Bhaktapur Testbericht




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Erfahrungsbericht von Raimok
Namaste-eine Reise in eine andere Welt (Part 3)
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Im März diesen Jahres hatte ich das Glück, für eine Woche nach Nepal zu fliegen. Es war ein absolut phantastisches Erlebnis und meine Erlebnisse dort möchte ich Euch nicht vorenthalten.
Mittlerweile bin ich aber schon beim dritten Bericht. Während es im ersten Teil allgemein um das Land Nepal ging und im zweiten teil um unsere Erlebnisse in Kathmandu, so beschäftigt sich der nun folgende Teil mit der weiteren Umgebung der Hauptstadt, insbesondere aber mit der alten Königsstadt Bhaktapur.
13. März
????????????
Nach dem Mt. Everest Flug kehrten wir zum Hyatt Kathmandu zurück, wo wir frühstückten und im Anschluß darauf unsere Koffer packten und die Zimmer räumten. Denn schließlich sollte unsere Reise uns an einen anderen ort bringen. An der Rezeption erfuhren wir, dass wir für die Dauer unserer Rundreise Teile unseres Gepäckes dort hätten lassen können, aber für ein erneutes Umpacken war es zu spät ? so hatten unser Fahrer und Reiseleiter alle Hände voll zu tun, das Gepäck von 6 Leuten (3 davon Frauen J )im Kleinbus zu verstauen.
Dann endlich konnte es losgehen ? durch den Himalaja-Flug waren wir eh schon sehr spät dran. Vorbei am Flughafen führte uns unser Weg raus aus der Stadt. Hier sah ich dann auch das erste Mal Ampeln. Wundersamerweise hielten sich die Nepalesen auch an diese, wahrscheinlich wirkte das massive Polizeiaufgebot Wunder.
Das wir die Stadt verliessen , merkten wir kaum. Denn nahtlos schlossen sich andere Orte an und auf den Straßen herrschte das reinste Tohuwabohu. Prinzipiell fuhren mindestens zwei Fahrzeuge in jeder Richtung nebeneinander, obwohl die Straße den Charakter einer besseren Dorfstraße hatte. Des weiteren bogen immer wieder neue Fahrzeuge auf die Straße oder hielten einfach, ohne sich um den Rest des Verkehres zu kümmern. Überladene Mercedes- Busse (irgendwann in den 70igern gebaut) bildeten das Nahverkehrsnetz ? wer keinen Platz mehr auf dem Dach fand, hielt sich halt an der Tür oder den Fensterrahmen fest. Und dazwischen immer wieder motorisierte Rikschas und Mofas. Und natürlich die Fußgänger, die scheinbar die Straße überquerten, ohne nach rechts oder links zu schauen. Vermutlich haben alle Menschen dort ein großes Gottvertrauen, sei es nun in Vishnu, Brahma oder sonst wen.
Unser Fahrer war ständig unter Hochspannung und vollkonzentriert ? ich ziehe heute noch meinen Hut vor ihm, das er uns so sicher und gut die ganzen Tage befördert hat.
Endlich wurde die Gegend ein wenig grüner. Der Weg war von Feldern gesäumt, auf denen alles mögliche angebaut wurde ? Getreide, Kartoffeln, Gemüse.
Nach gut einer Stunde näherten wir uns unserem Ziel. Obwohl unsere Fahrtstrecke bloß ca. 20km betrug. Aber das Verkehrschaos und die nicht sonderlich gut ausgebauten Straßen forderten halt ihren Tribut.
Das erste, was uns auffiel, waren Unmengen von gebrannten Ziegeln. Oft säumten sie kilometerlang die Straße, sowohl im gebrannten als auch erst im ungebrannten Zustand. Zwischendrin sah man immer wieder eine Ziegelfabrik bzw. Lehmstecher, die den frischen Lehm stachen, formten und zum trocknen auslegten, ehe sie in die Fabriken zum Brennen gefahren wurden. Uns wunderte natürlich die riesige Anzahl der Ziegel, und so fragte ich unseren Führer nach dem Grund dafür.
Zum einen ist Bhaktapur das traditionelle Zentrum der Ziegelherstellung ? so erfuhr ich von ihm. Aber er erzählte mir noch eine ganz andere interessante Geschichte für diese ungewöhnliche Regsamkeit. Im Nepal befanden wir uns im Jahre 2059 und Mitte April beginnt das neue Jahr. Nun verbietet es der dortige Glaube, mit dem Bau eines Hauses zu beginnen, wenn das Jahr auf eine Null endet. Weiterbauen ist kein Problem, aber wenn man in diesem Jahr beginnt, so lastet Unglück über dem Haus. Also waren alle bestrebt, mit dem Bau noch im März zu beginnen und dementsprechend herrschte in der Ziegelbranche Hochkonjunktur.
Drei Straßen führen nach Bhaktapur, welches an der alten Handelsroute zwischen Tibet und Indien liegt. Für unseren Einfall in die Stadt nutzten wir die südliche Straße und umrundeten den historischen Kern der Stadt. Bei einem kurzen Halt am Straßenrand konnten wir einen ersten Blick auf die Silhouette der Altstadt und insbesondere den größten Tempel Nepals werfen. Und dann hielten wir vor dem großen Eingangstor, durch welches man in die Altstadt eintritt.
Doch ehe wir die Stadt besichtigen, schweifen wir ganz kurz in die Historie der Stadt Bhaktapur ab.
Bhaktapur bedeutet in der Sanskrit-Sprache ?Stadt der Gläubigen?. Bekannt wurde die Stadt auch unter Bhadgaon, was Reisdorf heißen soll. Die Gründung der Stadt verliert sich in der Geschichte, es gibt aber wie überall in diesem Land Legenden. Geschichtlich belegt ist aber die Ankunft eines lokalen bengalischen Herrschers, der auf der Flucht vor den islamischen Heeren nach Bhaktapur kam. Mit seiner Ankunft verlieh er der Kultur des Tales neue Impulse.
Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert herrschten die Malla- Könige von hieraus sogar über die Städte Kathmandu und Patan und der Palastkomplex inmitten der Stadt zeigt den Wohlstand, der damals herrschte und die Geschicklichkeit der alten Meister.
1934 zerstörte ein Erdbeben weite Teile der Stadt. 1972 begann dann mit Hilfe Deutschlands der Wiederaufbau der Stadt, der erst 1989 abgeschlossen wurde. Die Stadt wurde grundlegend restauriert und man schuf auch eine Infrastruktur mit Wasserleitungen und Brunnenanlagen und siedelte eine Kleinindustrie an. Verewigt hat sich Bhaktapur als Filmkulisse in Bertoluccis Film ?Little Buddha?. Die Stadt gehört übrigens zum Weltkulturerbe der Menschheit.
Heute umfasst die Stadt eine Fläche von ca. 10m?und ist mit ca. 75000 Einwohnern die kleinste der 3 Newar- Städte im Kathmandu-Tal. Sie liegt auf einer Höhe von ca. 1400 Metern über dem Meeresspiegel. Hier fühlt man sich noch heute ins Mittelalter zurückversetzt, genauer in das bäuerliche Leben einer Kleinstadt. Ihren Charme erhält die Stadt aber auch dadurch, dass die gesamte Altstadt für jeglichen motorisierten Verkehr gesperrt ist. Das allein ist schon eine Wohltat gegenüber dem ständig überfüllten Kathmandu.
So, jetzt aber tauchen wir ab in diese wunderschöne und altertümliche Stadt. Wenn man in die Altstadt will, so muß man hier Eintritt zahlen. Dies erledigte aber wieder mal unsere deutschsprechende Reiseleiterin. So kann ich auch nichts zu der Höhe des Preises sagen, da alle Gebühren im Reisepreis eingeschlossen waren. Wichtig ist aber auf jeden Fall zu wissen, dass jede Rupie, der eingenommen wird, in die (sehr kostspielige) Erhaltung des historischen Stadtkerns gesteckt wird.
Nach Durchschreiten des Tores folgen wir einer engen Gasse, rechts und links befinden sich Wohnhäuser und wir werfen neugierig unsere Blicke auf die Gebäude. In einem Gebäude ist eine Schule untergebracht und da die Fenster keine Scheiben haben, können wir den Schülern und ihren fremdländischen Lauten zuhören. Aus einem anderen Schulzimmer werden wir neugierig beobachtet und unser Lächeln wird sofort erwidert.
Und weiter geht es, bis wir auf einen großen Platz treffen, den Dattatreya-Platz oder auch Tachupal Tole, benannt nach dem wuchtigen Dattatreya-Tempel. Dieser Tempel ist den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva geweiht und vereint die 3 wichtigsten hinduistischen Götter in einer dreiköpfigen Figur. Vor dem Tempel steht eine Säule mit Garuda, dem Reittier und treuen Gefährten Vishnus. Der Tempel wurde bereits 1428 gebaut und ist einer der ältesten im Kathmandu-Tal. Aber erst 1860 erhielt er seine jetzige Form. Das Erdgeschoss ist rechteckig und vor dem quadratischen Obergeschoss wurde ein großer Erker angebaut.
Rund um den Platz befinden sich Neun hinduistische Kloster, die heute Privathäuser, Werkstätten und zwei Museen enthalten. Bemerkenswert an diesen Klostern sind vor allem die aufwendig geschnitzten Fenster und Erker.
Direkt an der Ecke des Platzes befindet sich das nationale Holzschnitzmuseum, welches im Pujari Math (ehemaliges Priesterhaus) untergebracht ist. Das Bemerkenswerteste an diesem Museum findet man an der Ostseite des Gebäudes. Hier schließt sich eine kleine Gasse an und wenn man diese entlang läuft, stößt man auf das weltberühmte Pfauen-Fenster, eine ungeheuer feine und filigrane Schnitzerei, die vom Können der alten Schnitzer zeugt. Das Fenster ist einfach nur wunderschön anzuschauen.
In der Gasse haben sich praktischerweise auch einige Läden angesiedelt, die Schnitzereien anbieten. Nach kurzem Handeln und eingedenk des Hinweises, nicht nur in Kathmandu zu kaufen, sondern auch anderswo den Handel anzukurbeln, wechseln einige Arbeiten den Besitzer.
Aber in der Gasse hat noch mehr zu bieten. Wir folgen unserer Führerin und stehen plötzlich in einer kleinen Manufaktur. Hier wird Reispapier hergestellt. Wie es zu dem Namen kam ? niemand weiß es heute. Es wird aus der Rinde des Seidenbastes handgeschöpft und wird wegen seiner Haltbarkeit für Lampenschirme, Kalender und Briefpapier hergenommen, selbst die Behörden nutzen es im offiziellen Schriftverkehr.
Wir konnten jeden einzelnen Arbeitsschritt beobachten, vom pressen über das Schneiden, Färben und Bemalen. Und ehe wir uns versehen hatten, standen wir auf dem Dach des Gebäudes und erhielten noch eine kleine Lektion in natürlicher Farbherstellung. Aber ehrlich, der Blick über Bhaktapur in die Richtung der Berge war interessanter.
Nachdem wir die Manufaktur wieder verlassen hatten, ging es zurück auf den Dattatreya-Platz. Hier beobachteten wir einen Töpfer bei seiner Arbeit. Mangels einer Töpferscheibe nutzte er eine ausrangierte Autofelge ? man muß sich halt nur zu helfen wissen. Der halbe Platz war voll von in der Sonne trocknenden Töpferwaren. Eine Frau saß dabei und gab den Schalen die letzten Korrekturen. Dabei fielen mir die blau tätowierten Fußgelenke der Frau aus, die zur Bevölkerungsgruppe der Juapu gehörte, einer Untergruppe der das Tal dominierenden Newar. Die Frauen tragen traditionell schwarze Wickelröcke mit roten Kanten, die hinten etwas höher sind ? eben das man die tätowierten Fußgelenke sieht.
Dann verließen wir den Platz und gingen in Richtung des Durbar Square. Dabei kamen wir an einer Wasserstelle vorbei. Ein paar Treppen führten nach unten und aus der Wand spritzten ein paar Wasserstrahlen. Dort spielte sich das wahre Leben ab. Frauen holten Wasser für ihr Heim, wuschen die Wäsche und sich selbst. Das Wasser kam über eine unterirdische Leitung direkt aus den Bergen. Dementsprechend kalt war es auch. Rund um die Wasserstelle saßen alte Männer in der Sonne und hielten ein Schwätzchen, während sich die jüngeren Männer beim Spielen vergnügten.
Schließlich kamen wir beim zweiten der drei Plätze von Bhaktapur an. Der Durbar Square lag nicht, wie sonst üblich, im Zentrum des Ortes, sondern am Rand der Altstadt. Hier befindet sich auch ein zweiter Zugang zur Stadt, wo man den Eintritt entrichten konnte, das sogenannte Löwentor.
Das erste, was auffällt, ist das ?Goldene Tor?. Es bildet den Eingang zum Haupthofes des alten Königspalastes. Das Tor gehört zu den schönsten und am besten gearbeiteten Exemplaren auf dieser Welt. Die Torana über dem Tor zeigt die Göttin Kali, Garuda, das geflügelte Reittier Vishnus und zwei himmlische Nymphen. Das Tor selbst ist mit Monsterwesen in verwirrender Vielgestalt geschmückt.
Der Palast selbst war durch seine 99 Höfe berühmt. Leider ist durch die Vernachlässigung der letzten Jahrhunderte und das Erdbeben nicht mehr viel erhalten. Wenn man das Tor durchschritten hat, folgt man einem Gang und kommt an die Tür des Mul Chowk, einem der schönsten Innenhöfe, den man als Nichtgläubiger auf keinen Fall betreten darf. Durch eine kleine Tür kann man einen Blick auf die wundervollen farbigen Schnitzereien werfen. Es sind aber keine Fotos erlaubt.
Nördlich in einem anderen Hof kann man die königliche Badeanlage bestaunen. Der Wasserspeier stellt eine Schlange dar, aus deren Maul das Wasser fließt. Der Schlangenkopf wiederum schaut aus dem Maul eines Krokodils. Das Wasser kommt auch hier über eine 11 km lange unterirdische Leitung direkt aus den Bergen.
Bemerkenswert ist ebenfalls die Betrachtung des Palastes der 55 Fenster, wo es eine ununterbrochene Reihe von Fenstern in der oberen Etage gibt. Jedes der Fenster stellt ein absolutes Meisterwerk der Schnitzkunst dar. Hier ist ein Teil der National Art Galery untergebracht. In dieser findet man Thangkas, Statuen, aber auch ein Buch über Pferde, welches sich auf einer Länge von über 3m ausfalten lässt.
Ein weiteres Bauwerk, was der Aufmerksamkeit bedarf, ist der Yaksheshvara-Tempel. Dieser Tempel ist nach einem Malla-König benannt, dem Shiva im Traum erschienen ist. Shiva beschied ihm, eine Kopie des Tempels von Pashupatinath neben seinem Palast zu bauen, damit er nicht täglich, wie es eigentlich seine Pflicht war, zu eben genannten Tempel reisen müsse. Ein besonderer Leckerbissen sind die erotischen Darstellungen auf den hölzernen Streben.
Des weiteren fallen uns noch einige Tempel, eine große Glocke und eine betende Statue ins Auge, aber die Zeit drängt und wir brechen auf, den dritten Platz zu erkunden. Dies ist der Taumadhi Tole. Das imposanteste an diesem Platz ist der Nyatapola-Tempel (siehe auch mein Profil ? zweites Bild). Diese fünfstöckige Pagode ist 1702 auf einem fünfstöckigem Sockel errichtet worden und gilt als der höchste Tempel Nepals. Die fünf Dächer werden von 108 schön geschnitzten Dachstreben gestützt. Eine steile Treppe führt zum Tempel hinauf und an den Treppenseiten stehen auf jeder Ebeneein paar große Figuren, von denen die jeweils höher stehende Figur zehnmal stärker sein soll als sich die darunter befindende. Das untere Paar bilden zwei Ringer, die 10-mal stärker sind als der stärkste Mensch. Ihnen folgen die Elefanten, die Löwen un die Greife. Ganz oben thronen die Göttinnen Byaghini und Singhrini. Der Tempel selbst ist der Göttin Lakshmi.
Der zweite Blickfang des Platzes ist der Bhairav-Tempel. Dieser fällt durch seine 3 Dächer auf. Durch den Bau des riesigen Tempels stand der ehemals eindächrige Tempel des hochverehrten Gottes im Schatten des anderen. Laut einer Legende stiftete Bhairav Unruhe, aber es war wohl das Volk, welches rebellierte und so wurde der Tempel erweitert und die Harmonie zog wieder ein auf diesem Platz.
Da wir mittlerweile Hunger und Durst hatten und auch die bettelnden Kinder und Händler nicht mehr los wurden, machten wir eine Rast im Cafe Nyatapola. Diese umgebaute Pagode läd zu gutem, nicht ganz billigen Essen ein und man hat vom 3. Stock, wo man im Freien sitzt, einen wundervollen Blick über das Gewusel auf dem Platz. Eine Nudelsuppe und einen nepalesischen Tee später (das Ganze kostete ca. 5 Euro) brachen wir zum Töpfermarkt auf.
Südlich der Stadt findet man schwarze Tonerde, die sehr feinkörnig ist. Sie erlaubt es den Bauern nicht nur, die höchsten Ernten Nepals einzufahren, sondern dient auch den Töpfern als Grundprodukt. Auf großen Scheiben und Autofelgen drehen die Männer alles, vom Wasserkrug bis zur Schale, von der Spardose bis zum Blumentopf. Überall stehen die Tonwaren zum Trocknen in der Sonne herum, um schließlich unter Stroh gepackt und gebrannt zu werden. 3 Tage dauert dieser Prozess. Wenn die gebrannten Waren abgekühlt sind, werden sie sofort bemalt und poliert und zum Verkauf angeboten. Man kann wunderschöne Töpferwaren zu einem spottbilligen Preis erstehen ? die einzige Sorge ist, wie bekomme ich diese Sachen heil nach Hause.
Schließlich biegen wir in eine kleine Gasse ab, um wieder Richtung Palast zu gehen. Ich bin mir heute noch sicher, dass dieses von unserer Führerin geplant war, denn plötzlich standen wir in einem Geschäft, welches Thangka- Malereien verkauft. Wir konnten bei der filigranen Arbeit zuschauen und die Meisterwerke, die oft in monatelanger Arbeit hergestellt wurden, bewundern. Eigentlich sind Thangkas ja religiöse Malereien, es gibt aber speziell für Touristen hergestellte Objekte. Eins gefiel uns so gut, dass wir es kaufen mussten. Nach ein wenig Handeln, was dazu gehört, einigten wir uns auf einen Preis und das Gemälde wurde sicher verpackt für den langen Weg nach Deutschland. In dieser Verpackung schlummert es im Moment immer noch, wir müssen es erst noch rahmen lassen und Platz haben wir erst in unserer neuen Wohnung. Solange muß es noch warten, aber dann bekommt es einen Ehrenplatz.
Schließlich gingen wir zum Bus-Parkplatz, wo unser Fahrer und unser englischsprechender Reiseleiter auf uns warteten. Diese waren sehr verwundert, eigentlich hätten sie uns schon 3 Stunden früher erwartet. Wir sollten gegen 13.00 Uhr zu unserer Unterkunft fahren, mittlerweile war es aber schon 16.00 Uhr. Wir verabschiedeten uns von unserer Führerin, die wir erst in Kathmandu wiedersehen sollten und unser Bus fuhr nach Dhulikhel. Dort kamen wir gegen 16.45 Uhr an, wo wir uns gleich zum Mittagessen begaben(!) Dies wartete ja schon mehrere Stunden auf uns.
Danach bezogen wir unsere Zimmer. Nach dem Luxus des Hyatt- Hotels von Kathmandu waren die Bedingungen hier ziemlich einfach. Die Lodge lag sehr weit außerhalb von Dhulikel an einer Bergfront. Wir befanden uns mittlerweile auf einer Höhe von ca. 1800 m und hier war es doch schon kühler. Auf den Zimmern, die sich in einzelnen Bungalows befanden, gab es aber keine Heizung und auch das warme Wasser floss bloß spärlich. Aber für eine Nacht würde es schon gehen. Danach schauten wir uns ein wenig in der Wildnis um, denn wir waren dort weit und breit die Einzigen, ehe wir uns gegen 20.00 Uhr im Haupthaus zum Dinner trafen. Diesmal gab es tibetanische Küche, die im Gegensatz zur nepalesischen nicht sehr gewürzt ist. Die Momos (gefüllte Teigtaschen) waren aber sehr lecker und auch der Rest, was immer es war, schmeckte.
Nach dem Essen kamen wir mit dem Hotelpersonal ein wenig ins Gespräch und wir merkten, dass wir Deutschen doch eine gewisse Symphatie bei den Menschen hervorriefen. Einer erzählte uns, dass er seit einem Jahr täglich ganz früh mit dem Bus nach Kathmandu, welches immerhin 40km entfernt war, fuhr, um Deutsch zu lernen. Und er sprach wirklich sehr gut unsere Sprache. Mittag war er wieder zurück, um seinen Dienst in der Lodge anzutreten.
Später am Abend tauchte dann auch noch der Besitzer unserer Unterkunft auf und präsentierte uns ?Himalaja-Wasser?. Dies wird nicht wie bei uns auch Gläsern, sondern aus flachen gebrannten Tonschalen getrunken. Ein Schälchen wurde gefüllt und angezündet als Opfer für die Götter, bei den anderen Schälchen mussten wir uns opfern. Hölle, brannte das Zeug. Aber gut war er doch ? und da man auf einem Bein bekanntlich nicht stehen kann, folgte das zweite Opfer kurz darauf. Damit hatten die anwesenden Damen für den Rest des Abends aber auch genug. Da es eh spät war, brachen wir zur Nachtruhe auf, nicht ohne das jeder vom Chef eine Wärmflasche fürs Bett in die Hand gedrückt bekam.
14. März
???????????
Heute hieß es zeitig aufstehen. Um 5.45 Uhr wurde gegen unsere Türe gehämmert. Nach dem Öffnen wurde uns Tee serviert und wir öffneten die Fenster. Denn uns erwartete ein Schauspiel besonderer Güte. Die Hütten waren so gebaut und die Betten so gestellt, dass wir von diesen aus die Berge und den Sonnenaufgang bewundern konnten ? ein unvergleichliches Schauspiel.
Danach packten wir unsere Sachen und gingen zum Frühstücken, währen die Angestellten unser Gepäck über eine schmale Treppe ca. 50m nach unten zum Auto trugen. Das Frühstück fand auf der Dachterrasse im Anblick der schneebedeckten Gipfel statt und durch die Bergluft war unser Appetit gewaltig. Danach hieß es Abschied nehmen von unseren freundlichen Gastgebern.
Auf unserer Fahrt hielten wir in Dhulikel, einer hübschen Kleinstadt. . Wir schlenderten ein wenig durch das Gelände und konnten von der Ferne einem Totenkult beiwohnen. Die Leute waren alle weiß gekleidet, was dort die Farbe der Trauer ist.
Im krassen Gegensatz dazu stand die Feier eines Jungen, der mit dieser Zeremonie zum Mann wurde. Fröhliche Musik auf der Straße, die Leute tanzten und trafen sich am Haus der Eltern. Während des eineinhalbstündigen Spazierganges konnte man viel von den Traditionen der Menschen sehen und es war sehr interessant, auch mal die Seite, abgewand von den Großstädten, zu sehen.
Aber weiter ging es. Wir wollten heute noch nach Nagarkot. Dieser Ort liegt auf über zweitausend Meter Höhe. Hier hat sich eine Art Ferienort entwickelt. Unsere Fahrt führte uns wieder durch Bhaktapur, ehe es auf einer Serpentinenstraße hinauf zu unserer nächsten Lodge ging. Diese war noch einfacher als die letzte. Warmes Wasser gab es überhaupt nicht mehr (nach einer halben Stunde laufen war es einigermaßen zum Duschen) und im ganzen Zimmer hing nur eine schwache Glühbirne. Heizung gab es wieder nicht, auf dem Zimmer befand sich aber ein Kerosin-Ofen, dieser wurde aber nur im Winter in Betrieb genommen.
Empfangen wurden wir wieder mit Blumen. Nach dem Lunch fuhren wir zum Aussichtspunkt, von wo man einen Wahnsinnsblick auf den Himalaja haben sollte. Doch leider war alles wolkenverhangen. Dafür hatten wir ein wunderschönes Erlebnis mit der nepalesischen Armee. Diese hatte in diesem Gebiet gerade ein Manöver (überhaupt ist in Nagarkot viel Armee stationiert) und wir trafen beim Aussichtsturm auf eine Kompanie. Sofort entwickelten sich Kontakte, die in einem Gruppenfoto gipfelten, ehe der Kommandeur, der das Treiben lächelnd betrachtete, den Aufbruchsbefehl gab.
Auch wir machten uns auf den Rückweg, aber auch zu Fuß, während unser Bus vorausfuhr. Nach ca. 5km kamen wir beim Hotel ?Club Himalaja? an, von wo aus wir den Sonnenuntergang betrachten wollten. Aber Pustekuchen, es war immer noch alles zugezogen.
Also blieb uns nichts weiter übrig, als den Rückweg zu unserer Cottage anzutreten. Dort wurden wir mit einem Barbecue und einem offenen Kamin für den Rest des Abends verwöhnt, ehe es wieder die obligatorischen Wärmflaschen zur Nachtruhe gab.
15. März
????????????
Da der Himmel immer noch wolkenverhangen war, konnten wir ein wenig ausschlafen. Nach einer Katzenwäsche und einem deftigen Frühstück brachen wir wieder zu neuen Abenteuern auf. Unser Bus fuhr uns die halbe Strecke Richtung Bhaktapur zurück, ehe wir ausstiegen. (Ich muß dazu aber sagen, es war jedes Mal unser freier Wille zu laufen, unser Fahrer hätte uns auch überall hin gefahren) Wir wollten zum Changu Narayan Tempel, welcher sich auf einem Hügel 5 km oberhalb von Bhaktapur befindet. Dazu war aber noch ein Fußmarsch von ca. 2 Stunden nötig.
Diese Wanderung führte uns durch Wälder und an kleinen Bauerngehöften vorbei. Wir konnten die Terrassenform der Felder bewundern, wodurch jeder Meter des Berges genutzt wird. Es ist schon ein komisches Bild, einen Berg bis zum Gipfel in Stufenform zu sehen, aber Not macht erfinderisch.
Die Feldbearbeitung wurde von den Frauen vorgenommen, während die Männer frei hatten. Für sie war Sonntag, und sie schwatzten, tranken, saßen zusammen oder gingen händchenhaltend spazieren. Aber nur die Männer hatten dieses Privileg, denn sie mussten von der Arbeit ausruhen und nur die Fabrikarbeit gilt auch als wirkliche Arbeit. Also kümmerten sich derweilen die Frauen um die Kinder, den Haushalt, das Essen, das Vieh und die Feldarbeit ? Rollenverteilung von Mann und Frau in Asien.
Schließlich erreichten wir unser Ziel ? den Tempel Changu Narayan. Schatzkammer Nepals, Weltkulturerbe der UNESCO und ältestes Heiligtum des Kathmandu-Tales ? all das sagt treffend aus, was dieser Tempel für eine Bedeutung besitzt. Seine Ursprünge gehen bis ins 4. Jahrhundert zurück. 1702 durch ein Feuer zerstört, wurde er wieder vollständig aufgebaut.
Der Platz ist wie geschaffen für ein Heiligtum.:1550 m hoch auf dem letzten Hügel eines Kammes gelegen, überblickt man von hier das ganze Tal und ist von überall zu sehen.
Unser Marsch endete am Parkplatz zu Fuße des Tempels. Durch ein Tor gelangt man zu einer breiten Treppe, die ein kleines Dorf durchquert. An der Dorfmauer konnten wir den sozialen Zusammenhalt beobachten. Auf einem großen Platz trafen sich Alte und Gebrechliche zum Essen, welches aus dem Dorf gebracht wurde. Dies war landesüblich, Reis, Gemüse und Sossen. Gegessen wurde auch landestypisch ? mit der rechten Hand, indem mit den drei mittleren Fingern eine Art Löffel gebildet wurde.
Nachdem wir das Dorf durchschritten hatten, traten wir in den Tempelinnenhof ein. Und machten gleich eine grausige Entdeckung. Während wir noch standen und uns umschauten, trugen zwei Männer einen Affen vorbei, dessen Hände und Füsse an einer Stange festgebunden waren. Aber dem Affen fehlte der Kopf. Den entdeckten wir Sekunden später. Man steckte den Kopf mit dem noch zuckenden Gesicht auf eine Art Dreizack, ehre man ihn über einem Feuer verbrannte. Wir haben später unsere Reiseleiterin danach gefragt, aber sie konnte oder wollte uns darauf keine Antwort geben, ebenso wir unser englischsprachiger Führer, der mit vor Ort war.
Der Tempel selbst wird als der älteste Tempel im Kathmandu-Tal beschrieben. Im Tempel ist eine Steininschrift aus dem 5. Jahrhundert, der ältesten jemals in Nepal gefundenen aufgestellt. Somit zeugt er von der mehr als 1600jährigen Kunstgeschichte des Landes. Wie sagte unsere Führerin später zu mir: ?Im Tempel sieht man die ganze kulturelle Entwicklung des Tales.?
Der quadratische Bau mit zwei Dächern wirkt sehr harmonisch und ist reich ausgeschmückt, die fein geschnitzten Streben stellen Inkarnationen Vishnus dar, in denen er Bösewichter zerstört.
Vor dem Eingang kniet ein Garuda, halb Mann und halb Vogel und treuer Begleiter und Träger von Vishnu. Die Statue stammt vermutlich aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. Die Türen des Tempels sind reich verziert und manchmal ist die westliche Tür auch geöffnet. Das Betreten für Nichthindus ist aber streng verboten.
Erwähnenswert ist noch die Bronze-Figur von Vishnu, wie er auf Garuda sitzt. Sie stammt aus dem 9. Jahrhundert und man findet sie auf dem 10- Rupien- Schein wieder.
Zurück auf dem Parkplatz, wartet schon unser Bus. Es geht zurück zur Cottage, wo es das Mittagessen gibt. Am Nachmittag gehen wir noch durch die Felder und Dörfer spaziern und dürfen ein Bauernhaus von drinnen betrachten. Es ist zwar alles eng und dunkel, aber das Haus ist innen penibel sauber. Man könnte vom Boden essen.
Am Abend versuchen wir wieder unser Glück, den Sonnenuntergang zu beobachten. Diesmal haben wir mehr Glück, aber kurz vor dem endgültigen Verschwinden taucht die Sonne in eine Dunstglocke.
Den Abend verbringen wir wieder vor dem Kamin bei Kerzenschein. Schließlich gibt es im Haupthaus keine Elektrizität, nur unsere 3 Zimmer haben einen Elektroanschluss. Mit der Wärmflasche bewaffnet, verabschieden wir uns tief in der Nacht von unseren Gastgebern, nachdem wir uns angeregt unterhalten haben. Auch Nahil, unser englischsprachiger Führer kann sich nun zurückziehen, er ist immer der erste, der wach ist und der letzte, der ins Bett geht. Manchmal kommt es mir vor, als hätte man ihm unser Leben anvertraut, so besorgt ist er um uns.
So, das war der 3. Teil meiner Nepal-Erlebnisse. Ich hoffe, ich habe Euch das Land ein wenig näher gebracht. Vielleicht habe ich in diesem Teil Begriffe verwendet und nicht weiter erklärt. Dies ist dann vermutlich schon in den ersten beiden Teilen geschehen, den dieser Teil baut auf den anderen auf. Der bericht ist einfach zu umfangreich, um noch mal auf alles einzugehen.
Wer aber Fragen hat, scheue sich nicht, mir einen Kommentar im Gästebuch zu hinterlassen. Ansonsten mache ich mich an die Arbeit zum 4. und letzten Teil.
In diesem Sinne, Namaste!
Raimo
Mittlerweile bin ich aber schon beim dritten Bericht. Während es im ersten Teil allgemein um das Land Nepal ging und im zweiten teil um unsere Erlebnisse in Kathmandu, so beschäftigt sich der nun folgende Teil mit der weiteren Umgebung der Hauptstadt, insbesondere aber mit der alten Königsstadt Bhaktapur.
13. März
????????????
Nach dem Mt. Everest Flug kehrten wir zum Hyatt Kathmandu zurück, wo wir frühstückten und im Anschluß darauf unsere Koffer packten und die Zimmer räumten. Denn schließlich sollte unsere Reise uns an einen anderen ort bringen. An der Rezeption erfuhren wir, dass wir für die Dauer unserer Rundreise Teile unseres Gepäckes dort hätten lassen können, aber für ein erneutes Umpacken war es zu spät ? so hatten unser Fahrer und Reiseleiter alle Hände voll zu tun, das Gepäck von 6 Leuten (3 davon Frauen J )im Kleinbus zu verstauen.
Dann endlich konnte es losgehen ? durch den Himalaja-Flug waren wir eh schon sehr spät dran. Vorbei am Flughafen führte uns unser Weg raus aus der Stadt. Hier sah ich dann auch das erste Mal Ampeln. Wundersamerweise hielten sich die Nepalesen auch an diese, wahrscheinlich wirkte das massive Polizeiaufgebot Wunder.
Das wir die Stadt verliessen , merkten wir kaum. Denn nahtlos schlossen sich andere Orte an und auf den Straßen herrschte das reinste Tohuwabohu. Prinzipiell fuhren mindestens zwei Fahrzeuge in jeder Richtung nebeneinander, obwohl die Straße den Charakter einer besseren Dorfstraße hatte. Des weiteren bogen immer wieder neue Fahrzeuge auf die Straße oder hielten einfach, ohne sich um den Rest des Verkehres zu kümmern. Überladene Mercedes- Busse (irgendwann in den 70igern gebaut) bildeten das Nahverkehrsnetz ? wer keinen Platz mehr auf dem Dach fand, hielt sich halt an der Tür oder den Fensterrahmen fest. Und dazwischen immer wieder motorisierte Rikschas und Mofas. Und natürlich die Fußgänger, die scheinbar die Straße überquerten, ohne nach rechts oder links zu schauen. Vermutlich haben alle Menschen dort ein großes Gottvertrauen, sei es nun in Vishnu, Brahma oder sonst wen.
Unser Fahrer war ständig unter Hochspannung und vollkonzentriert ? ich ziehe heute noch meinen Hut vor ihm, das er uns so sicher und gut die ganzen Tage befördert hat.
Endlich wurde die Gegend ein wenig grüner. Der Weg war von Feldern gesäumt, auf denen alles mögliche angebaut wurde ? Getreide, Kartoffeln, Gemüse.
Nach gut einer Stunde näherten wir uns unserem Ziel. Obwohl unsere Fahrtstrecke bloß ca. 20km betrug. Aber das Verkehrschaos und die nicht sonderlich gut ausgebauten Straßen forderten halt ihren Tribut.
Das erste, was uns auffiel, waren Unmengen von gebrannten Ziegeln. Oft säumten sie kilometerlang die Straße, sowohl im gebrannten als auch erst im ungebrannten Zustand. Zwischendrin sah man immer wieder eine Ziegelfabrik bzw. Lehmstecher, die den frischen Lehm stachen, formten und zum trocknen auslegten, ehe sie in die Fabriken zum Brennen gefahren wurden. Uns wunderte natürlich die riesige Anzahl der Ziegel, und so fragte ich unseren Führer nach dem Grund dafür.
Zum einen ist Bhaktapur das traditionelle Zentrum der Ziegelherstellung ? so erfuhr ich von ihm. Aber er erzählte mir noch eine ganz andere interessante Geschichte für diese ungewöhnliche Regsamkeit. Im Nepal befanden wir uns im Jahre 2059 und Mitte April beginnt das neue Jahr. Nun verbietet es der dortige Glaube, mit dem Bau eines Hauses zu beginnen, wenn das Jahr auf eine Null endet. Weiterbauen ist kein Problem, aber wenn man in diesem Jahr beginnt, so lastet Unglück über dem Haus. Also waren alle bestrebt, mit dem Bau noch im März zu beginnen und dementsprechend herrschte in der Ziegelbranche Hochkonjunktur.
Drei Straßen führen nach Bhaktapur, welches an der alten Handelsroute zwischen Tibet und Indien liegt. Für unseren Einfall in die Stadt nutzten wir die südliche Straße und umrundeten den historischen Kern der Stadt. Bei einem kurzen Halt am Straßenrand konnten wir einen ersten Blick auf die Silhouette der Altstadt und insbesondere den größten Tempel Nepals werfen. Und dann hielten wir vor dem großen Eingangstor, durch welches man in die Altstadt eintritt.
Doch ehe wir die Stadt besichtigen, schweifen wir ganz kurz in die Historie der Stadt Bhaktapur ab.
Bhaktapur bedeutet in der Sanskrit-Sprache ?Stadt der Gläubigen?. Bekannt wurde die Stadt auch unter Bhadgaon, was Reisdorf heißen soll. Die Gründung der Stadt verliert sich in der Geschichte, es gibt aber wie überall in diesem Land Legenden. Geschichtlich belegt ist aber die Ankunft eines lokalen bengalischen Herrschers, der auf der Flucht vor den islamischen Heeren nach Bhaktapur kam. Mit seiner Ankunft verlieh er der Kultur des Tales neue Impulse.
Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert herrschten die Malla- Könige von hieraus sogar über die Städte Kathmandu und Patan und der Palastkomplex inmitten der Stadt zeigt den Wohlstand, der damals herrschte und die Geschicklichkeit der alten Meister.
1934 zerstörte ein Erdbeben weite Teile der Stadt. 1972 begann dann mit Hilfe Deutschlands der Wiederaufbau der Stadt, der erst 1989 abgeschlossen wurde. Die Stadt wurde grundlegend restauriert und man schuf auch eine Infrastruktur mit Wasserleitungen und Brunnenanlagen und siedelte eine Kleinindustrie an. Verewigt hat sich Bhaktapur als Filmkulisse in Bertoluccis Film ?Little Buddha?. Die Stadt gehört übrigens zum Weltkulturerbe der Menschheit.
Heute umfasst die Stadt eine Fläche von ca. 10m?und ist mit ca. 75000 Einwohnern die kleinste der 3 Newar- Städte im Kathmandu-Tal. Sie liegt auf einer Höhe von ca. 1400 Metern über dem Meeresspiegel. Hier fühlt man sich noch heute ins Mittelalter zurückversetzt, genauer in das bäuerliche Leben einer Kleinstadt. Ihren Charme erhält die Stadt aber auch dadurch, dass die gesamte Altstadt für jeglichen motorisierten Verkehr gesperrt ist. Das allein ist schon eine Wohltat gegenüber dem ständig überfüllten Kathmandu.
So, jetzt aber tauchen wir ab in diese wunderschöne und altertümliche Stadt. Wenn man in die Altstadt will, so muß man hier Eintritt zahlen. Dies erledigte aber wieder mal unsere deutschsprechende Reiseleiterin. So kann ich auch nichts zu der Höhe des Preises sagen, da alle Gebühren im Reisepreis eingeschlossen waren. Wichtig ist aber auf jeden Fall zu wissen, dass jede Rupie, der eingenommen wird, in die (sehr kostspielige) Erhaltung des historischen Stadtkerns gesteckt wird.
Nach Durchschreiten des Tores folgen wir einer engen Gasse, rechts und links befinden sich Wohnhäuser und wir werfen neugierig unsere Blicke auf die Gebäude. In einem Gebäude ist eine Schule untergebracht und da die Fenster keine Scheiben haben, können wir den Schülern und ihren fremdländischen Lauten zuhören. Aus einem anderen Schulzimmer werden wir neugierig beobachtet und unser Lächeln wird sofort erwidert.
Und weiter geht es, bis wir auf einen großen Platz treffen, den Dattatreya-Platz oder auch Tachupal Tole, benannt nach dem wuchtigen Dattatreya-Tempel. Dieser Tempel ist den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva geweiht und vereint die 3 wichtigsten hinduistischen Götter in einer dreiköpfigen Figur. Vor dem Tempel steht eine Säule mit Garuda, dem Reittier und treuen Gefährten Vishnus. Der Tempel wurde bereits 1428 gebaut und ist einer der ältesten im Kathmandu-Tal. Aber erst 1860 erhielt er seine jetzige Form. Das Erdgeschoss ist rechteckig und vor dem quadratischen Obergeschoss wurde ein großer Erker angebaut.
Rund um den Platz befinden sich Neun hinduistische Kloster, die heute Privathäuser, Werkstätten und zwei Museen enthalten. Bemerkenswert an diesen Klostern sind vor allem die aufwendig geschnitzten Fenster und Erker.
Direkt an der Ecke des Platzes befindet sich das nationale Holzschnitzmuseum, welches im Pujari Math (ehemaliges Priesterhaus) untergebracht ist. Das Bemerkenswerteste an diesem Museum findet man an der Ostseite des Gebäudes. Hier schließt sich eine kleine Gasse an und wenn man diese entlang läuft, stößt man auf das weltberühmte Pfauen-Fenster, eine ungeheuer feine und filigrane Schnitzerei, die vom Können der alten Schnitzer zeugt. Das Fenster ist einfach nur wunderschön anzuschauen.
In der Gasse haben sich praktischerweise auch einige Läden angesiedelt, die Schnitzereien anbieten. Nach kurzem Handeln und eingedenk des Hinweises, nicht nur in Kathmandu zu kaufen, sondern auch anderswo den Handel anzukurbeln, wechseln einige Arbeiten den Besitzer.
Aber in der Gasse hat noch mehr zu bieten. Wir folgen unserer Führerin und stehen plötzlich in einer kleinen Manufaktur. Hier wird Reispapier hergestellt. Wie es zu dem Namen kam ? niemand weiß es heute. Es wird aus der Rinde des Seidenbastes handgeschöpft und wird wegen seiner Haltbarkeit für Lampenschirme, Kalender und Briefpapier hergenommen, selbst die Behörden nutzen es im offiziellen Schriftverkehr.
Wir konnten jeden einzelnen Arbeitsschritt beobachten, vom pressen über das Schneiden, Färben und Bemalen. Und ehe wir uns versehen hatten, standen wir auf dem Dach des Gebäudes und erhielten noch eine kleine Lektion in natürlicher Farbherstellung. Aber ehrlich, der Blick über Bhaktapur in die Richtung der Berge war interessanter.
Nachdem wir die Manufaktur wieder verlassen hatten, ging es zurück auf den Dattatreya-Platz. Hier beobachteten wir einen Töpfer bei seiner Arbeit. Mangels einer Töpferscheibe nutzte er eine ausrangierte Autofelge ? man muß sich halt nur zu helfen wissen. Der halbe Platz war voll von in der Sonne trocknenden Töpferwaren. Eine Frau saß dabei und gab den Schalen die letzten Korrekturen. Dabei fielen mir die blau tätowierten Fußgelenke der Frau aus, die zur Bevölkerungsgruppe der Juapu gehörte, einer Untergruppe der das Tal dominierenden Newar. Die Frauen tragen traditionell schwarze Wickelröcke mit roten Kanten, die hinten etwas höher sind ? eben das man die tätowierten Fußgelenke sieht.
Dann verließen wir den Platz und gingen in Richtung des Durbar Square. Dabei kamen wir an einer Wasserstelle vorbei. Ein paar Treppen führten nach unten und aus der Wand spritzten ein paar Wasserstrahlen. Dort spielte sich das wahre Leben ab. Frauen holten Wasser für ihr Heim, wuschen die Wäsche und sich selbst. Das Wasser kam über eine unterirdische Leitung direkt aus den Bergen. Dementsprechend kalt war es auch. Rund um die Wasserstelle saßen alte Männer in der Sonne und hielten ein Schwätzchen, während sich die jüngeren Männer beim Spielen vergnügten.
Schließlich kamen wir beim zweiten der drei Plätze von Bhaktapur an. Der Durbar Square lag nicht, wie sonst üblich, im Zentrum des Ortes, sondern am Rand der Altstadt. Hier befindet sich auch ein zweiter Zugang zur Stadt, wo man den Eintritt entrichten konnte, das sogenannte Löwentor.
Das erste, was auffällt, ist das ?Goldene Tor?. Es bildet den Eingang zum Haupthofes des alten Königspalastes. Das Tor gehört zu den schönsten und am besten gearbeiteten Exemplaren auf dieser Welt. Die Torana über dem Tor zeigt die Göttin Kali, Garuda, das geflügelte Reittier Vishnus und zwei himmlische Nymphen. Das Tor selbst ist mit Monsterwesen in verwirrender Vielgestalt geschmückt.
Der Palast selbst war durch seine 99 Höfe berühmt. Leider ist durch die Vernachlässigung der letzten Jahrhunderte und das Erdbeben nicht mehr viel erhalten. Wenn man das Tor durchschritten hat, folgt man einem Gang und kommt an die Tür des Mul Chowk, einem der schönsten Innenhöfe, den man als Nichtgläubiger auf keinen Fall betreten darf. Durch eine kleine Tür kann man einen Blick auf die wundervollen farbigen Schnitzereien werfen. Es sind aber keine Fotos erlaubt.
Nördlich in einem anderen Hof kann man die königliche Badeanlage bestaunen. Der Wasserspeier stellt eine Schlange dar, aus deren Maul das Wasser fließt. Der Schlangenkopf wiederum schaut aus dem Maul eines Krokodils. Das Wasser kommt auch hier über eine 11 km lange unterirdische Leitung direkt aus den Bergen.
Bemerkenswert ist ebenfalls die Betrachtung des Palastes der 55 Fenster, wo es eine ununterbrochene Reihe von Fenstern in der oberen Etage gibt. Jedes der Fenster stellt ein absolutes Meisterwerk der Schnitzkunst dar. Hier ist ein Teil der National Art Galery untergebracht. In dieser findet man Thangkas, Statuen, aber auch ein Buch über Pferde, welches sich auf einer Länge von über 3m ausfalten lässt.
Ein weiteres Bauwerk, was der Aufmerksamkeit bedarf, ist der Yaksheshvara-Tempel. Dieser Tempel ist nach einem Malla-König benannt, dem Shiva im Traum erschienen ist. Shiva beschied ihm, eine Kopie des Tempels von Pashupatinath neben seinem Palast zu bauen, damit er nicht täglich, wie es eigentlich seine Pflicht war, zu eben genannten Tempel reisen müsse. Ein besonderer Leckerbissen sind die erotischen Darstellungen auf den hölzernen Streben.
Des weiteren fallen uns noch einige Tempel, eine große Glocke und eine betende Statue ins Auge, aber die Zeit drängt und wir brechen auf, den dritten Platz zu erkunden. Dies ist der Taumadhi Tole. Das imposanteste an diesem Platz ist der Nyatapola-Tempel (siehe auch mein Profil ? zweites Bild). Diese fünfstöckige Pagode ist 1702 auf einem fünfstöckigem Sockel errichtet worden und gilt als der höchste Tempel Nepals. Die fünf Dächer werden von 108 schön geschnitzten Dachstreben gestützt. Eine steile Treppe führt zum Tempel hinauf und an den Treppenseiten stehen auf jeder Ebeneein paar große Figuren, von denen die jeweils höher stehende Figur zehnmal stärker sein soll als sich die darunter befindende. Das untere Paar bilden zwei Ringer, die 10-mal stärker sind als der stärkste Mensch. Ihnen folgen die Elefanten, die Löwen un die Greife. Ganz oben thronen die Göttinnen Byaghini und Singhrini. Der Tempel selbst ist der Göttin Lakshmi.
Der zweite Blickfang des Platzes ist der Bhairav-Tempel. Dieser fällt durch seine 3 Dächer auf. Durch den Bau des riesigen Tempels stand der ehemals eindächrige Tempel des hochverehrten Gottes im Schatten des anderen. Laut einer Legende stiftete Bhairav Unruhe, aber es war wohl das Volk, welches rebellierte und so wurde der Tempel erweitert und die Harmonie zog wieder ein auf diesem Platz.
Da wir mittlerweile Hunger und Durst hatten und auch die bettelnden Kinder und Händler nicht mehr los wurden, machten wir eine Rast im Cafe Nyatapola. Diese umgebaute Pagode läd zu gutem, nicht ganz billigen Essen ein und man hat vom 3. Stock, wo man im Freien sitzt, einen wundervollen Blick über das Gewusel auf dem Platz. Eine Nudelsuppe und einen nepalesischen Tee später (das Ganze kostete ca. 5 Euro) brachen wir zum Töpfermarkt auf.
Südlich der Stadt findet man schwarze Tonerde, die sehr feinkörnig ist. Sie erlaubt es den Bauern nicht nur, die höchsten Ernten Nepals einzufahren, sondern dient auch den Töpfern als Grundprodukt. Auf großen Scheiben und Autofelgen drehen die Männer alles, vom Wasserkrug bis zur Schale, von der Spardose bis zum Blumentopf. Überall stehen die Tonwaren zum Trocknen in der Sonne herum, um schließlich unter Stroh gepackt und gebrannt zu werden. 3 Tage dauert dieser Prozess. Wenn die gebrannten Waren abgekühlt sind, werden sie sofort bemalt und poliert und zum Verkauf angeboten. Man kann wunderschöne Töpferwaren zu einem spottbilligen Preis erstehen ? die einzige Sorge ist, wie bekomme ich diese Sachen heil nach Hause.
Schließlich biegen wir in eine kleine Gasse ab, um wieder Richtung Palast zu gehen. Ich bin mir heute noch sicher, dass dieses von unserer Führerin geplant war, denn plötzlich standen wir in einem Geschäft, welches Thangka- Malereien verkauft. Wir konnten bei der filigranen Arbeit zuschauen und die Meisterwerke, die oft in monatelanger Arbeit hergestellt wurden, bewundern. Eigentlich sind Thangkas ja religiöse Malereien, es gibt aber speziell für Touristen hergestellte Objekte. Eins gefiel uns so gut, dass wir es kaufen mussten. Nach ein wenig Handeln, was dazu gehört, einigten wir uns auf einen Preis und das Gemälde wurde sicher verpackt für den langen Weg nach Deutschland. In dieser Verpackung schlummert es im Moment immer noch, wir müssen es erst noch rahmen lassen und Platz haben wir erst in unserer neuen Wohnung. Solange muß es noch warten, aber dann bekommt es einen Ehrenplatz.
Schließlich gingen wir zum Bus-Parkplatz, wo unser Fahrer und unser englischsprechender Reiseleiter auf uns warteten. Diese waren sehr verwundert, eigentlich hätten sie uns schon 3 Stunden früher erwartet. Wir sollten gegen 13.00 Uhr zu unserer Unterkunft fahren, mittlerweile war es aber schon 16.00 Uhr. Wir verabschiedeten uns von unserer Führerin, die wir erst in Kathmandu wiedersehen sollten und unser Bus fuhr nach Dhulikhel. Dort kamen wir gegen 16.45 Uhr an, wo wir uns gleich zum Mittagessen begaben(!) Dies wartete ja schon mehrere Stunden auf uns.
Danach bezogen wir unsere Zimmer. Nach dem Luxus des Hyatt- Hotels von Kathmandu waren die Bedingungen hier ziemlich einfach. Die Lodge lag sehr weit außerhalb von Dhulikel an einer Bergfront. Wir befanden uns mittlerweile auf einer Höhe von ca. 1800 m und hier war es doch schon kühler. Auf den Zimmern, die sich in einzelnen Bungalows befanden, gab es aber keine Heizung und auch das warme Wasser floss bloß spärlich. Aber für eine Nacht würde es schon gehen. Danach schauten wir uns ein wenig in der Wildnis um, denn wir waren dort weit und breit die Einzigen, ehe wir uns gegen 20.00 Uhr im Haupthaus zum Dinner trafen. Diesmal gab es tibetanische Küche, die im Gegensatz zur nepalesischen nicht sehr gewürzt ist. Die Momos (gefüllte Teigtaschen) waren aber sehr lecker und auch der Rest, was immer es war, schmeckte.
Nach dem Essen kamen wir mit dem Hotelpersonal ein wenig ins Gespräch und wir merkten, dass wir Deutschen doch eine gewisse Symphatie bei den Menschen hervorriefen. Einer erzählte uns, dass er seit einem Jahr täglich ganz früh mit dem Bus nach Kathmandu, welches immerhin 40km entfernt war, fuhr, um Deutsch zu lernen. Und er sprach wirklich sehr gut unsere Sprache. Mittag war er wieder zurück, um seinen Dienst in der Lodge anzutreten.
Später am Abend tauchte dann auch noch der Besitzer unserer Unterkunft auf und präsentierte uns ?Himalaja-Wasser?. Dies wird nicht wie bei uns auch Gläsern, sondern aus flachen gebrannten Tonschalen getrunken. Ein Schälchen wurde gefüllt und angezündet als Opfer für die Götter, bei den anderen Schälchen mussten wir uns opfern. Hölle, brannte das Zeug. Aber gut war er doch ? und da man auf einem Bein bekanntlich nicht stehen kann, folgte das zweite Opfer kurz darauf. Damit hatten die anwesenden Damen für den Rest des Abends aber auch genug. Da es eh spät war, brachen wir zur Nachtruhe auf, nicht ohne das jeder vom Chef eine Wärmflasche fürs Bett in die Hand gedrückt bekam.
14. März
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Heute hieß es zeitig aufstehen. Um 5.45 Uhr wurde gegen unsere Türe gehämmert. Nach dem Öffnen wurde uns Tee serviert und wir öffneten die Fenster. Denn uns erwartete ein Schauspiel besonderer Güte. Die Hütten waren so gebaut und die Betten so gestellt, dass wir von diesen aus die Berge und den Sonnenaufgang bewundern konnten ? ein unvergleichliches Schauspiel.
Danach packten wir unsere Sachen und gingen zum Frühstücken, währen die Angestellten unser Gepäck über eine schmale Treppe ca. 50m nach unten zum Auto trugen. Das Frühstück fand auf der Dachterrasse im Anblick der schneebedeckten Gipfel statt und durch die Bergluft war unser Appetit gewaltig. Danach hieß es Abschied nehmen von unseren freundlichen Gastgebern.
Auf unserer Fahrt hielten wir in Dhulikel, einer hübschen Kleinstadt. . Wir schlenderten ein wenig durch das Gelände und konnten von der Ferne einem Totenkult beiwohnen. Die Leute waren alle weiß gekleidet, was dort die Farbe der Trauer ist.
Im krassen Gegensatz dazu stand die Feier eines Jungen, der mit dieser Zeremonie zum Mann wurde. Fröhliche Musik auf der Straße, die Leute tanzten und trafen sich am Haus der Eltern. Während des eineinhalbstündigen Spazierganges konnte man viel von den Traditionen der Menschen sehen und es war sehr interessant, auch mal die Seite, abgewand von den Großstädten, zu sehen.
Aber weiter ging es. Wir wollten heute noch nach Nagarkot. Dieser Ort liegt auf über zweitausend Meter Höhe. Hier hat sich eine Art Ferienort entwickelt. Unsere Fahrt führte uns wieder durch Bhaktapur, ehe es auf einer Serpentinenstraße hinauf zu unserer nächsten Lodge ging. Diese war noch einfacher als die letzte. Warmes Wasser gab es überhaupt nicht mehr (nach einer halben Stunde laufen war es einigermaßen zum Duschen) und im ganzen Zimmer hing nur eine schwache Glühbirne. Heizung gab es wieder nicht, auf dem Zimmer befand sich aber ein Kerosin-Ofen, dieser wurde aber nur im Winter in Betrieb genommen.
Empfangen wurden wir wieder mit Blumen. Nach dem Lunch fuhren wir zum Aussichtspunkt, von wo man einen Wahnsinnsblick auf den Himalaja haben sollte. Doch leider war alles wolkenverhangen. Dafür hatten wir ein wunderschönes Erlebnis mit der nepalesischen Armee. Diese hatte in diesem Gebiet gerade ein Manöver (überhaupt ist in Nagarkot viel Armee stationiert) und wir trafen beim Aussichtsturm auf eine Kompanie. Sofort entwickelten sich Kontakte, die in einem Gruppenfoto gipfelten, ehe der Kommandeur, der das Treiben lächelnd betrachtete, den Aufbruchsbefehl gab.
Auch wir machten uns auf den Rückweg, aber auch zu Fuß, während unser Bus vorausfuhr. Nach ca. 5km kamen wir beim Hotel ?Club Himalaja? an, von wo aus wir den Sonnenuntergang betrachten wollten. Aber Pustekuchen, es war immer noch alles zugezogen.
Also blieb uns nichts weiter übrig, als den Rückweg zu unserer Cottage anzutreten. Dort wurden wir mit einem Barbecue und einem offenen Kamin für den Rest des Abends verwöhnt, ehe es wieder die obligatorischen Wärmflaschen zur Nachtruhe gab.
15. März
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Da der Himmel immer noch wolkenverhangen war, konnten wir ein wenig ausschlafen. Nach einer Katzenwäsche und einem deftigen Frühstück brachen wir wieder zu neuen Abenteuern auf. Unser Bus fuhr uns die halbe Strecke Richtung Bhaktapur zurück, ehe wir ausstiegen. (Ich muß dazu aber sagen, es war jedes Mal unser freier Wille zu laufen, unser Fahrer hätte uns auch überall hin gefahren) Wir wollten zum Changu Narayan Tempel, welcher sich auf einem Hügel 5 km oberhalb von Bhaktapur befindet. Dazu war aber noch ein Fußmarsch von ca. 2 Stunden nötig.
Diese Wanderung führte uns durch Wälder und an kleinen Bauerngehöften vorbei. Wir konnten die Terrassenform der Felder bewundern, wodurch jeder Meter des Berges genutzt wird. Es ist schon ein komisches Bild, einen Berg bis zum Gipfel in Stufenform zu sehen, aber Not macht erfinderisch.
Die Feldbearbeitung wurde von den Frauen vorgenommen, während die Männer frei hatten. Für sie war Sonntag, und sie schwatzten, tranken, saßen zusammen oder gingen händchenhaltend spazieren. Aber nur die Männer hatten dieses Privileg, denn sie mussten von der Arbeit ausruhen und nur die Fabrikarbeit gilt auch als wirkliche Arbeit. Also kümmerten sich derweilen die Frauen um die Kinder, den Haushalt, das Essen, das Vieh und die Feldarbeit ? Rollenverteilung von Mann und Frau in Asien.
Schließlich erreichten wir unser Ziel ? den Tempel Changu Narayan. Schatzkammer Nepals, Weltkulturerbe der UNESCO und ältestes Heiligtum des Kathmandu-Tales ? all das sagt treffend aus, was dieser Tempel für eine Bedeutung besitzt. Seine Ursprünge gehen bis ins 4. Jahrhundert zurück. 1702 durch ein Feuer zerstört, wurde er wieder vollständig aufgebaut.
Der Platz ist wie geschaffen für ein Heiligtum.:1550 m hoch auf dem letzten Hügel eines Kammes gelegen, überblickt man von hier das ganze Tal und ist von überall zu sehen.
Unser Marsch endete am Parkplatz zu Fuße des Tempels. Durch ein Tor gelangt man zu einer breiten Treppe, die ein kleines Dorf durchquert. An der Dorfmauer konnten wir den sozialen Zusammenhalt beobachten. Auf einem großen Platz trafen sich Alte und Gebrechliche zum Essen, welches aus dem Dorf gebracht wurde. Dies war landesüblich, Reis, Gemüse und Sossen. Gegessen wurde auch landestypisch ? mit der rechten Hand, indem mit den drei mittleren Fingern eine Art Löffel gebildet wurde.
Nachdem wir das Dorf durchschritten hatten, traten wir in den Tempelinnenhof ein. Und machten gleich eine grausige Entdeckung. Während wir noch standen und uns umschauten, trugen zwei Männer einen Affen vorbei, dessen Hände und Füsse an einer Stange festgebunden waren. Aber dem Affen fehlte der Kopf. Den entdeckten wir Sekunden später. Man steckte den Kopf mit dem noch zuckenden Gesicht auf eine Art Dreizack, ehre man ihn über einem Feuer verbrannte. Wir haben später unsere Reiseleiterin danach gefragt, aber sie konnte oder wollte uns darauf keine Antwort geben, ebenso wir unser englischsprachiger Führer, der mit vor Ort war.
Der Tempel selbst wird als der älteste Tempel im Kathmandu-Tal beschrieben. Im Tempel ist eine Steininschrift aus dem 5. Jahrhundert, der ältesten jemals in Nepal gefundenen aufgestellt. Somit zeugt er von der mehr als 1600jährigen Kunstgeschichte des Landes. Wie sagte unsere Führerin später zu mir: ?Im Tempel sieht man die ganze kulturelle Entwicklung des Tales.?
Der quadratische Bau mit zwei Dächern wirkt sehr harmonisch und ist reich ausgeschmückt, die fein geschnitzten Streben stellen Inkarnationen Vishnus dar, in denen er Bösewichter zerstört.
Vor dem Eingang kniet ein Garuda, halb Mann und halb Vogel und treuer Begleiter und Träger von Vishnu. Die Statue stammt vermutlich aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. Die Türen des Tempels sind reich verziert und manchmal ist die westliche Tür auch geöffnet. Das Betreten für Nichthindus ist aber streng verboten.
Erwähnenswert ist noch die Bronze-Figur von Vishnu, wie er auf Garuda sitzt. Sie stammt aus dem 9. Jahrhundert und man findet sie auf dem 10- Rupien- Schein wieder.
Zurück auf dem Parkplatz, wartet schon unser Bus. Es geht zurück zur Cottage, wo es das Mittagessen gibt. Am Nachmittag gehen wir noch durch die Felder und Dörfer spaziern und dürfen ein Bauernhaus von drinnen betrachten. Es ist zwar alles eng und dunkel, aber das Haus ist innen penibel sauber. Man könnte vom Boden essen.
Am Abend versuchen wir wieder unser Glück, den Sonnenuntergang zu beobachten. Diesmal haben wir mehr Glück, aber kurz vor dem endgültigen Verschwinden taucht die Sonne in eine Dunstglocke.
Den Abend verbringen wir wieder vor dem Kamin bei Kerzenschein. Schließlich gibt es im Haupthaus keine Elektrizität, nur unsere 3 Zimmer haben einen Elektroanschluss. Mit der Wärmflasche bewaffnet, verabschieden wir uns tief in der Nacht von unseren Gastgebern, nachdem wir uns angeregt unterhalten haben. Auch Nahil, unser englischsprachiger Führer kann sich nun zurückziehen, er ist immer der erste, der wach ist und der letzte, der ins Bett geht. Manchmal kommt es mir vor, als hätte man ihm unser Leben anvertraut, so besorgt ist er um uns.
So, das war der 3. Teil meiner Nepal-Erlebnisse. Ich hoffe, ich habe Euch das Land ein wenig näher gebracht. Vielleicht habe ich in diesem Teil Begriffe verwendet und nicht weiter erklärt. Dies ist dann vermutlich schon in den ersten beiden Teilen geschehen, den dieser Teil baut auf den anderen auf. Der bericht ist einfach zu umfangreich, um noch mal auf alles einzugehen.
Wer aber Fragen hat, scheue sich nicht, mir einen Kommentar im Gästebuch zu hinterlassen. Ansonsten mache ich mich an die Arbeit zum 4. und letzten Teil.
In diesem Sinne, Namaste!
Raimo
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