Antike Testbericht

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Erfahrungsbericht von Thomas24

Amarna - nicht nur ein politisches Zwischenspiel

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Hallo an alle und schön daß Ihr wieder auf einem meiner Beiträge gelandet seid. Ich habe in meinem ersten Beitrag: \"Echnaton - Sohn der Sonne\" bereits über diesen faszinierenden Pharao berichtet aber auch erwähnt, daß es schwierig ist, alle Aspekte dieser Epoche unter einen Hut zu bringen, deswegen schreibe ich hiermit einen extra Bericht, der speziell der Kunst dieser Zeit gewidmet ist.


Echnaton und der Monotheismus:

Echnaton hatte in Ägypten den Glauben an den einzigen Sonnengott Aton eingeführt. Einzige gottähnliche Figur, die neben Aton noch Bestand hatte war die Uräus-Schlange, als Symbol für die Fruchtbarkeit und Beschützerin des Gottes. Wir wissen aus Gräbern von Beamten aus Echnatons Hofstaat, daß der König selbst auch Änderungen in der darstellenden Kunst anordnete, um so seine neue Religion in alle Lebensbereiche mit einfließen zu lassen.
Die Pharaonen vor Echnaton waren immer darauf bedacht, sich als starke, machtvolle Herrscher darstellen zu lassen, unabhängig davon, daß einige von ihnen schon alt und gebrechlich waren. Echnaton wollte in seiner Kunst einen gewissen Naturalismus und wies deshalb seine Künstler und Bildhauer an, die Dinge so darzustellen, wie sie tatsächlich waren.
Diesen Stil der ägyptischen Kunst, nennen wir Amarna-Stil, da die Hauptstadt Echnatons Achet-Aton, in der Gegend des heutigen Tell el-Amarna liegt.


Die Spekulationen über Echnatons Körper:

Die Bildhauer gingen ans Werk. Das Ergebnis waren seltsam anmutende Figuren und das betraf vor allem die Bildnisse des Königs selbst. Äußerst feminine Züge, mandelförmige Augen, kräftige Lippen, ein langer Hals, dünne Beine im unteren Bereich und Fettablagerungen an Stellen, die als Problemzonen eigentlich nur bei Frauen bekannt sind sprich, Hüften, Bauch und Oberschenkel.
Dies führte alles zu heftigen Kontroversen in der Welt der Ägyptologen. Manche Wissenschaftler vertreten die Meinung Echnaton habe an der Fröhlichschen Krankheit gelitten, einer Funktionsstörung hervorgerufen durch einen Tumor der Hirnanhangdrüse. Der Ägyptologe Peter A. Clayton bemerkt jedoch in seinem Werk: \"Die Pharaonen - Königshäuser und Dynastien im Alten Ägypten\", daß diese Krankheit auch Zeugungsunfähigkeit mit sich bringt und Echnaton so wohl kaum seine sechs Töchter hätte zeugen können.


Meine eigene Interpretation des eigenartigen Kunststils:

Die Glaubenswelt des Alten Ägypten war stets geprägt von extremen Gegensätzen, die der Ägypter in der Natur beobachten konnte. Das fruchtbare Niltal stand in direktem Kontrast mit der angrenzenden lebensfeindlichen Wüste. Die Jenseitsvorstellungen der Ägypter zielten immer auf eine Sonnenscheibe als Hauptgott hin, der am Abend \"stirbt\", das Totenreich durchwandern muß, und am Morgen \"wiedergeboren\" wird. In den alten Glaubensvorstellungen kamen viele Gottheiten -ähnlich wie bei den Griechen- hinzu.
Als Echnaton nun all diese Gottheiten abgeschafft hatte, gab es auch keine weiblichen Gottheiten mehr. Echnaton erkannte aber durchaus den philosophischen Ansatz, daß es immer zwei verschiedene Aspekte von irgendetwas geben muß. Das asiatische Yin-Yang verdeutlicht dies heute noch.
Aton, mußte also als einziger Gott zwangsläufig einen männlichen und einen weiblichen Aspekt zugleich verkörpern, primitiv ausgedrückt: ein Zwitterwesen. Der Rest meiner Interpretation liegt auf der Hand: Der Pharao als einziger Vermittler zwischen Gott und den Menschen, ja sogar als Sohn des Gottes mußte ebenso diese beiden Aspekte in sich tragen.

Ich glaube, daß es diese Dinge waren, die Echnaton seinen Bildhauern beigebracht hat. Leider wurden nach der Regierung Echnatons viele der Kunstwerke durch seine Nachfolger, vor allem aber durch seine politischen Gegner zerstört, doch die Kunstgegenstände (unter anderem die berühmte Büste der Nofretete im Ägyptischen Museum Berlin) die uns aus dieser kurzen Epoche geblieben sind, gehören zu den eindrucksvollsten Kunstwerken der Menschheitsgeschichte.


Gruß an alle :)

Thomas

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