Billabong (geschlossen) Testbericht

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Erfahrungsbericht von enno59

Das Ende der Welt: Australisch essen in Berlin

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wer glaubt, daß Australien am Ende der Welt liegt...

... der muß sich wohl zu Recht einen selbstgefälligen eurozentrierten Blick vorwerfen lassen
... der hat, wenn er schon einmal im Berliner Restaurant Billabong war, dessen Lage möglicherweise als Allegorie auf das Land Australien aufgefaßt.

Das Billabong, ein australisches Restaurant, findet man in der Rungestraße in Berlin-Mitte. Beim Einbiegen in die Rungestraße kommen einem schon einige kleine Zweifel, ob denn die Beine wohl den richtigen Weg eingeschlagen haben: Die Straße ist nach wenigen Dutzend Metern zu Ende, ein Zaun deutet es dezent an, und eine mehrere Meter hohe Mauer versperrt nicht nur das Weitergehen resp. das Weiterfahren, sondern auch die Sicht. Nicht gerade einladend. Doch ganz hinten, kurz vor dem Zaun, da leuchtet ein Lämpchen – oder auch zwei. Wer jetzt nicht die Assoziation von Australien kurz vorm Ende der Welt hat ... Und wunderbarerweise ist das Billabong ein exzellentes Restaurant, das viel Werbung macht für sein Heimatland.

Billabong – dieses Wort bezeichnet eine Art Teich neben einem fast ausgetrockneten Flußlauf während der Trockenzeit. Oft ist es die einzige Stelle, wo Mensch und Tier in dieser Zeit Wasser fassen können, und deshalb ist ein Billabong ein vielfrequentierter Treffpunkt. Insofern macht das Restaurant Billabong seinem Namen alle Ehre. Bevor ich jedoch darauf eingehe, muß ich – das läßt sich überhaupt nicht vermeiden – auf eine Besonderheit des Billabong eingehen.

Weil in Australien der Alkoholausschank streng lizensiert ist, hat sich eine besondere Form von Alkoholverkauf und –konsum herausgebildet, das byo, das "bring your own". Häufig gibt es direkt neben einer Gaststätte einen Flaschenladen (in vielen Fällen ist es wohl derselbe Eigentümer), in dem Alkohol ganz normal gekauft und dann zum Essen in das Restaurant mitgenommen werden kann. Gegen eine Gebühr darf man dann diese Flasche(n) trinken – Korkgeld nennt sich das. Genau dieses Verfahren gibt es auch beim Billabong. Direkt neben dem Restaurant findet sich ein Weinladen, der auf den Vertrieb von australischen Weinen spezialisiert ist. Und zwar ausschließlich auf den Vertrieb der Weine eines einzigen Weingutes, des Weingutes Taylor. Seit 1969 wird von der Familie Taylor in Auburn im südaustralischen Clare Tal Wein angebaut und hergestellt. Das ist für ein Weingut noch nicht allzu lange. Dennoch ist der Wein exzellent. Die Produktlinie des Weingutes ist relativ schmal: 4 Weißweine (Chardonnay im Stahltank und im Holzfaß ausgebaut, Riesling und White Clare – eine Cuvé aus Chardonnay und Crouchen) und 4 Rotweine (Shiraz, Cabernet Sauvignon, Shiraz-Cabernet und Pinot noir). Daneben gibt es mit der St. Andrews Collection noch einige höherpreisige Angebote.

Das Wunderbare an australischen Weinen, insbesondere an australischen Rotweinen ist, daß sie sehr schnell genußreif sind, nicht so wie die französischen Weine insbesondere aus dem Bordeaux-Gebiet, die erst viele Jahre lagern müssen, ehe sie mit Genuß getrunken werden können (und dann kaum mehr bezahlbar sind). Natürlich entfalten sich auch die Weine des Weingutes Taylor, die in Deutschland aus Namensrechtsproblemen unter dem Namen WAKEFIELD vertrieben werden, im Laufe der Jahre immer besser. Aber sie können bereits jetzt prima getrunken werden.

Wohl wissend um die symbiotische byo-Gemeinschaft vom Billabong und Wakefield-Weinladen, steuerte ich unlängst mit meiner Nicht-Angetrauten (anläßlich des Valentins-Tages :-) ) die Runge-Straße an. Erst Wakefield und dann Billabong, so unser Plan. Nun waren wir bereits vor einigen wenigen Wochen auf der Weinmesse Berlin (siehe auch meinen Bericht dazu) am Stand der Wakefield-Weine gewesen und – trotz der Vielzahl bereits verkosteter Weine – schwer beeindruckt. Also rein in den Weinladen und dem Betreiber Dick Darnock einen guten Abend gewünscht. Obwohl ihm das Reden wegen einer Erkrankung äußerst schwer fiel, ließ er es sich nicht nehmen, uns seine Weine genau zu erläutern und, gänzlich ungefragt, seine Weine zum Probieren anzubieten. Als wir unsere Absicht erzählten, anschließend ins Billabong zu wechseln, erbot er sich, telefonisch um Plätze nachzufragen und auch zu reservieren. Dies empfiehlt sich beim Billabong offensichtlich an jedem Wochentag, auch wenn es am Ende der Welt, äh Straße ... Zurück zu Dick Darnock, bei dem wir jedenfalls noch eine gute halbe Stunde Wartezeit verbringen mußten, nein - durften.

Die Wakefield-Weine haben trotz des jungen Alters des Weingutes bereits eine Reihe von Auszeichnungen eingefahren. So auch der jüngste Cabernet (von 1999) – er wurde als bester australischer Wein seines Jahrganges und seiner Preisklasse ausgezeichnet. Und damit sind wir bei den Preisen. Wer bei Preisen von 20 DM aufwärts pro Flasche innere Blockaden (aus objektiven oder subjektiven Gründen) bekommt, für den ist dieser Weinladen sicher nichts. Aber auch hier gilt: Qualität hat ihren Preis. Hinzu kommt: der Wein kommt zwar nicht vom Ende der Welt ;-), wohl aber von weither.
Die Qualität der Weine veranlaßte uns, eine Bestellung zu bestellen, sprich eine Kiste vom bereits erwähnten prämierten Wein zu erwerben. Die Anlieferung erfolgt innerhalb der Stadtgrenzen Berlins innerhalb von weniger als 48 Stunden – von Dick persönlich – und ist kostenlos.

Da die bestellte Kiste nach Hause geliefert werden sollte, hatten wir das byo noch nicht umgesetzt. Wir entschieden uns für den Shiraz-Cabernet. Nachdem der Anruf aus dem Billabong signalisierte, daß nunmehr unsere Plätze frei seien, packten wir unsere Sachen (Mäntel und Taschen), die Weinflasche, die beiden Gläser (wir hatten die Probe unseres bestellten Weines noch nicht zu Ende probiert) und kicherten uns über die paar Meter ins Billabong – Wer ist je mit einer Flasche Wein und zwei gefüllten Gläsern in ein Restaurant gegangen!

Kaum hatten wir das Restaurant betreten, standen wir dem Chef Dieter Ritter (einer der beiden Inhaber) persönlich gegenüber, der uns wissend lächeln empfing. Er nahm uns sofort die Flasche ab, aber nur, um sie zu öffnen. Das Korkgeld im Billabong beträgt übrigens 12 DM. Verglichen mit anderen Lokalen, wo die Aufschläge auf Wein bis zu 400 % auf den Ladenpreis betragen, ist das wirklich sehr gut. Die Weine können im übrigen – abweichend vom byo-Prinzip – auch direkt im Restaurant erworben werden, hier allerdings deutlich teurer. Unsere Flasche Shiraz-Cabernet kostete bei Dick 20 DM zuzüglich 12 DM Korkgeld, im Restaurant wäre sie für 40 DM zu haben gewesen.

Nicht ganz unbegründet hatten wir jetzt einen guten Appetit entwickelt und widmeten uns der Lektüre des Speisekarte. Wir entschieden uns für Känguruhlende und Steak vom Straußenfilet. Und so herausragend wie die Weine schmeckten uns auch die gut portionierten Gerichte.

Bei unseren nächsten Besuchen werden wir uns dann zwischen Petersfischfilet, Barramundi (laut Speisekarte der Lieblingsfisch der Australier), neuseeländischem Lammkotelette, Krokodil- oder Haifischsteak entscheiden müssen. Das Rib Eye Steak und das scharfe Hähnchencurry ließen wir beiseite, diese erhält man möglicherweise auch woanders.

Wer keinen Wein trinken mag, kann auch "Local Beer" (deutsche Biere) oder "Aussie Beer" (na was wohl) bestellen, daß es alkoholfreie Getränke gibt, versteht sich von selbst.

Die Atmosphäre im Billabong ist ausgesprochen umgezwungen. Dazu trägt nicht unwesentlich Dieter Ritter bei, der einen Teil der Bedienung übernommen hat. Er nimmt in einer sehr netten und freundlichen Weise die Bestellung auf und serviert die Getränke – jedenfalls war es bei uns so. Das Restaurant selbst ist mit allerhand australischem Interieur ausgestattet, was ich jedoch nicht aufdringlich empfand. An einer Wand sind Filmaufnahmen aus der australischen Pflanzen- und Tierwelt zu sehen. Ich saß leider mit dem Rücken zu dieser Wand, so daß ich nur kurz beim Eintritt bzw. beim Gehen bewundern konnte, wie Koalabären und Känguruhs an dieser Wand herumkletterten bzw. –sprangen.

Berliner Restaurantführer stufen das Billabong in die mittlere Preisklasse ein, was angesichts von Preisen zwischen 18 und 37 DM für Hauptgerichte für Berliner Verhältnisse durchaus korrekt ist, und verpassen ihm gute Kritiken.


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Hier die Daten in der Übersicht:
Anschrift:
Rungestraße 17
10179 Berlin (Mitte)
Kontakt:
Tel.: 030 – 278 63 36

Email: [email protected]
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 17-24 Uhr
Sonstiges:
Tischbestellung per eMail möglich: [email protected].

Wakefield-House
Anschrift:
Rungestraße 17
10179 Berlin (Mitte)
Kontakt:
Tel.: 030 – 275 60 100

eMail [email protected]


Nahverkehrsverbindung:
U+S-Bahnhof Jannowitzbrücke (U8, S3, S5, S7, S9, S75)
U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße (U8)

10 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Zauderer

    07.07.2003, 01:57 Uhr von Zauderer
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr guter bericht, aber ich war vom billabong maßlos enttäuscht. geh mal ins never never land gruß zauderer

  • Breton

    25.02.2002, 15:37 Uhr von Breton
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht! Aber sag mal... Der Bordeaux und unbezahlbar? In Deutschland vielleicht... ;-) Gruß aus Tempelhof!

  • zettikonfetti

    22.02.2002, 20:47 Uhr von zettikonfetti
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut das ich nächsten MOnat nach Australien fliege... der bald in der Sonne badende zettikonfetti

  • Southgirl

    13.02.2002, 15:16 Uhr von Southgirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Man merkt, dass du dir viel Mühe gegeben hast.

  • RudiRe

    13.02.2002, 15:15 Uhr von RudiRe
    Bewertung: sehr hilfreich

    Jetzt haste mir Hunger auf Barramundi gemacht. Gruß RudiRe