About Schmidt (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von andy77

Die gelebte Mittelmäßigkeit

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Gleich in mehrfacher Hinsicht ist Warren Schmidt (Jack Nicholson) an einem Wendepunkt angekommen: Als er von seinem Arbeitgeber in den Ruhestand gezwungen wird, fühlt er sich völlig entwurzelt. Außerdem hat sich seine einzige Tochter Jeannie (Hope Davis) in den Kopf gesetzt, einen Dummkopf zu heiraten. Und dann stirbt plötzlich Warrens Frau Helen (June Squibb) – nach 42 Ehejahren. Was soll Warren nun mit seinem eintönigen Leben anfangen? Er entscheidet sich für eine Tour mit seinem riesigen Wohnmobil, das schon lange auf ihn wartet. Sein mittelfristiges Ziel ist Denver, wo er sich mit Jeannie aussöhnen möchte. Doch als er ihren Bräutigam und dessen Bohemien-Familie dort erlebt, fasst er einen Entschluss: Jeannies Hochzeit muss unbedingt verhindert werden. Die tragikomischen Abenteuer auf dieser schmerzlichen Odyssee vertraut Warren einem unerwarteten neuen Freund an: Ndugu Umbo ist ein sechsjähriges Waisenkind in Tansania, dessen Patenschaft Warren für 22 Dollar im Monat übernimmt. Warren schreibt lange Briefe an Ndugu – und allmählich beginnt er darin, erstmals ehrlich Rechenschaft über sein Leben abzulegen...



Jack Nicholson war mittlerweile 12 Mal für den Oscar nominiert, von denen er drei Mal gewann. Auch dieses Jahr dürften seine Chancen nicht allzu schlecht sein, denn Jack Nicholson spielt wieder einmal die Rolle seines Lebens.

Warren Schmidt ist 65 Jahre, ein Versicherungsangestellter mit Halbglatze, die er nur notdürftig bedecken kann. Sein Gesicht ist ausdruckslos, wirkt gequält, fast einschläfernd. Sein Gang ist träge und steif, die Schultern hängen schlaff herunter, zeugen von innerer Leere und ständiger Müdigkeit. Dies ist Warren Schmidt, ein Mann dessen dritter Frühling soeben begonnen hat und der sich eigentlich daran machen könnte alle seine unerfüllten Träume zu verwirklichen.

Genau in dieser Phase seines Lebens realisiert er zum ersten Mal, wie überflüssig er doch ist. Sein ehemaliger Arbeitgeber hat schon einen hochmotivierten, neuen Mitarbeiter gefunden, der ihn mit der höflicher Arroganz zur Tür begleitet statt seine Hilfe in Anspruch zu nehmen, seine Tochter heiratet einen Wasserbettenverkäufer mit Vokuhila- Frisur und seine Frau scheint mit ihrem ständig zum Lächeln verzogenen Gesicht schon lange nichts mehr von Warrens Seelenzustand mitzubekommen. Ihre einzige Errungenschaft ist ein 20 Meter langer Winniebago Adventurer, der seit einiger Zeit in der Einfahrt parkt, jedoch noch nie benutzt wurde, es sei denn man zählt das allmorgendliche Frühstück im Camping Atmosphäre dazu.

Alexander Payne adaptierte für diesen Film Louis Begleys Roman \"About Schmidt\", vereinfachte einige Erzählstränge, verlegte die Handlung von New York in den Mittleren Westen, seine eigene Heimat, und verknüpfte alles mit einem eigenen alten Drehbuch. Herausgekommen ist ein eigenständiger Film, der nicht mehr viel mit dem Roman zu tun hat. Ein Umstand, der dem Film und vor allem auch Jack Nicholson nicht geschadet zu haben scheint. So kann er sich voll auf die gelebte Mittelmäßigkeit eines alternden Mannes konzentrieren, der nach innerer Erlösung trachtet, diese jedoch nicht finden kann.

Ein möglicher Ausweg aus seiner selbst verschuldeten Lethargie, offenbart sich ihm durch einen Werbespot über die Patenschaft zu einem afrikanischen Kind für ganze 22 Dollar im Monat. Diese Beziehung zu einem tausende Kilometer entferntem Patenkind nutzt Schmidt als Möglichkeit zur Lebensbeichte und Payne gebraucht sie um den Zuschauer über Schmidts inneren Zustand zu informieren. An diesen Gesprächen mit sich selbst kann man den langsam voranschreitenden Realitätsverlust Schmidts beobachten und sie sind daher ein Glücksgriff für diesen Film, wenn auch ein sehr konventioneller.

\"About Schmidt\" ist Komödie und Tragödie zugleich. Mal werden wir Zeuge seiner lächerlichen Ansichten und Gewohnheiten, mal zeigt sich gerade in dieser Lächerlichkeit seiner Eigenwilligkeit das Tragische, aus dem es kein Entrinnen und keine Erlösung geben kann. Genau diese Ausweglosigkeit durchzieht den Film. Nur einmal, zum Ende hin, gibt es eine Regung, eine scheinbare Veränderung in Schmidts Gesicht. Vielleicht eine kleine Erkenntnis, vielleicht aber auch nur ein selbstmitleidiger Blick auf sein eigenes Leben. Wir werden es nie erfahren. Warum auch, das wahre Leben hält schließlich genügend Geheimnisse bereit, die nicht, wie auf der Leinwand, nach belieben entzaubert werden können.

Wieder zeigt uns also ein amerikanischer Film, die inneren Zustände seiner Menschen. Wie auch Spike Lees \"25th Hour\" zeichnet \"About Schmidt\" ein anderes Amerika. Ein Amerika, das an seinen Wertevorstellungen und der damit Verbundenen Verkrampfung zu ersticken erscheint, das jedoch selbst keinen Ausweg finden kann. Es bleibt nur der genaue Blick in die Seele der Menschen, der endlich nicht mehr plakativ und zu patriotisch daherkommt. Es scheint eine neue Generation von Filmemachern nachzurücken, denen es gelingt mehr Geduld für kleine Momente und die Charaktere aufzubringen, auch wenn, wie in diesem Fall die Geschichte schnell in Vergessenheit geraten wird. Der von den eigenen unerfüllten Träumen enttäuschte Blick Jack Nicholson wird dies jedenfalls nicht!

Wertung: 8/10

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