Avocado Testbericht

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Erfahrungsbericht von LeaofRafiki

Zum Wegschmeißen zu schade

Pro:

wunderschönes dunkelgrünes Blattwerk, einfach zu pflegen

Kontra:

braucht Geduld bis zur Keimung, wird leicht spillerig

Empfehlung:

Ja

Zum Wegschmeißen zu schade sind die Kerne der Avocado, die sich in dieser leckeren Ölfrucht verborgen halten, lassen sich doch mit viel Geduld daraus wunderschöne Pflanzen ziehen. Ich habe mittlerweile 4 Avocadobäumchen in meiner Wohnung stehen, von denen das älteste nun gut 6 Jahre alt sein dürfte.


Die AVOCADO persea americana
gehört zur Familie der Lorbeergewächse (Lauracae) und kann in ihrer Heimat, dem feuchtwarmen tropischen Regenwald Zentralmerikas bis zu 20 m hoch werden.
Meine Bäumchen haben diese Höhe natürlich nicht erreicht, die größeren sind ca. 1,40 m hoch, der jüngste knapp 50 cm. Der größte Avocadobaum, den ich bislang in Zimmerzucht gesehen habe, stand im Aufenthaltsraum eines Tagungshauses und war gut 6 m hoch!

Seine Blätter sind dunkelgrün, oval, dabei spitzzulaufend und glänzen leicht.
Der Stamm verholzt mit der Zeit und wenn man beizeiten die Spitzen kappt, kann es einem gelingen, daß die Avocado schön buschig wächst. Von der Tendenz her entwickelt sich diese Pflanze aber meist in die Höhe.

Der Boden sollte gut durchlässig sein (leicht sandig), wenn die Pflanzen älter sind, kann der Lehmanteil zur Wasserspeicherung erhöht werden. Er darf nicht zu feucht sein und die Wurzeln niemals im Wasser stehen.
Je heller die Pflanze steht, desto besser. Jungpflanzen und Keimlinge sollte man besser nicht der prallen Mittagssonne aussetzen, jedoch brauchen ältere Pflanzen die pralle Sonne, damit sie gut wachsen.
Dementsprechend sind auch die Temperaturansprüche der Avocado. Je wärmer desto besser..., wie es sich für eine Tropenpflanze gehört. Ab dem zweiten Jahr kann man die Pflanzen im Sommer auch auf die Terrasse stellen, sowieso gedeihen sie draußen besser als drinnen, solange sie windgeschützt stehen.
Zum Herbst hin sollte man sie wieder reinnehmen und bei mindestens 5 ° C überwintern.
Meine älteren stehen nun schon das zweite Jahr in Folge nur drinnen, da sie doch recht groß und hoch geworden sind, so daß zum einen das Umstellen immer schwieriger wird, zum anderen sie bei norddeutschen „steifen Brisen\" schnell umkippen. Dies haben sie bislang auch recht gut vertragen.
Mit Blüten- oder Fruchtansatz darf man hier allerdings nicht rechnen, auch in freier Natur zeigt sich dieser erst ab dem zehnten Jahr.

Wie zieht man nun aus einem Avocadokern seine eigene Pflanze?
Zuallererst braucht man eine reife (!) Avocado!
Reif ist sie dann, wenn das Fruchtfleisch die Konsistenz von Butter hat. Grünschalige Avocados sind dann schon leicht unansehnlich mit ihren braunen Flecken, dunkle, fast schwarze Avocados, die mit der harten, „pickligen\" Schale, verändern diese nicht. Man kann die Reife aber auch mit Fingerdruck auf die Frucht prüfen. Gibt diese fast matschig nach, ist sie richtig - zum Pflanzen!, nicht mehr zum essen...
Im zweiten Schritt wird der Kern, nachdem man die Avocado vorsichtig aufgeschnitten hat, ohne ihn zu verletzen, unter lauwarmem Wasser sorgfältig gereinigt. Durch den hohen Fettanteil ist er glitschig wie ein Stück Seife, aber das muß sein, da es sonst durch Reste von Fruchtfleisch zu Schimmelbildung kommen kann.

Für den folgenden Schritt gibt es mehrere Möglichkeiten.

Die Topfmethode:
Man kann ihn, dickes Ende nach unten, Spitze nach oben zu einem Drittel in Substrat setzen, das ständig feucht gehalten werden muß. Erde ist recht ungeeignet, da sie schnell schimmelig wird, besser ist Sand oder Semiramis (oder ein anderes Tongranulat). Allerdings ist es mir auf diese Weise noch nie gelungen, einen Kern zum Keimen zu bringen.

Die Glasmethode:
Ich bevorzuge es, ihn wie eine Hyazinthenzwiebel in ein Glas zu setzen.
Wieder gilt, dickes Ende nach unten, Spitze nach oben. In das untere Drittel des Kerns werden drei Streichhözer (oder Stecknadeln) gespießt. Keine Bange, die kleinen Verletzungen verkraftet der Kern recht gut! An dieser „Aufhängevorrichtung\" wird der Kern nun in ein passendes Glas Wasser gehängt, so daß das untere Drittel ständig im Wasser hängt.
Nun heißt es warten!
Frühestens nach 6 Wochen, bei Temperaturen unter 20 ° C kann es aber auch Monate dauern!, dauert es, bis die Spitze aufbricht und ein kleiner, grüner Keim sichtbar wird. In der Folgezeit bilden sich Wurzeln, die im Wasser hängen.
Wenn diese genügend ausgebildet sind bzw. sich das erste Blatt paar entfaltet hat, kann der Kern aus seinem Wasserbad raus und eingepflanzt werden.

Hier ist lockeres, nährstoffarmes Material am besten geeignet, da der Keimling durch die anhaftenden Kernhälften genug mit Nährstoffen versorgt wird. Ich nehme Gartenerde mit zwei Teilen Sand gemischt, aber es geht auch Cocos-Substrat.

Was ich noch nicht ausprobiert habe, ist die Freilandkultur...
Hierbei soll der gekeimte, pflanzfertige Avocadokern einfach unter einen schattigen Busch zu 1/3 in die Erde gelegt werden... Sobald er das erste Blattpaar entwickelt hat, ist er reif zum ausbuddeln und Umtopfen. Dabei sollte man die Wurzeln nicht beschädigen, weshalb ich die Wasserglasmethode vorziehe.

Weitere Aufzucht:
Sobald sich ein Trieb mit 4 Blättern entwickelt hat, sollte man die Triebspitze abzwicken, damit die Pflanze schön buschig wächst. Ich trau mich meist nicht (oder vergesse es), so daß meine Pflanzen eher spillerig und in die Höhe wachsen...
Bei Pflanzen, die in der Sonne draußen stehen, erübrigt sich diese Erziehung, da die Sonneneinstrahlung dem Längenwachstum entgegenwirkt.
Bei älteren Pflanzen, an denen sich doch ein langer, kahler Trieb gebildet hat, kann man diesen abschneiden. Meist schlägt die Avocado dann an tieferer Stelle wieder neu aus.
In all den Jahren, die ich nun Avocados kultiviere, ist es mir erst zwei mal passiert, daß eine Pflanze diesen Rückschnitt nicht verkraftet hat.

Pflege:
Ab und an kann man die Pflanze mit kalkarmem Wasser einsprühen - aber nie, während sie in der prallen Sonne steht!
Regelmäßig Gießen, eher wenig als zuviel, die Pflanze zeigt sehr deutlich mit hängenden Blättern, wann sie wieder Wasser braucht. Sie erholt sich aber auch sehr schnell wieder.
Meine müssen manchmal lange Trockenperioden überstehen, dann werfen sie zwar Blätter ab, schlagen aber zuverlässig wieder neu aus.
Gedüngt wird wenn dann mäßig und auch erst, wenn die Pflanzen ca. ½ Jahr alt sind.
Faustregel ist, nur 1/4 der auf dem Dünger empfohlenen Menge zu verwenden.
Meine bekommen im Frühjahr ihre Düngstäbchen in die Erde gesteckt, mehr nicht.
Im Winter bekommen sie überhaupt keinen Dünger, aber wegen der Ofenwärme bei mir weiterhin reichlich Wasser.

Ein Problem ist das Verhältnis Pflanzenhöhe zu Topfdurchmesser...
Umtopfen soll man eineAvocado erst dann, wenn der Topf voll durchwurzelt ist. Bis es soweit ist, hat sie aber meist eine stattliche Höhe erreicht, mehr oder weniger belaubt...., und ist entsprechend kippelig. Hier braucht sie dann einen Stützstab und evtl. Steine, die den Topf beschweren. Erst recht, wenn es neugierige (junge) Katzen im Haus gibt, die partout versuchen wollen, dort hineinzuklettern...

Nichtsdestotrotz liebe ich diese Pflanzen, zumal sie, mit Geduld, recht gut selber zu ziehen sind, und insgesamt sehr pflegeleicht sind. Sie verzeihen Dürreperioden und sind dankbare Zimmergenossen. Mit ihrem dunkelgrünen Blattewerk sind sie auch sehr attraktiv - und vor allem, sie sind billig!
Ich schätze, daß ich in den vergangenen zwanzig Jahren so an die zwanzig, dreissig Avocados aufgezogen - und größtenteils verschenkt hab.

Eine ausführliche Beschreibung und Pflanzanleitung mit Bildern, wie die Pflanze in ihrer Heimat/Freilandkultur aussehen kann, der ich auch einige Inforamtionen entnehmen konnte, die ich noch nicht hatte, steht unter
http://www.pflanzen.onlinehome.de/exot/avocado.htm


© LeaofRafiki 04.08.2003 / 13.11.2003

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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener auf irgendwelchen anderen Plattformen, aber dafür vielleicht auf meiner Homepage www.leaofrafiki.de *grins*

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