A Crow Left Of The Murder - Incubus Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 02/2004
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von MyName
Hat der Mörder einen Vogel?
Pro:
Macht da weiter wo \"Morning View\" aufgehört hat – in die richtige Richtung!
Kontra:
Die langsameren Tracks können mich nicht immer überzeugen. DJ Kilmore hält sich leider mehr zurück. Und wo ist Dirk Lance?
Empfehlung:
Ja
Wenn ich an Incubus denke, denke ich an schöne Gitarrenparts, fette DJ Effekte und einen Sänger der es versteht sanft zu singen ohne gleich schmalzig oder erzwungen zu klingen. Ich denke an viel Abwechslung - und das liebe ich an Incubus.
Bevor das neue Album erschienen ist, war ich sehr gespannt wie sich Incubus entwickelt haben wird. Wird es wieder etwas rockiger, wie man es nach der ersten Single \"Megalomaniac\" annehmen könnte oder werden doch die etwas \"ruhigeren Sachen\" überwiegen?! Ich muss sagen, \"A Crow Left Of The Murder\" ist nicht so \"farbenfroh\" wie \"Morning View\". Es ist eines dieser Alben die Aggression als Werkzeug nutzen um eine Message deutlicher rüberzubringen - wenn das Werkzeug aber nicht mehr gebraucht wird, verschwindet es wieder. Man kann das Album also als eine Symbiose zwischen \"Make Yourself\" und \"Morning View\" sehen, einige der lyrischen Themen des Letzteren werden ausgelassen und dafür kommt die rockige Ader des Ersteren etwas mehr zur Geltung. Ansonsten blieb alles beim Alten, da haben wir Brandon Boyds scharfzüngige Texte und manchmal unkonventionelle Melodien, Mike Einzingers teilweise spacige Gitarren Riffs, Jose Pasillas abwechslungsreiches Schaffen an den Drums , DJ Kilmore Moves an den Turntables und ...
Hey Jungs, wo ist euer Bass-Spieler hin? Es sieht so aus als ob Dirk Lance, der eine gute Prise „low-end funk“ in die Band brachte, durch Ben Kenney ersetzt wurde. Das finde ich etwas schade, da ein gewisses Maß an Unbeschwertheit und Entspanntheit verloren geht – aber was soll’s, auch Ben versteht sein Handwerk. Kommen wir nun zu den Tracks im einzelnen.
1. Megalomaniac
Nachdem man die CD eingelegt hat, kommt eine Soundkulisse die sich gewaschen hat. Mich erinnert es an diese tollen Laser-Spielzeug-Pistolen die allerhand Geräusche erzeugen wenn man sie abfeuer. Das ist die beste Beschreibung der mächtigen Mischung aus Sounds die schließlich in ein helles Gitarrenriff übergeht und zu einem der härteren Gitarrenrefrains des Albums führt. Eine gute Wahl für die erste Singleauskopplung, um die verlorenen Fans wieder an Bord zu holen - die nach \"Make Yourself\" ausgestiegen sind. Textlich ist es ein bissiger Kommentar der sich an eine namenlose, selbstgefällige Berühmtheit wendet und diese richtig zur Sau macht. Der Song ist mir auf jeden Fall sofort im Gedächtnis hängen geblieben und die Message des Songs ist, dass Niemand das Recht hat sich als Allwissender darzustellen und jeden herumkommandieren zu wollen. Das Video zum Track hat mich auch sehr beeindruckt. Der verärgerte Redner der an seinem Sprachpult rumbrüllt und sich jeden unterwürfig machen möchte - aber die tobende Menge gibt nicht nach und protestiert weiter. (4/5)
2. A Crow Left of the Murder
Dieser mehr als merkwürdige Titel zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich, durch den geschickten, flotten kleinen Riff von Mike Einzinger, der sich während des Songs mehrmals wiederholt. Brandon zeiht bei seinem (Sprech-)Gesang einige Silben in die Länge, diese werden dann durch die netten Instrumentals getragen. Insgesamt sind die Lyriks in den Versen sehr sparsam gestreut. Es ist schön zu sehen, dass Incubus nicht einfach einer Linie treu bleibt sondern auch mal etwas anderes probiert. Im Chorus dreht Brandon richtig auf. Textlich ist der Song nicht gerade sehr eingängig - er handelt wohl über Individualität und über den Widerstand gegen die allgemeine Einstellung. Ich liebe das Ende, wenn immer und immer wieder der Satz \"Do you get it yet?\" wiederholt. (5/5)
3. Agoraphobia
Incubus scheint dieses neue Gewohnheit zu haben mit falschen Melodien herumzuexperimentieren und dieser Versuch stellt die Geduld des Zuhörers während des Anfangs des Tracks auf die Probe. Es kommt einem so vor, als ob Brandon absichtlich falsch über einen Mitteltempo-Bass-Rhythmus singt. Dies ist tatsächlich eine interessante Art, die Angst der Leute darzustellen, die an Agoraphobie leiden. Die zwei bevorzugten Themen von Incubus scheinen hier zusammenzustoßen - die Vorstellung von einer Gesellschaft, die die Menschen einschüttert und ein sinnlicher, themenbezogener Liedtext. Ich nehme an, dass für Brandon persönlich der Track viel bedeutet und Sinn macht, aber er scheint nicht so gut mit seiner Umgebung zusammenzupassen besonders am Ende, wenn Brandon immer wieder \"For good, for good, for good\" murmelt. Irgendwas kommt noch zwischen den \"for good\"s aber ich bin mir nicht sicher was. (3/5)
4. Talk Shows on Mute
Die erste \"Ballade\" des Albums ist musikalisch ziemlich geradlinig. Abgesehen von einigen Aktionen vom DJ, ist es eine entspannte, schöne Melodie, aber das hält den Track nicht davon ab ironisch zu sein. Es scheint über mehr als nur über Talkshows zu gehen, da auf den Titel des Lieds bis kurz vor Ende nicht einmal angespielt wird. Die Aussage des Titels ist wohl, wie man Leuten zuschaut die sich im TV zum Narren machen. Der Refrain kommt richtig gut, besonders die Stelle wo Brandon etwas über \"nineteen-eightyfour\". Wie man so ein einfach Wort so schön singen kann. Hinter den Sinn des Textes komme ich dennoch nicht so ganz – \"electric sheep\" Was?! - liegt wohl an meinen eingeschränkten Englischkenntnissen. Aber sonst ein wirklich guter Track. (4/5)
5. Beware! Criminal
Diesen Track habe ich aus irgendeinem Grund die ersten Male immer wieder geskipt. Jetzt ist er, besonders durch den coolen Groove und die Gitarrenriffs während den Versen, zu einem meiner Lieblingstracks geworden. Brandons Gesang kling etwas verbittert. Ich denke der Verbrecher auf den er sich ist kein Straftäter sondern mehr ein Mädchen das ihn belog. Die Bitterkeit hält ihn aber nicht davon ab, den größten Teil des Songs sehr gefühlvoll zu singen. Im Chorus gibt’s aber wieder knirschende Gitarren, am Ende wechselt es in eine Art Akustik Version - um dann wieder ordentlich zu rocken. Wie gesagt einer meiner Lieblingstracks! (5/5)
6. Sick Sad Little World
Frühe Berichte über das Album zeigten schon, dass sich Incubus während der Arbeit am Album auch mal eine schöne Zeit gemacht und ne Runde gejammt haben - dieser Track ist eindeutig der Lohn für diese \"Anstrengungen\". Es ist ein ziemlich fröhliches Lied – rockt ohne Ende und das auch noch ganze 6: 22 Minuten. Auch wenn in der Mitte ein langes, ruhiges und spaciges E-Gitarrensolo - einer der wenigen Momente wo die Band wirklich mal abgeschalten hat, so scheint es. \"Leave me be here in my stark raving, sick, sad little world.\" ...wenn weiter so geniale Tracks rauskommen, gerne! (5/5)
7. Pistola
Jetzt kann sich auch mal DJ Kilmore in den Vordergrund stellen - durch das Intro des Songs. Dort lässt er ein Klangspektrum niederprasseln, das schließlich in ein Loop übergeht über das Einziger ein cooles Riff legt. Während des ausgelassenen, Punk-beeinflussten Refrains macht Brandon klar \"Yeah, my pen is a pistola, whoo-oo!\" Aha, deshalb auch der Titel. Er greift seinen Gegner also lieber mit seinen Lines, als mit physischer Gewalt an. Das ist wohl einer der amüsantesten Tracks des Albums, der Refrain geisterte mir schon Stundenlang im Kopf rum. Der Song ist auch noch sehr abwechslungsreich, besonders die Mitte die so gar nicht in das Muster passen will. Es kommt sicher absolut super den Song Live zu hören. (5/5)
8. Southern Girl
Jetzt kommt eine kleine Pause in Form einer Ballade zwischen zwei schärferen Songs. Der Track hat eine gewisse Atmosphäre, dafür sorgt Mike der sich an seiner Gitarre etwas zurückhält und indem einige ruhige Hintergrundvocals eingespielt werden. Das Problem ist nur, dass Brandons Versuch seine junge südländische Schönheit rumzukriegen nicht immer sehr sensibel vorgetragen ist, selbst wenn so schöne Zeilen wie \"You\'re an exception to the rule, you\'re of an unthought rarity\" kommen - Sachen wie \"We\'ll behave like animals\" oder \"We\'ll try each other on to see if we fit\" finde ich absolut affig! Auch wenn etwas \"Sex\" nie schlecht kommt - wenn man aber jemanden kaum kennt und schon solche Sätze bringt wird’s etwas unglaubwürdig. Der unerwarteten Tonwechsel am Ende des Songs, wo immer wieder die Zeile \"Southern girl, could you want me?\" wiederholt wird, geht’s mir etwas auf die Nerven - ansonsten ein guter Track. (4/5)
9. Priceless
Jose Pasillas und DJ Kilmore machen sich gemeinsam daran das Intensitätslevel weiter herauf zu setzen, indem sie einen krachenden Beat auffahren. Der Song wird mehr durch den Rhythmus als durch die Melodie bestimmt und der Text wird mehr gesprochen/geschrieen als gesungen. Das meiste was Brandon von sich gibt kann man kaum verstehen, aber der Refrain kommt laut und klar rüber – \"The look on your face was priceless!\". Noch einmal scheint die Band in einer spöttischen Stimmung zu sein, die sich durchs ganze Album zieht. Der Track ist auf jeden Fall einer der bizarreren des Albums: Er geht kräftig nach vorne und es gibt einige Geschwindigkeitswechsel die den Zuhörer wohl etwas verwirren sollen. Das Zusammenspiel zwischen DJ Sounds und Gitarrenriffs ist in einigen Parts ziemlich fett. Auf jeden ein \"Must-hear\" - vielleicht kommt’s ja auch als Single. (5/5)
10. Zee Deveel
Viele Tracks dieses Albums scheinen kein Ebenbild zu haben, dadurch wird das Hören um einiges interessanter. Dieser Track wird durch seinen kantigen, schnellen Rhythmus und Brandons Vokals einzigartig. Ein wahres Hörvergnügen, vom komischen Titel bis zu dem wie Brandon einige Wörter mit zittriger Stimme singt. Dem Track wohnt eine klare Warnung inne und zwar \"You should be careful what you wish for, \'cause every one of us has a devil inside.\" Hmmm, mehr gibt’s nicht zu sagen. Nice one. (5/5)
11. Made for TV Movie
Sieh mal einer an, der nächsten Song geht wieder übers Fernsehen. Ich weiß nicht was ich davon halten soll, dass Incubus von Zeit zu Zeit immer mal das Tempo etwas rausnimmt. Ich muss zugegen dass mich die langsameren Melodien des Albums nicht immer fesseln können. Diese hat einen dunkleren Touch als die Anderen. Der Song beschäftigt sich mit dem Zustand der Welt; die vielen Kriege und Leiden die eigentlich nur für einen Fernsehfilm geschrieben sein können, da sie so schlimm sind. Brandon versucht sich dem allem klar zu werden und sich zu überzeugen, dass das alles tatsächlich passiert. Teilweise sind die Parts sehr ruhig und nüchtern gesungen – andere gehen dann wieder mehr nach vorne. Insgesamt weiß der Track durchaus zu gefallen, besonders textlich! (4/5)
12. Smile Lines
Dieses fröhliche, melodische Lied ist der Beweis, dass sich Incubus nicht zu ernst nimmt. Brandon grübelt über seine eigene Unreife, dass er immer noch einer alten Liebe nachtrauert und zur selben Zeit realisiert er, dass er nicht mehr als ein Spielzeug war. Vielleicht ist er etwas eifersüchtig auf die jüngeren Typen die all die Aufmerksamkeit bekommen, während er und die Band auf die 30 zusteuern. Und vielleicht ist die Person die er so böse ist nicht eine Frau, sondern ein Publikum das immer mehr fordert. Es ist wirklich witzig wie Brandon versucht einige hohe Töne zu trällern als wäre er in einer Boy Band, aber zum Glück wird es nicht nervig und es klingt nicht allzu gekünstelt. Eine Sache die mich am Anfang irritiert hat ist, dass viele der Songs ein etwas seltsames Ende haben und dieser ist auch keine Ausnahme. Wenn man denkt der Song hört auf, geht’s wieder los. Die Drums setzten ein und die Band gibt bis zum \"wirklichen\" Ende noch einmal Vollgas. (5/5)
13. Here in My Room
Das Klavierspiel und die grandiose Atmosphäre dieses Lieds hat etwas an sich, dass es mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Das Lied ist wieder ein Antrag an ein mysteriöses Mädchen, sein romantischer Sound ist etwas glaubhafter ist und die Lyriks sehr schmeichelhaft \"You enter in full-blown Technicolor\". Grandiose Zeile! Es gibt immer noch einige wenige Fehltritte, besonders die erster Zeile des Refrains \"Your love is a verb here in my room.\". Aber der Track hat immer noch eine großartige Atmosphäre und er schafft den Balanceakt, immer noch als Incubus Song erkennbar zu sein und sich gleichzeitig in ein neues Territorium vorzuwagen. (4/5)
14. Leech
Das letzte Lied des Album hat einen trotzigen Klang. Erinnert mich etwas an die \"Protestier\"-Stimmung von \"Out from Under\", mit dem \"Make Yourself\" endete. Die Tatsache, dass das Lied jemanden anklagt der Brandon aussaugt ohne ihm irgendetwas zurückzugeben – kann man schon in dem Titel \"Blutegel\" erkennen. Mit Sätzen wie \"So fuck yourself and fuck this bleeding heart of mine.\" oder \"I\'m kicking myself that I shared spit with you\" macht Brandon sich Luft. Der Song hat einen sehr eingängigen Refrain, der das Album gut beendet - \"The ride\'s over, did you enjoy yourself?\". Die letzten Klänge sind nicht gerade das Wahre und der harmlose \"fadeout\" ist ein bisschen sehr Klischeehaft, aber ich kann wohl nicht erwarten dass jedes Incubus Album so gelassen und euphorisch wie mit \"Aqueous Transmission\" endet. (4/5)
Ich glaube ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Album geben. Das Ganze aus den Augen eines Incubus Fans der erst ziemlich spät ins Spiel kam - deshalb hab ich auch nur wenig Ahnung von den Sachen was sie in früheren Zeiten gemacht haben. Ich sehe nicht, dass sie seit dem letzten Album einen Rückschritt gemacht haben - sie werden immer besser darin, anders zu klingen als irgendjemand anderes da draußen und sie schaffen es nie zu verrückt zu klingen ;). Bei \"Morning View\" brauchte ich eine Weile mich reinzuhören und auch dieses Album wird bei jedem weiteren Hören immer besser. Insgesamt hat das Album die vollen 5 Sterne verdient und eine Empfehlung verdient. Und alle diejenigen die es vorziehen immer und immer wieder die gleichen alten Alben vorgesetzt zu bekommen, die sollen von der Mörderkrähe aufgefressen werden. ;)
Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.
Daniel
PS: Das Album gibt es auch als Limited Edition im DigiPack mit einer Extra DVD. Die habe ich aber leider nicht.
Bevor das neue Album erschienen ist, war ich sehr gespannt wie sich Incubus entwickelt haben wird. Wird es wieder etwas rockiger, wie man es nach der ersten Single \"Megalomaniac\" annehmen könnte oder werden doch die etwas \"ruhigeren Sachen\" überwiegen?! Ich muss sagen, \"A Crow Left Of The Murder\" ist nicht so \"farbenfroh\" wie \"Morning View\". Es ist eines dieser Alben die Aggression als Werkzeug nutzen um eine Message deutlicher rüberzubringen - wenn das Werkzeug aber nicht mehr gebraucht wird, verschwindet es wieder. Man kann das Album also als eine Symbiose zwischen \"Make Yourself\" und \"Morning View\" sehen, einige der lyrischen Themen des Letzteren werden ausgelassen und dafür kommt die rockige Ader des Ersteren etwas mehr zur Geltung. Ansonsten blieb alles beim Alten, da haben wir Brandon Boyds scharfzüngige Texte und manchmal unkonventionelle Melodien, Mike Einzingers teilweise spacige Gitarren Riffs, Jose Pasillas abwechslungsreiches Schaffen an den Drums , DJ Kilmore Moves an den Turntables und ...
Hey Jungs, wo ist euer Bass-Spieler hin? Es sieht so aus als ob Dirk Lance, der eine gute Prise „low-end funk“ in die Band brachte, durch Ben Kenney ersetzt wurde. Das finde ich etwas schade, da ein gewisses Maß an Unbeschwertheit und Entspanntheit verloren geht – aber was soll’s, auch Ben versteht sein Handwerk. Kommen wir nun zu den Tracks im einzelnen.
1. Megalomaniac
Nachdem man die CD eingelegt hat, kommt eine Soundkulisse die sich gewaschen hat. Mich erinnert es an diese tollen Laser-Spielzeug-Pistolen die allerhand Geräusche erzeugen wenn man sie abfeuer. Das ist die beste Beschreibung der mächtigen Mischung aus Sounds die schließlich in ein helles Gitarrenriff übergeht und zu einem der härteren Gitarrenrefrains des Albums führt. Eine gute Wahl für die erste Singleauskopplung, um die verlorenen Fans wieder an Bord zu holen - die nach \"Make Yourself\" ausgestiegen sind. Textlich ist es ein bissiger Kommentar der sich an eine namenlose, selbstgefällige Berühmtheit wendet und diese richtig zur Sau macht. Der Song ist mir auf jeden Fall sofort im Gedächtnis hängen geblieben und die Message des Songs ist, dass Niemand das Recht hat sich als Allwissender darzustellen und jeden herumkommandieren zu wollen. Das Video zum Track hat mich auch sehr beeindruckt. Der verärgerte Redner der an seinem Sprachpult rumbrüllt und sich jeden unterwürfig machen möchte - aber die tobende Menge gibt nicht nach und protestiert weiter. (4/5)
2. A Crow Left of the Murder
Dieser mehr als merkwürdige Titel zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich, durch den geschickten, flotten kleinen Riff von Mike Einzinger, der sich während des Songs mehrmals wiederholt. Brandon zeiht bei seinem (Sprech-)Gesang einige Silben in die Länge, diese werden dann durch die netten Instrumentals getragen. Insgesamt sind die Lyriks in den Versen sehr sparsam gestreut. Es ist schön zu sehen, dass Incubus nicht einfach einer Linie treu bleibt sondern auch mal etwas anderes probiert. Im Chorus dreht Brandon richtig auf. Textlich ist der Song nicht gerade sehr eingängig - er handelt wohl über Individualität und über den Widerstand gegen die allgemeine Einstellung. Ich liebe das Ende, wenn immer und immer wieder der Satz \"Do you get it yet?\" wiederholt. (5/5)
3. Agoraphobia
Incubus scheint dieses neue Gewohnheit zu haben mit falschen Melodien herumzuexperimentieren und dieser Versuch stellt die Geduld des Zuhörers während des Anfangs des Tracks auf die Probe. Es kommt einem so vor, als ob Brandon absichtlich falsch über einen Mitteltempo-Bass-Rhythmus singt. Dies ist tatsächlich eine interessante Art, die Angst der Leute darzustellen, die an Agoraphobie leiden. Die zwei bevorzugten Themen von Incubus scheinen hier zusammenzustoßen - die Vorstellung von einer Gesellschaft, die die Menschen einschüttert und ein sinnlicher, themenbezogener Liedtext. Ich nehme an, dass für Brandon persönlich der Track viel bedeutet und Sinn macht, aber er scheint nicht so gut mit seiner Umgebung zusammenzupassen besonders am Ende, wenn Brandon immer wieder \"For good, for good, for good\" murmelt. Irgendwas kommt noch zwischen den \"for good\"s aber ich bin mir nicht sicher was. (3/5)
4. Talk Shows on Mute
Die erste \"Ballade\" des Albums ist musikalisch ziemlich geradlinig. Abgesehen von einigen Aktionen vom DJ, ist es eine entspannte, schöne Melodie, aber das hält den Track nicht davon ab ironisch zu sein. Es scheint über mehr als nur über Talkshows zu gehen, da auf den Titel des Lieds bis kurz vor Ende nicht einmal angespielt wird. Die Aussage des Titels ist wohl, wie man Leuten zuschaut die sich im TV zum Narren machen. Der Refrain kommt richtig gut, besonders die Stelle wo Brandon etwas über \"nineteen-eightyfour\". Wie man so ein einfach Wort so schön singen kann. Hinter den Sinn des Textes komme ich dennoch nicht so ganz – \"electric sheep\" Was?! - liegt wohl an meinen eingeschränkten Englischkenntnissen. Aber sonst ein wirklich guter Track. (4/5)
5. Beware! Criminal
Diesen Track habe ich aus irgendeinem Grund die ersten Male immer wieder geskipt. Jetzt ist er, besonders durch den coolen Groove und die Gitarrenriffs während den Versen, zu einem meiner Lieblingstracks geworden. Brandons Gesang kling etwas verbittert. Ich denke der Verbrecher auf den er sich ist kein Straftäter sondern mehr ein Mädchen das ihn belog. Die Bitterkeit hält ihn aber nicht davon ab, den größten Teil des Songs sehr gefühlvoll zu singen. Im Chorus gibt’s aber wieder knirschende Gitarren, am Ende wechselt es in eine Art Akustik Version - um dann wieder ordentlich zu rocken. Wie gesagt einer meiner Lieblingstracks! (5/5)
6. Sick Sad Little World
Frühe Berichte über das Album zeigten schon, dass sich Incubus während der Arbeit am Album auch mal eine schöne Zeit gemacht und ne Runde gejammt haben - dieser Track ist eindeutig der Lohn für diese \"Anstrengungen\". Es ist ein ziemlich fröhliches Lied – rockt ohne Ende und das auch noch ganze 6: 22 Minuten. Auch wenn in der Mitte ein langes, ruhiges und spaciges E-Gitarrensolo - einer der wenigen Momente wo die Band wirklich mal abgeschalten hat, so scheint es. \"Leave me be here in my stark raving, sick, sad little world.\" ...wenn weiter so geniale Tracks rauskommen, gerne! (5/5)
7. Pistola
Jetzt kann sich auch mal DJ Kilmore in den Vordergrund stellen - durch das Intro des Songs. Dort lässt er ein Klangspektrum niederprasseln, das schließlich in ein Loop übergeht über das Einziger ein cooles Riff legt. Während des ausgelassenen, Punk-beeinflussten Refrains macht Brandon klar \"Yeah, my pen is a pistola, whoo-oo!\" Aha, deshalb auch der Titel. Er greift seinen Gegner also lieber mit seinen Lines, als mit physischer Gewalt an. Das ist wohl einer der amüsantesten Tracks des Albums, der Refrain geisterte mir schon Stundenlang im Kopf rum. Der Song ist auch noch sehr abwechslungsreich, besonders die Mitte die so gar nicht in das Muster passen will. Es kommt sicher absolut super den Song Live zu hören. (5/5)
8. Southern Girl
Jetzt kommt eine kleine Pause in Form einer Ballade zwischen zwei schärferen Songs. Der Track hat eine gewisse Atmosphäre, dafür sorgt Mike der sich an seiner Gitarre etwas zurückhält und indem einige ruhige Hintergrundvocals eingespielt werden. Das Problem ist nur, dass Brandons Versuch seine junge südländische Schönheit rumzukriegen nicht immer sehr sensibel vorgetragen ist, selbst wenn so schöne Zeilen wie \"You\'re an exception to the rule, you\'re of an unthought rarity\" kommen - Sachen wie \"We\'ll behave like animals\" oder \"We\'ll try each other on to see if we fit\" finde ich absolut affig! Auch wenn etwas \"Sex\" nie schlecht kommt - wenn man aber jemanden kaum kennt und schon solche Sätze bringt wird’s etwas unglaubwürdig. Der unerwarteten Tonwechsel am Ende des Songs, wo immer wieder die Zeile \"Southern girl, could you want me?\" wiederholt wird, geht’s mir etwas auf die Nerven - ansonsten ein guter Track. (4/5)
9. Priceless
Jose Pasillas und DJ Kilmore machen sich gemeinsam daran das Intensitätslevel weiter herauf zu setzen, indem sie einen krachenden Beat auffahren. Der Song wird mehr durch den Rhythmus als durch die Melodie bestimmt und der Text wird mehr gesprochen/geschrieen als gesungen. Das meiste was Brandon von sich gibt kann man kaum verstehen, aber der Refrain kommt laut und klar rüber – \"The look on your face was priceless!\". Noch einmal scheint die Band in einer spöttischen Stimmung zu sein, die sich durchs ganze Album zieht. Der Track ist auf jeden Fall einer der bizarreren des Albums: Er geht kräftig nach vorne und es gibt einige Geschwindigkeitswechsel die den Zuhörer wohl etwas verwirren sollen. Das Zusammenspiel zwischen DJ Sounds und Gitarrenriffs ist in einigen Parts ziemlich fett. Auf jeden ein \"Must-hear\" - vielleicht kommt’s ja auch als Single. (5/5)
10. Zee Deveel
Viele Tracks dieses Albums scheinen kein Ebenbild zu haben, dadurch wird das Hören um einiges interessanter. Dieser Track wird durch seinen kantigen, schnellen Rhythmus und Brandons Vokals einzigartig. Ein wahres Hörvergnügen, vom komischen Titel bis zu dem wie Brandon einige Wörter mit zittriger Stimme singt. Dem Track wohnt eine klare Warnung inne und zwar \"You should be careful what you wish for, \'cause every one of us has a devil inside.\" Hmmm, mehr gibt’s nicht zu sagen. Nice one. (5/5)
11. Made for TV Movie
Sieh mal einer an, der nächsten Song geht wieder übers Fernsehen. Ich weiß nicht was ich davon halten soll, dass Incubus von Zeit zu Zeit immer mal das Tempo etwas rausnimmt. Ich muss zugegen dass mich die langsameren Melodien des Albums nicht immer fesseln können. Diese hat einen dunkleren Touch als die Anderen. Der Song beschäftigt sich mit dem Zustand der Welt; die vielen Kriege und Leiden die eigentlich nur für einen Fernsehfilm geschrieben sein können, da sie so schlimm sind. Brandon versucht sich dem allem klar zu werden und sich zu überzeugen, dass das alles tatsächlich passiert. Teilweise sind die Parts sehr ruhig und nüchtern gesungen – andere gehen dann wieder mehr nach vorne. Insgesamt weiß der Track durchaus zu gefallen, besonders textlich! (4/5)
12. Smile Lines
Dieses fröhliche, melodische Lied ist der Beweis, dass sich Incubus nicht zu ernst nimmt. Brandon grübelt über seine eigene Unreife, dass er immer noch einer alten Liebe nachtrauert und zur selben Zeit realisiert er, dass er nicht mehr als ein Spielzeug war. Vielleicht ist er etwas eifersüchtig auf die jüngeren Typen die all die Aufmerksamkeit bekommen, während er und die Band auf die 30 zusteuern. Und vielleicht ist die Person die er so böse ist nicht eine Frau, sondern ein Publikum das immer mehr fordert. Es ist wirklich witzig wie Brandon versucht einige hohe Töne zu trällern als wäre er in einer Boy Band, aber zum Glück wird es nicht nervig und es klingt nicht allzu gekünstelt. Eine Sache die mich am Anfang irritiert hat ist, dass viele der Songs ein etwas seltsames Ende haben und dieser ist auch keine Ausnahme. Wenn man denkt der Song hört auf, geht’s wieder los. Die Drums setzten ein und die Band gibt bis zum \"wirklichen\" Ende noch einmal Vollgas. (5/5)
13. Here in My Room
Das Klavierspiel und die grandiose Atmosphäre dieses Lieds hat etwas an sich, dass es mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Das Lied ist wieder ein Antrag an ein mysteriöses Mädchen, sein romantischer Sound ist etwas glaubhafter ist und die Lyriks sehr schmeichelhaft \"You enter in full-blown Technicolor\". Grandiose Zeile! Es gibt immer noch einige wenige Fehltritte, besonders die erster Zeile des Refrains \"Your love is a verb here in my room.\". Aber der Track hat immer noch eine großartige Atmosphäre und er schafft den Balanceakt, immer noch als Incubus Song erkennbar zu sein und sich gleichzeitig in ein neues Territorium vorzuwagen. (4/5)
14. Leech
Das letzte Lied des Album hat einen trotzigen Klang. Erinnert mich etwas an die \"Protestier\"-Stimmung von \"Out from Under\", mit dem \"Make Yourself\" endete. Die Tatsache, dass das Lied jemanden anklagt der Brandon aussaugt ohne ihm irgendetwas zurückzugeben – kann man schon in dem Titel \"Blutegel\" erkennen. Mit Sätzen wie \"So fuck yourself and fuck this bleeding heart of mine.\" oder \"I\'m kicking myself that I shared spit with you\" macht Brandon sich Luft. Der Song hat einen sehr eingängigen Refrain, der das Album gut beendet - \"The ride\'s over, did you enjoy yourself?\". Die letzten Klänge sind nicht gerade das Wahre und der harmlose \"fadeout\" ist ein bisschen sehr Klischeehaft, aber ich kann wohl nicht erwarten dass jedes Incubus Album so gelassen und euphorisch wie mit \"Aqueous Transmission\" endet. (4/5)
Ich glaube ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Album geben. Das Ganze aus den Augen eines Incubus Fans der erst ziemlich spät ins Spiel kam - deshalb hab ich auch nur wenig Ahnung von den Sachen was sie in früheren Zeiten gemacht haben. Ich sehe nicht, dass sie seit dem letzten Album einen Rückschritt gemacht haben - sie werden immer besser darin, anders zu klingen als irgendjemand anderes da draußen und sie schaffen es nie zu verrückt zu klingen ;). Bei \"Morning View\" brauchte ich eine Weile mich reinzuhören und auch dieses Album wird bei jedem weiteren Hören immer besser. Insgesamt hat das Album die vollen 5 Sterne verdient und eine Empfehlung verdient. Und alle diejenigen die es vorziehen immer und immer wieder die gleichen alten Alben vorgesetzt zu bekommen, die sollen von der Mörderkrähe aufgefressen werden. ;)
Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.
Daniel
PS: Das Album gibt es auch als Limited Edition im DigiPack mit einer Extra DVD. Die habe ich aber leider nicht.
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