Amores perros (DVD) Testbericht

Amores-perros-dvd-thriller
ab 5,37
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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Ein Autounfall, Hunde und die LIEBE!

Pro:

Darsteller, Geschichten, und vieles mehr am Film, Audiokommentar zu den Deleted Scenes

Kontra:

ganz wenige, zu vernachlässigende Kleinigkeiten

Empfehlung:

Ja

Episodenfilme sind ein schmaler Spagat zwischen Genialität und Langeweile. Die einen Vertreter des Genres können verzücken, andere versuchen gekünstelt eine Beziehung zwischen den Episoden herzustellen und vergraulen dabei mit Ungeschick den Zuschauer. So hat es zum Beispiel die deutsche „Starregisseurin“ und Bestsellerautorin Doris Dörrie in ihrem Episodenstreifen „Bin ich schön“ (Deutschland 1998) trotz einer Ansammlung großartiger Darsteller nicht geschafft eine Linie in den Film zu bringen. Der Grund ist einfach: Zu zwanghaft versuchte Dörrie die einzelnen Episoden miteinander zu verknüpfen.

Der Mexikaner Alejandro González Iñárritu hat Frau Dörrie in seinem für den Oscar nominierten Debütfilm aus dem Jahr 2000 „Amores Perros“ vorgemacht wie es geht: Sein Mittel ist ein ganz einfaches: Er verzichtet auf eine zwanghafte enge Verknüpfung der Geschichten, sondern lässt jeder Geschichte seine Eigenheit und sie dabei trotzdem zueinander finden.

Eine dieser Geschichten handelt von Octavio (Gael Garcia Bernal) und Susana (Vanessa Bauche). Octavio lebt mit seiner Mutter (Adriana Barraza), seinem Bruder Ramiro (Marco Pérez), dessen Frau Susanna sowie deren Baby in Mexico-City mit kaum genug Geld zum Essen. Octavio träumt von etwas besseren und er träumt von Susana. Er hat sich in die Frau seines Bruder verliebt und muss doch tatenlos zusehen, wie dieser sie immer schlägt. Als er die Chance sieht, mit seinem geliebten Hund Gofi durch Hundekämpfe an Geld zu kommen, versucht er diese zu nutzen, um mit Susanna zu fliehen.

Doch Octavios Weg endet in einem schrecklichen Autounfall, in den auch das hübsche Model Valeria (Gaya Toledo) verwickelt wird. Sie hat gerade mit dem Verleger Daniel (Álvaro Guerrero) ein neues gemeinsames Leben begonnen. Daniel hat für sie seine Frau und seine Kinder verlassen. Ihr neues Zuhause gewährt ihr einen Ausblick auf ihre langen Beine, die von einem Hochglanz-Plakat die Bewohner der Stadt verzücken. Doch nach dem Unfall muss sie in den Rollstuhl, später folgt die Amputation eines Beins. Zudem verläuft sich ihr Schoßhündchen unter dem Fußboden der neuen Wohnung.

Zeuge des schrecklichen Unfalls wurde der Penner El Chivo (Emilio Etchevarría). Er hat vor unzähligen Jahren Frau und Tochter verlassen und ist Guerilla geworden, oder auch Terrorist, je nachdem auf welchem politischen Standpunkt man steht. Dann musste er zwanzig Jahre ins Gefängnis, nun ist er wieder frei. Seine Tochter hält ihn für tot; er liebt sie. Nun schlägt er sich durchs Leben, erledigt Mordaufträge für einen zwielichtigen Polizisten und erschießt den Stiefvater seiner Tochter. Als er Zeuge des Unfalls wird, nimmt er den schwer verwundeten Hund Gofi bei sich auf. Zum „Dank“ beißt Gofi nach Genesung alle Hunde von El Chivo tot.


„Amores perros“, auf deutsch „Die Liebe des Hundes“ gehört vielleicht zu den besten hundert Filmen die je über eine Leinwand geflimmert sind, denn was ein bis dato unbekannter Regisseur auf einer fast epischen Länge von zweieinhalb Stunden bietet, ist höchste Filmkunst.

Die im Grunde drei Geschichten, die drei kleinen Filme, die man aus dem ganzen herausfiltern kann, sind (fast) alle für sich genommen einsame Klasse und erreichen zusammen ein Spitzenniveau. Dies liegt vor allem an der geschickten Verwebung der Filme.

González Iñárritu stellt in allen Geschichten den Hund und die Liebe in den Mittelpunkt, dabei aber nicht nur die Liebe zum Hund, wie es vielleicht der Titel vermuten lässt, sondern mehr die Liebe der Menschen. Octavio liebt die Frau seines Bruders, Valeria liebt Daniel und El Chivo seine Tochter. Alle Lieben haben keine Chance, zwei von vorneherein nicht und eine wird durch einen Unfall zerstört.

Doch mehr als nur die Liebe zieht sich durch die Episoden: González Iñárritu zeichnet ein düsteres Bild eines brutalen Mexico-City, in denen Armut und streunende Hunde auf der einen Seite und Glamour und Hochglanzmodels auf der anderen Seite das Stadtbild prägen. Eine Stadt, in der sich die „Armen“ mit brutalen Hundekämpfen die Zeit vertreiben und eine Stadt, die vor Korruption und Brutalität trieft.

Schon in der ersten Szene wird der Zuschauer fast brutal in diese Stadt geschleudert, in eine Autoverfolgungsszene, die zu einem brutalen Unfall führen wird, jenem Unfall, der von nun an der Mittelpunkt des Films, die Verknüpfung der Handlungsstränge sein wird. Doch auch nach diesem Unfall bleibt dem Zuschauer kein Raum zum Verschnaufen, der Einstieg in die Geschichte von Octavio und Susana beginnt.

Eine Geschichte, inszeniert wie ein MTV-Video. Mit viel Musik, schnellem Schnitt, ineinander und parallel laufenden Szenen und purer Videoclipästhetik. Fünfzig Minuten lang kaum Luft holen, fünfzig Minuten lang Personen sehen, die ganz unten sind und noch so strampeln können: Sie werden nie nach oben kommen.

Danach geht es ruhig, fast konventionell weiter. Denn die zweite Geschichte von Daniel und Valeria ist deutlich langsamer inszeniert, so dass der Film kurzweilig fast sogar ein Stück weit abflacht, da man sich erst einmal an diesen Tempoumschwung gewöhnen muss. Hier setzt sich das fort, was in der ersten Episoden schon zu bemerken war: Das deprimierende an diesem Film, denn ähnlich wie Octavio für den es keine Erlösung gibt, wird auch Valeria nicht mehr nach oben kommen. Bezeichnend die Szene, als sie im Rollstuhl sitzt und ihren Hund unter dem Boden fiepsen hört. Doch sie kann ihm nicht helfen.

Die dritte Geschichte reiht sich in die Mitte zwischen Geschichte eins und zwei und bildet dabei ein Stück weit die umfassende Verknüpfung. Sie erreicht bisweilen die Rasanz von Geschichte eins, ist über weite Strecken aber auch etwas ruhiger und nachdenklicher inszeniert und greift vieles von den ersten Geschichten wieder auf. Sie ist sozusagen die Brücke zurück zur ersten Episode. Zum einen wird diese Brücke durch den Hund Gofi geschlagen, der von der ersten Episode in die letzte hinübergerettet wurde und zum anderen wird das Motiv des Bruderhasses wieder aufgegriffen: Eins der zentralen Punkte der ersten Episode und auch ein wichtiger Punkt in der letzten.

Zum hervorragenden Gesamtbild des Films tragen noch die Darsteller bei. Vor allem der junge Gael Garcia Bernal, Gaya Toledo und Emilio Etchevarría agieren so hervorragend, dass man dies in kein Superlativ mehr fassen kann.

Über „Amores Perros“ könnte man wahrscheinlich Stunden und Seiten füllen. Der Film ist so vielschichtig und so voller Details, dass man ihn mehrmals sehen muss, um alles zu erfassen. Er ist aber auch so hervorragend gemacht, dass schon das erste Sehen reicht, um begeistert zu sein. Geringe schwache Momente, vielleicht zu Beginn der zweiten Episode, oder dies und jenes kleine Detail zu viel, kann man dem Film beruhigt verzeihen, denn was in den meisten der 153 Minuten geboten wird, setzt einen in Verzückung.

„Amores Perros“ wurde mit „Pulp Fiction“ und „Short Cuts“ verglichen, doch man sollte sich von diesem Vergleich nicht blenden lassen. Außer der Tatsache, dass auch diese beiden geniale Episodenfilme sind, haben sie mit „Amores Perros“ nichts gemeinsam, denn „Amores Perros“ ist etwas ganz eigenes, etwas hervorragendes und solche Vergleiche erzeugen beim potentiellen Zuschauer nur falsche Erwartungen.

Durch „Amores Perros“ hat Regisseur Alejandro González Iñárritu es nach Hollywood geschafft und man mag ihm wünschen, dass er dort an seiner Linie weiter festhält und nicht dem Ruf des Geldes erliegt. Der bald erscheinende Streifen „21 Grams“ mit Sean Penn, Benicio Del Toro und Naomi Watts wird es zeigen.


D V D
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Technische Informationen:
Bildformat: 1,185 : 1
Tonformat: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), DD. 2.0, Dolby Surround (Spanisch)
Sprache: Deutsch, Lateinamerikanisches Spanisch
Untertitel: Deutsch
Extras:

- Kinotrailer
- Nicht verwendete Szenen mit Originalkommentar des Regisseurs
- Hinter den Kulissen
- Die Hunde von „Amores Perros“
- Musikvideos


Ein so famoser Film wie „Amores Perros“ verdient natürlich auch eine gute DVD-Umsetzung und diese ist Warner für den deutschen Markt gelungen. Das Bild ist zwar teilweise recht grobkörnig, aber dies liegt zum einen daran, dass „Amores Perros“ eine Independent-Produktion ist und scheint außerdem weitestgehend gewollt, vermittelt doch die oft eingesetzte Handkamera in Verbindung mit dem leicht grobkörnigen Bild ein ganz besonderes Flair.

Der Ton kann auf der deutschen Dolby Digital 5.1 Tonspur voll überzeugen und ist auch auf der spanischen nur in Dolby Digital 2.0 vorliegenden Tonspur kaum schwächer. Spanischkenner werden sich vielleicht nur etwas drüber ärgern, dass die deutschen Untertiteln sich bei der spanischen Tonspur nicht abschalten lassen.

Erfreulich ist, dass man trotz der kleinen Produktion, nicht auf Extras verzichtet hat. Ein „richtiger“ Audikommentar des Regisseurs zum Film fehlt zwar, dafür gibt es aber ein fast adäquaten Ersatz. Fast siebzehn Minuten lang zeigt Regisseur Alejandro González Iñárritu dem Zuschauer entfallene Szenen und kommentiert diese in Spanisch, unterlegt mit deutschen Untertiteln. Dieser Regiekommentar ist sehr interessant. Vor allem zeigt sich auch der Zwang einzelne Szenen zu streichen, da man eine gestrichen hat (es wurde eine Haushälterin eingeführt, da man dann aber die Einführungsszene gestrichen hat, musste man auch alle weiteren Szenen mit der Haushälterin streichen), obwohl das Fehlen dieser Szenen den Film „schlechter macht“, da dann einzelne „Gefühlsausbrüche“ sehr unvermittelt kommen. Bei diesen „Deleted Scenes“ kommt auch ein alternatives Ende vor, welches ebenfalls sehr interessante Einblicke in die Motive des Films bringt. Auf jeden Fall sollte sich jeder, dem der Film gefallen hat, die „Deleted Scenes“ unbedingt noch anschauen.

Interessante Einblicke erschließen sich auch durch das ca. fünfzehn Minuten lange „Behind the Scenes“. Dort geben sowohl Darsteller als auch Regisseur Einblicke in ihr Verständnis des Films.

Da die Hunde eine wichtige Rolle im Film spielen, bekommen auch sie einen eigenes Extra: In diesem wird gezeigt, wie harmlos bei den Dreharbeiten, die im Film sehr brutal aussehenden Hundekämpfe, abliefen. Dank dieses Menüpunktes können also auch militante Tierschützer beruhigt sein und sich den Film ansehen. Eine kleine Kritik muss man aber hierzu äußern: Neben den deutschen Untertiteln werden auch gleichzeitig englische eingeblendet und diese teilweise in großen gelb-grün leuchtenden Lettern mitten auf dem Bildschirm. Das stört!

Abgerundet werden die Extras vom guten Kinotrailer und drei Musikvideos. Da die - übrigens sehr gute - Musik im Film eine wichtige Rolle spielt, haben diese Videos durchaus ihre Berechtigung auf der DVD und geben zudem einen Kaufanreiz für den Soundtrack!

F A Z I T
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„Amores Perros“ ist Independent-Kino der Extraklasse. Hier kann nur eine absolute Sehempfehlung gegeben, denn alle drei Geschichten für sich genommen sind schon großartig (wenn auch die zweite nicht ganz so gut wie die erste und die letzte), und alle drei zusammen bilden eine hervorragende Einheit. Am besten kauft man sich auch gleich die DVD, da deren Extras ein Kauf durchaus lohnen!

Film: 10 von 10 Punkten!
DVD: 4 von 5 Punkten!
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Gesamt: 9 Punkte auf meiner 10er Skala!

Der Film befindet sich aktuell (16.09.2003) auf Platz 161 in der IMDB!


D A T E N
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Titel Deutschland: Amores Perros
Originaltitel: Amores Perros
Genre: Drama / Thriller / Episodenfilm
Mexiko 2000, FSK 16, Laufzeit : 153 Minuten

Darsteller: Emilio Echevarría (El Chivo), Gael García Bernal (Octavio), Goya Toledo (Valeria), Álvaro Guerrero (Daniel), Vanessa Bauche (Susana), Jorge Salinas (Luis), Marco Pérez (Ramiro), Rodrigo Murray (Gustavo), Humberto Busto (Jorge), Gerardo Campbell (Mauricio), Rosa María Bianchi (Tante Luisa), Dunia Saldívar (Susana\'s Mutter), Adriana Barraza (Octavio\'s Mutter), José Sefami (Leonardo), Lourdes Echevarría (Maru), Laura Almela (Julieta), Ricardo Dalmacci (Andrés Salgado), Gustavo Sánchez Parra (Jarocho), Dagoberto Gama (Álvaro), Gustavo Muñoz (El Chispas), Carlo Bernal (Javier)

Regie: Alejandro González Iñárritu
Produzent: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Guillermo Arriaga Jordán
Musik: Gustavo Santaolalla
Kamera: Rodrigo Prieto
Schnitt: Luis Carballar, Alejandro González Iñárritu, Fernando Pérez Unda


W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0245712/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=10932


© Björn Becher 2003

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