Erfahrungsbericht von marina71
“Und am Ende des Tages ist nichts unheilbar“
Pro:
interessantes Thema, Special Effects, gute Schauspieler
Kontra:
die Charaktere der Schauspieler der Forschergruppe sind nur mangelhaft dargestellt
Empfehlung:
Ja
Um Teil 2 zu sehen muss man nicht als Voraussetzung Teil 1 gesehen haben, denn Teil 2 ist keine Fortsetzung des ersten Teils, er ist inhaltlich unabhängig vom ersten Teil.
Zum Inhalt:
****************
Der Film beginnt damit, dass ein junger Mann bei der Buchveröffentlichung von Professor Müller-LaRousse erscheint, sich sein Hemd auszieht und sich mit einem Skalpell in den Arm sticht und wenig später sich den Bauch aufschlitzt und daran stirbt. Es stellt sich heraus, dass dieser Amokläufer der ehemalige Assistent vom Professor war: Benny.
Die Story geht dann mit Jo weiter, dessen Bruder Willi an Muskelschwund leidet. Willi hat die unheilbare Muskelkrankheit von seinem Vater geerbt, der daran gestorben ist. Durch diese Krankheit kann Willi sich schon einige Jahre nur mehr mit dem Rollstuhl bewegen. Jo glaubt an den Fortschritt der Medizin und ist sich sicher, als Arzt im Praktikum einer großen Klinik in Berlin ein Heilmittel für seinen Bruder Willi zu finden.
Kaum ist er dort angekommen, beginnt für ihn eine stressige Zeit, und er muss erkennen, dass er oft nicht so agieren kann, wie er es möchte. Die Patienten werden oftmals nicht gerade menschlich behandelt, was ihn persönlich sehr stört. Die Patienten werden manchmal sogar als "degeneratives Material" bezeichnet.
In einer Nachtschicht wird Jo von Lee, die in Jos Wohnheim lebt und als Hilfsschwester im Krankenhaus arbeitet, gebeten, einem kleinen Mädchen zu helfen, welches seit Tagen unter Nasenbluten leidet, jedoch eine Behandlung nicht genehmigt ist, da sie keine Privatpatientin ist. Jo lässt sich von Lee überreden und schleicht mit mehreren Schwestern heimlich in den OP 17. Die Diagnose ist schockierend: Schädelbasisbruch! Ohne zu zögern, nimmt Jo sofort den nötigen Eingriff vor und rettet dem Mädchen das Leben. Diese geheime OP wird von Professor Müller-Larousse beobachtet. Doch Jo verliert wider Erwarten nicht seinen Job, sondern erhält eine Einladung zur Forscherrunde des Professors. Zu Jos unerlaubtem Einsatz ist des Professors einziger Kommentar: "Regeln sind für Schwache!"
Jo wird durch Müller-Larousse in die Gruppe eingeführt und auch nach kurzer Zeit aufgenommen. Damit bekommt er Einblick in deren Arbeit, von der andere Klinikmitarbeiter eigentlich nichts Genaues wissen. Die Mitglieder der Gruppe erforschen künstliches Muskelgewebe, das sie in verbotenen Selbstversuchen sich einpflanzen und die Wirkungen betrachten. Der Professor ist der Leiter dieses Forschungsteams und möchte mit der Arbeit einen Nobelpreis bekommen. Jo ist begeistert von dem Projekt, weil er die einmalige Chance wittert, das Heilmittel für seinen Bruder zu finden. Die künstlichen Muskeln, die dort entwickelt werden, können nämlich nicht nur Muskelstränge ersetzen, sondern die Muskeln auch stärker machen.
Das Forschungsteam besteht aus:
- der hübschen Viktoria (Heike Makatsch), die den ganzen Film über auf Drogenrausch ist
- Hagen (Roman Knizka), der fanatischste Anhänger von Müller-LaRousse
- Gregor (Wotan Wilke Möhring), der den Traum einer künstlich hergestellten, „besseren“ Rasse hat
- Sven (Frank Giering), dem man schnell ansieht, dass ihm das Ganze nicht mehr gefällt.
Auch Jo lässt sich künstliche Muskeln einpflanzen. Um die Schmerzen und die Nebenwirkungen der Muskeln zu ertragen und zu kontrollieren, nimmt er immer mehr Betäubungsmittel zu sich. Während Jo sich dem Bund der Antihippokraten durch eine Ritualweihung anschließt, wird Sven von Hagen und Gregor vom Dach gestürzt, so dass es wie Selbstmord aussehen soll.
Jo erkennt nur langsam, dass Professor Larousse langsam, aber sicher größenwahnsinnig wird und die Forschungsgruppe wirklich Antihippokraten sind. Hätte er nicht die freundliche philippinische Krankenschwester Lee an seiner Seite, wäre er wohl erst noch später darauf gekommen.
Sven, der ihn schon gewarnt hatte, hat Informationen von Paula Henning (Franka Potente), die in Anatomie 1 als Medizinstudentin selbst fast Opfer der Antihippokraten geworden ist und jetzt Spezialermittlerin der BKA ist. Diese Informationen deuten auf eine Schuld des Professors an Bennys Tod hin.
Jos viel zu spätes Misstrauen hat zur Folge, dass er dem ganzen besessenen Clan nur schwerlich entkommen kann.
Schauspieler:
*********************
1. Barnaby Metschurat als Jo spielt seine Rolle als AIP-ler sehr gut, er ist etwas naiv und glaubt an seine Ideale, vergisst dabei alle Zweifel und Bedenken. Er will einfach nur ein guter Arzt sein und alles erdenklich Mögliche tun, um seinem Bruder zu helfen. Er wurde für diese Rolle mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.
2. Heike Makatsch spielt die Victoria, das einzige weibliche Mitglied der Forschungsgruppe. Die Schauspielerin ist durch viele Filme bekannt geworden z.B. „Männerpension“.
In Anatomie 2 ist sie dem Projekt und seinem Leiter absolut verfallen, was wohl auch an ihren Drogenexperimenten an sich selbst liegen könnte. Der starke Drogenkonsum macht sie regelrecht realitätsfremd und gefühlskalt. Heike Makatsch spielt die total abgedrehte Victoria echt perfekt.
3. Franka Potente hat diesmal nur einen kleinen Gastauftritt. Die Verbindung zum ersten Teil ist gut gelungen und schafft eine gewisse Einordnung.
4. Rosie Alvarez spielt die äußerst hübsche und gutmütige philippinische Krankenschwester Lee, die sich rührend um Jo kümmert. Sie hat ein unglaublich gutes Herz und das bringt die Schauspielerin sehr überzeugend rüber.
5. Prof. Charles Müller LaRousse wird von Herbert Knaup dargestellt, eine richtig gute und passende Besetzung. Bekannte Kinofilme mit ihm sind u.a. Schlafes Bruder. Sein Charakter im Film: Er lebt anscheinend nur für eins, den Nobelpreis zu gewinnen. Und dafür gibt er alles und schreckt auch nicht vor Mord zurück. “Und am Ende des Tages ist nichts unheilbar“ lautet seine Prophezeiung
In weiteren Rollen:
AUGUST DIEHL als Benny: Er hat ja nur eine kurze Rolle, dafür aber eine sehr beeindruckende Szene zu spielen, nämlich die bereits beschriebene blutige Aufschneiderei am Anfang. Und diese spielt er bemerkenswert gut und eindringlich.
ROMAN KNIZKA als Hagen: Er ist zuerst der fanatischste Anhänger des Professors, wird aber dann eifersüchtig auf Jo, dem sein „Meister“ in seinen Augen zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Eine Bemerkung von ihm: „Wir müssen alle Opfer bringen, denn wir wollen Großes schaffen“. Der Schauspieler spielt nicht ganz so überzeugend diese Rolle, sein Charakter kommt nicht so richtig zur Geltung. Mal scheint er der „führende“ Part zu sein, mal ist er ängstlich und kleinlaut.
WOTAN WILKE MÖHRING als Gregor: Er hat Fantasien wie aus der Nazizeit, er möchte Supermenschen künstlich herstellen, damit es nur noch eine Rasse gibt. Von diesem Schauspieler bekommt man irgendwie nicht so viel mit während des Films, mir scheint, es ist nur eine „Nebenbei-Rolle“, die er da erwischt hat.
FRANK GIERING als Sven: Er spielt den ruhigen, ernsten Part der Gruppe und dies ziemlich authentisch und gut.
HANNO KOFFLER als Jo's Bruder Willi: Er hängt sehr an seinem Bruder und setzt auch Hoffnungen in ihn. Hanno Koffler spielt die Rolle als Behinderter glaubwürdig und charakterfest.
Zur DVD:
******************
Bildformat: 2.35:1 (16:9 anamorph)
Verpackung: Keep Case
DVD-Format: DVD-5 (einseitig,einlagig)
Audiospuren: Deutsch DD 5.1, Kommentar DD 2.0
Untertitel:Englisch, Deutsch, Türkisch
Ausstattung: Szenenanwahl, Audiokommentar, Trailer, Fotogalerie, geschnittene Szenen, Making Of, Produktionsnotizen
Studio: Columbia Pictures, Claussen & Wöbke Filmproduktion
Genre: Horror/Thriller
Darsteller: Barnaby Metschurat, Heike Makatsch, Herbert Knaup, Wotan Wilke Möhring, Roman Knizka, Frank Giering, Rosel Zech, August Diehl, Franka Potente , u.a.
Regie: Stefan Ruzowitzky,
FREIGEGEBEN AB: 16 JAHREN
Spieldauer: 101 Minuten
Kinostart: 06.02.2003
BILD: Das Bild ist gestochen scharf und die Farben sind äußerst kräftig. Die Bildschnitte sind oft etwas schnell. In diesem Film wird viel mit Bildern gespielt. Es wird auch mit einigen „Special Effects“ gearbeitet. Blitzartiger Szenenbildwechsel ist passend und spannend gemacht z.B. mit Verbindung der Ermordung Svens und der gleichzeitig stattgefundenen Zeremonie. Im Krankenhaus erkennt man einen leicht grün-blauen Farbton, der die Atmosphäre dort wohl widerspiegeln soll.
TON: Der Sound ist in Dolby Digital und immer gut verständlich. Die Töne sind gut abgemischt und über alle Kanäle zu vernehmen. Die Musik ist dem Film angepasst. Auch hier passt die Musik bei der gleichzeitigen Zeremonieaufnahme in den Wissenschaftlerkreis „Die Loge“ und der Lektion für Sven gut zusammen. Die Musik ist sehr eindrucksvoll, sie geht über typische Filmkompositionen, Techno bis hin zu rockigen Songs wie z.B. von Oasis.
BONUS-MATERIAL: Hier kann man Regisseur Stefan Ruzowitzky und Hauptdarsteller Barnaby Metschurat den Film über kommentieren hören. Hierzu wird ein kleines Fenster eingeblendet, in dem am linken unteren Bildrand die Aufnahme des Kommentars zu beobachten ist, während in der Bildmitte der Film ganz normal abläuft. Die Beiden erzählen hier auch einige kurze witzige Geschichten, die während des Drehs passiert sind. Das Making Of dauert etwa 15 Minuten und beinhaltet eine Mischung aus Kommentaren, verschiedenen Szenen vom Dreh, davon auch geschnittene. Eine davon ist, wie Barnaby M. sich mit künstlichen Muskeln wie Spiderman bewegt. Auch gut ist die Möglichkeit drei Filmszenen einmal in der Probe und dann im direkten Vergleich im Film zu betrachten. Das Menü ist übersichtlich und mit Animationen gestaltet. Außerdem gibt es noch eine Fotogalerie.
Fazit:
*************
Erst einmal finde ich es gut, dass der zweite Teil von Anatomie kein müder Abklatsch des ersten Teils ist. Ich persönlich finde ihn weitaus besser als Teil 1. Zumal es sich auch nicht um eine klassische Fortsetzung handelt, vielmehr um eine eigenständige Geschichte mit sehr interessanten Themen, wie z.B. das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Ethik.
Der Film beginnt gleich gut mit einer Szene, die sehr schockierend wirkt. Von der ersten Minute an herrscht in dem Film eine gewisse Grundspannung. Die Schauspieler geben ihr bestes und repräsentieren alle ihre Rollen fantastisch, besonders beeindruckend fand ich August Diehl und Herbert Knaup.
Victoria und ihre Vorliebe fürs Spritzen von Adrenalin und Endorphinen (Glückshormone) mit der „Spritzpistole“ ist echt abgefahren. Dann ihre Bemerkung: „Es scheint nicht nur beim Sex, sondern auch beim Fußball zu wirken“ finde ich witzig. Im gesamten Film findet man satirische Bemerkungen, was ganz nach meinem Geschmack ist.
Anatomie2 ist eher psychologisch aufgebaut, so wie es vor allem in klassischen Horrorfilmen üblich ist. Es fließt zwar auch Blut und es gibt ein paar eklige Szenen, aber es hält sich im Rahmen. Gut dargestellt sind auch der abschreckende Ärztealltag und der Verlust von Menschlichkeit und Würde im Umgang mit den Patienten. Ich finde, der Film geht in Richtung Science Fiction, und die Grenzüberschreitung von Wissenschaftlern über ethische Grundsätze hinaus ist ja gar nicht mal so abwegig.
Die FSK16-Angabe halte ich bei „Anatomie 2“ für angemessen. Sie ist weder zu niedrig noch zu hoch. Meine Gesamtbeurteilung der DVD ist gut und empfehle zum Kauf.
74 Bewertungen, 22 Kommentare
-
04.02.2009, 18:23 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsuper beschrieben. lg Werner
-
13.01.2009, 21:37 Uhr von paula2
Bewertung: sehr hilfreichliebe Grüße
-
19.05.2006, 17:03 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreichklasse geschrieben ;o) ... SH...lg susi -->--->---@
-
26.03.2006, 20:00 Uhr von Wagnerianer1979
Bewertung: sehr hilfreichSehr ausfuehrlich und informativ!
-
10.12.2005, 19:36 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichMein Fall wär's nicht: zu blutig und zu unsinnig in der Handlung... <br/>RS
-
10.11.2005, 11:10 Uhr von 2011emjott
Bewertung: sehr hilfreichFilm hat mir nicht gefallen, trotzdem: SH! *g*
-
07.11.2005, 13:22 Uhr von Lotosblüte
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht und vielleicht sollte ich mir den auch noch ansehen. <br/>lg
-
06.11.2005, 15:34 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichIch mag den Film gar nicht! LG Dani
-
06.11.2005, 07:44 Uhr von Mamafabian
Bewertung: sehr hilfreichich kann weder Teil 1 noch Teil 2 etwas abgewinnen...
-
05.11.2005, 10:27 Uhr von pooljoe
Bewertung: sehr hilfreichLG Jochen
-
04.11.2005, 23:00 Uhr von Cicila
Bewertung: sehr hilfreichEiner der vielen Filme, die ich noch nicht gesehen habe. <br/>LG Cicila
-
02.11.2005, 21:32 Uhr von Fluetie
Bewertung: sehr hilfreichDer Bericht ist sehr gut, aber die Heike Makatsch kann ich ums Verrecken nicht ab. <br/>sehr nützlich ( Sprache: Altyopi ) :-) lg Dirk
-
02.11.2005, 19:56 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichToll geschrieben, alles Gute Tina
-
02.11.2005, 18:16 Uhr von Rosen
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich <br/>
-
02.11.2005, 17:57 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich:) Hab den auch neulich im Fernsehen gesehen, der 1. Teil war aber besser, fand ich. LG von MissKnu
-
02.11.2005, 09:01 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichich kenne nur zwei filme, bei denen der zweite teil besser ist als der erste: 'der pate' und 'terminator'. ansonsten mach' ich um diese elenden sequels einen weiten bogen.
-
02.11.2005, 08:12 Uhr von Love_Angel
Bewertung: sehr hilfreich- mega sh -
-
01.11.2005, 23:33 Uhr von Saturn1985
Bewertung: sehr hilfreichSchade dass es hier kein "bh" gibt, hättest du hier für definitiv verdient! Ganz liebe Grüße!
-
01.11.2005, 22:41 Uhr von klezmatix
Bewertung: sehr hilfreichToll geschrieben.
-
01.11.2005, 20:43 Uhr von der_Baer
Bewertung: sehr hilfreichdas wäre vielleicht mal was für mich Fernsehmuffel :-) sh <br/>lg Wolfgang
-
01.11.2005, 20:27 Uhr von Flute
Bewertung: sehr hilfreichLg. Dunja
-
01.11.2005, 20:21 Uhr von animaldream
Bewertung: sehr hilfreichsuper! Danke!
Bewerten / Kommentar schreiben