Billy Elliot - I Will Dance (VHS) Testbericht

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ab 15,93
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Erfahrungsbericht von Flavius

Tanz, Billy, tanz!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Ich weiß es nicht. Ein...ein ...gutes Gefühl. Ich...ich VERSCHWINDE irgendwie, mein Körper wird ganz leicht, es ist, als würde ich FLIEGEN“
So, oder zumindest ähnlich beschreibt der 11jährige Billy Elliot seine Gefühle als Antwort auf die Frage, was er denn beim Balletttanzen empfinde.
Aber bis es soweit ist, liegt ein weiter Weg vor dem aufgeweckten und sensiblen Jungen aus dem nordenglischen Kohle-Kaff Durham.
Der Fim schreibt das Jahr 1984. „HöhePunkt“ der Thatcher-Ära.
Monatelange Streiks der Kohlekumpel schwächen die karge Region, die Stimmung ist mies, wirtschaftlich hat fast jeder Haushalt zu knabbern.

So auch die kleine Familie Elliot. Vom Schicksal schon schwer geschlagen durch den Tod der Mutter. Vater und der ältere Sohn Tony arbeiten im Bergwerk und stehen nun in vorderster Streikfront.
Der jüngere Bruder ist Billy, er geht noch zur Schule. Die geistig leicht verwirrte Oma macht die kleine, in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie komplett.
Billy ist die Hauptfigur des Films. Er kümmert sich rührend um die Oma. Er geht zur Schule, hat einen besten Freund und er ist manchmal traurig, daß seine Mutter nicht mehr lebt. Er hört heimlich die Platten seines Bruders und hüpft vor lauter Bewegungsfrede dazu auf seinem Bett, in der kleinen Kammer, die er sich mit seinem Bruder teilen muß. Manchmal spielt er, zur freude der oma, auf Mutters altem Klavier.
Der Vater, ein Mann, wie er im Buche steht, sieht das nicht so gern. Er schickt Billy lieber zum Boxen, damit aus ihm ja ein „richtiger Junge“ werde.
Billy geht nur widerwillig zum Boxen. Eines Tages wird er auf die Balletklasse von Mrs. Wikinson aufmerksam. Er beobachtet den Unterricht und probiert, von der Lehrerin und den interessiert kichernden Mädchen, einige Schritte aus. Er findet Gefallen daran und schwänzt von nun an das Boxtraining um heimlich zum Ballett gehen zu können.
Natürlich hat unser Billy Talent. Und natürlich bekommt der Vater eines Tages spiz, daß sein Sohn statt im Clinch zu liegen, lieber den Plies ausprobiert.
Es wird ein harter Kampf von Billy und seiner Lehrerin, bis er endlich zum Vortanzen an die Royal Ballet School in London fahren darf.

Von der Lektüre über berühmte Ballettstars und die richtige Tanztechnik über heimliches Training im Badezimmer und versteckten Schrittübungen auf dem täglichen Schulweg, kostenfreiem Privatunterricht bis hin zum wiederholten Erklärungsnotstand, daß ein Junge zwar sehr wohl Ballett tanzen können will ohne deshalb gleich ein Weichei oder gar schwul zu sein, der Zuschuer erlebt alles mit, eingebettet in fetzige und melancholische Musik, mit interessanter, eigentümlicher Choreographie. Zwischendurch beleuchtet der Film auch immer wieder die Probleme um die streikenden Kohlekumpel.

Regisseur Stephen Daldry gelingt mit „BILLY ELLIOT. I WILL DANCE“ ein begeisterndes Kinodebüt.
Sicher hält er die Balance zwischen Traum und Tristesse, Lachen und Weinen, Hoffen und Bangen.
Er setzt damit den Trend des „Neuen Britischen Kinos“ in Stil und Qualität nahtlos fort. Nach „The Full Monty“(eine Reihe gestandener Männer schafft sich durch eine Men-Stripshow wieder neues Selbstvertrauen) und „Brassed Off“(ein junger Mann führt sich und eine andere Reihe gestandener Männer durch die Teilnahme an einem Musikwettbewerb aus der Krise) können die Kinobesucher nun einen kleinen Jungen im Kampf gegen alle Unbilden des kargen nordenglischen Kohlealltags der 80er Jahre erleben.
Und WAS für einen Jungen. Mit Jamie Bell ist die Titelrolle excellent besetzt. Mit Charme, Witz, Energie und einer großen Portion guten Aussehens spielt sich der Wunderknabe in die Herzen der Zuschauer.
Zwar nehme ich ihm den 11 jährigen nicht ab (er wird eher so 13 oder 14 sein), aber er gewann durch sein natürliches Spiel und seinen Ausdruck superschnell auch meine Sympathien.
Die anderen Rollen sind auch klasse besetzt. Der Vater (Gary Lewis) z.B. Oder die Oma. Und natürlich Mrs. Wikinson (Julie Walters. Übrigens: GROßARTIG synchronisiert von Judy Winter) Alle Figuren haben ihre kleinen Macken und sind trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb so sympathisch.


Die Story (Drehbuch: Lee Hall) ist durchweg gut erzählt, nicht unvorhersehbar, aber doch spannend, unterhaltsam und anrührend.
Es gibt viele starke Szenen. Die von Billy, in denen er einfach nur tanzt. Oder sein Gesichtsausdruck, wenn sein Vater und seine Lehrerin um die Erlaubnis zum Balletttanzen streiten.
Die Beziehung zu seinem besten Freund, der unverhohlen in Billy verliebt ist. Oder zur Tochter von Mrs. Wilkinson (“Wenn Du willst, zeige ich dir meine Muschi“).
Der Vater, der für seinen Sohn zum Streikbrecher wird. Der Bruder, dem ein „Ich werde Dich vermissen“ so schwer über die Lippen kommt.
Und die Geste, mit der die Oma ihren kleinen Billy verabschiedet.

Es lohnt sich sehr, diesen Film anzusehen. Kein amerikanisches Rührkitschstück aber auch kein bröseliger europäischer Kritikerfilm. Sondern einfach eine schöne „Be yourself“/Do hat you want“-Geschichte, mit Liebe und Präzision erzählt, ohne große Special Effekts aber dafür mit sehr guten Schauspielern.

Und auch die Musik ist schön. Fast alles Lieder stammen vom T.Rex-Sänger und -Komponisten Marc Bolan und passen gut zu den gezeigten Bildern.

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