ALFA ROMEO 156 Testbericht

Alfa-romeo-156
Abbildung beispielhaft
ab 64,88
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  sehr gut
  • Fahrkomfort:  sehr gut
  • Platzangebot:  großzügig
  • Zuverlässigkeit:  gut

Erfahrungsbericht von perde

40 Jahre Alfa Romeo Giulia

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

40 Jahre Alfa Romeo Giulia

Familiensport mit Romeo und Giulia






Es war an einem Mittwoch in Monza, an dem Julia erwachsen wurde. An jenem 27. Juni 1962 präsentierte Alfa Romeo den Nachfolger des Erfolgsmodells Giulietta («Julchen») - und das sollte fortan als Giulia («Julia») die Herzen sportlicher Fahrer zu schnellerem Schlag veranlassen. Dass der auf den ersten Blick eher gewöhnungsbedürftige Viertürer zu einer der großen Legenden der Autowelt werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen. Im Grunde nahm der Wagen aus Mailand aber jene Idee vorweg, mit der Volkswagen ein gutes Jahrzehnt später beim Golf GTI Erfolg hatte: die Verbindung eines kompakten Familienautos mit sportlicher Kraft.
Was die Giulia zu bieten hatte, war beeindruckend: Ein Auto, das bis zu sechs Personen Platz bot und dabei Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 160 Stundenkilometern (km/h) erreichte, war am Anfang der sechziger Jahre eine echte Ausnahme. Hinzu kam, dass die schroff wirkende Karosserie ein kleines Meisterwerk in Sachen Aerodynamik war. Alfa-Entwicklungsleiter Orazio Satta Puliga und sein Team hatten viel Aufwand betreiben, um die Windschlüpfrigkeit zu optimieren.

So wurden identische Fahrgestelle mit verschiedenen Karosserien versehen. Diese Testmobile wurden laut der in Mainz erscheinenden Zeitschrift «Oldtimer Markt» auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt, danach sollten sie ohne Motorkraft weiter rollen. Die Logik der Aerodynamiker: Wer am weitesten rollt, hat die windschnittigste Form. So entstand ein Design, das mit vielen Details den Luftwiderstand positiv beeinflusste. Die Kante am Dachende oberhalb des Heckfensters hatte ebenso ihren Zweck wie das charakteristisch kantige Heck.

Als die 92 PS starke Giulia TI - die Abkürzung stand für «Tourismo Internazionale» - 1963 in Deutschland gerade bei den Händlern ankam, lud Alfa Romeo schon zur nächsten Premiere nach Monza. Diesmal wollte Alfa zeigen, wie viel sportliches Potenzial in Giulia steckte: TI Super hieß das Auto, das mit einem 112-PS-Motor die Limousine zum Rennwagen machte. Hinzu kamen Details wie hintere Seitenscheiben aus Plexiglas, Leichtmetallfelgen, ein Schalthebel auf dem Mitteltunnel statt am Lenkrad und Einzelsitze anstelle der vorderen Sitzbank.

Die Baureihe wurde durch immer neue Versionen ergänzt. So folgte ebenfalls 1963 ein Modell mit 1,3-Liter-Motor und 78 PS als Abrundung nach unten. Äußerlich war die «kleine» Giulia daran zu erkennen, dass statt der Doppelscheinwerfer einfache Leuchten im Grill saßen. Im Folgejahr wurde die Palette nach oben abgerundet, indem das Prinzip der 501 Mal gebauten Rennversion TI Super zum noblen Topmodell Super gewandelt wurde. Neben einem 98-PS-Motor gab es reichlichen Chromschmuck, größere Heckleuchten und Stoßstangen aus Edelstahl.

Inzwischen wurde die Giulia zum Verkaufserfolg. Und das war auch nötig, schließlich stand das Modell auch für einen Wechsel in der Unternehmensgeschichte: Giulia sollte endgültig Alfas Wandel vom Klein- zum Großserienhersteller vollenden - und das tat sie auch.

Die Menge der Modellbezeichnungen wuchs und wuchs dabei allerdings so sehr, dass heute wohl nur noch Eingeweihte wissen, was es in Sachen Giulia so alles gibt. So kam zur Giulia 1300 im Jahre 1966 noch die Giulia 1300 TI, die 82 statt 78 PS leistete. 1970 wiederum erschien eine Giulia Super 1300, die neben einem 89-PS-Aggregat nun auch das Doppelscheinwerfer-Grill bekam. Umgekehrt wurde schon 1969 eine Giulia 1600 S als abgespeckte Ausführung angeboten - die ursprüngliche Giulia TI war schon 1967 aus dem Angebot verschwunden.

Langsam kam die Giulia in die Jahre, so dass ihr die Designer ein gründliches Facelift verpassten. Allerdings bügelten sie dabei nicht nur «Altersfalten», sondern auch Charakterzüge weg. Die fortan Nuova genannten Modelle verloren die bis dahin typische Einbuchtung im Heck, die Motorhaube zeigte sich geglättet, die Doppelscheinwerfer hatten nun nicht mehr verschiedene Größen. Was sich nicht änderte, war aber die typische «Froschhaltung» der Fahrer hinter dem Lenkrad.

Wie ein Schlag ins Gesicht erschien manchem sportlichen Fahrer ein Schritt, den Alfa während der Ölkrise vornahm. Ausgerechnet in die Limousine setzten sie 1976 einen Dieselmotor. Der mühte sich zwar, mit 55 PS rumorend das Auto ans Ziel zu bringen - doch mehr als 138 Stundenkilometer waren unmöglich. Doch Giulias Zeit lief ohnehin langsam ab - 1978 beendete Romeo die Beziehung. Doch während die Marke in der Folgezeit in eine tiefe Krise rutschte, die schließlich zur Übernahme durch Fiat führte, kann sich die Giulia bis heute an einem Legendenstatus erfreuen, der keine Alterserscheinungen zeigt.

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