Erfahrungsbericht von seehuhn
Ich bin bald ein Debekaner
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
heute geht es mir richtig gut. Ich habe heute erfahren, dass ich ab dem 01.04.2002 eine neue Stelle antreten kann.
In diesem Bericht möchte ich euch erzählen, wie es dazu kam.
Januar 2002
°°°°°°°°°°°°°
Meine Ausbildung zur Versicherungskauffrau sollte bald enden und ich hielt die Einladung zur mündlichen Prüfung in Händen. Nun sollte langsam mal der Arbeitsvertrag mit meiner Ausbildungsfirma geschrieben werden. Schon von Anfang an war klar, dass ich übernommen werden sollte. Meine Prüfung war gut und deshalb stand einer Übernahme eigentlich nichts mehr im Wege.
Also setzte ich mich mit meinem Chef zusammen um über die Einzelheiten des Vertrages zu sprechen.
Eigentlich war alles klar, bis auf die Gehaltsfrage. Laut Tarif bekommt eine ausgelernte Versicherungskauffrau nach der Lehre ein Bruttogehalt von ca. 1900 Euro.
Da es nur ein kleiner Laden war, sagte ich zu meinem Chef, dass ich mit einem Gehalt von 1500 Euro einverstanden wäre. Er meinte dann, dass er es sich überlegen muss, da die Firma momentan finanziell nicht gerade gut da steht.
Ok, also erst einmal abwarten.
Am nächsten Tag hatten wir dann Besprechung und was ich da hörte machte mich im ersten Moment sprachlos. „Die Auszubildenden erhalten nach der Lehre ein Gehalt von 1000 Euro“.
Ich saß da, wie bestellt und nicht abgeholt. Das konnte doch wohl nicht sein Ernst sein.
Als ich mich dann wieder gefangen hatte, ging ich zu meinem Ausbilder und sagte ihm, dass ich damit keinesfalls einverstanden bin, schließlich bekommt unsere Halbtagskraft, wohlgemerkt ungelernt, schon das gleiche Geld.
Von nun an gab es täglich Gespräche, von wegen ich könnte ja im Außendienst so viel dazuverdienen. Für mich war aber schon zu Beginn der Lehre klar, dass ich nur in den Innendienst möchte. Verkaufen ist einfach nicht so mein Fall. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn ich die fachliche Kompetenz besitze um die Kunden auch optimal zu beraten, aber momentan auf keinen Fall.
Mir wurden immer wieder die gleichen Argumente um die Ohren gehauen. Doch ich wurde nicht weich. Ich wollte das nicht.
Nachdem ich das noch einmal meinem Chef ausdrücklich gesagt habe, meinte er, dass er mir dann ein gutes Zeugnis schreibt und ich mir eine andere Stelle suchen müsse. Außerdem meinte er, dass ich so etwas was ich wollte eh nicht bekomme und es noch einmal bereuen werde, das Angebot nicht angenommen zu haben.
Ende Januar
°°°°°°°°°°°°
Nach dem ganzen Stress, hatte ich kaum noch Lust auf meine Prüfung zu lernen und ging da eigentlich recht unvorbereitet rein. Meine einzige Angst war nur, durchzufallen und dann noch weitere sechs Monate bei meinem alten Chef zu sein.
Doch ich schaffte die Prüfung, noch dazu mit 95 Punkten, was der Note 1,3 entspricht. Ich war tierisch stolz und musste das natürlich gleich meinem Chef unter die Nase reiben, dass er sich weiter ärgern kann. Tat er auch *g*.
Der andere Auszubildende, der seine Ausbildung im Außendienst gemacht hatte und für den die mündliche Prüfung eigentlich ein Klacks sein sollte, bestand diese nur mit 3. Noch ein Grund für ihn, sich zu ärgern.
Februar
°°°°°°°°
Den Februar war ich arbeitslos. Ich schlug mit verschiedenen Anträgen die Zeit tot. Bis ich dann endlich Arbeitslosengeld bekam. Die genaue Geschichte könnt ihr bei Interesse dem Bericht über das Arbeitsamt entnehmen.
Vom Arbeitsamt bekam ich dann einen Vorschlag, dass ich mich bei der Debeka in Dillingen bewerben sollte.
Ok, Telefon zur Hand und angerufen. Gleich für die nächste Woche einen Bewerbungstermin vereinbart.
Der Tag vor dem Vorstellungstermin war der Horror. Ich war total nervös und konnte an nichts anderes mehr denken.
Dennoch ging ich geistig das Gespräch mehrmals durch und überlegte mir fragen, die ich stellen konnte. Dann suchte ich noch etwas Schickes zum anziehen raus und ging früh ins Bett.
Morgens stand ich auf wie eine eins. Mein Puls hätte wahrscheinlich sogar die Nachbarn geweckt. Also Haare waschen und schön machen.
Dann habe ich mir die bereit gelegten Sachen angezogen und festgestellt, dass ich mich überhaupt nicht wohl fühle. Also raus aus den Sachen, bequemere Sachen (auch wenn nicht ganz so chic) angezogen.
Viel zu früh war ich dort, aber egal. Im Auto warten hatte ich keine fünf Minuten ausgehalten. Also bin ich rein gegangen.
Das Bewerbungsgespräch wurde von einem Herr und einer Dame geführt. Beide sehr nett. So erzählte ich einfach und blieb ganz ich selber. Vom verstellen hat keiner was. Nach einer halben Stunde war alles erledigt und man sicherte mir zu sich in der nächsten Woche zu melden.
Die Tage waren lang in dieser Woche. Immer wenn das Telefon klingelte verschnellerte sich mein Puls. Donnerstag kam dann der Anruf. Sie hatten noch ein paar Bewerber es würde noch bis Ende nächster Woche dauern.
März
°°°°°
Ich wartete. Ende der nächsten Woche war erreicht und kein Anruf. Mein Freund meinte schon, das kannst du vergessen. Aber es war kein großer Umschlag in der Post, was schon einmal gut ist.
Montagmittag kam dann endlich der Anruf. Sie wollten mich noch einmal sehen.
Hmm. Noch einmal sehen. Warum? Wollen sie die Portokosten sparen und mir meine Bewerbung wieder mitgeben? Zu diesem Zeitpunkt war mir eigentlich schon fast klar, dass ich die Stelle in der Tasche habe.
Heute 14.03.2002
°°°°°°°°°°°°°°°°°
Heute konnten sie mich noch einmal sehen und sie wollten mich nun öfter sehen. Genau genommen täglich. Ich habe den Job und mir fällt ein riesengroßer Stein vom Herzen.
Fazit
°°°°°
Ich bekomme nun mein tarifliches Gehalt von knapp 1900 Euro. Noch dazu 14 Monatsgehälter.
Ich habe meine Entscheidung, von meinem Ausbildungsbetrieb wegzugehen nie bereut. Meinem alten Chef passt das natürlich überhaupt nicht, umso schöner finde ich das.
Heute Abend wird noch kräftig gefeiert. Zum Schluss möchte ich noch ein paar Tipps aufschreiben, die bei der Bewerbung und beim Vorstellen wichtig sind. Die meisten kennt ihr bestimmt schon, aber es ist nie falsch sie sich noch einmal vor Augen zu führen.
Bewerbung
°°°°°°°°°°°
- Die Bewerbungsunterlagen sollten in einer Hülle sein. Die Hülle sollte nicht irgendwie beschädigt sein. Am besten eignen sich Klemmmappen. Bei der Farbwahl sollte man vorsichtig sein und nicht zu knallige Farben nehmen. Ich habe mich für durchsichtige Mappen mit einer bunten Klammer entschieden. Es werden auch Mappen angeboten, die sehr teuer sind und wirklich sehr gut aussehen. Solche sollte man allerdings nur nehmen, wenn man sich um eine höhere Stelle bewirbt. Ansonsten macht es denn Eindruck, dass man sich selbst zu wichtig nimmt.
- Zu einer Bewerbung gehört ein Deckblatt. Dies bildet die erste Seite der Bewerbung. Oben steht Bewerbung als … und dann kommt drunter das Foto. Unten hin gehört dann noch die vollständige Anschrift mit Telefonnummer.
- Die Telefonnummer muss auf alle Fälle vorhanden sein. Ein Betrieb ruft nicht erst die Auskunft an, wenn er euch erreichen will.
- Das Passbild sollte auf keine Fall aus einem Automaten sein, sondern von einem Fotografen.
- Der Brief sollte nicht mit Einschreiben geschickt werden. Auch hier sieht es sonst so aus, als ob man sich selbst zu wichtig nimmt. Am besten ist es natürlich wenn man ihn selber vorbeibringt. Wobei ich denke, dass man das nur bei kleinen Betrieben machen sollte. In einem großen Betrieb, wenn sich da 200 Leute bewerben, hätten die sehr viel zu tun.
- Schaut dass eure Unterlagen vollständig sind. Auch schlechte Zeugnisse sind besser als keine und sollten auf alle Fälle beigelegt werden. Gleich bei den ersten Sortierungen fallen Bewerbungen raus, welche nicht vollständig sind.
- Das neueste Zeugnis sollte oben liegen und dann zeitlich nach unten gehen.
Vorstellungsgespräch
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
- zieht Sachen an, in denen ihr euch wohl fühlt und die dem Beruf entsprechen. Wenn ihr in einer Bank arbeiten wollt, geht bitte nicht im Schlabberpulli. Solltet ihr auf dem Bau arbeiten wollen, wäre ein Anzug etwas zu viel des guten.
- Informiert euch vorher über den Betrieb.
- Überlegt euch Fragen die ihr dem Personalchef stellen könnt. Das zeigt Interesse und ist sehr gut.
- Verstellt euch nicht und macht falsche Angaben. Das bringt weder euch was noch dem Betrieb. Ich hab bei meinem Vorstellungsgespräch auch gesagt, dass ich keine Ahnung von Krankenversicherungen habe und bin nun bei der größten Deutschen angestellt.
- Sagt wenn ihr was nicht könnt, was aber Bedingung ist, dass ihr es lernen könnt.
So, ich hoffe ich konnte euch ein wenig helfen.
21 Bewertungen, 4 Kommentare
-
13.01.2003, 11:07 Uhr von willibald-1
Bewertung: sehr hilfreichIm Ausbildungsbetrieb weitermachen ist sowieso oft nicht so gut, es sei denn, er ist groß genug, daß einen nicht schon jeder als Lehrling kannte.
-
12.01.2003, 18:12 Uhr von ET2000
Bewertung: sehr hilfreichAlle Achtung, dass Du standhaft geblieben bist und nicht in den Verkauf gewechselt hast. Viele überschätzen sich oder lassen sich belabern. Oder unterschätzen den Stress.
-
15.03.2002, 17:21 Uhr von Mesalina
Bewertung: sehr hilfreichNa dann, viel Spaß bei deiner neuen Arbeit - und danke für die Tipps zur Bewerbung! CU Mesalina
-
14.03.2002, 16:58 Uhr von Gluehsternchen
Bewertung: sehr hilfreichGlückwunsch!!!! Ich hab ab 8.4. auch meine traumstelle...ist zwar "nur" Anerkennungsjahr und gibt auch nur knapp 1333 € brutto (immerhin hab ich Diplom!) *lach*, aber davon läßt sich doch schon mal leben! Freu mich f&uum
Bewerten / Kommentar schreiben