BMW K 1200 RS Testbericht

Bmw-k-1200-rs
Abbildung beispielhaft
ab 179,38
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  gut
  • Gewicht:  sehr schwer

Erfahrungsbericht von Overknees

Der fliegende Teppich

5
  • Fahreigenschaften:  gut
  • Gewicht:  sehr schwer

Pro:

+ druckvoller Motor + beste Ergonomie + sehr handlich + perfekt verarbeitet

Kontra:

- hohes Gewicht - teure Anschaffung

Empfehlung:

Ja

Hallo liebe Yopi-Leser und Fremdlinge, auf vier Rädern haben meine Berichte Euch schon öfter entführt, heute stelle ich Euch mal mein Moped vor, daß in Kürze ersetzt wird.

Das Objekt dieses Berichts, die BMW K 1200 RS, besitze ich jetzt seit fast acht Jahren, genauer gesagt ist es schon meine zweite, über die ich jetzt schreibe.

Wie bei meinen Autoberichten auch, gibt es zunächst für Schnellklicker und gestreßte Menschen eine Kurzbewertung:
  • Funktionalität
    + für zwei Personen uneingeschränkt tourentauglich
    + sehr einfache und logische Bedienung
    + beste Verarbeitungsqualität
    + mit den Koffersets viel Raum für Gepäck

  • Fahrkomfort:
    + guter Federungskomfort
    + sehr kultivierter Motor
    + entspannte Sitzposition

  • Antrieb:
    + extrem souveräner Motor
    + nicht leichtgängig, aber sauber schaltbares Getriebe
    + wartungsfreier Kardan ohne Mucken

  • Fahreigenschaften:
    + für die Gewichtsklasse überraschend handlich
    + idiotensichere Integralbremse mit ABS
    + wenig Aufstellneigung bei Kurvenbremsung
    - nicht wirklich sportlich

  • Sicherheit:
    + für ein Motorrad extrem gute Sicherheitsausstattung
    + fadingfreie Bremse, ABS gewöhnungsbedürftig
    + bestmögliche Schalter und Bedienung inkl. Warnblinklicht

  • Umwelt:
    + sehr ziviler Verbrauch
    + 3-Wege-Katalysator lange vor gesetzlicher Pflicht an Bord
    + im Vergleich leise

  • Kosten:
    - extrem hoher Anschaffungspreis
    - teure Extras
    + moderater Verbrauch
    + sehr geringer Wertverlust

Meine Moped-Historie

Schon als Kind faszinierte mich alles, was nur einen Motor hatte.

Als Teeny schlug dann diese Faszination in eine Art Sucht um, das wilde Treiben gipfelte in diversen Touren ohne Führerschein, sei es mit Moped (Suzi GSX 750) oder Auto (Opel Kadett C Coupé), schon mit 14 mußte man alle Arten motorisierter Gefährte meinem Zugriff entziehen.
Mofas fand ich unspannend, also gab es mit 16 den ersten Führerschein und als fahrbaren Untersatz eine 80er, von Yamaha.
Wirklich glücklich war ich damit nicht, es fehlte trotz Bastelei am Motor (mit Riesenärger danach) einfach am nötigen Vorwärtsdrang des Geräts.
Die Erlösung kam dann mit meinem 18. Geburtstag, da war dann aber zunächst nur Geld für das Auto da.
Aber die Moped-Sucht saß tief, immer mal wieder konnte ich meine Ma überreden, bei der Kawasaki-Vermietung im Nachbarörtchen ein Moped für ein Weekend zu mieten. (natürlich für sie, nicht für mich... ähm... doch, doch, sie ist immer auch mal ein Stückchen damit gefahren).
Das Jahr 1988 brachte mich dann zu Firma Krieg und Frieden, plötzlich hatte ich Geld in der Tasche.
An einem der ersten Frühlingswochenenden mietete ich dann eine brandneue Kawasaki GPZ 600 R, offen, mit 75 PS.
Vorher bin ich zwar schon stärkere Bikes gefahren, aber die Kombination von geringem Gewicht und Feuer im Motor sorgte dann dafür, das gleich am Montag eben dieses Bike den Besitzer wechselte.
Die GPZ blieb auch nicht im Serientrimm, vom dicken Hinterreifen bis zum dezenten Motortuning, einer anderen Scheibe vorn, es wurde einiges gemacht.
Dann reichte mir aber die Leistung nicht mehr aus, es mußte etwas stärkeres her.
Ergebnis war der Kauf einer Kawasaki ZX 10, mit deutlich über 130 PS damals schon ein echter Hammer. Aber: das Teil war einfach zu schwer, wirklich schnell war man nur geradeaus, wenig sinnvoll für ein Moped.
Doch die Erlösung nahte, als die ZZR 1100 vorgestellt wurde, die jetzt weniger Tourensportler denn Supersportler war.
Sehen, probefahren, kaufen, das ging zügigst vonstatten.
Und wieder begann die akribische Verbesserung des Geräts, kaum ein Teil blieb serienmäßig, viele Runden auf der Nordschleife halfen dabei, das Gerät zu optimieren.

Mit dem plötzlichen Ende meiner Bundeswehr Karriere und dem Beginn meiner Selbstständigkeit gab es dann plötzlich einfach keine Zeit mehr für das Moped.
Nachdem die ZZR also zwei Jahre lang verstaubt war, habe ich sie schweren Herzens verkauft.
Um wenigstens das Gefühl für Mopeds zu behalten, habe ich dann hin und wieder ein Moped gemietet für ein Wochenende. Und dann verließ der Kawa-Vermieter den Nachbarort.
So geschah es dann 1993, daß ich bei einem alten Bekannten, seines Zeichens BMW und Yamaha-Dealer, für ein Weekend ein Zweirad mieten wollte.
Es sollte eine vierzylindrige starke Yamaha sein, aber wie es der Zufall so will, hatte der Vormieter mit dem Bike getestet, ob er oder ein Auto die besseren Chancen bei einem Unfall hätten. Danach wußte er dann Bescheid.
Und ich stand da und hatte nix zum Fahren für das Weekend... bis denn Friedhelm, der freundliche Dealer, meinte, ich solle doch einfach mal ne BMW probieren.
ICH?
Auf ner Gummikuh? Im Levve nit!

Nach einigem Zureden (von meiner damaligen Freundin dazu, die schon mal den Soziaplatz getestet hatte) wurde dann für ein Wochenende eine BMW R 1100 RS gemietet.
Und aus Saulus wurde Paulus.
Unfaßbar, wie leicht das Ding zu fahren war, handlich wie ein Fahrrad, komfortabel, doch auch Qualm genug... HABEN MUSS!
So sah mich der folgende Montag dann als stolzer BMW 1100 RS Besitzer.
Diese „Gummikuh“ der neuen Generation brachte bereits alle Features mit, die BMW auch heute noch in seinen Motorrädern einsetzt.
So war vorne schon die Telelever Aufhängung mit zentralem Federbein dabei, hinten gab es die Einarm-Paralever Schwinge, dazu weitgehende Wartungsfreiheit und den ersten Boxer mit Vierventilkopf. Dazu erstmals ABS auf einem Moped, gegen Aufpreis sogar schon Katalysator (hatte meine nicht).
Tja... der Boxer. Nachdem die Anfangseuphorie verflogen war, fing ich langsam aber sicher an, den Zweizylinder nicht zu mögen. Das schmale nutzbare Drehzahlband ging mir besonders auf den Keks, fiel die Drehzahl unter 2.500 U/min kam nur noch Gehacke, bei etwas über 7.000 U/min war das Ende der Fahnenstange erreicht. Dazu das Geräusch... für mich, der ich den Vierzylindersound und das Fauchen der Kawas geliebt habe, war es irgendwann nicht mehr wirklich begehrenswert, die BMW zu fahren.
Doch Erlösung nahte.
Im Jahr 1996 stellt BMW eine neue Vierzylindergeneration vor, die K 1200 RS kommt auf den Markt. Und wieder schlug der Bazillus zu... HABEN MUSS!
So bekam ich dann 1997 meine erste K 1200 RS, in rot und mit 130 PS.
Die erste Serie hatte auch ein paar Mängel, die aber von BMW nach und nach alle behoben wurden.
Im Jahr 2003 bin ich dann auf die aktuelle Maschine umgestiegen, der sich der Erfahrungsbericht widmet.

Die Optik

Als die K 1200 RS 1996 vorgestellt wurde, war sie für BMW-Verhältnisse fast revolutionär modern gestylt.
Waren bei den modernen Boxern immer noch durch den Motor selbst das Design vorbestimmt, der liegende Vierzylinder ließ da mehr Freiheit.
Im Vergleich zum Vorgänger K 1100 RS wurden die Linien weicher gestaltet und die Front wurde aggressiver gestylt.
Aber schon die schiere Größe der K 1200 RS zeigt, wes Geistes Kind sie ist.
Die Betonung beim Begriff „Sporttourer“ liegt klar auf dem zweiten Wort, das macht schon das aufpreispflichtige, aber voll integrierte Haltesystem für die Koffer deutlich.
Die verschiedenen RS Jahrgänge lassen sich ansonsten in erster Linie anhand der angebotenen Farben unterscheiden, wann genau welche Farbe zum Einsatz kam, da habe ich selbst im Zwischennetz keine sicheren Infos zu gefunden.

Meine beiden K 1200 RS waren jedenfalls nicht in der Originalfarbe lackiert, beide bekamen nach Stürzen neue Farben verpaßt. Meine erste K war hinterher in einem Mercedes-Farbton lackiert (smaragdschwarz metallic), die zweite bekam eine BMW-Autofarbe, diamantschwarz-metallic.
In Kombination mit einer grauen Sitzbank empfinde ich die Farbkombination als sehr edel, ohne irgendwelches Streifenzeugs an Aufklebern ergibt sich ein ruhiges, seriöses Bild.
Modisch war die K 1200 RS nie, allerdings wirkt sie dadurch auch nie wirklich alt.

Die Verarbeitungsqualität

Der BMW-Motorrad Tradition folgend ist auch die K 1200 RS bis ins kleinste Detail solide und sorgfältig gefertigt.
Hier steht ganz klar „form-follows-function“ im Vordergrund, es gibt nirgends große Show, sondern schlicht nur bestmögliche Qualität mit echten Langzeitfähigkeiten.
Egal, welches Detail man sich rauspickt, man findet überall saubere Lösungen, auch die Lackierungen/Beschichtungen der Fahrwerksteile sind auf lange Haltbarkeit ausgelegt.
Deutlich wird das auch im Cockpit, jeder Schalter läßt sich auch nach jahrelangem Einsatz noch genauso präzise wie am ersten Tag betätigen.

Ergonomie – Sitzposition

Das BMW Cockpit ist für mich bis heute in Sachen Ergonomie und Bedienbarkeit ungeschlagen.
Die Armaturen sind eindeutig und intuitiv bedienbar, schon sehr lange folgt BMW dem Konzept, die Blinkerbetätigung links und rechts anzubringen.
Dazu kommt die Verstellmöglichkeit von Kupplungs- und Handbremshebel, für jede Handgröße wird eine passende Position geboten.
Die Instrumente halten den Standard, sind sehr gut und weitgehend spiegelfrei ablesbar, alle wichtigen Infos inklusive digitaler Ganganzeige gibt es auf einen Blick.
BMW typisch perfekt auch die Kleinigkeiten. So gibt es einen Schlüssel für alles, egal ob Zündschloß, Tank oder optionale Koffer, es gibt nie die Sucherei nach einem Schlüssel, die sonst meist üblich ist.

Nicht ganz glücklich war ich zunächst mit der Sitzposition.
Mit meinen 1.76m bin ich nicht der größte, ich saß somit immer für meinen Geschmack zu sehr vorgebeugt und mit Druck auf den Handgelenken unterhalb von 130-140 km/h.
Um nicht dauernd dazu verführt zu werden, auch bei Landstraßenfahrt immer zu schnell zu fahren, wurden die (serienmäßig schon verstellbaren) Lenkerstummel gegen Zubehörteile mit etwas größerer Kröpfung ausgetauscht.
Seitdem paßt mir die K 1200 RS ideal, auch lange Strecken lassen sich völlig entspannt zurücklegen.
Die Sitzbank ist serienmäßig in der Höhe verstellbar, bei mir ist die niedrige Position zur Dauerstellung geworden.
Auch der Soziusplatz ist vollwertig, egal ob Beinhaltung, Sitzfläche oder Halt, niemand sitzt hinten auf einem Armesünderplatz.
Selbst eine langbeinige Ex von mir hat sich hinten auch bei längeren Ausfahrten wohlgefühlt.
Die Fußrasten für den Fahrer sind dazu auch noch einstellbar, der durchschnittlich gebaute Mensch sollte sich eine ideale Sitzposition schaffen können.

Die Technik

Der Motor

Die K-Modelle von BMW haben seit jeher einen längsliegenden Reihenmotor. Vorteil dieser Bauart ist der extrem tief liegende Schwerpunkt des Bauteils mit der größten Masse am Bike.

Mit drei Zylindern bei der lange verflossenen K75 Baureihe gab es einen „Exoten“, alle anderen Hubraumvarianten waren und sind Vierzylinder.
In der hier vorgestellten K 1200 RS hat der Motor 1.171 ccm und ist deutlich langhubig ausgelegt.
Die zwei angebotenen Varianten mit 98 und 130 PS sind in erster Linie eine Frage der persönlichen Vorliebe.
Der 98 PS Motor ist im Bereich bis 6.000 U/min ungefähr zehn Prozent stärker, über 6.000 U/min hinaus gewinnt die 130 PS Variante.
Mit 98 PS steht das Drehmomentmaximum von 118 Nm bereits bei 5.500 U/min an, die 130 PS Version braucht für nominell 117 Nm dafür 6.750 U/min.
In diversen Tests in Motorradzeitschriften wurde auch schon festgestellt, daß der nominell 98 PS starke Motor real eher um die 110 PS abgibt, sehr groß ist der Unterschied also nicht.

Der Triebstrang

Von Anfang an hatte die K 1200 RS eine Sechsgang-Schaltbox serienmäßig.
Bei den ersten Exemplaren noch etwas knochig, verbesserte sich die Schaltbarkeit von Modelljahr zu Modelljahr.
Traditionell bei BMW erfolgt die Kraftübertragung nach hinten per Kardanwelle, mittels Drehmomentausgleich soll dabei Aufstellen vermieden werden.

Das Fahrwerk

Vorne gibt es eine „Telelever“ genannte Aufhängungskonstruktion, keine konventionelle Federgabel.
Vorteil dieser Konstruktion ist die viel geringere Masse der ungefederten Teile, somit kann die Federung viel feinfühliger ansprechen und größere Wege bieten, als dies mit einer konventionellen Federgabel je möglich wäre.
Hinten findet sich die „Paralever“ genannte Einarmschwinge, die BMW ursprünglich mal für Enduros entwickelt hatte.
Durch die Konstruktion mit Einarmschwinge und Kardan wird ein Radwechsel zum Kinderspiel, auch die Pflege wird stark erleichtert.
Die Hinterhand ist dazu komplett einstellbar, ob Federvorspannung oder Zugstufendämpfung, man kann die K 1200 RS an die Beladung oder das Streckenprofil bestens anpassen.
Die neueren Modelljahrgänge haben im Übrigen hinten serienmäßig einen 180er Reifen verbaut, zu Anfang gab es so was nur gegen Aufpreis.

Fahren wir!

Mit dem einfachen Aufsteigen ist es nicht getan, zunächst mal justieren wir die K 1200 mal passend auf unsere Statur.
Nach spätestens fünf Minuten ist alles perfekt justiert, die Zündung wird auf „on“ gedreht und der Starterknopf gedrückt.
Leise vibrierend und ohne jeden Krawall fällt der abgasgereinigte Vierzylinder in seinen stabilen Leerlauf, auch kalt nimmt er ohne jede Mucke Gas an.
Also wird der letzte Knopf der Kombi geschlossen (nebenbei, Biker, die mit Jeans oder gar mit kurzen Hosen unterwegs sind, die halte ich für mehr als lebensmüde), das Visier geschlossen, gleich geht es los.
Der erste Gang mag einen entschlossenen Tritt, Klack, drin.
Die Kupplung läßt sich gut dosieren, ist aber nicht extrem leichtgängig, trotz Hydraulikunterstützung.
Ganz langsam gefahren wirkt die K 1200 RS zuerst leicht kippelig, das gibt sich aber, sobald man die ersten Meter gerollt ist.
Dieses Kippelgefühl ist übrigens auch stark reifenabhängig, die von mir bevorzugten Michelin machen da jedenfalls weniger Theater als die auch gefahrenen Bridgestone und Dunlop.
Dazu folge ich noch einer Empfehlung eines „alten Hasen“ aus der Redaktion der Zeitschrift Motorrad und fahre vorne 2.9 bar statt der vorgeschriebenen 2.4 bar Luftdruck. Funktioniert bestens, danke Michi!
Auf geht es in den Verkehr, das erste, was man spürt, ist der wirklich recht gnadenlose Druck aus dem Drehzahlkeller.
Schon im Stadtverkehr rolle ich im sechsten Gang, jeder Dreh am Gas wird ansatzlos, ohne Verschlucker oder Verzug, sofort in Vortrieb umgewandelt.
Genau dieses Feeling, die Gewalt aus dem tiefsten Drehzahlkeller, daß ist der Punkt, weswegen ich große Vierzylinder mag.
Egal, ob der Drehzahlmesser 1.000 oder 6.000 U/min zeigt, mit Gas gibt es auch Druck.
Noch sind wir aber in der Stadt und schwimmen brav mit im Verkehr.
Das Schild Ortsende naht, der sechste Gang bleibt drin, am Schild dreht die rechte Hand kurz bis zum Anschlag... und die Kuh fliegt.
Natürlich gibt es VIEL stärkere Bikes, aber den Druck aus dem Drehzahlkeller macht der K 1200 RS so schnell keiner nach.
So sind wir einmal zwinkern später schon bei Landstraßentempo, die Strecke zeigt im Übrigen üble Frostaufbrüche und ist stark onduliert.
Hatte ich erwähnt, daß mein Moped immer in Südfrankreich und nicht in Deutschland steht? Nein? Na gut, dann wißt Ihr es jetzt.
Auf der Landstraße zweiter oder noch mieserer Ordnung vermittelt die BMW einen Eindruck, als sei man auf einem fliegenden Teppich unterwegs.
Da, wo andere Fahrer von Supersportlern langsam machen, weil ihre Bikes nur noch bocken und aus der Spur laufen, da zieht die K 1200 RS unbeirrt ihre Bahn.
Doch es droht auch eine Gefahr, nämlich die, daß man gar nicht realisiert, wie schnell man ist.
Dazu verleitet auch das Handling, nur beim Rangieren und bei Schrittempo merkt man die fast 300 kg der Fuhre, einmal in Fahrt ist die Handlichkeit eher die eines Fahrrads.
Einzig schnelle Schräglagenwechsel sind nicht die Domäne der K 1200 RS, hier wehrt sich die hohe Masse erfolgreich gegen Grand-Prix Stil Kurvenräuberei.
Man muß also bewußt seinen Tacho im Blick haben, nur zu leicht geht man sonst enge Kehren schlicht zu schnell an, man merkt es einfach nicht, wie man schnell man wirklich unterwegs ist.
Nächste Gefahr auf grobem Geläuf ist das ABS.
So dankbar man bei Nässe ist, es an Bord zu haben, sind Bodenwellen im Spiel, kann das ABS auch für Gefahrensituationen sorgen.
Ich hatte mein Schlüsselerlebnis bereits mit der Boxer BMW R 1100 RS.
In Deutschland, nahe meines alten Heimatortes, gibt es eine Tempo 70 Zone mit einer Ampel.
Durch viele LKWs sind die letzten 15m der Fahrbahndecke immer verworfen.
Ich kam also mit etwa 85 km/h an, trockene Fahrbahn, vor mir ein PKW.
Die Ampel sprang auf gelb, bei einer 70ziger Zone langt das dicke, um noch durchzufahren.
Aber nein, mein Vordermann bremste, sehr spät und sehr stark.
Auf ebener Bahn wäre es auch für mich kein Problem gewesen... aber was macht das ABS auf den Bodenwellen?
Es reduziert den Bremsdruck, nahezu gegen Null.
Ich konnte zwar problemlos um den PKW herumkurven (sogar voll bremsend, dank ABS), aber zum Stehen kam ich erst mitten in der Kreuzung und mit schwer feuchten Händen.
Danach gab es dann an meinen BMWs immer einen nachgerüsteten Knopf, mit dem das ABS komplett ausgeschaltet werden kann.

Doch zurück nach Frankreich, ab in die Seealpen.
Hier leistet das Dickschiff wirklich erstaunliches. Natürlich ist die RS kein Gerät, einem auf der letzten Rille fahrenden Ducati Treiber zeigen zu können, wo der Hammer hängt.
Nein, die RS beherrscht was anderes.
Man kurvt wunderbar entspannt und lässig durch die Gegend, freut sich am satten Durchzug, genießt die Präzision des Fahrverhaltens.
Und ist wirklich nicht langsam unterwegs.
Naturgemäß schwieriger wird es, wenn man mit Sozia unterwegs ist.
Hier reduziert man von allein das Tempo, mit fallendem Tempo wird die RS aber unhandlicher und kippeliger.
Etwas verrückt, aber wahr: zügig gefahren (nicht hirnlos gerast) kommt man einfacher durch Spitzkehren, als wenn man sich soziatauglich brav rumtastet.
Zu zweit unterwegs verliert die RS übrigens kaum von ihrer Gutmütigkeit, auch der Komfort bleibt voll erhalten.
Das teilintegrale Bremssystem macht beim Zug am Handbremshebel auch die hintere Bremse mit dicht, reicht subjektiv die Bremswirkung nicht aus, kann man mit dem Fuß noch nachlegen. Bei den reinen Tourenmaschinen und bei den Cruisern geht BMW noch einen Schritt weiter, hier ist es egal, ob man per Fuß oder Hand bremst, das Vollintregalsystem bedient immer die Bremsen vorne wie hinten.
Wirkliche Langstrecken im Sinne von Mehrtagestouren und Strecken über mehr als 400km sehen meine Mopeds eigentlich nie, für die Tour nach oder von Deutschland wieder zurück nach Frankreich dürfen sie auf einen Anhänger.
Da ich fast nur in Frankreich fahre, sind Tempi im Bereich der Höchstgeschwindigkeit extrem selten.
Aber auch bei Spitzentempo (über 260 auf dem Tacho, mir auf einem Moped aber alles andere als erstrebenswert) wird noch ein gutes Maß an Sicherheit geboten.
Auch Seitenwind bringt die RS kaum aus der Ruhe, es gibt kein Schlingern, der Windschutz der Sportverkleidung bleibt excellent, ohne einen gleich so extrem vom Geschehen abzukoppeln, wie es beim Tourer K 1200 LT geschieht, wo man eher ein Sofa- denn Motorradfahrgefühl hat, weil die Umwelteinflüsse weitgehend ausgeschlossen sind.

Da kommen wir gleich noch mal zum Thema Wind und Wetter: mit der passenden Ausrüstung ist man auch in der kühlen Jahreszeit gut unterwegs, die (aufpreispflichtigen) Heizgriffe tun ihren Dienst sehr angenehm, die Verkleidung hält die gröbsten Unbilden des Wetters zuverlässig fern.
So kann man die K 1200 RS auch getrost als Ganzjahresmotorrad und für die wirklich langen Strecken einsetzen.
Als reiner Café-Racer ist die RS nicht so wirklich das ideale Gerät, zu groß, zu schwer und in der Stadt zu unhandlich. Jemand, der so was sucht, kaufe besser was bei den Mitbewerbern ein.

Und warum verkaufe ich das Bike?

Wie heißt es so schön, das Bessere ist des Guten Feind.

In 2004 hat BMW seinen ersten echten Supersportler, die K 1200 S, vorgestellt.
Nach den Erfahrungen mit den kleinen Macken zum Serienanlauf der K 1200 RS habe ich diesmal nicht gleich zugeschlagen, sondern bis zur nächsten Saison gewartet.

Und siehe, es war wohlgetan, von September 2004 hat BMW die K 1200 S Produktion gestoppt und nachgearbeitet.
So bekomme ich jetzt eine überarbeitete Maschine, bei der BMW die vorhandenen Macken zuverlässig abgestellt hat.
Die Neue ist jetzt wirklich als Sportmotorrad konzipiert, der neuentwickelte Motor liegt nicht mehr flach, sondern steht, aber auch stark geneigt.
Und nicht nur die jetzt 167 PS aus fast identischem Hubraum können überzeugen, nein, auch das Handling wurde verbessert, das Gewicht reduziert, die ganze Maschine ist viel fahraktiver geworden.
Die größere Leistung macht für mich dabei nicht den Reiz aus, nein, der Hauptreiz ist für mich die nochmals mehr integrierte Sitzposition und die extreme Handlichkeit.
Reagiert die K 1200 RS wie ein gutes Schulpferd auf Hilfe, kommt einem die K 1200 S schon vor, als könne sie Gedanken lesen.
So sind jetzt auch enge Spitzkehren mehr Lust denn Last, der körperliche Einsatz ist minimiert. Und bekam man mit der RS noch manchmal die Fußrasten auf den Asphalt, die S macht auch Schräglagen bis zum Knie des Fahrers ohne Mucken mit.
Also geht meine RS Zeit zu Ende, bei BMW verschwindet sie auch aus dem Angebot, die ein wenig mehr auf Tourencharakter optimierte K 1200 GT, die eine noch bessere Verkleidung als die RS mitbringt, dazu serienmäßig mit Koffern und Gepäckbrücke sowie einer elektrisch verstellbaren Windschutzscheibe ausgerüstet tritt sie die Ablöse der RS an. Zum großen Tourendampfer K 1200 LT, bei dem selbst ein Radio zur Ausstattung zählt, wird aber noch genug Abstand gewahrt.

Licht und Sicht

Alleine das Thema bei einem Moped zeugt schon davon, wie weit BMW die Perfektion treibt.
Nicht nur, daß das Abblendlicht bequem während der Fahrt in der Höhe reguliert werden kann, nein, es ist auch noch wirklich extrem gut, null streifig und sehr homogen.
Auch das Fernlicht überzeugt, dazu übersehen selbst Sehschwache kaum die Anzeige.

Dazu gibt es große, sehr gut angebrachte Rückspiegel, die einem zitterfrei den rückwärtigen Verkehr zeigen.

Anschaffung und Preis

Tja... da sind wir wieder einmal in einem Kapitel angelangt, das einem die Freude an der K 1200 RS doch schwer vergällen kann.
Ich liste einfach mal auf, was sie zuletzt gekostet hat.
  • BMW K 1200 RS Grundpreis 14.950,- Euro
  • Tempomat 300,- Euro
  • Heizgriffe 180,- Euro
  • Kofferhalter 105,- Euro
  • Blinkergläser weiß 25,- Euro
  • Sportfederbein 55,- Euro

Gesamtpreis ab Werk inkl. 16 % MwSt. 15.615,- Euro

Preise Stand April 2005

Aua. Zu D-Mark-Zeiten waren das mal rund 30.000,- Mark, für ein Motorrad.
Sieht man sich aber die Gebrauchtpreise für die K 1200 RS an, dann verliert diese Summe einen Teil ihres Schreckens, die Werterhaltung ist extrem gut.

Kosten

Hier ergibt sich wieder ein sehr viel friedlicheres Bild.

Beginnen wir mit dem Verbrauch.
Mit Tempomat auf 140 km/h auf der Autobahn gerollt, bleibt eine fünf vor dem Komma.
Auf der letzten Rille gequetscht gehen auch mal neun Liter auf 100 km durch die Einspritzdüsen.
Gemittelt über alle meine Kilometer braucht meine K 1200 6.4l/100km, mit dem 20.5 Liter Tank ergibt sich somit eine Reichweite von gut 300 km, die dank präziser Tankuhr auch wirklich ausgenutzt werden kann.
Zum Thema Steuern und Versicherung habe ich mal die Werte für Deutschland und die HUK24 rausgesucht, mein Motorrad ist in Frankreich zugelassen.
Da kostet die Haftpflicht bei 100% Beitrag (also ohne Rabatte) rund 366,- Euro im Jahr.
Die Vollkasko inkl. Teilkasko mit jeweils 300,- Euro Selbstbehalt schlägt ohne Schadenfreiheitsrabatt gleich mit rund 3.900,- Euro ins Kontor. Die allermeisten werden es wohl bei Teilkasko belassen ob dieser Konditionen.
Die Steuer sieht da mit 86 Euro jährlich schon sehr friedlich aus.
Nicht unterschätzen darf man allerdings die Folgekosten.
Bei mir hält ein Hinterreifen rund 5.000km, dann sind für einen neuen Pneu etwa 210 Euro fällig, der vordere ist meist bei etwa 8.000km am Ende angelangt (rund 130 Euro).

Die Werkstattkosten halten sich in Grenzen, selbst in Nizza habe ich nie mehr als rund 100 Euro für eine kleine und etwa 280 Euro für eine große Inspektion bezahlt.

Hat man also die Hürde des hohen Anschaffungspreises erst mal genommen, sind die Kosten im Vergleich zu anderen, ähnlich starken Zweirädern doch wieder im grünen Bereich angesiedelt.
Für meine jetzt gut zwei Jahre alte Maschine mit knapp 5.000 km auf dem Tacho wird mir der freundliche BMW Dealer, der die neue K 1200 S liefert, noch gut 12.000 Euro zahlen, der Wertverlust ist also extrem niedrig.

Fazit und Empfehlung

Guten Gewissens kann ich hier mal wieder volle fünf Sterne geben.

Wirkliche Macken hat die K 1200 RS nicht, aufgrund der langen Bauzeit ist das Moped auch wirklich sehr ausgereift.

Ich gebe sie nur mit einem weinenden Auge her, doch die K 1200 S hat mich jetzt wieder auf ein mehr dem Thema Sport verhaftetes Bike gebracht.

Dementsprechend auch meine Empfehlung:

Heizer schlagen bitte GROSSE Bögen um die K 1200 RS, trotz Druck aus dem Keller, Ihr werdet nicht glücklich werden mit ihr.

Langstreckenvernichter, denen keine Tour unter 2.000km wirklich was bedeutet: kauft doch eine K 1200 LT, das ist Eurer Traumbike.

Den anderen, dem gereiften Sportfahrer, der aber ab und zu auch mal seine bessere Hälfte mitnehmen möchte, dem Wieder-Einsteiger, all denen, denen schlicht Moped fahren ohne Macken wichtig ist... die kaufen bedenkenlos eine K 1200 RS.

Soderle. Und wie immer an dieser Stelle sind mir Kommentare, Kritik und Wünsche, was Ihr im Bericht vermißt, sehr willkommen!

MAW, 28.04.2005

47 Bewertungen, 7 Kommentare

  • Smooly

    01.04.2006, 20:59 Uhr von Smooly
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht und passt zu meinen Erfahrungen mit der K1200 GT <br/> <br/>Gruß Smooly

  • kengi

    16.05.2005, 15:01 Uhr von kengi
    Bewertung: sehr hilfreich

    deine Berichte bewerten will, fehlt irgendwie eine Schaltfläche ... besser als "sehr nützlich" kann man halt leider nicht bewerten.

  • novit

    05.05.2005, 01:46 Uhr von novit
    Bewertung: sehr hilfreich

    wirklich sehr gut einfach klasse

  • rene2005

    02.05.2005, 18:22 Uhr von rene2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    bei so einem klasse Bericht gibt es inhaltlich nichts zu verbessern. Er ist künstlerisch wertvoll, inhaltlich prima und wer Zeit hat kann ihn super gemütlich lesen. Weiter so und halte den level. Gruß René

  • plötzlichpapa

    02.05.2005, 17:31 Uhr von plötzlichpapa
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich stell mich Dich immer vor, wie Du in der Bahn (wo hat man sonst soviel Zeit) sitzt, den Laptop im Schoß sitzt und diese wunderbaren Berichte tippst. Die müssen ja Ewigkeiten an Zeit verschlingen. Aber es lohnt sich immer wieder. Oder, was

  • Loewie

    02.05.2005, 15:48 Uhr von Loewie
    Bewertung: sehr hilfreich

    wie immer super gut. Wie lange brauchst du eigentlich für solch einen Berichtz? ;-)

  • sunnylady69

    02.05.2005, 14:51 Uhr von sunnylady69
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter langer BERICHT