A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

Zwischen GENIE und WAHNSINN...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Vorschusslorbeeren waren enorm. Ausgezeichnet mit vier Golden Globes und nominiert für 8 Oscars, diese Worte dürften eigentlich eine eindeutige Sprache sprechen: Man darf großes von Ron Howards neustem Film „A beautiful mind“ erwarten. Mit solch einem umwerfenden Geniestreich hätte ich aber bei weitem nicht gerechnet, Howard inszenierte mit Russell Crowe in der Hauptrolle einen perfekten Hollywood-Streifen, der sich vom üblichen Hollywood-Kitsches zu separieren weiß...


Im Jahre 1947 beginnt das Mathegenie John Nash sein Mathematikstudium an der renommierten Princeton University. Zwar ein Genie, aber unfähig soziale Kontakte zu knüpfen fristet er ein Einsiedlerdasein. Nur sein Zimmergenosse und einziger Freund Charles kann zwischen John und seine Bücher treten und probiert diesen aus seinem Einsiedlerdasein zu befreien. Als er schließlich nach zwei Jahren harter Arbeit verfasst John eine neue Theorie, die neue Aspekt im Bereich der Spieletheorie eröffnet und so die Wirtschaftspolitik der vergangenen 150 Jahre auf den Kopf stellt.

Bedingt durch diese geniale Arbeit erhält John einen hochdotierten Dozentenjob in Cambridge, bei dem er auch seine zukünftige Frau Alicia kennen lernt. Aber nicht nur die Wissenschaft ist hinter Johns unglaublicher Fähigkeit Codes zu knacken – die auf seinem mathematischen Verständnis beruht – hinterher, auch die Regierung erhofft sich durch den Hochbegabten versteckte Codes der Russen zu entschlüsseln.

Doch nach und nach verliert John die Fähigkeit zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden, er leidet unter starkem Verfolgungswahn. Ein Psychiater macht bei ihm eine erschreckende Diagnose: Der hochintelligente John Nash leidet unter Schizophrenie...


Die unglaublichsten Geschichten schreibt bekannterweise immer das Leben selber. So beruht auch die neuste Regiearbeit von Ron Howard (u.a. „Apollo 13“, „der Grinch“ und „Willow“) auf dem wahren Leben des Nobelpreisträgers Prof. Dr. John Forbes Nash jr.. Unglaublich ist die Wandlung der kontaktarmen Intelligenzbestie zum psychisch-gestörten Pflegefall. Und ebenso unglaublich ist der langjährige Genesungsprozess: Ende der achtziger gilt John Nash als geheilt und empfängt im Jahre 1994 den Nobelpreis für Ökonomie.


Aufbauend auf dem Leben von John Nash – die Biographie wurde von Sylvia Nasar geschrieben – zaubert Regisseur Ron Howard einen einfühlsamen Film, der dem Zuschauer direkt ins Herz trifft. Nahezu ohne jeglichen Hollywood-Kitsch erzählt Howard die wundersame Lebensgeschichte und kann hierbei auf einen überragenden Hauptdarsteller zurückgreifen. Russell Crowe – der mich nun endlich von seinen unglaublichen Schauspielerqualitäten überzeugen konnte – kann mit der Darstellung des Schizophrenen seine bisherige Bestleistung abliefern. Seine Darstellung ist beängstigend realistisch und lässt so den Zuschauer Platz für das Mitfühlen. Seinen zweiten Oscar für den beste Hauptdarsteller dürfte der Australier mit dieser gefühlsbetonten Rolle sicher haben.

Aber auch die restlichen Darsteller spielen auf allerhöchstem Niveau. Jennifer Connelly (u.a. „Requiem for a dream“) liefert mit der Darstellung der Alicia eine Vorstellung ab, die ebenso große Oscar-Hoffnungen erwachen lässt. Ihr harter Kampf zwischen der Liebe zu ihrem Mann und dem Verzweifeln an der Krankheit ist absolut überragend dargestellt und kann nur mit der Bestnote belohnt werden.
In weiteren Nebenrollen sind mit Ed Harris (u.a. „Apollo 13“ und „die Trueman Show“), Christopher Plummer (u.a. „Dolores“ und „Schlappe Bullen beißen nicht“) mit fabelhaften Auftritten zu begutachten. Nicht zu vergessen ist aber noch Paul Bettany (u.a. „Ritter aus Leidenschaft“), der als bester Freund Johns ein paar Lacher auf sich ziehen kann, aber dennoch eine differenzierte und absolut überragende Leistung abliefert.


Wie bereits angesprochen sind ein Großteil der Kritiker begeistert von Ron Howards neustem Geniestreich. Für acht Oscars nominiert dürfte der Film am 24. März die ein oder andere Auszeichnung entgegennehmen. Betrachtet man die Golden Globe Verleihung (bestes Drama, bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin und bestes Drehbuch) und die British Academy Film Awards Verleihung (bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin) als Maßstab, dürfte der Filmcrew ein euphorischer 24. März bevorstehen.

Mitgerissen von der unglaublichen Geschichte versinkt der Kinozuschauer in einer erschreckenden und zugleich faszinierende Welt der Schizophrenie. Geprägt von einem Hauptdarsteller, der den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann zieht und bei diesem aufgrund seiner bombastischen Darstellerkunst ein enormes Mitgefühl auslöst, dass dieser sich nicht die ein oder andere Träne verkneifen kann. Getragen von einem Drehbuch – welches die ein oder andere künstlerische Abänderung am Leben von John Nash aufweist – der ganz großen Gefühle ohne dabei in die niederen Kitschregionen zu verweilen, ist dieser Film eine unbeschreibliche Erfahrung. Mit Herz und Hirn verwöhnt Ron Howard den Kinozuschauer und entlässt diesem mit einem wunderbaren Gefühl aus dem Kino.


Abschließend kann ich für diesen Film nur eine uneingeschränkte Guckempfehlung aussprechen. Schon lange hat es Hollywood nicht mehr geschafft eine derart gut gelungenen Gefühlsfilm auf die Leinwand zu bringen. Vorangetrieben durch den fabelhaften Hauptdarsteller kommt zu keinem Zeitpunkt der Geschichte Langeweile auf und der Zuschauer fiebert gebannt dem Ende hingegen. Zwar ist die Kompatibilität mit action- und fäkalhumorgewähnten Kinogängern noch fraglich, aber wenn diese noch nicht ihr Mitgefühl gänzlich abgeschafft haben, sollte auch sie dieser Film mitten ins Herz treffen und die ein oder andere Träne entlocken.
Kurz gesagt: Gefühlskino wie es größer kaum sein kann...

Punkte: 9 einfühlsame Punkte auf meiner 10er-Skala

Internet: http://movies.uip.de/abeautifulmind


Oscar-Update:

Letztendlich wurde „A beautiful Mind“ mit vier der begehrten Statuen ausgezeichnet. Neben Jennifer Connelly, erhielt sowohl Ron Howard als auch der Film einen Oscar. Erstaunlicherweise konnte ebenso Akiva Goldsmith einen der goldenen Jungs entgegennehmen und stach so die haushochfavorisierte Konkurrenz von „der Herr der Ringe“ mit seiner Drehbuch-Adaption aus.

26 Bewertungen, 1 Kommentar

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 14:44 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    über gegenlesungen würde ich mich freuen;)