikmuseum
Luitpoldstraße 25,
92637 Weiden
Telefon: 0961 320 30
Haupthaus: www.die-neue-sammlung.de

Öffnungszeiten:
täglich 10-12.30 und 14-16.30 Uhr
Montag geschlossen
Abendöffnung jeden 1. Dienstag im Monat 19-21 Uhr

Eintritt: frei

Na also, es geht auch billig *g*



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FAZIT
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Das Museum an sich hat einiges an Exponaten zu bieten. Man kommt mit dem Schauen gar nicht mehr mit, denn obwohl die Ausstellungsräume recht klein sind, sind sie mit ägyptischer Kunst vollgestopft bis obenhin.
Leider erfährt man über die meisten Exponate nicht besonders viel und geht \"genauso dumm\" wieder raus, wie man reingekommen ist.

Empfehlen kann ich das Museum auf alle Fälle für Ägypten-Liebhaber, für Leute, die sich schon ein wenig mit dem alten Ägypten auskennen, und natürlich für Archäologie-Studenten ;-)
Sollte jemand ohne Vorkenntnisse reingehen, wäre es ratsam, sich im Vorfeld ein wenig zu informieren.



Danke für\'s Lesen,
Eure Haramis.

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