BayArena (Leverkusen) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Styrex_99

Angriff der Klonkinder

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Nein, dies wird kein Bericht über einen wunderbaren Star-Wars Film, keine Chance, und obwohl ich JediSty (bzw. Styrex_99) heisse, sollte man nicht erwarten, dass ich die Kategorien durcheinanderwerfe. Nein, heute geht es um eins der kleinsten und atmosphärelosesten Stadien der ersten Deutschen Bundesliga, das Ulrich Haberland Stadion, ääh...die BayArena, wo der TSV BAYER 04 Leverkusen seine Heimspiele austrägt. Anlass dieses Berichtes ist das Länderspiel vom Samstag, das ich besuchen durfte und die immer zunehmende Agressivität der Leverkusen-Sympathisanten.

Nun, wollen wir nicht lange große Reden schwingen, die schlechtesten ?Fans? der Liga auf den Arm nehmen oder über ?Looserkusen? ?Neverkusen? ?Alwaysloosen? oder was auch immer herziehen, sondern versuchen, uns wirklich mit der Arena zu befassen, statt n paar Levs zu reizen (obwohl...beides auf einmal geht ja auch).

Die Anfahrt
Ich hatte das Glück, am Samtsag nicht fahren zu müssen, so machten wir uns über die A43 auf die A1 Richtung Leverkusen. Als wir das Werk erreicht sahen, wussten wir, dass es nicht mehr lange dauern konnte, so folgten wir einfach den Beschilderungen ?Pendelbus? und kamen auf einen riesigen Parkplatz, von wo aus wir zum Stadion (per genannten Pendelbus) gebracht wurden. Parkmöglichkeiten an der BayArena gibt es sehr wenige, sodass man diesen Service eingerichtet hat, um den Zuschauern den 30 min. Fussweg zu ersparen. Wie ihr Euren Anfahrtsweg bestreitet, kann ich Euch leider nicht wirklich sagen, doch auf einschlägigen Internetseiten wird locker Abhilfe geschaffen (wie z.B. www.stadionwelt.de). Empfehlenswert ist wie beschrieben, die Fahrt auf diesen Pendelbusparkplatz und die Nutzung des Busses. Der Stau, der zum Parkplatz führt ist erträglich, man kann sich auf ruhige 5 min. gefasst machen, eine Zeitangabe, die sicherlich keinen Fussballfan erschrecken wird.

Der Pendelbus
Nachdem wir also das Auto abgestellt hatten, ging es flugs zur Haltestelle, wo auch schon zahlreiche Passanten warteten. Die Busse kommen sehr regelmäßig, und so konnte man nach 5 min. des Warten schön eingezwängt in einen der Busse steigen. Leider schien der Fahrer seiner Sache nicht ganz sicher zu sein, brauchten wir locker das Doppelte der Zeit, die man sonst benötigt. Und dies war kein Zuckerschlecken, denn in einem Bus eingezwängt zu sein, der 10 min. einfach nur dasteht, ist grausam. Sicherlich, die Verkehslage muss zu dem Zeitpunkt nicht sonderlich gut gewesen sein, doch fragte ich mich, warum wir von 2 folgenden eingeholt wurden. Die Zeit vertrieb ich mir mit schwitzen, aber da wir zu viert waren (1 Schalker, 2 Dortmunder und 1 Bochumer), konnten wir uns zumindest ein paar Witzchen nicht ersparen, um bei Laune zu bleiben. Um uns herum wimmelte es eh von einer bunten Mischung, die den ?Vizekusen?-Sprüchen ohnehin positiv entgegenstanden, so konnten man ihnen ein schön gehegtes Schmunzeln problemlos abringen.
Die Rückfahrt mit dem Pendelbus gestaltete sich freundlicher. Zwar hatte der Fahrer nach dem ?Einladen? der Gäste keine Lust loszufahren, doch als wir erstmal in Gang waren, wunderte ich mich schon, dass ein vollbesetzter Linienbus 70 Sachen in der Stadt schafft. Auf Grund der Verkehrslage kamen wir auch schnurstracks zum Parkplatz und aus dem Dunste der schwelenden Hitze des Busses heraus.

Das Stadion
Das ehemalige Ulrich Haberland Stadion (bevor es von der BAYER AG umgebaut und umgenannt wurde), ist an sich ein echtes Schmuckstück. Doch Zuschauer, die solche riesigen Dinger wie das Parkstadion, die Arena auf Schalke, das Olympiastadion in München oder das Westfalenstadion in Dortmund gewohnt sind, werden auf den ersten Blick mehr als enttäuscht sein. Die Kapazität von 22 500 mag ja für einen Standort in Leverkusen ausreichen, aber wenn der Club auch nur n bisschen Tradition hätte, wüsste man gar nicht, wohin mit den Leuten. Die Arena ist vollüberdacht und ich denke, höchstens die ersten 4 Reihen werden bei Regen etwas nass.

Stehplätze gibt es seitdem Umbau keine. Sicherlich, die 300 oder 400 Hardcore-Levs stehen bei dem Spiel, aber leider Gottes geniessen die Gästefans diese Annehmlichkeit nicht. Das besondere Merkmal aber ist das Hotel, das praktisch genau über der Gäsettribüne liegt. Zwar passen auf diese dann nur 1000 Zuschauer, aber die entgangenen Einnahmen holt der Club ja durch die Leute rein, die es sich im Hotelzimmer gemütlich machen.

Es gibt zwei voll digitalisierte Anzeigetafeln auf Heim und Gästetribüne, die keine Wünsche offen lassen, so wie die sehr biegbaren Plastiksitze, die im ganzen Stadion verteilt sind.

Die Verpflegung
Als wir irgendwann am Stadion ankamen, vollgeschwitzt und leicht geladen, steig mein Puls ins Unermessliche. Ich wollte nur ein Pilsken haben, aber leider Gottes schien sich dies zu einer Lebensaufgabe zu entwickeln. Eine Bude mit zwei Verkäuferinnen versucht hier im Regelfall die Wünsche von drei Blöcken zu erfüllen. So stand ich da, konnte mich mit ein paar Düsseldorf-Fans unterhalten und schlug die Zeit mit Schwitzen tot. Als ich das Pilsken endlich annippte, merkte ich, dass es ohne Alk war. Es schien mir doch etwas seltsam, dass bei einem Spiel gegen Österreich alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird. Aber jedem das Seine. Das Essbare, welches angeboten wird, ist doch sehr lecker. Es gibt Bratwürste, Frikadellen, Schnitzel etc. Meine Frikadelle erfüllte mir alle Wünsche, ein großes Lob an die von der BAYER AG hergestellten Geschmacksverstärker. Meine mitreisenden Kumpels waren jedoch nicht ganz so angetan von ihren Schnitzeln, aber das kann einem überall passieren.

Alles in allem ist der Bereich ?essen und trinken? in Leverkusen der letzte Dreck (ja, so ist es). Denn während ich im ausverkauften Westfalenstadion schnell und zügig bedient werde und die Mädels in der Arena auf Schalke ihre Knappenkarteprobleme überwunden haben, schaffen es die Leute in Lev nicht, für schlappe 22 500 Zuschauer ein funktionierendes ?Fressportal? zu errichten. Es sind zu wenige Bedienungen für die ohnehin wenigen Zuschauer da. Ich denke, am besten baut man ein paar Automaten, stellt diese auf und wir müssen nicht mehr mit lediglich 12 Leuten 15 min. lang auf eine Cola warten.

WC und der Rest
Im Gegensatz hierzu gibt es sehr viele und sehr ?schöne? sanitäre Anlagen, auch kommt man mit den Ordnern gut klar. Denn während ich in Bochum fast einen Lebenslauf abgeben musste, durfte ich nach kurzem, aber genauen Abtasten ins Stadion. Den Block zu finden war nicht schwer, ich denke, von der Übersicht her usw. ist Leverkusen sehr gut. Denn das kleine Stadion nimmt einem viele Unannehmlichkeiten weg, wenn auch die Stimmung etwas drunter leidet.

Der Support
So, wir kommen nun endlich zum wichtigsten Punkt auf unserer Reise durch die BayArena.
Spiele der Nationalmannschaft zu Hause sind kein wirklicher Hit, vor allem nicht, wenn es ?nur? Freundschaftsspiele sind. Von daher war ich schonmal auf nen ruhigen Abend vorbereitet, aber das er so ruhig werden würde, vor allem da die Nationalmannschaft verabschiedet werden sollte, hätte ich nicht gedacht.
Unsere Sitzplätze waren direkt neben der ?Heimtribüne? und so konnten wir beobachten, wie ein harter Kern ?Levs? (ca. 80 Leute) sich hinstellte und was starten wollte. Die üblichen Songs wurden runtergescheppert, aber irgendwie wollte keine Stimmung aufkommen. Es mag ja vielleicht daran gelegen haben, dass bei diesem ?Abschiedsspiel? die kleine Bude nicht mal ausverkauft war, oder weil in Lev einfach keine wahre Fussballtradition vorherrscht.
Den Lautstärkepegel konnte ich somit nicht wirklich messen, aber an Stadien, wie die oben erwähnten kamen die Leverkusener nicht mal ansatzweise ran. Nein, ich würde sogar sogar, 17 000 Bochumer sind lauter...und das heisst schon was, bei der miesen Stimmung, die in Bochum herrscht.
Doch im Laufe des Abend passierten WIRKLICH SCHRECKLICHE Dinge. Die 80 ?Supporter? begannen den Schlachtruf ?AUSLÄNDER RAUS? anzustimmen...ich dachte, ich wäre zurückversetzt in die Zeiten der Borussenfront...so versucht man jahrelang den Rechtsradikalismus aus den Stadien zu bringen und n paar frustrierte Idioten bestätigen wieder den Ruf, die schlechtesten Fans der Welt zu sein. Der Calli soll sich mal die Tränen abwischen und mal die Wahrheit sagen, statt seine Spinner noch zu loben.. Als aber ein Teil der Heimkurve miteinstimmte (vorwiegend Levs...sieht man ja u.a. an den Trikots) fiel ich aus allen Wolken.
Es kann doch echt nicht sein, dass wir zurück zu den Zeiten von 1937 zurückkehren, oder ? Wir haben ja alle unserer Rivalitäten, Deutsche und Österreicher mögen sich nicht wirklich, aber solch eine Scheisse zu verbraten, ist nicht mal einer Truppe BAYER-Sympathisanten zuzutrauen....und leider wurde ich widerlegt.
In dem Moment schämte ich mich, nach Leverkusen gefahren zu sein, in der Nähe des Mobs zu stecken und in den Augen unserer österreichischen Freunde so ?blamiert? zu werden.
Dass zusätzlich eigene Spieler ausgebuht wurden, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich mein, ich mag Olli Bierhoff auch nicht, ich will, dass er auf nen Rübenacker verschwindet statt zur WM zu fahren, aber es ist nicht hilfreich, ihn während des Spiels niederzumachen. Und als ?UNSER? Gerald Asamoah ins Spiel kam, konnten sich die Levs gar nicht mehr halten. Gott sei Dank war mein ?Blondie? lauter als die halbe Heimtribüne.

Anmerkung zum Support
Das bewerten des Supportes ist immer subjektiv, doch ich war schon sehr oft bei unseren ?Feinden? in Dortmund, ich war in Bochum, ich habe Boxereien, Jagdszenen und Schmährufe erlebt, aber solch eine Mischung aus Tristesse und Antipathie habe ich noch nirgends erlebt. Wir haben uns mit den Engländern in München echt heisse Gefechte geliefert, aber in solch einer rechtsradikalen und selbstzerstörerischen Weise ist keiner aufgetreten. Wenn selbst bei solch einem kleinem Stadion die Bude nicht ausverkauft ist, kann an dem Standort Leverkusen etwas nicht stimmen. Schon seitjeher waren die Spiele gegen BAYER Leverkusen oder BAYER Uerdingen nicht der Knaller, aber erst nach diesem Besuch kann ich das ganze ?Elend? beurteilen. Leverkusen ist einfach keine Fussballstadt und die Frustration über die eigene Supportschwäche sowie die eigenen verlorenen Spiele sitzt so tief, dass mir berichtet wurde (ich denke, ich musste da mal), dass der Heimtrupp gar ?ohne Deisler fahrn wir zur WM? skandierte, als dieser verletzt ausschied. Na, das und die rechtsadikalen Rufe runden das Bild von Frustration, Unfairneß und Schwachsinnigkeit nur ab.

Daher würde ich sagen, dass der DFB einfach keine Spiele mehr nach BAYER-City vergibt. Entweder es herrscht keine Stimmung oder es kommt nur Sch... dabei raus. Vielleicht sollte man einfach BAYER Leverkusen aus der Bundesliga ausschliessen und in dem Stadion ein Tennisturnier veranstalten. Die Stimmung wär ohnehin die selbe, und wo findet man schon ein 22 500 Tenniscourt ? Die BAYER AG würde einiges an Ansehen gewinnen und wird wären die schlechtesten Fans der Liga los.

Das wir auf der Rükcfahrt noch ein paar Levs verar... haben, versteht sich von selber, Gründe hatten sie uns ja genug gegeben.

Fazit (AH, JETZT ENDLICH !!!)
Die BayArena ist ein hübsches Stadion, wenn man darauf aus ist, n bisschen Tennis zu gucken oder ein Amateurspiel zu sehen. Aber wenn es in den Profibereich geht, ist der Standort zu klein. Es mag ja sein, dass nach Leverkusen nur wenige Leute gehen (der wahre Rheinländer fährt eh nach Köln, Gladbach oder Düsseldorf), doch sobald wir über Länderspiele reden, sollte man einen grossen Umweg um die Stadt am Werk machen. BAYERStadt ist nicht dafür da, um Fussballänderspiele auszutragen oder einen Verein in der Bundesliga zu haben.
Das Stadion bietet einen hübschen Komfort, die Toiletten und Sitzschalen sind echt klasse, aber sobald ich versuche, mir ein Bierchen zu holen oder ne Runde fairen Support abzuliefern, stehe ich schon auf verlorenem Posten. Nein, am besten ist, BASF kauft den TSV auf, bennent ihn in TSF BASF 02 Leverkusen um und bastelt sich ein Basketballteam, welches in der dann übergroßen Arena um die Körbe jagt.

Also, nächste Saison werde ich auf JEDEN Fall hinfahren, denn schliesslich hat jedes Auwärtsteam dort ein Heimspiel mehr (ich seh schon wie Kölner, Gladbacher, Schalker, Dortmunder und Münchner mit dem Kopf nicken).

Mag ja sein, dass die Arena ?schmuck? ist, aber ein leises Stadion, dass nen falschen Standort hat, verdient ebensowenig Beachtung, wie eine 1924 erbaute Betonschüssel mit 80 000 betonbröckelnden Plätzen.

Jedisty, 19.05.02 ca. 1920 Wörter

PS. Wie ihr sehen könnt, entstand dieser Bericht im Mai für CIAO. Da es aber momentan nicht so gut dort aussieht, wird es langsam Zeit zu expandieren. Rückfragen an Cas, meinen alten Kompadren, den ich mal wieder grüßen möchte.

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