About Schmidt (VHS) Testbericht

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ab 10,34
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Erfahrungsbericht von 0-8-15

Schlicht, Ängstigend, Real

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Selten, dass ich wirklich mal wieder nach einem Film aufgestanden bin und mich total leer gefühlt habe. Selten, dass mich überhaupt ein Film in letzter Zeit so berührt hat. Selten, dass ich endlich mal wieder einen Film mit einem meiner Lieblingsschauspieler Jack Nicholson gesehen habe. 0-8-15 war mal wieder im Kino, diesmal in \'About Schmidt\'.

Der Film handelt, ganz dem Titel entsprechend, von einem Mann mit Namen Warren Schmidt. Herr Schmidt ist 65 und gerade frisch in Pension, wobei es ihm natürlich missfällt, seinen Arbeitsplatz einem Jungspund räumen zu müssen, der traurigerweise auch noch alles im Griff hat. Auch seine Ehe ist irgendwie nicht mehr ganz so rosig, mehr Gewohnheit als irgendwas sonst, schlicht langweilig (nervig?). Seine Tochter ist frisch verlobt und scheint immer weiter entfernt zu sein, zudem hält Warren ihren Verlobten Randall für einen Versager.

Das alles deprimiert natürlich und entsprechend den trostlosen Kulissen wirkt auch unser Hauptdarsteller traurig und entrückt. Um es kurz zu sagen, er wird alt, und wie es mit alten Menschen so ist, nimmt man ihn nicht mehr für voll und schenkt ihm immer weniger ernsthaft Beachtung. So scheint es schon ein Höhepunkt in Warrens Leben zu sein, als er eine Patenschaft für einen kleinen sechsjährigen afrikanischen Jungen namens Ndugu übernimmt. Mit dem ersten Scheck, den er nach Afrika schickt, sendet er auch einen persönlichen Brief, in dem er sich die Last seines tristen Lebens ein wenig von der Seele schreibt. So erfährt man, was man bis dato nur vermuten könnte, Warren Schmidt ist todunglücklich mit seiner Pension, seiner Frau, seiner Tochter, mit allem...

Als dann seine Frau stirbt ändert sich sein Leben. Zumindest meint man das. Aber was will ein alter Mann schon ändern? Eine gewisse zeitlang frönt Warren (fröhlich) dem Witwerdasein, er räumt nicht auf, er spült nicht ab, er pinkelt neben das Becken. Aber das alles ist natürlich auch nur bedingt befriedigend. Letztendlich holt ihn die Trauer doch ein und er sitzt weinend und mit Abschminkcreme (in Erinnerung an seine tote Frau, die das einige Szenen vorher tat) vor dem Spiegel. Aber auch diese Trauer währt nur so lange, bis er in ihrem Schrank Liebesbriefe von seinem besten Freund an seine Ehefrau findet. Frustriert und erkennend, dass er in seinem ganzen Leben irgendwie immer nur eine Nebenrolle spielte, macht er sich mit dem Wohnmobil auf den Weg, um zumindest das Leben seiner Tochter noch zu \'retten\' und ihre Hochzeit zu verhindern.

Aber auch damit hat er wenig Glück, sie will ihn nicht einmal empfangen und vertröstet ihn auf ihre Hochzeit. Wieder auf die Seite geschoben macht er nun eine Wohnmobiltour, zu seinem Geburtshaus und zu einem Pfeilspitzenmuseum, wobei auch hier immer wieder klar wird, wie arm an Höhepunkten sein Leben eigentlich ist. Auch als dann die Hochzeit seiner Tochter wider seiner Vorstellung stattfindet, wird klar, wie unnütz er zu sein scheint. Dementsprechend geknickt kehrt er nach Hause zurück und es kommt zum großen Finale:

Er findet einen Brief von seinem Patenkind Ndugu, welchem er mit seinem Geld eine Augenoperation ermöglicht hat. Ndugu ist überglücklich über seinen Patenonkel und schickt ihm ein Bild mit das er gemalt hat. Darauf ist ein grinsender kleiner Junge, Hand in Hand mit einem großen Mann.
Mit einem glücklich weinenden Mr. Schmidt endet der Film...


Wenn ich diesen Film mit drei Worten beschreiben müsste, so wären diese: Schlicht, Ängstigend und Real. Glücklicherweise habe ich ein paar mehr Worte zur Verfügung, mit denen ich diese drei Schlagwörter auch noch erklären kann.
SCHLICHT, weil die einzigen wirklichen Bewegungen im ganzen Film in Nicholsons Gesicht ablaufen. Alle Filmszenen verzichten auf spektakuläre Kameraführung, auf Action oder gar Stunts, es gibt lediglich ein paar unbunte und relativ trostlose Kulissen, spannungslose Dialoge und keine fortschreitende Handlung. Einzig Nicholson verändert seinen Gemütszustand des Öfteren und schafft es perfekt diesen völlig ohne Worte an den Zuschauer weiterzuvermitteln. Für die, die nicht in der Mimik des in die Jahre gekommenen Superstars lesen, oder einfach nur in ihrer interpretation bestätigt werden wollen, wird alles was Warren denkt in mehreren Briefen an Ndugu nochmal in Worte gefasst; dies erleichtert das Verständnis, wäre aber nicht zwingend notwendig gewesen.
ÄNGSTIGEND, weil dieser Ausblick auf das Rentenalter mir Angst macht. Erstaunlich eigentlich, ich hätte nie gedacht, dass ich mir mit 22 Sorgen darum mache, was mit 65 wird. Aber wie es auch Schmidt an Ndugu schreibt, man wünscht sich einfach nicht vergessen zu werden. Leider scheint genau das hier zu passieren. Schmidt wird vergessen und nicht mehr beachtet, er verschwindet aus dem gesellschaftlichen Leben, auch wenn er noch daran teilnimmt. Ich denke, so will niemand sein Leben verbringen.
REAL, weil genau das Tag für Tag passiert. Mir war das bislang nicht in diesem Maße bewusst, aber dieser Film hält uns auch den Spiegel vor, wie wir mit alten Menschen umgehen. Hand aufs Herz, habt ihr noch nie irgendeine Aussage eines 70 jährigen als Senilität abgetan? Oder schonmal einen Rentner geistig beseite geschoben, weil er nicht wichtig erschien? Werden nicht immer wieder bevorzugt die Jüngeren um Rat gebeten statt die Ganz-Alten? Macht nicht jeder Grauhaarige erstmal den Eindruck, dass er nicht mehr up-to-date ist? Ich könnte stundenlang mit solchen Beispielen fortfahren, es gibt sie einfach zu hauf.


Bezüglich der Filmqualität stellt sich nur eine Frage: Wäre der Film genauso gut wenn nicht Jack Nicholson die Hauptrolle hätte? Ich würde sagen: Nein. Ich kenne keinen Schaupieler, der in seiner Mimik ein solches Spektrum an Gefühlen vereinen kann. Keiner der besser in diese Rolle passen würde, keinen der ihr gewachsen wäre. Und ohne dass Herr Schmidt nur durch bloßes in-die-Kamera-sehen seinen Gemütszustand vermittelt, würde dieser schlichte Film einfach nicht funktionieren. Ebenso schlicht wie herzergreifend ist auch das Ende, der kleine Ndugu ist dankbar und glücklich, somit ist Schmidts Leben doch nicht ganz so unnütz, wie es den ganzen Film über dargestellt wird.

Hätte ich den Film \'rezensiert\' direkt nachdem ich ihn gesehen hätte, hätte ich ihm wohl eine Epfehlung ausgesprochen, aber höchstens drei Sterne vergeben. Mir wurde erst so nach und nach bewusst, dass diese vielen kleinen nicht vorhandenen Details, die fehlende Handlung, die unnützen Dialoge, das alles zusammen erst das Gesamtkunstwerk ergeben. Schlichtheit als Mittel für ganz großes Kino. Ein Film, wie er auch von Dogma95 hätte sein können. Den sollte man sich ansehen, auch wenn man, so wie ich, noch weit entfernt vom Rentenalter ist.

Gruß 0-8-15

19 Bewertungen, 2 Kommentare

  • MaKu

    15.12.2008, 22:50 Uhr von MaKu
    Bewertung: sehr hilfreich

    ** Toller Testbericht ** Matthias

  • schnitzel

    13.04.2006, 22:57 Uhr von schnitzel
    Bewertung: sehr hilfreich

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