About Schmidt (VHS) Testbericht

About-schmidt-vhs-komoedie
ab 10,34
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

5 Sterne
(8)
4 Sterne
(6)
3 Sterne
(4)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von NoSoul

About Schmidt- Ein alter Mann will das sein Leben einen Sinn hat!!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

About Schmidt
(About Schmidt, USA 2002)

Darsteller: Kathy Bates, Hope Davis, Jack Nicholson
Regie: Alexander Payne



Warren Schmidt (Jack Nicholson) ist gerade von seiner Firma, einer Versicherungsgesellschaft, in Pension geschickt worden.
Er hat den größten Teil seines Lebens hinter sich und fällt in ein tiefes Loch als ihm klar wird, dass er nicht mehr gebraucht wird. Sein Nachfolger in der Firma benötigt seine Hilfe nicht, seine Akten wandern auf den Müll.
Schließlich antwortet Warren aus seiner Deprimiertheit heraus auf eine Werbung für eine Pflegevaterschaft eines Kindes in der Dritten Welt. Für nur 22 Dollar im Monat ermöglicht er dem Kind Ndugu eine Schulausbildung. Den Hinweis in der Werbung, er solle seinen Spenden einen persönlichen Brief zulegen, nimmt er zu ernst. Er fängt an, Ndugu sehr persönliche Briefe zu schreiben, in denen er ihm praktisch sein ganzes Leben und seine Gedankenwelt offenbart.
Kurz nach der Pensionierung Warrens stirbt seine Frau. Seine Tochter Jeannie (Hope Davis) kommt sofort, um mit ihm zu trauern. Dabei begleitet sie ihr Verlobter Randall (Dermot Mulroney), ein nicht sehr erfolgreicher Wasserbettverkäufer. Warren und Jeannie scheinen sich zunächst, durch den Todesfall vereint, sehr nah zu stehen, doch nach einiger Zeit geraten sie in Streit. Hauptursache ist Randall. Warren will nicht das seine Tochter einen solchen „Versager“ heiratet.
Als seine Tochter abgereist ist und er alleine in dem Haus nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß, findet er alte Liebesbriefe an seine Frau, von seinem besten Freund. Warren fängt an, an allem in seinem Leben zu zweifeln. Wenigstens einen Erfolg will er noch haben: seine Tochter vor dem Fehler zu bewahren, den ihre Mutter beging, einen Versager zu heiraten. So steigt er in das Wohnmobil, dass er mit seiner Frau kaufte, um mit ihr den Lebensabend zu verbringen, mit dem Ziel seiner Tochter vor der Hochzeit noch alles auszureden. Doch sie blockt ihn ab und meint er solle wieder nach Hause fahren. Er fährt lieber quer durch das Land, besucht Orte seine Kindheit und erlebt so viel wie schon lange nicht mehr.
Am Ende fährt er zur Hochzeit, versucht sie ein letztes mal zu verhindern und lernt die Familie Randalls kennen. Als er nach der Trauung eine Rede halten soll, erkennt er seine Niederlage und hält zur Überraschung seiner Tochter ein versöhnende Rede, in der er Randall und auch seine Familie lobt, obwohl er sie nicht ausstehen kann. Schließlich kehrt er in sein Haus zurück. In einem der Briefe, die stets aus dem Off erzählt werden, schrieb er Ndugu, dass am Ende nur zählt, dass man irgendwas verändert hat. Er fragt sich was er verändert hat. Schließlich kommt eine Antwort Ndugus, ein Bild mit einem Brief einer Schwester, die in Ndugus Ort arbeitet. Dabei wird ihm bewusst wie sehr er mit nur 22 Dollar im Monat das Leben eines einzigen Jungen beeinflusste.


About Schmidt ist ein fantastisch erzählter Film über die letzten Fragen, die im Leben interessieren. Warren Schmidt ist nichts weiter als ein alter, langweiliger Mann, der sein Leben einem langweiligen Job widmete, ein Spießbürger. Auf der Suche nach dem Nutzen seines ganzen Lebens stößt er nur auf Enttäuschungen: sein Firma braucht ihn nicht, seine Frau und sein bester Freund hatten eine Affäre und seine Tochter heiratet einen, in seinen Augen, Versager. Die Briefe an Ndugu stellen die Höhepunkte des Filmes dar. In ihnen wird seine spießbürgerliche Weltfremdheit deutlich, wenn er Ndugu vom Essen erzählt oder ganz einfach dadurch, dass er seine Probleme ganz selbstverständlich erzählt, ohne das er sich den Problemen Ndugus ernsthaft bewusst zu sein scheint. Aber sie zeigen auch die Schwere seiner Probleme. Ihm wird nach und nach bewusst was er im Leben verpasst hat, was er alles nicht geleistet hat. Schimpft er anfangs noch auf seine Firma, seiner Frau, seinem designierten Schwiegersohn, wird er zum Ende hin immer selbstkritischer und erkennt sich selbst als einen Versager.
Der Film lebt von seinem guten Drehbuch und einem wie immer fantastischen Jack Nicholson. Er spielt diesen Warren Schmidt mit tapsig und unbeholfen wirkenden Bewegungen, mit einer spießbürgerlichen Mimik, die immer wieder den hilflosen Gesichtsausdrücken eines alten Mannes ohne Perspektive weichen.
Diese Tragikomödie gehört sicherlich zu dem Besten was in letzter Zeit so gedreht wurde, allerdings hat sie ein paar Schwachstellen. So wurden zu viele sinnlose Szenen eingebaut, die nur die Lachmuskeln reizen sollen. Zum Beispiel kam es im Kino zu lautstarken Gelächter als Warren sich in einer Wasserbett legte und damit nicht klar kam. Scheinbar sind einige solcher Szenen nur eingebaut worden, um den Film als Komödie einem größeren Publikum schmackhaft zu machen, leider auf Kosten des Gesamtkunstwerkes. Scheint es am Anfang mehr um die Thematik des Alters und der damit verbundenen Fragestellungen zu gehen, um den Rückblick eines Mannes auf sein Lebenswerk zu gehen, droht der Film im Mittelteil des öfteren zu einer einfachen Komödie abzustürzen. Vielversprechende Ansätze am Anfang wie das Profitstreben und der Leistungsdruck der Gesellschaft werden mit dem Fortgang der Handlung wieder vergessen. Zum Glück bleibt dieser Absturz eine reine Gefahr. Das Drehbuch bekommt immer noch geradeso die Kurve und sorgt dafür, dass es nie in Peinlichkeiten ausufert. Am Ende gelingt es dann auch noch glaubwürdig und sicher den Kreis der Tragödie zu schließen.
Ich empfehle diese One-Man-Show des Jack Nicholson jedem. Er erinnert einen stark daran, darüber nachzudenken, was man am Ende seines Lebens von sich sagen will, um ruhig sterben zu können.

9 Bewertungen