Alpenveilchen Testbericht
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Erfahrungsbericht von galeria
Schweinbrodt?
Pro:
Eine wunderschöne Blume...
Kontra:
...die es so schrecklich eisig mag.
Empfehlung:
Ja
Ja, Ihr lest richtig, nix Tippfehler. Schweinbrodt oder auch Säuwbrodt nannte man ganz früher das Alpenveilchen (Cyclamen). Schließlich wird diese Pflanze, die eigentlich zur Gattung der Primelgewächse gehört, schon seit einigen Jahrhunderten gezüchtet. Das kleine zarte Blümchen wächst von Mittelmeer bis Zentralasien in ca. 15 Arten, eine davon auch in den Alpen. Das, was wir aber in den Geschäften zu kaufen bekommen, sind nur noch Züchtungen, die von der Wildpflanze abstammen.
Der aus dem Griechischen stammende Name Cyclamen leitet sich ab von kylos, was Kreis oder Scheibe bedeutet. Erdscheibe nannte man die runde Wurzelknolle, daher der Name. Im Mittelalter hieß es dann auch Erdtapffel, Erdtnabel, Schweinbrodt oder Säuwbrodt. So eine hübsche kleine Blume und so ein ulkiger Name *gg*. Aber im Mittelalter war eh alles irgendwie sonderbar.
Cyclamen europaeum und Cyclamen persicum sind Beispiele dafür, woher die Arten stammen. Cyclamen purpurascens bezeichnet die rote Farbe der Blüten und Cyclamen hederifolium bedeutet efeublättrig. Es gibt da noch viel mehr, bloß wozu die alle aufzählen, interessiert ja doch keinen *gg*. Ist nur mal kurz der Übersetzung wegen, damit nicht immer alle über die furchtbaren botanischen Namensbezeichungen fallen.
Das Alpenveilchen ist übrigens ein Heilmittel. Die Knolle ist eigentlich giftig, sie enthält Saponine und insbesondere das Gift Cyclamin (wie sollte es auch sonst heißen *g*). Aber da es eben auch heilend wirkt, hat man sich früher oft damit vergiftet durch versehentliche Überdosierung. Eine Vergiftung äußert sich in Form von Kratzen im Mund, Übelkeit und Magen-und Darmreizungen. Das kann dann über Brechdurchfall, Schwindel, Fieber und Krämpfen bis hin zum Tod durch Atemlähmung führen. Aber wer isst auch ne ganze Knolle von so `ner Blume auf *g*. Ok, so eine Vergiftung kann schon bei 0,2 g losgehen und bei 8 g ist es aus mit dir.
Da gibt es so ein altes Kräuterbüchlein, ein in der Spätantike in Konstantinopel entstandenes Pflanzenbuch aus dem 6. Jahrhundert, das Dioskurides. Wer mehr darüber wissen will, der findet hier was: http://www.finns-books.com/dioscorg.htm . In diesem Büchlein wird das Alpenveilchen ausführlich beschrieben, seine Heilkraft innerlich wie äußerlich. Hier mal ein paar Auszüge:
\"...Ja so auch ein schwanger Weib daruber gehet/ sey es sorglich/ es möchte ein unzeitige Geburt darauss entstehen...\"
\"...die Wurtzel mit Essig oder Honig vermischt/ säubere die Haut/ heyle die Wunden/ verbessere die böse Gestalt dess Angesichts/ unnd wehre dem aussfallenden Haar/ [und Schrunden der Händ unnd Füss so vom Frost entsprungen.]...\"
\"...Die Wurtzel wie ein Mutterzäpfflein gebraucht/ fürdert die Menses mit Gewalt/ soll aber mit Bedacht gebraucht werden...\"
Mensch, da muss ich wohl doch mal so eine Knolle ausgraben, vielleicht werd ich dann noch schön von Angesicht, bekomme tolles Haar und feine Hände *gg*. Wer da ebenfalls noch nicht genug von hat: http://www.kraeuter.ch/alpenveilchen/alpenveilchen.htm , da gibt es noch mehr.
Dieses Büchlein Dioscurides empfiehlt also unser Alpenveilchen bei Frauenleiden, Gelbsucht, als Abführmittel, gegen Schlangengift, als Heilmittel bei Wunden und Blattern sowie gegen erfrorene Füße und Haarausfall. Das noch mal zur Übersetzung, falls einige so gar nicht mit dem alten Deutsch klar kommen *g*.
Wie wir also da oben lesen können, warnt man schwangere Frauen davor, über die Wurzel zu gehen, da sie sonst eine Früh-oder Mißgeburt zur Welt bringen würden. Dieser (Irr) Glaube hat sich dann noch hunderte von Jahren erhalten und wurde immer wieder von den Kräuterärzten erwähnt. Plinius d. Ä. beschreibt die Verwendung von Alpenveilchen als Pfeilgift und Hieronymus Bock ihre Heilwirkung bei Beulen und Warzen sowie als schweißtreibendes und abführendes Mittel. Heute findet man es in der Homöopathie als Mittelchen gegen Migräne, Rheuma, Arthritis, bei Koliken und bei Hämorrhoiden.
So, genug zur Einführung. Jetzt die schöne Seite der kleinen Blume. Ich selbst hab leider nur noch 2 Alpenveilchen, früher besaß ich ganze 22 Stück. Da wohnte ich in einem kalten Loch, wo man noch die Kohlen raufschleppen musste, um es leidlich warm zu haben, also ein besseres Klima gibt es nicht für Alpenveilchen. Sie mögen es richtig schön kühl und mein damaliges Schlafzimmer hatte in seinen wärmsten Zeiten des Winters gerade mal 15 Grad, und die hab ich nur durch intensives Heizen reinbekommen. Man glaubt es kaum, aber es war tatsächlich so.
Am Fensterbrett standen sie aufgereiht nebeneinander, hell aber keine pralle Sonne und eisig kalt. Dadurch blühten sie unendlich lange. Und von Jahr zu Jahr bekamen sie mehr Blüten. Falls jetzt jemand ungläubig guckt, ja, man kann Alpenveilchen jedes Jahr wieder zum Blühen bekommen. Wie das geht, erzähl ich jetzt.
Meist blühen sie im Winter und das ist auch richtig so. Man stellt die volle Blütenpracht also kühl, damit sie wirklich auch den ganzen Winter lang anhält. Gegossen wird nur mäßig, das heißt, die Erde muss immer gleichmäßig feucht sein, aber es darf sich keine Nässe stauen. Außerdem möchten Alpenveilchen nicht gern von oben gegossen werden, man gießt also in die Unterschale oder den Übertopf und wartet ein Weilchen, bis das Wasser aufgesaugt ist. Überschüssiges Wasser gießt man dann weg.
Abgeblühte Stengel werden von der Knolle unten abgedreht, es darf also nichts dran bleiben, da sonst Pilzkrankheiten auftreten könnten. Raumtemperaturen unter 10 Grad sind (wer hat sowas schon noch) die idealen Bedingungen, 10-15 Grad sind aber eher machbar. Wer vielleicht noch alte Doppelfenster hat (denkmalgeschützte Häuser), der stellt die Töpfe am besten dazwischen.
Sind die Blüten dann vollständig abgeblüht, wird nicht mehr gegossen. Ja wirklich, kein Tropfen Wasser mehr. Die Blätter müssen nun richtig abtrocknen. Sie werden danach immer gleich entfernt (aber erst wenn sie wirklich richtig trocken sind) und die Knolle kann nun an einem dunklen Ort Sommerpause machen. Sie kann ruhig in der Erde bleiben, das macht nichts.
Und dann im September bis Oktober holt man sie wieder raus aus ihrem dunklen Versteck, gibt der Knolle neue Erde, stellt sie wieder ans Fenster ins Licht und beginnt wieder zu gießen. Ein bisschen Dünger kann jetzt nicht schaden und bald spriessen neue silbrige Blättchen empor. Und wenn sie wieder anfangen zu blühen, zählt ruhig ihre Blüten, es sind mehr als letztes Jahr. Und es werden jedes Jahr mehr.
Allerdings das A und O ist die Kälte.
Manche Leute pflanzen ihr Alpenveilchen nach draußen den Sommer über, das ist auch keine schlechte Idee, aber bringt der Blüten wegen nur etwas, wenn die Pflanze erst ihre Ruhepause hatte. Heutzutage wird so eine Blütezeit ja nicht mehr so lange dauern, weil`s einfach nicht eisig genug ist in unseren Häusern. Also ich denke, wenn Ende Januar, Anfang Februar die Blütezeit vorbei ist, die Blätter schätzungsweise bis März abgetrocknet sind, dann die Pflanze dunkel gestellt wurde, kann man sie im Juli nach draußen pflanzen und beginnen, sie zu gießen. Aber bitte nicht vergessen, wenn der erste Frost kommt, muss sie wieder rein.
Ich denke, das war genug zum Thema Alpenveilchen. Jetzt ist die richtige Zeit, welche zu kaufen oder zu verschenken. Denkt an Eure Lieben, auch wenn grad kein Anlass ist, aber über eine Blume freut sich Frau doch immer...es sei denn, das kommt so selten vor, dass Frau dann misstrauisch wird und denkt, Mann hat `ne andere...also das müsst Ihr dann schon selbst entscheiden *g*, ob Ihr dann nicht lieber doch der heißgeliebten Schwiegermama ein Blümchen schenkt.
Danke für`s Lesen,
Eure Galeria.
Der aus dem Griechischen stammende Name Cyclamen leitet sich ab von kylos, was Kreis oder Scheibe bedeutet. Erdscheibe nannte man die runde Wurzelknolle, daher der Name. Im Mittelalter hieß es dann auch Erdtapffel, Erdtnabel, Schweinbrodt oder Säuwbrodt. So eine hübsche kleine Blume und so ein ulkiger Name *gg*. Aber im Mittelalter war eh alles irgendwie sonderbar.
Cyclamen europaeum und Cyclamen persicum sind Beispiele dafür, woher die Arten stammen. Cyclamen purpurascens bezeichnet die rote Farbe der Blüten und Cyclamen hederifolium bedeutet efeublättrig. Es gibt da noch viel mehr, bloß wozu die alle aufzählen, interessiert ja doch keinen *gg*. Ist nur mal kurz der Übersetzung wegen, damit nicht immer alle über die furchtbaren botanischen Namensbezeichungen fallen.
Das Alpenveilchen ist übrigens ein Heilmittel. Die Knolle ist eigentlich giftig, sie enthält Saponine und insbesondere das Gift Cyclamin (wie sollte es auch sonst heißen *g*). Aber da es eben auch heilend wirkt, hat man sich früher oft damit vergiftet durch versehentliche Überdosierung. Eine Vergiftung äußert sich in Form von Kratzen im Mund, Übelkeit und Magen-und Darmreizungen. Das kann dann über Brechdurchfall, Schwindel, Fieber und Krämpfen bis hin zum Tod durch Atemlähmung führen. Aber wer isst auch ne ganze Knolle von so `ner Blume auf *g*. Ok, so eine Vergiftung kann schon bei 0,2 g losgehen und bei 8 g ist es aus mit dir.
Da gibt es so ein altes Kräuterbüchlein, ein in der Spätantike in Konstantinopel entstandenes Pflanzenbuch aus dem 6. Jahrhundert, das Dioskurides. Wer mehr darüber wissen will, der findet hier was: http://www.finns-books.com/dioscorg.htm . In diesem Büchlein wird das Alpenveilchen ausführlich beschrieben, seine Heilkraft innerlich wie äußerlich. Hier mal ein paar Auszüge:
\"...Ja so auch ein schwanger Weib daruber gehet/ sey es sorglich/ es möchte ein unzeitige Geburt darauss entstehen...\"
\"...die Wurtzel mit Essig oder Honig vermischt/ säubere die Haut/ heyle die Wunden/ verbessere die böse Gestalt dess Angesichts/ unnd wehre dem aussfallenden Haar/ [und Schrunden der Händ unnd Füss so vom Frost entsprungen.]...\"
\"...Die Wurtzel wie ein Mutterzäpfflein gebraucht/ fürdert die Menses mit Gewalt/ soll aber mit Bedacht gebraucht werden...\"
Mensch, da muss ich wohl doch mal so eine Knolle ausgraben, vielleicht werd ich dann noch schön von Angesicht, bekomme tolles Haar und feine Hände *gg*. Wer da ebenfalls noch nicht genug von hat: http://www.kraeuter.ch/alpenveilchen/alpenveilchen.htm , da gibt es noch mehr.
Dieses Büchlein Dioscurides empfiehlt also unser Alpenveilchen bei Frauenleiden, Gelbsucht, als Abführmittel, gegen Schlangengift, als Heilmittel bei Wunden und Blattern sowie gegen erfrorene Füße und Haarausfall. Das noch mal zur Übersetzung, falls einige so gar nicht mit dem alten Deutsch klar kommen *g*.
Wie wir also da oben lesen können, warnt man schwangere Frauen davor, über die Wurzel zu gehen, da sie sonst eine Früh-oder Mißgeburt zur Welt bringen würden. Dieser (Irr) Glaube hat sich dann noch hunderte von Jahren erhalten und wurde immer wieder von den Kräuterärzten erwähnt. Plinius d. Ä. beschreibt die Verwendung von Alpenveilchen als Pfeilgift und Hieronymus Bock ihre Heilwirkung bei Beulen und Warzen sowie als schweißtreibendes und abführendes Mittel. Heute findet man es in der Homöopathie als Mittelchen gegen Migräne, Rheuma, Arthritis, bei Koliken und bei Hämorrhoiden.
So, genug zur Einführung. Jetzt die schöne Seite der kleinen Blume. Ich selbst hab leider nur noch 2 Alpenveilchen, früher besaß ich ganze 22 Stück. Da wohnte ich in einem kalten Loch, wo man noch die Kohlen raufschleppen musste, um es leidlich warm zu haben, also ein besseres Klima gibt es nicht für Alpenveilchen. Sie mögen es richtig schön kühl und mein damaliges Schlafzimmer hatte in seinen wärmsten Zeiten des Winters gerade mal 15 Grad, und die hab ich nur durch intensives Heizen reinbekommen. Man glaubt es kaum, aber es war tatsächlich so.
Am Fensterbrett standen sie aufgereiht nebeneinander, hell aber keine pralle Sonne und eisig kalt. Dadurch blühten sie unendlich lange. Und von Jahr zu Jahr bekamen sie mehr Blüten. Falls jetzt jemand ungläubig guckt, ja, man kann Alpenveilchen jedes Jahr wieder zum Blühen bekommen. Wie das geht, erzähl ich jetzt.
Meist blühen sie im Winter und das ist auch richtig so. Man stellt die volle Blütenpracht also kühl, damit sie wirklich auch den ganzen Winter lang anhält. Gegossen wird nur mäßig, das heißt, die Erde muss immer gleichmäßig feucht sein, aber es darf sich keine Nässe stauen. Außerdem möchten Alpenveilchen nicht gern von oben gegossen werden, man gießt also in die Unterschale oder den Übertopf und wartet ein Weilchen, bis das Wasser aufgesaugt ist. Überschüssiges Wasser gießt man dann weg.
Abgeblühte Stengel werden von der Knolle unten abgedreht, es darf also nichts dran bleiben, da sonst Pilzkrankheiten auftreten könnten. Raumtemperaturen unter 10 Grad sind (wer hat sowas schon noch) die idealen Bedingungen, 10-15 Grad sind aber eher machbar. Wer vielleicht noch alte Doppelfenster hat (denkmalgeschützte Häuser), der stellt die Töpfe am besten dazwischen.
Sind die Blüten dann vollständig abgeblüht, wird nicht mehr gegossen. Ja wirklich, kein Tropfen Wasser mehr. Die Blätter müssen nun richtig abtrocknen. Sie werden danach immer gleich entfernt (aber erst wenn sie wirklich richtig trocken sind) und die Knolle kann nun an einem dunklen Ort Sommerpause machen. Sie kann ruhig in der Erde bleiben, das macht nichts.
Und dann im September bis Oktober holt man sie wieder raus aus ihrem dunklen Versteck, gibt der Knolle neue Erde, stellt sie wieder ans Fenster ins Licht und beginnt wieder zu gießen. Ein bisschen Dünger kann jetzt nicht schaden und bald spriessen neue silbrige Blättchen empor. Und wenn sie wieder anfangen zu blühen, zählt ruhig ihre Blüten, es sind mehr als letztes Jahr. Und es werden jedes Jahr mehr.
Allerdings das A und O ist die Kälte.
Manche Leute pflanzen ihr Alpenveilchen nach draußen den Sommer über, das ist auch keine schlechte Idee, aber bringt der Blüten wegen nur etwas, wenn die Pflanze erst ihre Ruhepause hatte. Heutzutage wird so eine Blütezeit ja nicht mehr so lange dauern, weil`s einfach nicht eisig genug ist in unseren Häusern. Also ich denke, wenn Ende Januar, Anfang Februar die Blütezeit vorbei ist, die Blätter schätzungsweise bis März abgetrocknet sind, dann die Pflanze dunkel gestellt wurde, kann man sie im Juli nach draußen pflanzen und beginnen, sie zu gießen. Aber bitte nicht vergessen, wenn der erste Frost kommt, muss sie wieder rein.
Ich denke, das war genug zum Thema Alpenveilchen. Jetzt ist die richtige Zeit, welche zu kaufen oder zu verschenken. Denkt an Eure Lieben, auch wenn grad kein Anlass ist, aber über eine Blume freut sich Frau doch immer...es sei denn, das kommt so selten vor, dass Frau dann misstrauisch wird und denkt, Mann hat `ne andere...also das müsst Ihr dann schon selbst entscheiden *g*, ob Ihr dann nicht lieber doch der heißgeliebten Schwiegermama ein Blümchen schenkt.
Danke für`s Lesen,
Eure Galeria.
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