Erfahrungsbericht von Elli04
Ein sicherer Arbeitsplatz.
Pro:
sicherer Arbeitsplatz,
Kontra:
psychische Belastung.
Empfehlung:
Ja
~~~~Wie sieht mein Tagesablauf aus?~~~~
Ich arbeite täglich 8 Stunden im Früh-, Spät-, Nacht- und Tagesdienst, das 14 Tage am Stück. Zu meinen Aufgaben gehört es in erster Linie die Gefangenen zu versorgen, d. h. sie mit Dingen des täglichen Lebens zu versorgen ( Essen, Hygieneartikeln, Schreibzeug usw.). Kranke Gefangene werden von uns beim Anstaltsarzt vorgeführt und sollte es notwendig werden ,auch in Krankenhaus gebracht, aber ständig einen Beamten zur Bewachung dabei. Aber auch für allgemeine Probleme der Gefangenen sind wird die Ansprechpartner, und versuchen immer so gut wie möglich zu helfen. Das ist aufgrund sprachlicher Verständigungsproblemen offtmals ein Problem, aber meist dolmetschen andere Gefangene. Eine weitere Aufgabe für mich, ist es, sogenannte suicidgefährdete Gefangene, in regelmäßigen Zeitabständen zu beobachten, damti nichts passiert und diese Beobachtungen werden in einem Buch vermerkt, wie eigentlich jeder Schritt und jedes Verhalten von den Gefangenen. In den täglichen 8 Stunden Arbeitszeit kommt immer irgendetwas dazwischen, sei es ein neuer Zugang, eine Entlassung, oder Ausnahmefälle, wie Schlägereien oder Suicidversuche. Man ist eigentlich ständig unter Druck und angespannt, weil in meinem Beruf die kleinen "Zwischenarbeiten" in der Regel nicht angenehm sind, viel Arbeit verursachen und einen langen Papierkrieg nach sich ziehen. Noch zu erwähnen ist natürlich die psychische Belastung, denn bevor ich dort anfind zu arbeiten, habe ich nie eine Schlägerei oder einen erhängten Menschen gesehen, dass muss man erstmal verdauen.
~~~~Wie sehen meine Kinder den Beruf?~~~~
Mein Sohn ist noch zu klein um zu versehen, was seine Mutter da macht. Meine Tochter allerdings versteht es und findet meinen Beruf "cool". Allerdings hat sie wenig Verständnis für die übervorsichtige Mutter, die aufgrund ihrer Erfahrung mit "bösen" Männern, noch mehr auf ihre Kinder aufpasst.
~~~~Was hat der Beruf an mir verändert?~~~~
Sehr viel. Früher bin ich eher unbeschwert durchs Leben gelaufen, während ich heute mit Argusaugen auf jeden und alles schaue. Selbst beim Einkaufen habe ich immer einen Blick auf die Leute gerichtet, und bin misstrauisch, ob da nicht gerade irgendetwas kriminelles passiert. Da ich in meinem Beruf viele Anklageschriften lesen muss, sehe ich natürlich, wo und wann viele Delikte passieren, und das hat man immer im Hinterkopf. Durch meinen Beruf bin ich aber auch offener für Probleme geworden, da mir täglich gezeigt wird, wohin ungelöste Probleme hinführen können. Auch wenn ich mit Schwerstkriminellen arbeite, verurteile ich niemanden, kann ich auch gar nicht, da es sich hier um Untersuchungsgefange handelt, die weder verurteilt noch freisgesprochen wurden. Man überlegt natürlich schon mal:"Hat er es getan, oder nicht?" und bei einigen Gefangenen, die freigesprochen werden mangels Beweisen, hat man ein schlechtes Gefühl, und fragt sich, ob da nicht jetzt ein gefährlicher Mensch in der Gegend herum läuft. Oft fühlt man sich auch hilflos, dass besonders bei Widerholungstätern, die ich wohl bis zu meiner Rente begleiten werden. Man fragt sich ständig, wie man ihn eines Besseren belehren kann, aber z. Bsp. gerade bei Drogenabhängigen ist das sehr schwierig, da sie erstmal ihre Sucht in den Griff bekommen müssen, ehe sie dann straffrei leben können.
~~~~Mein Fazit:~~~~
Es ist nicht wie in der Serie "Hinter Gittern" und auch nicht so gewalttätig, wie offtmals angenommen. In 11 Jahren Dienst bin ich zumindest noch nie angegriffen worden, laut allerdings wurde es öfters. Als Frau im Männervollzug hat man es aber auch einfacher, da die Gefangenen einen nicht als Gegner ansehen, desweiteren sind die meisten auch selber verheiratet und haben Frau und Kind. Für diesen Beruf braucht man starke Nerven und gute Beinmuskeln, da man den ganzen Tag unterwegs ist. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass dieser Beruf mit sehr viel Elend, Bösartigkeit und Ekel verbunden ist, und ich habe viele Kollegen erlebt, die alles hingeschmissen haben, weil sie mit all dem nicht klar gekommen sind. Einer muss den Job ja machen , auch wenn es wohl wesentlich Bessere gibt, aber ich werde ihn bis zu meiner Rente ausüben und noch viel schlechte Menschen, aber auch zu Unrecht inhaftierte Menschen kennenlernen. Vielleicht sage ich auch in 10 Jahren, dass es nun reicht, abwarten. Das ich arbeitslos werde ist eher unwahrscheinlich und einen sichereren Arbeitsplatz gibt es wohl nicht, aber wie gesagt, die psychische Belastung ist sehr groß.
32 Bewertungen, 15 Kommentare
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26.10.2006, 23:09 Uhr von campimo
Bewertung: sehr hilfreich~*~ SH & LG ~*~
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24.10.2006, 18:23 Uhr von AnjaS911
Bewertung: sehr hilfreichSehr interessanter und gelungener Bericht...
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19.10.2006, 12:28 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruß :-)) Marianne
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19.10.2006, 01:25 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichlg Anett
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18.10.2006, 23:24 Uhr von ChevalWomen
Bewertung: sehr hilfreichOhje, das würde ich nicht aushalten. Respekt! LG
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18.10.2006, 23:17 Uhr von tanja2003
Bewertung: sehr hilfreich~~~ sh ~~~
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18.10.2006, 21:24 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichGruss aus Sizilien - bernie
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18.10.2006, 20:53 Uhr von swissflyer
Bewertung: sehr hilfreich*** SH ***
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18.10.2006, 20:27 Uhr von Woelfchen4
Bewertung: sehr hilfreichEin wirklich informativer Bericht! Grüße vom Woelfchen
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18.10.2006, 17:11 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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18.10.2006, 16:38 Uhr von willibald-1
Bewertung: sehr hilfreichAls Beamtin hast Du doch sowieso einen Arbeitsplatz sicher, oder? ;-) Nee, interessanter Bericht, weil man sich als "Aussenstehender" über vieles von dem, was Du ansprichst, keine Gedankten macht.
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18.10.2006, 15:32 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichFrauen beim Männervollzug kenn' ich aber.
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18.10.2006, 15:31 Uhr von darras76
Bewertung: sehr hilfreichUnd ich dachte schon, mein Job bei der Jugendfürsorge sei nervenaufreibend!
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18.10.2006, 15:29 Uhr von mural9
Bewertung: sehr hilfreichSH & LG Inna
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18.10.2006, 15:27 Uhr von phobee
Bewertung: sehr hilfreichIch glaube, mir würde es da sehr schwerfallen, gerecht zu bleiben, und alle gleich zu behandeln. Auf jeden Fall ein sehr guter und interessanter Bericht! LG, Pia
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