Anatomie 2 (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von der_dominator

plastifizieren für Fortgeschrittene... ?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Es ist gut zwei Jahre her, als ich es mir mit einer Hand voll Freunden und einem leckeren Eis in meinem Stammkino gemütlich machte um mir, ohne überhaupt etwas über den Inhalt des Filmes zu wissen, zur Abwechslung mal einen Film aus deutschen Landen anzusehen. Doch bereits nach wenigen Minuten bereute ich die Wahl des Eis denn was sich da auf der Leinwand abspielte, war auch ohne Leckerli in der Hand, recht unappetitlich. Dennoch gefiel mir Anatomie recht gut und so machte ich es mir heute, pünktlich zum Bundesstaat wieder in einem Kinosessel gemütlich, diesmal aber ohne Eis…


# Vorgeplänkel - was man wissen sollte
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[der Eid des Hippokrates… ]

„Ich schwöre bei Apollon dem Arzt und bei Asklepios, Hygieia und Panakeia sowie unter Anrufung aller Götter und Göttinnen als Zeugen, dass ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil diesen Eid und diesen Vertrag erfüllen werde: (…) Die diätetischen Maßnahmen werde ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil zum Nutzen der Kranken einsetzen, Schädigung und Unrecht aber ausschließen. (…) Lauter und gewissenhaft werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren. (…)Wenn ich diesen meinen Eid erfülle und ihn nicht antaste, so möge ich mein Leben und meine Kunst genießen, gerühmt bei allen Menschen für alle Zeiten; wenn ich ihn aber übertrete und meineidig werde, dann soll das Gegenteil davon geschehen.“

Der so genannte Eid des Hippokrates, geht auf Hippokrates von Kos zurück. Er entstand etwa 400 vor Christus im alten Griechenland und regelte, sowohl die ärztliche Ausbildung, als auch das Verhältnis zwischen Arzt und Patient. So sollte es die oberste Devise sein, dem Patienten nicht zu schaden. Auch heute noch schwören Ärzte den Eid des Hippokrates. An sich keine schlechte Sache…

[Plastifizieren für Fortgeschrittene? ]

Ob es gerade in der heutigen Zeit, in der man technisch dazu in der Lage ist nahezu identische Dublikate menschlicher Körper herzustellen, noch notwendig ist Menschen, ihre Einwilligung vorausgesetzt, nach ihrem Ableben zu plastifizieren, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Dennoch ist dieses „plastifizieren“ nicht gerade durch „Körperwelten“ recht aktuell und muss sich ethischen und auch religiösen Grundsatzdiskussionen stellen. Ob das sich diese „Fälschungen“ von den oft in Museen und Universitäten vorzufindenden „originalen“ so sehr unterscheiden muss jeder für sich selbst entscheiden, zumal des „plastifiziert werden“ ja auf Freiwilligkeit basiert. Sicherlich ist es nicht jedermanns Sache, ehemalige Nachbarn „nur in Haut und Knochen“, neben Eis essenden Kindern in einer Ausstellung zu sehen und so wird auch Anatomie bzw. der nun erscheinende zweite Teil Geschmacksache sein, denn wer sich mit der Thematik „rund um die Antihippokraten“ rein gar nicht anfreunden kann, oder sie gar „ethisch verwerflich“ findet, der sollte einfach einen großen Bogen ums Kino machen. Auch wenn es diesmal nicht das plastifizieren, sondern das Einsetzten künstlicher, mechanisch bewegbarer Muskelstränge ist, mit dem die etwas anderen Ärzte zu Weltenruhm und der ein oder anderen Million kommen wollen. Auch diesmal ist es der Gedanke den perfekten Menschen zu schaffen, der die geheime Organisation vorantreibt, ethisch korrekt oder nicht…


# zum Film
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[Schwester, das Drehbuch bitte … ]

Um es vorweg zu nehmen, von einer „klassischen“ Fortsetzung kann man in Stefans Ruzowskys „Anatomie 2“ sicherlich nicht sprechen, denn bis auf wenige Eckpunkte, hat der erste Teil, zumindest on der Handlung her, nichts gemeinsam…

Das es auf dieser Welt Menschen gibt die den Eid des Hippokrates ignorieren und nicht davor zurückschrecken für die „Kunst“ des plastifizieren auch zu morden, wissen wir spätestens seitdem Paula (Franka Potente) im ersten Teil während ihres Studiums in Heidelberg deren Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Doch dieses mal steht nicht Paula, mittlerweile auf „Antihippokraten Jagd“ beim BKA, im Vordergrund, sondern der junge Neurologe Jo (Barnaby Metschurat) der in einem riesigen Berliner Krankenhaus, eine rosige Zukunft als Arzt vor Augen, ein Praktikum antritt.

Die Hoffnung als angehender Arzt eine Heilungschance für seinen an Muskelschwund erkrankten Bruder zu erforschen setzt es einen schnellen Dämpfer, denn recht schnell merkt er das gerade im Sterilen Krankenhaus keinerlei Platz für Menschlichkeit ist. Dennoch, oder gerade deswegen, lässt er sich, von flüchtigen Operationen gelangweilt, auf eine nicht genehmigte OP am Kind einer Hilfsschwester ein, in die ausgerechnet Professor Müller-Larousse platzt, den er bislang nur als „Gott in Weiß“ und das auch nur recht flüchtig, kennen gelernt hat.

Larousse scheint vom Mut des Jungarztes recht angetan und lädt ihn zu einem Treffen seiner elitären Forscherrunde ein, die aus einer Reihe hochtalentierten Ärzten (Heike Makatsch, Frank Giering, Roman Knizka) besteht und sich mit der Forschung von Muskelgeweben beschäftigt. Begeistert und von der Idee getrieben seinem Bruder nun doch helfen zu können, nimmt Jo die Einladung an und schreckt auch vor einer Reihe Selbstversuchen nicht zurück. Doch, während die Gruppe beginnt weiter und vor allem ohne finanzielle Grenzen zu forschen entdeckt Jo, das, das Skalpell in Larousses Hand lockerer sitzt als dies zunächst den Anschein machte. Langsam aber sicher kommt er hinter das Geheimnis das der Saubere „Onkel Doktor“ hütet, doch das ganze scheint zu spät und schon blad beginnt die Jagd nach dem talentierten Arzt…

[Schwester, den Trailer bitte…]

Um ehrlich zu sein, wollte ich mir den zweiten Teil des recht erfolgreichen Thrillers nicht ansehen, doch wieso oft war es der Trailer der mich auf Anatomie, die zweite aufmerksam machte und in mir die Vorfreude auf einen guten Horror Thriller aus deutschen Landen schürte. Zumal die Voraussetzungen besser kaum sein konnten, denn mit Heike Makatsch und Herbert Knaup waren zwei durchaus fähige Schauspieler an Bord, zumal der junge Batneby Metschurat zuletzt in „Solino“ gefiel und Franka Potente als Paulka einen Gastauftritt haben sollte…

[Schwester, das Skalpell bitte…]

Was braucht man also für einen Horror Thriller? Die Sache gestaltet sich im wesendlichen recht einfach: Horror und Thriller. Doch während das ganze recht gut beginnt, fühlt man sich bald in einer Komödie mit wenigen Operationsszenen.

Dies scheinen einem zumindest die recht blassen Hauptdarsteller war machen zu wollen. Während Chirurg Hagen (Roman Knizka) über die Leinwand zappelt und ständig mit übertriebenen, nicht nachvollziehbaren Bewegungsschüben zu kämpfen hat, guckt Heike Makatsch (gibt die Viktoria) anteilslos durch die Gegend. Wüsste man es nicht besser, könnte man denken sie spiele immer noch ihre Rolle als Zombie in „Resident Evil“. Doch damit tue ich ihr wohl ein wenig Unrecht, denn immerhin hat sie auch einige Glanzpunkte während ihres 92minütigen Totalausfalles. Wenn überhaupt jemand der Darsteller überzeugen kann, dann ist es Herbert Knaup sowie der junge AIP’ler (Arzt im Praktikum) Metschurat, der seine Rolle immerhin überdurchschnittlich mimt und sich wohl in Zukunft keinerlei Sorgen um einen Arbeitsplatz machen muss. Zudem beglückt Franka Potente den Zuschauer mit einem gelungenen Gastauftritt, einer der wenigen Gründe den Film doch zu sehen…

Was bleibt also wenn es mit den „gecasteten“ Hoffnungsträgern nicht so recht klappen will? Immerhin gibt es da noch eine interessante Handlung, mit der es gerade im „Horrorgenre“, und dazu möchte die Anatomiereihe ja gehören, punkten und den Zuschauer im Kinosessel vor Verzückung in die Hände klatschen. Doch auch das gelingt Stefan Ruzowitzky nicht. Zeitweise verliert der Film das Tempo, das er hier und da selbst einschlägt und unterfordert den Zuschauer dadurch. Um es an dieser Stelle kurz zu machen: der Regisseur möchte wohl einfach zu viel. Anstatt seinen Hauptdarsteller mit einer tragischen Familiengeschichte ins Rennen zu schicken, die das erhoffte Gemetzel an Tiefe gewinnen lassen soll, hätte er sich das machen soll, was der Zuschauer erwartet, wenn er an der Kinokasse seine Eintrittskarte löst: eine Spannende Geschichte erzählen. Das macht er aber leider nicht und so ist lediglich das Finale, hier mit dem nötigen Tempo versehen, sehenswert, auch wenn dieses viel zu kurz scheint.

Aber bei all der Kritik hat der „OP Tisch Thriller“ auch einige gute Seiten. So ist es vor allem die gute musikalische Untermalung, für die man sich bei Marius Ruhland bedanken muss. Insgesamt wirkt das Ambiente, denkt man sich die teils hölzernen Akteure mal weg, recht gelungen. So ist es gerade das recht sterile Krankenhaus der perfekte Drehort für einen Klinikthriller, zumal Kameramann Andreas Berg hier und da wirklich interessante Einstellungen findet und die Schnitte gut gesetzt sind. Von der technischen Seit gibt es also nichts zu meckern…

Und auch alle die sich vor Blut ekeln, kann ich beruhigen. Derart übertriebene Operationsdarstellungen wie im ersten Teil findet man hier nicht, was sicherlich die richtige Endscheidung ist, wenn man eben keinen Horrorfilm machen will.

[was man noch so wissen sollte]

Originaltitel: Anatomie 2 / Deutschland 2002

Für Regie zeichnet sich, ebenso wie für das Drehbuch, erneut Stefan Ruzowitzky verantwortlich und das ganze dauert etwa 92 Minuten. Bei der Altersfreigabe entschieden sich die Herren bei der FSK für glatte 16 Jahre was meiner Meinung nach in Ordnung geht.



# Fazit
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Wer einen guten Horrorfilm aus deutschen Landen sehen will, der sollte in die Videothek gehen und sich einen leihen, denn im Kino an der Ecke wird man leider, zumindest in diesem Monat, nicht fündig. Regisseur Ruzowitzky verschenkt einen Haufen ambitionierter Ideen und liefert einen Horrorthriller ganz ohne Horror und Thriller. Aber auch das ist schließlich ambitioniert, wenn auch komplett an den Erwartungen des Kinogängers vorbei.

[ Dieser Film könnte ihnen gefallen… ]

wenn sie schon den ersten Teil rund um die Antihippokraten mochten, nicht böse sind einen durchschnittlichen Film zu sehen und bei Op’s keinerlei Gedanken an die Fehlbarkeit der Ärzte ihres Vertrauens verlieren. Sollte ihnen bei Worten wie „Zahnarzt“ oder „Operation“ allerdings jedes einzelne Haar zu Berge stehen sollten sie, genauso wie eher zart besaitete Kinogänger, eher ein anderen Film für einen vergnüglichen Kinoabend wählen. Insgesamt wohl die beste Lösung für alle.

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