Angststörungen Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von stressless2
Panikattacken - Unbequemer Wegbegleiter
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Sie kündigen sich meist nicht an, sind Störenfriede des Wohlbefindens und unangenehme Begleiter des täglichen Lebens. Und sie haben eine unverschämte Angewohnheit: man weiß nicht so recht einzuordnen, weswegen sie sich melden. Innere Unruhe, Herzrasen, Gedanken wie ... ich muß jetzt sterben, Atemnot, nasse Hände, und ständig die Ungewißheit, woher das kommt. Mal ist es Abends, vor dem Einschlafen, dann Morgens vor der Arbeit, ein anderes Mal während der Arbeit, im Bus, im Zug, im Auto, beim Duschen .... Man ist nicht mehr sicher vor ihnen. Sie kommen wann sie wollen, bleiben so lange sie wollen und gehen wann sie wollen. Man kann plötzlich nicht mehr sitzenbleiben, muß aufspringen, durch die Gegend laufen, fühlt ständig an seinem Puls und schaut auf die Uhr .... ist froh über kleine Pausen und verzweifelt an der Beharrlichkeit der Attacken. Meine längste Attacke währte über zwei Tage und klang nur langsam ab. Anfangs schob ich es auf den übermäßigen Alkoholkonsum. Doch seit einem Jahr trinke ich nichts mehr. Die Angst ist geblieben, ist mein Begleiter geworden, ein Teil von mir. Wir haben uns arrangiert, so gut es nur geht. Ich kann mit ihr leben, sie mit mir vermutlich auch. Aber es ist nicht wie früher. Die Unbeschwertheit ist weg, die Unbekümmertheit, das Leichte im Leben. Nur selten spüre ich es noch, dafür dann umso tiefer und intensiver. Das sind dankbare Augenblicke. Dazwischen ein Warten auf den nächsten Anfall ...
Ich ging ziemlich bald zum Arzt. Alkoholentzug, Prädelir ... hieß es. Dem stimmte ich zu. Ich hatte ja viel getrunken, täglich. Also war die nächste Maßnahme, Alkoholentzug. Danach ging es mir auch wieder gut. Lange Zeit passierte gar nichts. Dann, nach ein paar Bier war sie wieder da. Stärker, fordernder, heftiger als je zuvor. Da faßte ich den Entschluß, mit dem Trinken ganz aufzuhören. Atosil-Tropfen halfen mir über das Ärgste hinweg. Beta-Blocker hatten auch einen gewissen Erfolg. Aber das war alles nicht von Dauer. Die Angst besuchte mich jetzt öfter und anhaltender. Mitten im Leben. Was willst du von mir, dachte ich. Wer bist du, warum ich???
Irgendwann kam mir der Gedanke, es ist die Schilddrüse. Logisch, Hormone sind zuviel oder zuwenig. Da spinnt die Chemie schnell mal. Oder ein Nerv im Rücken, oder Gift im Blut, oder zu wenig Sauerstoff im Gehirn ... Ich fand auf Anhieb ein Dutzend Krankheiten, die das auslösen können. Wieder beim Arzt. Großes Blutbild ... Ergebnis: sie sind kerngesund, alles prima Werte. Na toll, dachte ich - das war ziemlich niederschmetternd. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Und nun? Was jetzt? Mein Hausarzt schickte mich zum Neurologen. Wir unterhielten uns vielleicht 3 oder 4 Minuten, dann sagte der Neurologe zu mir, daß ich unter Panikattacken leide. Aha, sagte ich. Und nun? Er gab mir Gladem - ein etwas moderneres Produkt aus den Staaten - soll nicht abhängig machen und die Attacken ziemlich gut dämpfen. Also der Einstieg ins Leben mit Gladem. Mir wurde davon weder übel, ich hatte vom zweiten Tag an ein ziemliches High-Gefühl und auch keine schlimme Attacke mehr.
Mein Neurologe ist kein Pillenverschreiber. Er sagte mir klipp und klar: die Tabletten helfen ihnen sich zu arrangieren, ein fast normales Leben zu führen. Es ist aber nicht die Lösung des Problems. Die Lösung müssen sie sich erarbeiten. Hart erarbeiten. Ohne Aussicht auf dauerhaften Erfolg. Er gab mir die Adresse einer Psychologin mit großer Erfahrung auf diesem Gebiet.
Ich war keine Sekunde skeptisch und ging auch hin. Na ja - die erste Freude wurde ziemlich gedämpft, denn die Wartezeit betrug 3 ... 4 Monate. Ich hatte dann ein wenig Glück, konnte nach 10 Wochen schon zur ersten Stunde gehen. Und hier möchte ich jeden der davon betroffen ist ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Egal wie lange es dauert, es gibt Hilfe. Gut, eine Garantie gibt es nicht den richtigen Therapeuten zu treffen - aber ohne den Versuch wird sich nichts ändern. Woher die seltsame Angst auch immer kommt, sie hat mit uns zu tun, mit unserem Leben, mit verdrängten Dingen, Lebensgewohnheiten, unterdrückten Gefühlen, mit was auch immer. Findet es heraus. Man muß sich dem stellen. Ein Spruch hat mir oft geholfen - er heißt eigentlich anders, aber er ist trotzdem sehr zutreffend - immer wenn ich die Angst spüre, sage ich mir, jetzt ... wo ich solche Angst habe, kann ich keine mehr bekommen.
Mein Tipp: Lauft nicht weg vor dieser Panik, die Angst wird euch nicht töten. Sprecht mit dieser Angst, auch wenn es schwerfällt. Klare Gedanken sind in solchen Momenten das Letzte was ein Mensch haben wird - aber versucht es. Fragt eure Angst aus was sie von euch will. Und atmet tief bis in den Bauch hinein. Gleichmäßig. Es hilft. Es kostet nur ein bißchen Überwindung - ich habe es damit schon geschafft.
Ein Problem bei der Angst sind die Vermeidungstaktiken. Einmal eine Panikattacke im Bus und danach steht fest - ich fahre nie wieder Bus. Nur das ist das Dümmste, was ihr machen könnt. So schneidet ihr euch Stück für Stück vom Leben ab, die Angst wird zum Diktator eures Tuns. Sie bestimmt schließlich, was ihr macht und was nicht, wann ihr es tut und wann nicht.
Ich weiß nicht, wielange ich das Gladem noch nehmen werde, keine Ahnung was ich in der Therapie finden werde und ich habe auch noch keinen blassen Schimmer, was ich tun werde, wenn sich keine Besserung einstellt. Nur eines weiß ich ziemlich genau: ich gebe nicht auf. Ich habe da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Trotz des Medikaments spüre ich dann und wann den Anflug der Attacken - ganz leicht, manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Sie sind noch da, hocken herum und treiben ihren Schabernack. Na gut, denke ich, sollen sie. Wen juckt es schon. Mich jedenfalls nicht.
Und komischerweise findet meine Angst das überhaupt nicht lustig, flacht ab, gerät zusehends in den Hintergrund. Ganz weg lassen will ich sie wiederum auch nicht. Sonst kommt sie auf die Idee, sich in einer dunklen Ecke zu verkrümeln, Kräfte zu sammeln und irgendwann um so heftiger zuzuschlagen. Das kann sie aber vergessen. Ich weiß Bescheid. Sie ist inzwischen zu meinem \"Kumpel\" geworden. Sie muß sich jetzt mit mir und den Symptomen auseinander setzen. Dumm gelaufen für die Angst. Jetzt bin ich es der die Fäden in der Hand hält und ich bestimme, wo es lang geht. Wetten, daß sie jetzt Schiß hat??? Früher hatte ich Angst vor meiner Angst - inzwischen hat meine Angst vor mir Schiß bekommen. Was ist passiert? Ich werde es herausfinden, zusammen mit ihr. Sie kann sich dann ja entscheiden ob sie bleiben will oder sich lieber ein eigenes Dasein ohne mich sucht. Nur wenn sie bleibt, kann sie nicht mehr machen was sie will.
Also Leute, lasst euch darauf ein, euch diesen Dingen zu stellen. Ihr könnt dabei nur gewinnen.
Grüße von Stressless2
Ich ging ziemlich bald zum Arzt. Alkoholentzug, Prädelir ... hieß es. Dem stimmte ich zu. Ich hatte ja viel getrunken, täglich. Also war die nächste Maßnahme, Alkoholentzug. Danach ging es mir auch wieder gut. Lange Zeit passierte gar nichts. Dann, nach ein paar Bier war sie wieder da. Stärker, fordernder, heftiger als je zuvor. Da faßte ich den Entschluß, mit dem Trinken ganz aufzuhören. Atosil-Tropfen halfen mir über das Ärgste hinweg. Beta-Blocker hatten auch einen gewissen Erfolg. Aber das war alles nicht von Dauer. Die Angst besuchte mich jetzt öfter und anhaltender. Mitten im Leben. Was willst du von mir, dachte ich. Wer bist du, warum ich???
Irgendwann kam mir der Gedanke, es ist die Schilddrüse. Logisch, Hormone sind zuviel oder zuwenig. Da spinnt die Chemie schnell mal. Oder ein Nerv im Rücken, oder Gift im Blut, oder zu wenig Sauerstoff im Gehirn ... Ich fand auf Anhieb ein Dutzend Krankheiten, die das auslösen können. Wieder beim Arzt. Großes Blutbild ... Ergebnis: sie sind kerngesund, alles prima Werte. Na toll, dachte ich - das war ziemlich niederschmetternd. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Und nun? Was jetzt? Mein Hausarzt schickte mich zum Neurologen. Wir unterhielten uns vielleicht 3 oder 4 Minuten, dann sagte der Neurologe zu mir, daß ich unter Panikattacken leide. Aha, sagte ich. Und nun? Er gab mir Gladem - ein etwas moderneres Produkt aus den Staaten - soll nicht abhängig machen und die Attacken ziemlich gut dämpfen. Also der Einstieg ins Leben mit Gladem. Mir wurde davon weder übel, ich hatte vom zweiten Tag an ein ziemliches High-Gefühl und auch keine schlimme Attacke mehr.
Mein Neurologe ist kein Pillenverschreiber. Er sagte mir klipp und klar: die Tabletten helfen ihnen sich zu arrangieren, ein fast normales Leben zu führen. Es ist aber nicht die Lösung des Problems. Die Lösung müssen sie sich erarbeiten. Hart erarbeiten. Ohne Aussicht auf dauerhaften Erfolg. Er gab mir die Adresse einer Psychologin mit großer Erfahrung auf diesem Gebiet.
Ich war keine Sekunde skeptisch und ging auch hin. Na ja - die erste Freude wurde ziemlich gedämpft, denn die Wartezeit betrug 3 ... 4 Monate. Ich hatte dann ein wenig Glück, konnte nach 10 Wochen schon zur ersten Stunde gehen. Und hier möchte ich jeden der davon betroffen ist ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Egal wie lange es dauert, es gibt Hilfe. Gut, eine Garantie gibt es nicht den richtigen Therapeuten zu treffen - aber ohne den Versuch wird sich nichts ändern. Woher die seltsame Angst auch immer kommt, sie hat mit uns zu tun, mit unserem Leben, mit verdrängten Dingen, Lebensgewohnheiten, unterdrückten Gefühlen, mit was auch immer. Findet es heraus. Man muß sich dem stellen. Ein Spruch hat mir oft geholfen - er heißt eigentlich anders, aber er ist trotzdem sehr zutreffend - immer wenn ich die Angst spüre, sage ich mir, jetzt ... wo ich solche Angst habe, kann ich keine mehr bekommen.
Mein Tipp: Lauft nicht weg vor dieser Panik, die Angst wird euch nicht töten. Sprecht mit dieser Angst, auch wenn es schwerfällt. Klare Gedanken sind in solchen Momenten das Letzte was ein Mensch haben wird - aber versucht es. Fragt eure Angst aus was sie von euch will. Und atmet tief bis in den Bauch hinein. Gleichmäßig. Es hilft. Es kostet nur ein bißchen Überwindung - ich habe es damit schon geschafft.
Ein Problem bei der Angst sind die Vermeidungstaktiken. Einmal eine Panikattacke im Bus und danach steht fest - ich fahre nie wieder Bus. Nur das ist das Dümmste, was ihr machen könnt. So schneidet ihr euch Stück für Stück vom Leben ab, die Angst wird zum Diktator eures Tuns. Sie bestimmt schließlich, was ihr macht und was nicht, wann ihr es tut und wann nicht.
Ich weiß nicht, wielange ich das Gladem noch nehmen werde, keine Ahnung was ich in der Therapie finden werde und ich habe auch noch keinen blassen Schimmer, was ich tun werde, wenn sich keine Besserung einstellt. Nur eines weiß ich ziemlich genau: ich gebe nicht auf. Ich habe da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Trotz des Medikaments spüre ich dann und wann den Anflug der Attacken - ganz leicht, manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Sie sind noch da, hocken herum und treiben ihren Schabernack. Na gut, denke ich, sollen sie. Wen juckt es schon. Mich jedenfalls nicht.
Und komischerweise findet meine Angst das überhaupt nicht lustig, flacht ab, gerät zusehends in den Hintergrund. Ganz weg lassen will ich sie wiederum auch nicht. Sonst kommt sie auf die Idee, sich in einer dunklen Ecke zu verkrümeln, Kräfte zu sammeln und irgendwann um so heftiger zuzuschlagen. Das kann sie aber vergessen. Ich weiß Bescheid. Sie ist inzwischen zu meinem \"Kumpel\" geworden. Sie muß sich jetzt mit mir und den Symptomen auseinander setzen. Dumm gelaufen für die Angst. Jetzt bin ich es der die Fäden in der Hand hält und ich bestimme, wo es lang geht. Wetten, daß sie jetzt Schiß hat??? Früher hatte ich Angst vor meiner Angst - inzwischen hat meine Angst vor mir Schiß bekommen. Was ist passiert? Ich werde es herausfinden, zusammen mit ihr. Sie kann sich dann ja entscheiden ob sie bleiben will oder sich lieber ein eigenes Dasein ohne mich sucht. Nur wenn sie bleibt, kann sie nicht mehr machen was sie will.
Also Leute, lasst euch darauf ein, euch diesen Dingen zu stellen. Ihr könnt dabei nur gewinnen.
Grüße von Stressless2
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