Amsterdam Testbericht

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Erfahrungsbericht von rispetto

Grachten, Genever und Coffeeshops

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Amsterdam liegt für und uns Nordlichter ja fast um die Ecke und so ist es sicher verständlich, das wir schon sehr häufig diese faszinierende Stadt besucht haben und immer wieder gerne dorthin fahren.
Vielen fallen sofort die Standards ein: Grachten, Tulpen, Holzschuhe und sicher auch Drogen, aber Amsterdam hat eine Menge mehr zu bieten.

Eine Stadt mit vielen Facetten und ungemein lebendig, kulturell bedeutend und multikulturell.
Eine Stadt, die nicht langweilig wird, in der man immer wieder etwas neues entdeckt und in der einem die unkomplizierten und aufgeschlossenen Menschen sehr schnell ans Herz wachsen.
Eine pulsierende Stadt, immer aufgeschlossen für das Neue und trotzdem in vielen Dingen sehr traditionell und geschichtsbewusst.
Hier kann jeder nach seiner Fasson selig werden, seinen Tag gestalten wie er mag und sich präsentieren wie er mag. Amsterdam ist tolerant und offen, niemand rümpft über irgend etwas die Nase, alles, fast alles, ist möglich.
Diese Mischung macht Amsterdam zu einer schillernden, spannenden Großstadt.
Wer einmal dort gewesen ist wird ohne Zweifel wiederkommen!

Die in letzter Zeit verstärkten Bemühungen der Stadtverwaltung das Rucksackimage der Stadt zu verändern und das Stadtbild zu erneuern (besetzte Häuser und Fabriken werden geräumt oder saniert) tragen langsam Früchte. Es wird dabei jedoch, wie ich finde, recht behutsam vorgegangen um die Originalität der Stadt nicht zu sehr zu sehr zu verändern.
Die seit einiger Zeit recht massive Bautätigkeit lässt sich allerdings nicht leugnen und ist fast überall spürbar. Wie es aussieht, wird sich das in nächster Zeit auch nicht ändern.
Die Parkplatznot wird dadurch noch weiter verschärft und man ist gut beraten sein Fahrzeug weit außerhalb unterzubringen! Einen teuren Strafzettel hat man schneller als man glaubt.

Geschichtliches:

Gegründet um Mitte des 12 Jahrhunderts hat Amsterdam eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen, die immer wieder von Überschwemmungen geprägt ist. Das Wasser ist immer der Feind der Niederländer gewesen, Amsterdam machte da keine Ausnahme.
Der Handel bestimmt über Jahrhunderte das Leben der Stadt, 1602 wird die Oostindische Compagnie gegründet, später kommt die Westindische Compagnie dazu in deren Entwicklung die Niederlassung Neu Amsterdam (New York) gegründet wird.
In den folgenden Jahrhunderten weitet sich die Stadt immer mehr aus, Diamanten- und Tabakhandel bestimmen unter anderem den Werdegang von Amsterdam. Die Bevölkerung wächst, es ist die Zeit der Entstehung der Grachtengürtel. Der Mangel an Platz wird im Laufe der Jahrhunderte das Stadtbild von Amsterdam entscheidend prägen.
Der Besucher kann das auch heute noch überall spüren.

Die Klischees von Amsterdam brauche ich hier sicher nicht noch extra zu bedienen, ich möchte mich auf einige Punkte konzentrieren. Plätze die wir immer wieder aufsuchen, Dinge die vielleicht nicht so bekannt sind und, ganz wichtig, und für uns immer wieder ein Hauptgrund diese Stadt zu besuchen, die vielschichtige und exotische Küche die man immer wieder neu entdecken kann
Ein Stadtteil steht beim Amsterdambesuch allerdings immer ganz oben auf unserer Liste und soll in diesem Bericht auch an erster Stelle stehen: Jordaan.

Jordaan:

Das eigentliche, skurrile Jordaan gibt es so nicht mehr, mit der umfassenden Sanierung zogen auch viele der ursprünglichen Bewohner weg, ein großer Teil der Originalität ging dadurch sicher verloren.
Trotzdem ist es noch immer unser erster Anlaufpunkt, hier fühlen wir uns wohl. Es ist ein leicht zu erkundendes Viertel mit engen Grachten und Strassen. Ursprünglich war Jordaan ein Arbeiterviertel, durch die Luxussanierung wurde der Stadtteil zur Enklave mit einer noch vorhandenen Kernbevölkerung die schon sehr lange hier ansässig ist.
Eine Vielzahl netter, kleiner Strassen mit unzähligen Cafes, Restaurants, Kneipen und Geschäften laden zum bummeln ein, irgendwie, so kommt es uns vor, ist Jordaan gar nicht mehr Amsterdam, es ist ein wenig wie ein Dorf in der Stadt.

Von der Brouwersgracht zum Westindischen Huis und weiter zur Ljjnbaansgracht führt uns der Weg. Hier spürt man noch ein wenig mehr vom alten Jordaan. An der Palmgracht sind noch zwei der alten Hofjes erhalten, die man unbedingt ansehen sollte, aber bitte diskret, sie sind nämlich noch bewohnt!.
Die Hofjes waren früher eine Art von Sozialwohnungen die von den wohlhabenden Amsterdamern den Armen und Alten zur Verfügung gestellt wurden. Sehenswert!
Nicht verpassen sollte man das in der Nähe der Rozengracht gelegene Cafe t Smalle eine der Keimzellen des holländischen Genevers. Pieter Hoppe begann hier seine Laufbahn als Wacholderbrenner. Der Hoppe Jenever ist auch heute noch sehr bekannt.
Neben vielen Sorten Fruchtsäften werden hier natürlich auch diverse Schnäpse ausgeschenkt.
Das Cafe t Smalle hat eine ganz besondere Atmosphäre, hier sollte man unbedingt eine Pause einlegen und das schöne Ambiente genießen, es lohnt sich! Es ist übrigens eines der ältesten Cafes von Amsterdam. Hier sitzen wir sehr gerne und genießen das lockere Treiben.

Ein Besuch des Rommelmarkt steht für uns auch fast immer auf dem Programm, ein Flohmarkt der besonderen Art, überdacht und so vor dem möglichen Regen geschützt. Hier kann man die seltsamsten Dinge entdecken! Kuriositäten und Plunder sind hier friedlich vereint. Täglich geöffnet außer Freitags.
Unser Weg führt uns dann meistens weiter an die Rozengracht.
Dort stöbern wir gerne in den recht unkonventionellen, aber originellen und immer wieder anders eingerichteten Geschäften, hier kann man durchaus interessante Dinge entdecken, es macht einfach Spaß sich hier umzusehen. Ohne etwas zu kaufen sind wir hier eigentlich noch nie weggegangen.
Ein wenig Bares sollte man also schon dabei haben!

Jordaan ist bei einem Amsterdambesuch unbedingt einzuplanen, für uns hat es schon irgendwie Tradition. Man sollte aber unbedingt etwas mehr Zeit mitbringen, sie vergeht hier wirklich wie im Fluge und es gibt wirklich viel zu sehen.

Essen und Trinken:

Amsterdam ist ein Paradies für Liebhaber exotischer Küche. Ungemein vielfältig präsentiert sich die kulinarische Szene der Stadt.
Dominierend ist, bedingt durch die Geschichte, die indonesische Küche. Sie hat in ganz Holland und speziell in Amsterdam eine sehr lange Tradition. Für Niederländer gehört diese Küche zum täglichen Alltag, für den ein oder anderen ist sie sicherlich nicht alltäglich. Selbst die Imbisse sind oft indonesisch angehaucht, Sate-Spieße mit Erdnusssoße, Bami- und Nasi Goreng gibt es überall, geformt sind sie dann wie Kroketten und auch die Fritten kommen oft mit Erdnusssoße und anderen exotischen Zutaten daher.
Wir ziehen allerdings als Zwischenmahlzeit die leckeren flämischen Fritten vor, sie werden aus frischen Kartoffeln hergestellt und sind mit einer meist sensationellen Mayonnaise angemacht.
Beliebt ist auch für den schnellen Hunger das Essen aus Automaten, für ein paar Gulden zieht man sich verschieden Sorten von heißen Kroketten, Bami- und Nasirollen und andere Kleinigkeiten. Ein schnelles Essen, das satt macht und preiswert ist. Und es schmeckt auch noch recht gut!

Die niederländische Küche selber ist nicht sonderlich originell, erwähnenswert eigentlich nur die Pannkokenhuisjes mit ihren unzähligen süßen und salzigen Variationen rund um den Pfannkuchen. Einen Besuch dort sollte man allerdings schon einplanen, denn es gehört zur holländischen Tradition und die Atmosphäre ist meistens recht urig.

Alle anderen Küchen der Welt sind hier in allen Variationen vertreten, vom Essen im Stehen bis zum Luxustempel. Man kann sich hier wirklich rund um den Globus essen! Ein Blick in eure Geldbörse bestimmt die Auswahl, und die ist hier wahrlich nicht klein geraten.

Im Laufe unsere Besuche haben sich einige Restaurants und Eetcafes in unsere Herzen gekocht und wir besuchen meistens ganz konservativ immer wieder die selben. Ein paar empfehlenswerte und von uns schon mehrfach ausgiebig getestete Adressen möchte ich hier einmal weitergeben, bei diesen Restaurants kann ich für ein hervorragendes Essen und freundlichen Service bürgen.

De Belhamel, Eetcafe, Brouwersgracht 60
Immer volles, gemütliches Jugendstilcafe auf 2 Etagen, gute Küche zu fairen Preisen.

Puri Mas, indonesisch, Lange Leidsedwarsstraat 17.
Recht günstig und ausgesprochen lecker, freundliche Bedienung. Die Reistafel ist einfach genial!
Die anderen Restaurants in dieser Strasse kann man vergessen, teuer und schlecht!

Special, indonesisch, Nieuwe Leliestraat 142
Vielleicht das beste indonesische Restaurant in der mittleren Preisklasse, leider immer sehr voll, aber das spricht ja für sich!

Tom Jam, thailändisch, Staalstraat 22
Thailand at its best! Einfach fantastisch, aber etwas mehr Geld sollte man dabei haben!

Das sind einige unsere persönlichen Favoriten, es gibt sicher noch viele sehr gute Restaurants die wir noch nicht entdeckt haben!

Noch ein Wort zu den Coffeeshops und dem, trotz allen Gerüchten NICHT legalen Genuss von Haschisch in Amsterdam:
Der Genuss und Besitz von kleinen Mengen (bis 5 Gramm) wird geduldet und in der Regel nicht bestraft. Die Qualität des in den Coffeeshops angebotenen Haschisch ist meistens sehr hoch und nicht mit den verschnittenen Sorten außerhalb zu vergleichen! Das kann für Anfänger zu unangenehmen Überraschungen führen. Also, Vorsicht ist geboten! Von Käufen auf der Strasse ist unbedingt abzuraten! Hier wird die Unerfahrenheit der Touristen weidlich ausgenutzt, meist erhält man alles mögliche, nur nicht das Erwartete!
Haschisch ist eine Droge, sie ist illegal und der Besitz kann auch in den Niederlanden durchaus bestraft werden. Das Umfeld der Drogen ist häufig kriminell, besonders im Rotlichtbezirk geht man mit dem Kauf ein nicht unbeträchtliches Risiko ein.
Also lasst lieber die Finger davon!

Mein Fazit:
Amsterdam, eine faszinierende Stadt mit vielen Gesichtern, tolerant und weltoffen.
Wer seinen kulinarischen Horizont erweitern möchte, ist hier genau richtig!
Auch für einen Wochenendtrip ist die Stadt sehr zu empfehlen.
Ein Besuch ist eigentlich zu wenig, aber wer einmal dort war kommt ganz bestimmt wieder!

Tot ziens!
rispetto
auch gepostet bei Ciao

41 Bewertungen, 8 Kommentare

  • zefania

    30.10.2002, 14:04 Uhr von zefania
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gute Info's. Thanks. Gruss zefania

  • Joebln

    15.07.2002, 22:04 Uhr von Joebln
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht

  • d.wendt

    24.02.2002, 09:37 Uhr von d.wendt
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hast Du schon mal Sylvester in Amsterdam gefeiert?Da geht wirklich der Fuchs ab!So vile Knallerreste hab ich noch nie in meinem Leben auf einen Haufen gesehen!Gruss Dörthe

  • antjeeule

    20.02.2002, 17:39 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Was für ein schöner Bericht über Amsterdam!

  • bavariangirl

    13.02.2002, 09:36 Uhr von bavariangirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein toller Beitrag...mit viel Neuem, Gruesse Susanne

  • Alusru

    12.02.2002, 14:34 Uhr von Alusru
    Bewertung: sehr hilfreich

    Und ich war immer noch nicht da, aber das wird sich bald ändern, Gruß Uschi.

  • bettybo

    12.02.2002, 11:14 Uhr von bettybo
    Bewertung: sehr hilfreich

    so findet man sich wieder

  • Janet

    11.02.2002, 23:34 Uhr von Janet
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich war in Amsterdam ..ist aber schon einige Jahre her. Man muss an bestimmten Plätzen sehr aufpassen das man nicht beklaut wird. Die Stadt selbst ist wirklich sehr sehenswert.