A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn (VHS) Testbericht

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ab 11,13
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Erfahrungsbericht von marenmoon

Und so vieles ist wahr...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo zusammen,

„Genie und Wahnsinn“. Das war so ziemlich das einzige, was ich über „A beautiful mind“ wusste, bevor ich den Film gestern im Kino gesehen habe. Ich war quasi vollkommen unbeeinflusst, wusste nur dass es um einen genialen Mathematiker geht, der später in die Psychiatrie eingewiesen wird. Mehr nicht. Und das war für das Filmerlebnis auch sehr gut so.

1. Die Handlung, wie sie scheint
2. Die Handlung, wie sie ist
3. Charaktere
4. Kritik
5. Realitätsbezug


-o- Der Schein -o-

Princeton, 1949: Der 2. Weltkriegt ist vorüber und das Leben am College geht wieder seinen gewohnten Gang. John Nash, angehender Mathematikstundent, trifft in Princeton ein um sein Studium zu vertiefen. Ihm eilt schon der Ruf eines Genies voraus, was bei einigen seiner Kommilitonen Neid erweckt. Auch charakterlich passen sie und er nicht zusammen. Johns Umgang mit Menschen ist gewöhnungsbedürftig und für viele zu direkt. Trotzdem nehmen sie ihn mehr oder weniger in ihren Kreis auf.

Da Nash seine einzige Lebensaufgabe darin sieht, etwas vollkommen neues zu entdecken, ist er dauernd auf der Suche nach DEM Projekt: Er beschreibt die Fenster der Bibliothek mit Kreide, rechnet so die Bewegungen von Tauben um Futterkörner aus. Für seine Freunde ist und bleibt er der wunderliche Neuling aus Virginia.

Aufgeschlossener steht im da sein Zimmergenosse Charles gegenüber, der John des öfteren wieder auf den Boden zurückholen muss. Im Laufe der Zeit werden die beiden die besten Freunde, Charles ist jedoch immer nur mit John zusammen, nie mit seinen anderen Freunden.

Als er mit diesen in der Kneipe sitzt, kommt ihm plötzlich eine Idee für seine Forschungen: Alle seine Freunde stehen auf das gleiche Mädchen, eine Blondine, was ihn zu der Annahme veranlasst, dass die Theorie von Adam Smith, Wirschaftwissenschaftler, nicht stimmt. Diese besagt, dass in einer Gruppe jeder das für sich selbst beste tun soll, damit das beste Ergebnis erzielt wird. für Nash jedoch spielt die Gruppe noch eine Rolle und so überlegt er, dass es am besten wäre, wenn man das für die Gruppe und für sich selbst Beste tun würde. Somit würde es heißen, dass alle seine Freunde eine der Freundinnen ©marenmoon der Blondine ansprechen würde. Somit gäbe es keine Rivalitäten unter den Freunden und dieses würde für die Gruppe besser sein als der von Smith vorgeschlagene Egoismus. Diese Idee verändert John Nashs Leben und ist der Anfang einer immer verworrener werdenden Geschichte.

Nash steigert sich in seine Idee immer mehr hinein und scheint auch zunächst Erfolg zu haben. Er wird Dozent. Seine Vorlesungen sind gefragt, obwohl sie des öfteren ausfallen oder nur zum Teil stattfinden, weil er bei seinen Berechnungen die Zeit vergessen hat. In einer dieser Vorlesungen lernt er seine Studentin Alicia kennen, die ihm selbstbewusst und offen gegenübertritt.

Parallel zu seiner Tätigkeit an der Uni arbeitet Nash für den amerikanischen Geheimdienst, denn mitten im Kalten Kriegt wollen die Russen eine Atombombe in den USA zünden. Der mysteriöse William Parcher kümmert sich fortan darum, dass Nash, den er den „besten Dechiffrierer der Welt“ nennt, für das Pentagon arbeitet. Er soll verschlüsselte Nachrichten, die sich in ganz normalen Zeitungstexten befinden, entschlüsseln und so die Position der Bombe herausfinden. Natürlich ist sein Job nicht ungefährlich, da die Russen bereits auf seiner Spur sind.

Zur gleichen Zeit hat Nash sein erstes Rendez-vous mit Alicia, die ihn zum Essen eingeladen hatte. Die beiden kommen sich näher und bauen langsam eine Beziehung auf, wobei Alicia die Rolle einer Erzieherin übernimmt, die John in die gesellschaftlichen Formen einführt.
Nach einiger Zeit heiraten sie, da Nash „einen empirischen Beweis für ihre Liebe“ sucht. Doch auch jetzt weiht er sie nicht in seine gefährliche Arbeit ein. Sie wird schwanger und bekommt einen kleinen Jungen, zu dem Nash gar kein Verhältnis hat. Seine Arbeit wird immer schwieriger für ihn, da ihn Parcher zuletzt sogar drängt, Alicia umzubringen. Diese jedoch ist vollkommen verzweifelt und sieht als letzte Möglichkeit die Einweisung in die Psychiatrie.


-o- Das Sein -o-


Beim ersten Zusammentreffen des Doktors mit Nash wird dem Zuschauer klar, dass er die ganze Zeit, ebenso wie Nash selbst, seine nichtreale Welt erlebt hat. Sein Zimmergenosse Charles hat nie existiert. Seine Aufträge und Parcher haben nie existiert. Und auch Charles kleine Nichte, die Nash so gerne mochte, ist nicht real. Nash selbst ist sich dessen nicht bewusst. Alicia findet in seinem Büro und in der Garage ihres Hauses Wände voll mit nach Codes untersuchten Zeitschriften und wird sich der Krankheit ihres Mannes bewusst: Schizophrenie. Für ihn ist etwas andereres real, was nur er sieht.

In der Psychiatrie wird er einer Insulin-Kur unterzogen und muss sich an eine strenge Medikation halten, auch als er die Klinik verlässt. Als er die Medikamente wenig später absetzt, bekommt er zunächst einen Rückfall, nimmt sich dann jedoch vor, die drei Menschen, die es nur für ihn gibt, einfach zu ignorieren und zu versuchen, ein normales Leben zu führen. Dieses gelingt ihm mehr und mehr, sodass er ©marenmoon am Ende des Films sogar wieder auf dem Campus Studenten unterrichtet und mit seiner Frau Alicia ein normales Leben führen kann. Seine irrealen „Freunde“ halten sich abwartend im Hintergrund und verschwinden nie ganz.
Für seine Forschungen wird er 1994 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.


-o- Charaktere -o-


John Nash (Russel Crowe)

Schon als Student wirkt er wunderlich und kontaktscheu. Keiner seiner Kommilitonen kann wirklich zu ihn durchdringen, da er sich nur selten auf eine Konversation einlässt. Er scheint völlig in sich gekehrt und nur darauf bedacht, sein Lebenswerk zu beginnen und würdevoll zu vollenden. Bei vielen entsteht schon hier der Eindruck, er lebe völlig in seiner eigenen Welt.
Nash gibt sich nicht mit dem zufrieden, was er erreicht hat. Er ist jemand, der immer noch mehr will und später sogar den Ehrgeiz hat, die ganze Welt zu retten. Nash ist sehr von sich überzeugt und teilt dieses auch bereitwillig anderen mit. Er braucht nur sich und seine Mathematik, alles andere ist nebensächlich. Gegen Ende des Films ändert sich sein Verhältnis zu den Dinge, als er den wahren Wert der Liebe kennenlernt: Hatte er sie vorher als bloße Etikette gesehen, deren einziges Ziel der Geschlechtsverkehr ist, dankt er auf der Nobelpreisverleihung seiner Frau für genau diese Liebe, die es ihm ermöglicht hat, weiterzuleben. Er will sein Leben in den Griff bekommen, nicht mehr auf seine irrealen Freunde hören und ist entschlossen, das auch ohne Medikamente zu schaffen. Dieses scheint ihm wirklich zu gelingen.

 Russel Crowe hat für seine Rolle mehrere Auszeichnungen erhalten. Wenn man die Darstellung dieses kranken Menschen einmal mit anderen Filmen vergleicht (z.B. Rain Man), steht sie ihnen in keinem Fall nach. Crowe spielt die Rolle des Genies, als hätte er nie in seinem Leben etwas anderes getan. Besonders die Szenen in der Psychiatrie vergisst man wohl nicht so schnell, denn sie sind wirklich schockierend. Insgesamt ist die Person des John Nash optimal besetzt, da sie authentisch wirkt und man ihren allmählichen Wahn durch die sehr gute schauspielerische Leistung von Russel Crowe sehr gut nachvollziehen kann.


Alicia Larde (Jennifer Connelly)

Von Anfang an tritt sie Nash sehr selbstbewusst und bestimmt gegenüber. Sie ist entschlossen, ihm zu zeigen, dass es auch außerhalb der Mathematik noch etwas gibt, über das es sich lohnt, nachzudenken: Die Liebe. Auch als seine Wahnvorstellungen und Ausbrüche immer schlimmer werden, hält sie zu ihm und möchte ihm helfen, wobei sie sich selbst total aufopfert. Am Ende sieht sie keine andere Möglichkeit mehr, als ihn einzuweisen und befindet sich hier im Zwiespalt zwischen Liebe und Vernunft. Am Ende siegt ihre Liebe und sie unterstützt Johns Versuch, ohne Medikamente klarzukommen.

 Jennifer Connelly spielt ihre Rolle überzeugend und mit viel Gefühl. Auch hier ist die Besetzung optimal gelungen und auch wenn sie in Deutschland relativ unbekannt ist, wird man sich wohl an diese Rolle noch lange erinnern. Man hat irgendwie das Gefühl, als sei sie die Person, genauso wie es auch schon bei Russel Crowe der Fall war und wie es eigentlich auch sein sollte.


Sein imaginärer Freund Charles (?)

Sein Zimmergenosse hat die Aufgabe eines Gegenpols zu Nash selbst. Er ist es, der ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt und für die normalen Dinge des Lebens begeistert. Er ist es, der ihn bei seiner Arbeit stört, damit er nicht den Kopf verliert. Vielleicht war das Vorhandensein von Charles sogar gut für Nash, denn so hatte er zumindest einen richtigen Freund, dem er alles erzählen konnte.


Sein imaginärer Chef William Parcher (Ed Harris)

Dieser übernimmt in Johns Welt die Rolle des Leiters der Aktionen. Er sorgt als sehr aggressive Figur dafür, dass Nash seine Traumwelt nicht aufgibt und ihm immer wieder glaubt, dass ER real ist und nicht alle, die behaupten es gäbe ihn nicht. Er ist es, der die Gesundheit von Nash immer wieder in Gefahr bringt.


-o- Kritik -o-

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich war beeindruckt. „A beautiful mind“ ist der beste Film, den ich seit langem gesehen habe. Neben der beeindruckenden Geschichte war auch die Verfilmung sehr gelungen. Wenige sichtbare Computereffekte machten den Film ziemlich realistisch, die Umgebung des Campus von Princeton wurde ziemlich gut in Szene gesetzt und das, obwohl der Film eine Zeitspanne von circa 50 Jahren einschließt. Natürlich haben diese technischen Details, besonders die Kameraführung, auch großen Eindruck bei mir hinterlassen. Im Vordergrund steht natürlich trotz allem die Geschichte, die verständlich und interessant umgesetzt wurde. Wie ich oben schon geschrieben habe, war die Besetzung optimal gewählt, die Figuren wirkten authentisch und glaubhaft. Selten kommt es vor, dass bei einem Film alles stimmt, aber hier ist dieses Wunder wirklich einmal eingetreten, denn selbst die Synchronstimmen sind recht gut im Vergleich zu vielen anderen Filmen.

Natürlich gibt es trotz allem ein kleines Manko, dass allerdings bei diesen vielen positiven Punkten wenig auffällt: Man weiß am Ende des Films nicht genau, was Nash nun genau gemacht hat. Es ist klar, dass er versuchte, Vorgänge mathematisch zu erklären, aber der Schritt vom sichtbaren Vorgang zur mathematischen Darstellung wurde im Film gar nicht gezeigt. Zwar waren seine Ansätze z.B. für die Bewegung von Tauben als Skizze zu sehen, aber der Zuschauer erfuhr nicht, wie er auf sie gekommen war. Hier hätte man vielleicht einmal die Verbindung zwischen Praxis und der darauf folgenden Theorie herstellen sollen.


-o- Alles wahr? -o-

John Nash gibt es wirklich. Die Geschichte ist wahr, wenige Details (z.B. ist der richtige Nash bisexuell etc.) wurden weggelassen, die jedoch für die Aussage des Films keine große Bedeutung haben. Ein Genie erfährt, dass es auch noch etwas außerhalb der Wissenschaften gibt. Heute leben John Nash und seine Frau Alicia in der Nähe des Campus von Princeton, John selbst ist noch jeden Tag auf dem Campus anzutreffen, wie am Ende des Films verraten wird. Meiner Meinung nach ist das©marenmoon mehr als falsch, denn wie viele Menschen werden sich jetzt aufmachen, um ihn dort zu „besichtigen“?
Eine Bekannte, die in Princeton studiert hat, hat ihn damals in der Bibliothek gesehen. Ob er sich jetzt angesichts des Satzes im Film „Er ist jeden Tag auf dem Campus“ noch dort hintrauen kann, ist für mich mehr als fraglich.

Bleibt also der Schluss, dass mich dieser Film tief beeindruckt hat, besonders die Tatsache, dass alles auf wahren Geschehnissen beruht. Ich kann nur jedem empfehlen, ihn sich anzusehen. Man denkt schon eine Menge darüber nach, was werden kann, wenn aus einem Genie mit den größten Hoffnungen plötzlich ein Wahnsinniger mit zerstörten Träumen wird, der es aber trotz allem später wieder schafft, sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken.


Ich dank euch fürs Lesen,

13 Bewertungen, 1 Kommentar

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 14:51 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    über gegenlesungen würde ich mich freuen;)