Abitur Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Mach'n Abgang, ey (oder lass' es bleiben)

Pro:

- siehe Text -

Kontra:

- siehe Text -

Empfehlung:

Ja

Das Abitur (kurz: „Abi“) ist eine feine Sache. Humanistisch verbildete Reifeprüflinge wissen natürlich, dass „abitur“ die dritte Person Prasens, Indikativ, Passiv von abire (lat.: abgehen) ist und somit „Es wird abgegangen“ und nicht etwa „Jetzt geht’s ab“ bedeutet. Wenn im Angesicht von Bussen voller trunkener Abitouristen auf Klassenfahrt gen Plattensee sinnentstellend übersetzt wird, ist das aber nachvollziehbar.


Um in den Besitz des begehrten Abschlusszeugnisses zu gelangen, muss der geneigte Schüler a) ein Gymnasium besucht haben und b) im Laufe der Visite eine erkleckliche Anzahl von Punkten gesammelt haben. Die sammelt der Schüler, indem er seinen Golf brav und regelmäßig an einer Aral-Tankstelle betankt und am Kundenbindungsprogramm „Payback“ teilnimmt. Nach Kauf mehrerer Hundert Liter Kraftstoff gibt’s im Tausch gegen die gesammelten Punkte einen Fußball, ein Plüschtier oder eine Kühltasche. Die schenkt unser Schülerlein dann seiner Mathematiklehrerin, die im Gegenzug Nachlass auf die 5 in Mathe gewährt und die schlechte Note zu einer 3 rabattiert.

Ein gewisser Prozentsatz eines jeden Jahrganges erliegt dem Irrglauben, in Deutschland herrsche auch so etwas wie eine Allgemeine Hochschulpflicht und kommt der befürchteten Zwangsimmatrikulation zuvor, indem er sich unmittelbar nach Verlassen des Gymnasiums an der örtlichen Universität einschreibt. Andere haben mal etwas von Doktorentiteln läuten gehört, verlangen von ihrem Hausarzt, er möge sie an einen vermeintlichen Kollegen an der alma mater überweisen und scheitern kläglich. Wieder andere beginnen aus schierer Verlegenheit ein Studium der Frühen Ungarischen Kunsttischlerei oder fallen in Germanistik-Vorlesungen durch Fragen wie die danach auf, was denn das alles, bitteschön, mit Rhythmus und Sport zu tun habe. Einige wenige Unentwegte studieren so lange Exotenfächer wie Betriebwirtschaftslehre, Medizin oder Jura, bis sie auch den erfolgreichen Abschluss ihrer Hochschulzeit durch ein einschlägiges Zeugnis dokumentieren können. In der Folge werden sie Unternehmensberater, plastische Chirurgen und Staatsanwälte, lenken durch Kauf von Wagen gehobener Klassen das Interesse von Angehörigen des anderen Geschlechts auf sich und paaren sich, um den Fortbestand von Unternehmensberatern, plastischen Chirurgen und Staatsanwälten zu sichern.

Der Großteil der Studierendenschaft jedoch dämmert in von ewigem Zwieilicht erfüllten Hörsälen einem ungewissen Schicksal entgegen, versucht hie und da, Hochschullehrer mit Fußbällen, Plüschtieren und Kühltaschen zu bestechen oder durch kleine sexuelle Gefälligkeiten gewogen zu stimmen. Die, denen das gelingt, erhalten irgendwann im Gegenzug ein Prüfungszeugnis, dass ihnen quasi die Allgemeine Schulreife bescheinigt. Mit diesem Zeugnis stellen sie sich an einer Schule vor, werden selbst Lehrer und bringen ihren Schutzbefohlenen dann das bei, was sie auf ihrem Weg von der Grundschule über die weiterführende Schule und die Hochschule zurück an die Schule übers Leben gelernt haben und wundern sich darüber, dass sie bereits in dem Bemühen scheitern, ihren Schülern zu erklären, wozu, bitte sehr, eigentlich ein Abiturzeugnis gut ist. Nach ein paar Jahren rollen die Lehrer dann aus nichtigsten Anlässen mit den Augen, heben ungebeten zu langen Tiraden über die Dummheit ihrer Schüler an und bereiten sich irgendwann im Alter zwischen 40 und Mitte 50 darauf vor, nach den nächsten Großen Ferien nicht mehr in ihren Halbtagsjob zurückzukehren, sondern die Vakanz bis zum Lebensende auszudehnen und sich fortan dem Ausbau des Ferienhäuschens zu widmen.

Die Stellen, die frei werden, bleiben frei, weil die Bundesbildungsministerin und die Kultusminister der Länder irgendwann die Parole ausgegeben haben, dass dem Staat nicht etwa Lehrer fehlen, sondern Unternehmensberater und Nuklearphysiker. Jener verschwindend geringe Teil der Studierendenschaft, der tatsächlich die Begabung dazu gehabt hätte, gute Lehrer zu werden, hat darauf umgesattelt und berät inzwischen Unternehmen oder fährt Mietdroschken. Weil das so ist, stehen nicht ausreichend Lehrer zur Verfügung, die ihren Schülern wenigstens soviel beibringen könnten, dass diese nach Erlangung des Abiturs die Grundrechenarten oder die Grammatik ihrer Muttersprache in wenigstens ausreichendem Maße beherrschten oder sich wenigstens bei Günther Jauch souverän einen sechsstelligen Betrag zusammenraten könnten. Die Folge: Junge Menschen mit Abitur stellen enttäuscht fest, dass nach dem Schulabschluss keine Festanstellung mit monatlicher Dotierung in Höhe von 4000 Euro winkt, solange die Frage nach brutto und netto ebenso mit verständlislosem Achselzucken quittiert wird wie die danach, warum Frankfurt manchmal mit dem Zusatz „a.M.“ und in anderen Fällen „O.“ erscheint. Sofern sich nichts Besseres findet, schiebt der junge Abiturient fürderhin auf dem Parkplatz von „Wal-Mart“ die Einkaufswagen zusammen und schürt den Neid jener Zeitgenossen ohne Abitur, die diesen Job bisher verrichtet haben oder studiert erst mal doch ein paar Semester Sozialkeramik und wartet auf bessere Zeiten.

Fazit: Abitur? Man möchte jungen Menschen zurufen: Werdet Bankräuber, Fünf-Sterne-General oder ergreift sonst einen ehrenwerten Beruf, für den ihr den Satz des Pythagoras ebenso wenig braucht wie den „Faust“.

46 Bewertungen, 23 Kommentare

  • hjid55

    03.01.2007, 15:26 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah

  • Sayenna

    15.04.2006, 17:04 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh…...‹(•¿•)›…..LG Ela

  • Cicila

    15.04.2006, 16:31 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    Abitur ist nur leider für fast jeden Beruf nötig... Einer aus meinem Jahrgang will Schreiner werden und wird mit der mittleren Reife nicht genommen... <br/>LG Cicila

  • doeter

    14.04.2006, 21:49 Uhr von doeter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sozialkeramik hatte ich nur übergangsweise als Nebenfach. Eigentlich wollte ich ja autogenes Schweißen in der Gruppe studieren...

  • katze370

    14.04.2006, 18:42 Uhr von katze370
    Bewertung: sehr hilfreich

    Jeder will es haben, aber nur wenige wissen, wofür sie es brauchen. LG Katze

  • topware2002

    14.04.2006, 00:14 Uhr von topware2002
    Bewertung: sehr hilfreich

    ‹(•¿•)›~~~~~SH~~~~~‹(•¿•)›

  • schnitzel

    13.04.2006, 12:38 Uhr von schnitzel
    Bewertung: sehr hilfreich

    *daumen hoch*

  • SuicideToday

    13.04.2006, 11:38 Uhr von SuicideToday
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und lg <br/> <br/>würde mich über FRückbewertung freuen

  • Kranich

    12.04.2006, 16:14 Uhr von Kranich
    Bewertung: sehr hilfreich

    <b>sh - * lg & thx 4 re * ;-))</b>

  • marina71

    12.04.2006, 15:00 Uhr von marina71
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich hab keins, macht auch nix.. lg

  • luna1011

    12.04.2006, 13:11 Uhr von luna1011
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • t_durden

    12.04.2006, 11:52 Uhr von t_durden
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht *lg rene

  • Baerlin

    12.04.2006, 11:00 Uhr von Baerlin
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh...liebe Grüße aus Berlin

  • TheLick

    12.04.2006, 01:45 Uhr von TheLick
    Bewertung: sehr hilfreich

    Naja. ein sh von einem "Maturanten"... <br/>LG

  • Natascha20

    12.04.2006, 01:38 Uhr von Natascha20
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + nen lieben Gruß, Natascha

  • schokofan

    12.04.2006, 01:06 Uhr von schokofan
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Dagmar

  • IQIQIQ

    12.04.2006, 00:50 Uhr von IQIQIQ
    Bewertung: sehr hilfreich

    Okay, hier erkenne ich wieder deinen Stil!

  • Flummi123

    12.04.2006, 00:46 Uhr von Flummi123
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich!

  • Tuffi2106

    12.04.2006, 00:25 Uhr von Tuffi2106
    Bewertung: sehr hilfreich

    Solltest Comedian werden (klappt vielleicht auch ohne ABI) ;-)

  • schnekuesschen

    12.04.2006, 00:10 Uhr von schnekuesschen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht...LG sandy :-)))

  • Django006

    12.04.2006, 00:08 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan :o))))

  • sindimindi

    12.04.2006, 00:05 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    *loool* - der Beitrag ist jetzt aber nicht autobiographisch gemeint?*g*

  • Mogry1987

    12.04.2006, 00:04 Uhr von Mogry1987
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH gibts dafür ;) LG Stefanie :)