Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen (gebundene Ausgabe) / Albom Mitch Testbericht

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Erfahrungsbericht von LilithIbi

Orte, die es ohne die Menschen vor uns gar nicht gäbe.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Ich war traurig, weil ich aus meinem Leben nichts gemacht habe. Ich war nichts. Ich habe nichts geleistet. Ich war umsonst da. Ich hatte das Gefühl, als würde ich dort nicht hingehören.“

Jene Zeilen auf S. 215 des Buches

==Die 5 Menschen, die dir im Himmel begegnen==

fühlen sich vertraut an, nicht nur mir, sondern für viele, vielleicht sogar allen von uns. Der Autor Mitch Albom schaffte mit seinem 220 Seiten umfassenden Roman ein Werk, welches mehr als nur be-rührt, sondern zugleich an-rührt und zu Tränen rührt.

Ich kann nichtmal mehr sagen, wie oft ich jenen Kloß im Halse spürte, der die Tränen nur mühselig zurückhalten konnte. Dabei ist die Geschichte um den 83 järhigen Eddie nichtmal nur traurig, sondern irgendwo auch Mut-machend, beruhigend und wunderschön zugleich. Aber eben zugleich bedrückend, obschon hier vom Himmel die Rede ist.

==Die Story==

fasst sich auf der ersten Buchseite im allerersten Absatz selbst zusammen:
„Dies ist die Geschichte eines Mannes namens Eddie, uns sie beginnt mit ihrem Ende, als Eddie bei Sonnenschein stirbt. Es mag seltsam erscheinen, eine Geschichte mit ihrem Ende zu beginnen. Aber jedes Ende ist auch ein Anfang. Das weiß man da nur noch nicht.“
(Zitat, S. 7)

Darüber hinaus geht es vor allem um das, „was danach kommt“, was Eddie unmittelbar nach seinem Tod „erlebt“, wem er begegnet, welche Gespräche er führt und zu welchen Erkenntnissen er schlussendlich gelangt.


==Die Umsetzung==

erinnert vor allem an „In meinem Himmel“ von Alice Seebold; zugleich macht sich der unmittelbare Vergleich zu Jostein Gaarders Werken breit Ähnlich sanftmütig-eindringlich ist die Sprachwahl, ähnlich vorsichtig und doch eindringlich ging der Autor zu Werke, und beinah mehr noch als bei vorgenannten Autoren fällt man mehr und mehr in eine Art Sog, die die Geschichte auf den Leser ausübt.

Das Buch involviert mehrere Zeitsprünge, bedient sozusagen drei Ebenen zugleich: das, was aktuell geschieht, was an Eddies Geburtstagen geschah und das „drumherum“, was die Begegnungen mit jenen 5 Menschen umfasste.

Wie Eddie selbst ist der Leser gespannt, verwirrt und aufgewühlt, als Eddie durch den „Himmel“ schreitet und von gewissen Erinnerungen und nicht zuletzt erstmalig erkannten „großen Zusammenhängen“ regelrecht überwältigt wird. Der erste Mensch, dem Eddie im Himmle begegnet, ist „Der blaue Mann“, eine Person aus der damaligen „Monstrositätenschau“ des Jahrmarktes, auf dem Eddies Vater und später dieser selbst arbeitete. Jener blaue Mann konfrontiert den Hauptprotagonisten mit Wahrheiten, sie so sehr auf der Hand liegen, dass sie schon wieder verblüffen:


„Die Menschen halten den Himmel für einen Paradiesgarten, einen Ort, an dem sie auf Wolken dahinsegeln und in Flüssen und auf Bergen faulenzen können. Aber eine schöne Landschaft ohne Erlösung ist sinnlos. Das ist das größte Geschenk Gottes an uns: Hier lernen wir verstehen, was in unserem Leben geschehen ist. Hier bekommen wir es erklärt. Darin liegt der Friede, den wir gesucht haben.“
(Zitat, S. 43)

oder auch

„Nein? Das kann nicht der Himmel sein?“, fragte er nach. „Warum? Weil du hier aufgewachsen bist? (…) Na ja. Die meisten Menschen machen den Ort schlecht, an dem sie aufgewachsen sind. Aber den Himmel kann man in den unwahrscheinlichsten Ecken finden. Und er hat viele Etappen. Für mich ist das hier die zweite. Und für dich die erste.“
(vgl. S. 42)

~ Wer in den Roman nun eine große Gottbezogenheit oder einen ausgereiften religiösen touch erwartet, der irrt hier. Obschon natürlich eine Geschichte über den Himmel immer etwas mit Religion zu tun hat, ist es keinesfalls so, dass hier großartig über Gott und dessen Wille philosophiert wird. Philosophiert wird schon; jedoch mehr bezüglich der Zusammenhänge im Leben, dem Gleichgewicht zwischen Leben und Tod. Ein kleines Stück ließ mich die Lektüre an die Serie „Dead like me“ denken; zumindest, was das tiefsinnige Gedankengut betrifft.

Sätze wie

„Wenn er von seinem nahen Tod gewusst hätte, wäre er vielleicht wo anders hingegangen. Stattdessen tat er, was wir alle tun. Er machte weiter in seinem langweiligen Trott, als hätte er allte Zeit der Welt.“
(Zitat, S. 11)

treffen den Leser; zu gern würde man irgendwas tun, etwas daran ändern, dass man sich stetig so verhält... und weiß zugleich, dass man es nicht kann; eben weil es gar nicht anders sein kann, als das man so ist.

Viele Zeilen der Lektüre regen zum Nachdenken an, wirken wie eine wahrhaftige Erklärung des Lebens. Während ich las, wurde mir so einiges klar; selbst wenn ich ebenso weiß, dass jenes lediglich auf dem Gedankengut des Autoren bzw. dessen Inspiration durch seinen Großvater beruht. Und doch fühlte sich die Lektüre gut an, gab mir Geborgenheit, ein Gefühl der Sicherheit... ein zu hause.

Es mag kitschig klingen, doch sei's drum ~ genauso habe ich während des Lesens empfunden. Viele unerwartete Wendungen, Offenbarungen ließen mich den Atem anhalten. So viele Logiken des Alltags bleiben viel zu oft unbeachtet; so vergisst man viel zu oft, dass das gleiche Vorkommnis für zwei Menschen in eine völlig andere Zukunft führen können.
Jene Erkenntnis wurde bereits in dem Film „Butterfly effect“ dargelegt, und doch neigt man immer wieder dazu, jenes zu vergessen ~ nicht zuletzt, weil man in den meisten Fällen nie erfahren wird, wie die gleiche Szene für die anderen Beteiligten weiterging, nachdem man sich vom Ort des Geschehens oder auch nicht-Geschehens entfernt hat.

Eddie erfährt nach seinem Tod einige unliebsame Wahrheiten, durchläuft diverse Extremgefühle. Wut, Trauer, Verwunderung...mit all jenen Empfindungen setzt er sich nocheinmal auseinander, erkennt aber auch, dass es spätestens nach dem Tod Zeit sein sollte, verzeihen zu können.

==Summa summarum==

muss ich sagen, dass ich selbst eine eher friedvoll-seichte Lektüre erwartet hätte, wie es bei Marc Levy der Fall war. Doch mehr nohc als dieser schaffte Mitch Albom es, sich tief in die Seele des Lesers hinfortzubohren.

Ich habe nicht mitgezählt, wie oft sich das Gelesene regelrecht auf meinen Brustkorb zu setzen schien, wie oft mir dieses und jenes die Luft zum atmen nahm. Ich habe mit einigem gerechnet, nicht aber mit expliziten Schilderungen Eddie's Kriegserfahrungen; die so intensiv wirkten wie es bei Stuart O' Nan's „Das Glück der Anderen“ der Fall war.

Obendrein überrascht „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ mehrmals mit seinem Fortlauf; kaum dachte ich, dass sich nun ein eher romantisch bedingter Moment ereignen würde, offenbarte sich die nächste Wendung, die nächsten düsteren Zeilen.

~ Keineswegs handelt es sich bei dem Buch um eine düstere Erzählung, genauso wenig jedoch um eine verträumt-kitschige Himmelsdarbietung. Viemehr überrascht die Lektüre mit der immensen Ernsthaftigkeit, die von einer lockeren, leicht verständlichen Sprache dargeboten wird und nichts an Tiefsinnig- und Ernsthaftigkeit vermissen lässt.

Dass ich das Buch in einem fort gelesen habe, versteht sich von selbst ~ genau wie die Tatsache, dass es in meinem Regal neben Werken wie „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“ (Gaarder) sowie „Wo bist du?“ (Levy) einen Ehrenplatz bekommen wird.

Dem Buchumschlagstext: „ein erstaunliches Buch, das auf ganz neue und dabei höchst unterhaltsame Weise mit der Frage nach dem Sinn des Lebens umgeht. Diese zeitlose und kluge Geschichte spendet Trost und lässt hoffen in einer ungemütlichen, an Äußerlichkeiten orientierten Zeit“ gebe ich beinah vollumfänglich recht.

Beinahe in dem Zusammenhang, dass ich wie gesagt der Ansicht bin, dass Jostein Gaarder wie auch Alice Sebold vor einigen Jahren eine ähnliche Idee als auch Umsetzung verfolgte.

Eine Rangliste der drei Bücher mag ich nicht erstellen ~ ein jedes für sich ist das, was Amy Tan von diesem Werk hier sagte: „Ein Geschenk für die Seele“.

41 Bewertungen, 10 Kommentare

  • Gozo-Bernie

    14.08.2009, 13:40 Uhr von Gozo-Bernie
    Bewertung: sehr hilfreich

    wieder ein Gruss aus der Heimat von telestrada.it

  • Kleinnightwish

    14.08.2009, 13:34 Uhr von Kleinnightwish
    Bewertung: sehr hilfreich

    ganz viele liebe grüße von der angi ;)

  • Lale

    10.08.2009, 01:13 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Besten Gruß die Lale.

  • morla

    10.08.2009, 00:01 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    einen schönen sonntag abend wünsch ich dir lg. petra

  • Nina1805

    09.08.2009, 22:38 Uhr von Nina1805
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und noch einen schönen Abend! LG!

  • liebes35

    09.08.2009, 22:36 Uhr von liebes35
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht. LG Steffi

  • tina08

    09.08.2009, 21:39 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • 2002bin14

    09.08.2009, 20:19 Uhr von 2002bin14
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht! Wünsch dir eine gute neue Woche :-)

  • sigrid9979

    09.08.2009, 20:01 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut Berichtet...Freue mich über Gegenlesungen..lg Sigi

  • mars725

    09.08.2009, 19:53 Uhr von mars725
    Bewertung: sehr hilfreich

    BH ist leider aus :-(