Bad Company (VHS) Testbericht

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ab 53,06
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Erfahrungsbericht von wildheart

PULP !

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Es gibt nicht nur Schundliteratur, sondern auch Schundfilme: „Pulp Fiction“ nannte Quentin Tarantino einen seiner Filme, in dem er u.a. auch die billigen Krimis der 40er Jahre karikierte. Bei „Bad Company“ würde ihm dies vielleicht nicht ganz so leicht fallen. Denn zu nah scheinen solche Filme an einem Geschehen zu sein, das mit dem 11. September 2001 verbunden ist, dem terroristischen Anschlag in New York. Jetzt tauchen diese Filme aus der verordneten Versenkung auf, einer nach dem anderen. Und inzwischen wünsche ich mir, sie wären für immer und ewig versenkt worden.

Inhalt
Jake (Chris Rock) ist ein Rumtreiber und Taugenichts, meint jedenfalls die beste Freundin seiner Freundin Julie (Kerry Washington). Er lebt vom Verkauf von Tickets, ist Buchmacher und spielt Schach, um Geld damit zu verdienen. Was er nicht weiß: Er hat einen Zwillingsbruder, der für die CIA gearbeitet hat und bei einem Einsatz in Tschechien ermordet wurde. CIA-Agent Oakes (Anthony Hopkins) hat den Auftrag, von dem russischen Mafiaboss und ehemaligen KGB-Agenten Vas (Peter Storemare) eine Nuklearwaffe für 19 Millionen Dollar zu kaufen – natürlich anonym. Allerdings ist auch der serbische Terroristenführer Dragan (Matthew Marsh) hinter der Waffe her. Beim Versuch Dragans, sie in Prag an die Waffe in die Finger zu bekommen, wurde Jakes Bruder ermordet.

Der CIA bleibt nur wenig Zeit, um das Geschäft mit Vas abzuschließen. Jake muss seinen Bruder ersetzen. Das allerdings erfordert eine schnelle und gründliche Vorbereitung. Denn Jake muss mit den Gewohnheiten seines toten Bruder vertraut gemacht werden. Der hörte klassische Musik, konnte sich gewählt ausdrücken, hatte studiert – alles Dinge, die Jake in keiner Weise zu bieten hat. Jake hat eher coole Sprüche drauf. Er lässt sich allerdings auf den Deal mit Oakes ein, fährt mit ihm und anderen CIA-Leuten nach Prag und nimmt Kontakt mit Vas auf. Dragan und seine Killer sind ihnen auf den Fersen ...

Inszenierung
Über Geschmack lässt sich wahrlich streiten. Vorneweg: Einige Jokes von Chris Rock waren wirklich gut – wenn man vom Kontext abstrahiert, in dem sie spielen. Über den Rest des Films kann ich nur sagen: Wäre er bloß nicht gedreht worden.

Nach „The Sum of All Fears“ („Der Anschlag“) der zweite Film aus den USA, der sich mit einem terroristischen Nuklearanschlag beschäftigt. Das heißt: „beschäftigt“ ist eigentlich das falsche Wort. Während „Der Anschlag“ – nicht sehr überzeugend – mit der Angst vor solchen Angriffen spielte und über weite Strecken langweilte (besonders im ersten Teil), versuchen Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Joel Schumacher („Der Klient“, 1994; „Die Jury“, 1997; „Batman und Robin“, 1997) eine Mixtur aus Crime und Comedy. Waren daran nicht schon Robert de Niro und Eddie Murphy vor kurzem kläglich gescheitert („Showtime“, 2001)? Auch Bad Company scheitert an diesem Unternehmen. Die Chemie zwischen Rock und Hopkins stimmt zwar eher als zwischen de Niro und Murphy, allein die zwischen Agentenstory und Parodie überhaupt nicht. Rock wirkt wie jemand, der zweifelhaft versucht, einen Actionfilm in eine Komödie zu verwandeln. Ich hatte stellenweise das Gefühl, ich würde vor zwei Leinwänden sitzen: links läuft Crime, rechts Comedy.

Die Geschichte wirkt – wie schon „Der Anschlag“ – wie ein Recycling-Produkt des Kalten Krieges, nur dass die „Bösen“ nicht mehr die Sowjets, sondern Ex-Sowjets und Ex-Titoisten sind. Vas, Dragan und ihre Killer sind in ihrer Darstellung marionettenhafte Klischeephantasien der US-amerikanischen Angst-Kultur – nicht mehr. Sie haben Stoppelbärte, tragen Lederjacken, treten hyper-super-brutal-machohaft auf, töten ihre Gegner brutal-slawisch nicht nur mit Feuerwaffen aller Art, sondern wenn’s sein muss mit dem Vorschlaghammer und werden selbstverständlich vom Internationalen Gerichtshof als Kriegsverbrecher gesucht – skrupellose Vorzeigefiguren einer Ideologie, die solche Feindbilder benötigt, um die eigene Politik ins rechten Licht zu rücken – so gut oder schlecht sie auch sein mag.

Man mag einwenden, dass es solche Killer in Serbien, in Bosnien, in Russland usw. doch gebe. Richtig. Aber eben nicht nur dort. Die reine Weste, die solche Filme wie „Bad Company“ einmal mehr und immer wieder dem eigenen „land of the free“ überstreifen, wirkt inzwischen derart peinlich und grotesk, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Der Film zeigt im übrigen nicht solche Killer, sondern personalisierte Phantasiegebilde über ihren angeblichen Charakter. Als gegen Ende des Films Dragan über die USA schimpft als eine Macht, die sich nur für sich selbst interessiert und nicht für die Armut in der übrigen Welt, ist das nicht nur unglaubwürdig. Denn solche Leute wie Dragan, sprich: Milosevic, Karadzic und Konsorten haben sich nur für sich selbst und ihren Machterhalt interessiert, nicht für die Armut im eigenen Land. Es wirkt zudem inszeniert lächerlich, weil eine skrupellose Gestalt wie Dragan mit dem Widerstand gegen Ungerechtigkeiten verknüpft und damit dieser Widerstand desavouiert wird. Das ist das Tragische an solchen Filmen. Die reine Weste der USA hier, der Schmutz im Rest der Welt dort – verpackt jetzt auch noch in „Komik“. Zum Kotzen!

Die Handlung selbst strotzt nur so vor Klischees und Ungereimtheiten, dass die Drehbuchautoren dafür eigentlich bestraft gehörten: für schlechten Geschmack und schlichten Unsinn. Die CIA selbst besteht offensichtlich aus lauter funktionierenden, aber charakterlosen Hampelmännern, die eben machen, was ihnen gesagt wird. Konturenlos spielen Macht, Smith, Sunjata. Lawson und Robbins ihre CIA-Rollen. Und auch Anthony Hopkins bewegt sich durch den Film wie eine unausgegorene, unausgereifte Romanfigur. Zum ersten Mal kam er mir vor wie ein flauer Schein seiner selbst. PULP!

Die CIA bewegt sich durch die Weltgeschichte und Länder der Erde, als ob es keine Grenzen, keine anderen Staaten und auch sonst wenig Menschen auf der Erde gebe, die vielleicht gegen das Treiben des Geheimdienstes bzw. von Geheimdiensten überhaupt einige Einwände haben. Sie feuern sich durch die Welt, als wenn nichts anderes auf dieser Erde eine Bedeutung hätte. Und angesichts des 11. September 2001 hat man die Weltgeschichte inzwischen doch auch hinter sich, wenn man solche Filme kreiert, oder etwa nicht?

Nein, weiß Gott nicht. Und zu allem Überfluss ist die Story voraussehbar, die Action-Szenen bieten Gewöhnliches und Gewohntes und der Showdown last but not least ein billiges Happyend, wie man es schon mehr als genug kennt. PULP!

Fazit
Lang ist die Liste der „Sünden“ solcher oder ähnlicher Hollywood-Filme der letzten beiden Jahre: „Die letzte Festung“ und „Men of Honor“ waren gerade noch erträglich, „Pearl Harbor“, „Im Fadenkreuz – allein gegen alle“, „Der Anschlag“, „Windtalkers“, „Wir waren Helden“, „Bad Company“ und demnächst noch „Black Hawk Down“ sind es nicht mehr. Nein, es geht nicht um eine Verschwörung. Es geht darum, dass amerikanische Filmindustrie, Regisseure und Produzenten offenbar meinen, einem Bedürfnis nachkommen zu müssen. Das aber hat mit (Film-)Kunst jedenfalls nichts zu tun. Und mit Aufarbeitung von Geschichte schon gar nichts.

When will they ever learn?

Bad Company – Die Welt ist in guten Händen
(Bad Company)
USA 2002, 116 Minuten
Regie: Joel Schumacher

Drehbuch: Jason Richman, Michael Browning, nach einer Vorlage von Gary Goodman und David Himmelstein
Musik: Trevor Rabin
Kamera: Dariusz A. Wolski
Schnitt: Mark Goldblatt
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Anthony Hopkins (Gaylord Oakes), Chris Rock (Jake Hayes / Kevin Pope), Matthew Marsh (Dragan Adjanic), Kerry Washington (Julie), Peter Storemare (Adrik Vas), Garcelle Beauvais-Nilon (Nicole), Gabriel Macht (Agent Seale), Brooke Smith (Officer Swanson), Daniel Sunjata (Officer Carew), DeVone Lawson Jr. (Officer Parish), Wills Robbins (Officer McCain), Dragan Micanovic (Michelle „The Hammer“ Petrov), John Slattery (Roland Yates), Marek Vasut (Andre), Adoni Maropis (Jarma)

Offizielle Homepage: http://www.movie.de/badcompany/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0280486

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/06/060702.html

„Movie Reviews“ (James Berardinelli):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/b/bad_company2002.html


© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)

19 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    10.12.2011, 12:20 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    plup - die überschrift finde ich genial, für so einen schrott von film. na ja, mein genre ist diese art von filmen sowieso nicht. aber es war dennoch interessant deinen bericht zu einem schrott-film zu lesen. bw und ganz liebe grüße

  • Sayenna

    17.12.2006, 14:31 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)