Billy Elliot - I Will Dance (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von suppengirl
Englische Filme sind einfach anders
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Endlich endlich endlich hatte ich die Gelegenheit, mir im Kino "Billy Elliot" anzusehen. Ich hatte schon sehr viel über diesen Film gehört, eigentlich nur Positives und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Lange musste ich darauf warten, diese zu überprüfen, denn bei mir in der Pampa * jammer * laufen immer nur die gaaaaaanz großen Publikumsreißer, die dann aber auch mehrere Wochen oder gar Monate.
Leider begann "Billy Elliot" für mich mit einem großen Ärgernis. Wenn man eine Kino-Vorstellung besucht, die um 18.30 Uhr beginnt, kommt man in den Genuss des eigentlich positiven Nebeneffekts, dass man keine Werbung über sich ergehen lassen muss. Wenn dann allerdings der Film fünf Minuten zu früh beginnt, und man dadurch den Anfang verpasst, dann ist das eigentlich eine bodenlose Unverschämtheit. Wenn ich nicht so lange auf den Film gewartet hätte und später kaum noch eine Chance gehabt hätte, ihn zu sehen, dann wäre ich wohl wieder rausgegangen und hätte mein Eintrittsgeld zurück verlangt.
Nun aber endlich zum Film!
Story
******
Die Geschichte ist Mitte der Achziger Jahre in einer kleinen Stadt in England angesiedelt. Die meisten Einwohner verdienen ihr Geld im Bergbau. Da "Die eiserne Lady" Margaret Thatcher zu dieser Zeit nicht gerade eine bergbaufreundliche Politik betreibt, befinden sich (fast) alle Arbeiter im Streik. Die Stimmung ist trüb.
In dieser Umgebung lebt der 11jährige Billy Elliot, gemeinsam mit seinem Vater, seinem älteren Bruder Tony und seiner etwas verschrobenen Großmutter. Seine Mutter ist gestorben, das Geld ist knapp, Bruder und Vater sind hauptsächlich damit beschäftigt Streikbrecher und Polizei aufzumischen. Den einzigen "Luxus", den er sich leisten kann, ist der Boxunterricht, den ihm sein Vater finanziert. Außerordentlich viel Talent und Freude bringt er für diese Sportart jedoch nicht auf. Durch Zufall gerät er an eine Ballettklasse, die im gleichen Gebäude trainiert wie die Boxgruppe. Er ist fasziniert von Musik und Bewegung und nachdem er sich über seine eigenen anfänglichen Skrupel hinwegsetzt ("Tanzen nicht nur Schwule Ballett?"), investiert er von nun an - heimlich - die 50 Pence in Ballett- statt Boxunterricht. Als sein Vater dahinter kommt, unterbindet er diese unmännliche Treiben. Billys Ballettlehrerin hat aber andere Pläne, denn sie hat längst sein Potenzial erkannt...
Darsteller
********
Eine beinahe durchwegs unbekannte Darstellerriege ist wohl mit dafür verantwortlich, dass "Billy Elliot" so unverbraucht und frisch wirkt.
In der Titelrolle spielt sich Neuentdeckung Jamie Bell in das Herz der Zuschauer. Von den ersten unbeholfenen Versuchen von Pirouetten und anderen Grausamkeiten - dem Darsteller fielen diese sicher schwer, schließlich tanzt er tatsächlich seit Jahren leidenschaftlich Ballett -, über seine besessenen Anstrengungen, die Glücksgefühle bei seinen ersten Erfolgen und schließlich die absolute Ekstase beim Tanzen: Jamie Bell lässt den Zuschauer Teil haben an der Leidenschaft Ballett. Ehrlich gesagt, bin ich nicht wirklich ein Fan dieser Art des Tanzes, zu künstlich, ja zum Teil richtiggehen albern fand ich bisher dieses Gehüpfe und Gedrehe. Als ich nach "Billy Elliot" das Kino verließ, hatte ich aber selbst plötzlich richtig Lust darauf mich zu bewegen. Und wenn ich nicht schon zu alt wäre, wer weiß, vielleicht hätte ich mich schon heute zum Unterricht angemeldet!
Einzig Julie Walters in der Rolle von Billys Lehrerin und Förderin Mrs Wilkinson, war mir auch vor "Billy Elliot" bekannt. Einige können sich vielleicht noch an ihre Rolle als Phil Collins Ehefrau in "Buster" erinnern. Auch sie überzeugt in ihrer Rolle: Eigentlich ebenso desillusioniert wie die Arbeiter der Stadt, lebt sie in einer nicht gerade glücklichen Ehe vor sich hin. Den Ballettunterricht sieht sie nur als Geldquelle, von ihrer einztigen Leidenschaft für das Tanzen ist nicht mehr viel zu spüren. Sie lebt mit Billy auf, als sie sein Talent erkennt, und setzt alles daran ihn zu fördern.
Jamie Daven und Gary Lewis als Billys Bruder und Vater zeigen deutlich den Zwiespalt dieser Zeit auf. Zum einen wollen sie ihr Gesicht nicht verlieren, pochen auf ihre Rolle als richtige Männer. Und sind doch innerlich zerrissen und verzweifelt ob ihrer ungewissen und ungesicherten Zukunft. Sie brausen auf, sind vor allem zu Billy hart (schließlich soll er auch mal ein "Mann" werden), nur um ihre Traurigkeit zu verschleiern.
Besonders liebevoll sind auch die kleinsten Nebenrollen besetzt. Vor allem Jean Heywood als Großmutter und Stuart Wells als Billys bester Freund Michael (und was für ein guter Freund... ;o)) versprühen Charme und den Reiz des Verschrobenen.
Umsetzung
*********
Regisseur Stephen Daldry beweist wieder einmal, was mich an kleinen englischen Filmen schon immer gereizt hat: Ein Film braucht keinen Glamour, um zu verzaubern. Er braucht keine ebenmäßigen überbezahlten Hollywoodstars, um zu überzeugen. Er braucht keine verzwickte Story, um spannend zu sein. Er braucht kein Millionenbudget, um authentisch zu sein. Und vor allem: Er braucht keine großen Namen, um das Publikum ins Kino zu locken. Denn "Billy Elliot" war ein großer Überraschungserfolg, der seine Kosten um ein Vielfaches wieder eingespielt hat. Wer will da noch "Titanic" sehen?
Fazit
****
Ein Kino-Besuch, der sich mehr als gelohnt hat. Kurzweilig, dramatisch, komisch und spannend, ein wirklich gelungener Kino-Abend. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und jedem, der sich diesen kleinen feinen Film bisher entgehen ließ, kann ich nur raten, diese Sachlage so schnell wie möglich zu ändern. Schade nur, dass es nicht mehr Filme dieser Art gibt, bzw. dass es nicht mehr in unsere Kinos schaffen. Schon gar nicht in der Pampa.
(c) Suppengirl, 11.01.2001
PS: Sorry, dass nun ein Bericht von mir ganz oben steht, der fast ein Jahr alt ist, obwohl ich ihn garantiert nicht geupdatet habe (oder wie das heißt). Ich schreib zur Zeit kaum Neues, les mir aber von Zeit zu Zeit meine alten Berichte durch. Und der Lehrer in mir verkraftet es einfach nicht, dabei eventuell aufgefundene Tippfehler stehen zu lassen. Deshalb...
Grüßle
Suppi
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-15 22:41:13 mit dem Titel Englische Filme sind einfach anders
Endlich endlich endlich hatte ich die Gelegenheit, mir im Kino "Billy Elliot" anzusehen. Ich hatte schon sehr viel über diesen Film gehört, eigentlich nur Positives und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Lange musste ich darauf warten, diese zu überprüfen, denn bei mir in der Pampa * jammer * laufen immer nur die gaaaaaanz großen Publikumsreißer, die dann aber auch mehrere Wochen oder gar Monate.
Leider begann "Billy Elliot" für mich mit einem großen Ärgernis. Wenn man eine Kino-Vorstellung besucht, die um 18.30 Uhr beginnt, kommt man in den Genuss des eigentlich positiven Nebeneffekts, dass man keine Werbung über sich ergehen lassen muss. Wenn dann allerdings der Film fünf Minuten zu früh beginnt, und man dadurch den Anfang verpasst, dann ist das eigentlich eine bodenlose Unverschämtheit. Wenn ich nicht so lange auf den Film gewartet hätte und später kaum noch eine Chance gehabt hätte, ihn zu sehen, dann wäre ich wohl wieder rausgegangen und hätte mein Eintrittsgeld zurück verlangt.
Nun aber endlich zum Film!
Story
*****
Die Geschichte ist Mitte der Achziger Jahre in einer kleinen Stadt in England angesiedelt. Die meisten Einwohner dieser Stadt verdienen ihr Geld im Bergbau. Da "Die eiserne Lady" Margaret Thatcher zu dieser Zeit nicht gerade eine bergbaufreundliche Politik betreibt, befinden sich (fast) alle Arbeiter im Streik. Die Stimmung ist trüb.
In dieser Umgebung lebt der 11jährige Billy Elliot, gemeinsam mit seinem Vater, seinem älteren Bruder Tony und seiner etwas verschrobenen Großmutter. Seine Mutter ist gestorben, das Geld ist knapp, Bruder und Vater sind hauptsächlich damit beschäftigt Streikbrecher und Polizei aufzumischen. Den einzigen "Luxus", den er sich leisten kann, ist der Boxunterricht, den ihm sein Vater finanziert. Außerordentlich viel Talent und Freude bringt er für diese Sportart jedoch nicht auf. Durch Zufall gerät er an eine Ballettklasse, die im gleichen Gebäude trainiert wie die Boxgruppe. Er ist fasziniert von Musik und Bewegung und nachdem er sich über seine eigenen anfänglichen Skrupel hinwegsetzt ("Tanzen nicht nur Schwule Ballett?"), investiert er von nun an - heimlich - die 50 Pence in Ballett- statt Boxunterricht. Als sein Vater dahinter kommt, unterbindet er diese unmännliche Treiben. Billys Ballettlehrerin hat aber andere Pläne, denn sie hat längst sein Potenzial erkannt...
Darsteller
********
Eine beinahe durchwegs unbekannte Darstellerriege ist wohl mit dafür verantwortlich, dass "Billy Elliot" so unverbraucht und frisch wirkt.
In der Titelrolle spielt sich Neuentdeckung Jamie Bell in das Herz der Zuschauer. Von den ersten unbeholfenen Versuchen von Pirouetten und anderen Grausamkeiten - dem Darsteller fielen diese sicher schwer, schließlich tanzt er tatsächlich seit Jahren leidenschaftlich Ballett -, über seine besessenen Anstrengungen, die Glücksgefühle bei seinen ersten Erfolgen und schließlich die absolute Ekstase beim Tanzen: Jamie Bell lässt den Zuschauer Teil haben an der Leidenschaft Ballett. Ehrlich gesagt, bin ich nicht wirklich ein Fan dieser Art des Tanzes, zu künstlich, ja zum Teil richtiggehen albern fand ich bisher dieses Gehüpfe und Gedrehe. Als ich nach "Billy Elliot" das Kino verließ, hatte ich aber selbst plötzlich richtig Lust darauf mich zu bewegen. Und wenn ich nicht schon zu alt wäre, wer weiß, vielleicht hätte ich mich schon heute zum Unterricht angemeldet!
Einzig Julie Walters in der Rolle von Billys Lehrerin und Förderin Mrs Wilkinson, war mir auch vor "Billy Elliot" bekannt. Einige können sich vielleicht noch an ihre Rolle als Phil Collins Ehefrau in "Buster" erinnern. Auch sie überzeugt in ihrer Rolle: Eigentlich ebenso desillusioniert wie die Arbeiter der Stadt, lebt sie in einer nicht gerade glücklichen Ehe vor sich hin. Den Ballettunterricht sieht sie nur als Geldquelle, von ihrer einztigen Leidenschaft für das Tanzen ist nicht mehr viel zu spüren. Sie lebt mit Billy auf, als sie sein Talent erkennt, und setzt alles daran ihn zu fördern.
Jamie Daven und Gary Lewis als Billys Bruder und Vater zeigen deutlich den Zwiespalt dieser Zeit auf. Zum einen wollen sie ihr Gesicht nicht verlieren, pochen auf ihre Rolle als richtige Männer. Und sind doch innerlich zerrissen und verzweifelt ob ihrer ungewissen und ungesicherten Zukunft. Sie brausen auf, sind vor allem zu Billy hart (schließlich soll er auch mal ein "Mann" werden), nur um ihre Traurigkeit zu verschleiern.
Besonders liebevoll sind auch die kleinsten Nebenrollen besetzt. Vor allem Jean Heywood als Großmutter und Stuart Wells als Billys bester Freund Michael (und was für ein guter Freund... ;o)) versprühen Charme und den Reiz des Verschrobenen.
Umsetzung
*********
Regisseur Stephen Daldry beweist wieder einmal, was mich an kleinen englischen Filmen schon immer gereizt hat: Ein Film braucht keinen Glamour, um zu verzaubern. Er braucht keine ebenmäßigen überbezahlten Hollywoodstars, um zu überzeugen. Er braucht keine verzwickte Story, um spannend zu sein. Er braucht kein Millionenbudget, um authentisch zu sein. Und vor allem: Er braucht keine großen Namen, um das Publikum ins Kino zu locken. Denn "Billy Elliot" war ein großer Überraschungserfolg, der seine Kosten um ein Vielfaches wieder eingespielt hat. Wer will da noch "Titanic" sehen?
Fazit
****
Ein Kino-Besuch, der sich mehr als gelohnt hat. Kurzweilig, dramatisch, komisch und spannend, ein wirklich gelungener Kino-Abend. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und jedem, der sich diesen kleinen feinen Film bisher entgehen ließ, kann ich nur raten, diese Sachlage so schnell wie möglich zu ändern. Schade nur, dass es nicht mehr Filme dieser Art gibt, bzw. dass es nicht mehr in unsere Kinos schaffen. Schon gar nicht in der Pampa.
(c) Suppengirl, 11.01.2001
PS: Sorry, dass nun ein Bericht von mir ganz oben steht, der fast ein Jahr alt ist, obwohl ich ihn garantiert nicht geupdatet habe (oder wie das heißt). Ich schreib zur Zeit kaum Neues, les mir aber von Zeit zu Zeit meine alten Berichte durch. Und der Lehrer in mir verkraftet es einfach nicht, dabei eventuell aufgefundene Tippfehler stehen zu lassen. Deshalb...
Grüßle
Suppi
Leider begann "Billy Elliot" für mich mit einem großen Ärgernis. Wenn man eine Kino-Vorstellung besucht, die um 18.30 Uhr beginnt, kommt man in den Genuss des eigentlich positiven Nebeneffekts, dass man keine Werbung über sich ergehen lassen muss. Wenn dann allerdings der Film fünf Minuten zu früh beginnt, und man dadurch den Anfang verpasst, dann ist das eigentlich eine bodenlose Unverschämtheit. Wenn ich nicht so lange auf den Film gewartet hätte und später kaum noch eine Chance gehabt hätte, ihn zu sehen, dann wäre ich wohl wieder rausgegangen und hätte mein Eintrittsgeld zurück verlangt.
Nun aber endlich zum Film!
Story
******
Die Geschichte ist Mitte der Achziger Jahre in einer kleinen Stadt in England angesiedelt. Die meisten Einwohner verdienen ihr Geld im Bergbau. Da "Die eiserne Lady" Margaret Thatcher zu dieser Zeit nicht gerade eine bergbaufreundliche Politik betreibt, befinden sich (fast) alle Arbeiter im Streik. Die Stimmung ist trüb.
In dieser Umgebung lebt der 11jährige Billy Elliot, gemeinsam mit seinem Vater, seinem älteren Bruder Tony und seiner etwas verschrobenen Großmutter. Seine Mutter ist gestorben, das Geld ist knapp, Bruder und Vater sind hauptsächlich damit beschäftigt Streikbrecher und Polizei aufzumischen. Den einzigen "Luxus", den er sich leisten kann, ist der Boxunterricht, den ihm sein Vater finanziert. Außerordentlich viel Talent und Freude bringt er für diese Sportart jedoch nicht auf. Durch Zufall gerät er an eine Ballettklasse, die im gleichen Gebäude trainiert wie die Boxgruppe. Er ist fasziniert von Musik und Bewegung und nachdem er sich über seine eigenen anfänglichen Skrupel hinwegsetzt ("Tanzen nicht nur Schwule Ballett?"), investiert er von nun an - heimlich - die 50 Pence in Ballett- statt Boxunterricht. Als sein Vater dahinter kommt, unterbindet er diese unmännliche Treiben. Billys Ballettlehrerin hat aber andere Pläne, denn sie hat längst sein Potenzial erkannt...
Darsteller
********
Eine beinahe durchwegs unbekannte Darstellerriege ist wohl mit dafür verantwortlich, dass "Billy Elliot" so unverbraucht und frisch wirkt.
In der Titelrolle spielt sich Neuentdeckung Jamie Bell in das Herz der Zuschauer. Von den ersten unbeholfenen Versuchen von Pirouetten und anderen Grausamkeiten - dem Darsteller fielen diese sicher schwer, schließlich tanzt er tatsächlich seit Jahren leidenschaftlich Ballett -, über seine besessenen Anstrengungen, die Glücksgefühle bei seinen ersten Erfolgen und schließlich die absolute Ekstase beim Tanzen: Jamie Bell lässt den Zuschauer Teil haben an der Leidenschaft Ballett. Ehrlich gesagt, bin ich nicht wirklich ein Fan dieser Art des Tanzes, zu künstlich, ja zum Teil richtiggehen albern fand ich bisher dieses Gehüpfe und Gedrehe. Als ich nach "Billy Elliot" das Kino verließ, hatte ich aber selbst plötzlich richtig Lust darauf mich zu bewegen. Und wenn ich nicht schon zu alt wäre, wer weiß, vielleicht hätte ich mich schon heute zum Unterricht angemeldet!
Einzig Julie Walters in der Rolle von Billys Lehrerin und Förderin Mrs Wilkinson, war mir auch vor "Billy Elliot" bekannt. Einige können sich vielleicht noch an ihre Rolle als Phil Collins Ehefrau in "Buster" erinnern. Auch sie überzeugt in ihrer Rolle: Eigentlich ebenso desillusioniert wie die Arbeiter der Stadt, lebt sie in einer nicht gerade glücklichen Ehe vor sich hin. Den Ballettunterricht sieht sie nur als Geldquelle, von ihrer einztigen Leidenschaft für das Tanzen ist nicht mehr viel zu spüren. Sie lebt mit Billy auf, als sie sein Talent erkennt, und setzt alles daran ihn zu fördern.
Jamie Daven und Gary Lewis als Billys Bruder und Vater zeigen deutlich den Zwiespalt dieser Zeit auf. Zum einen wollen sie ihr Gesicht nicht verlieren, pochen auf ihre Rolle als richtige Männer. Und sind doch innerlich zerrissen und verzweifelt ob ihrer ungewissen und ungesicherten Zukunft. Sie brausen auf, sind vor allem zu Billy hart (schließlich soll er auch mal ein "Mann" werden), nur um ihre Traurigkeit zu verschleiern.
Besonders liebevoll sind auch die kleinsten Nebenrollen besetzt. Vor allem Jean Heywood als Großmutter und Stuart Wells als Billys bester Freund Michael (und was für ein guter Freund... ;o)) versprühen Charme und den Reiz des Verschrobenen.
Umsetzung
*********
Regisseur Stephen Daldry beweist wieder einmal, was mich an kleinen englischen Filmen schon immer gereizt hat: Ein Film braucht keinen Glamour, um zu verzaubern. Er braucht keine ebenmäßigen überbezahlten Hollywoodstars, um zu überzeugen. Er braucht keine verzwickte Story, um spannend zu sein. Er braucht kein Millionenbudget, um authentisch zu sein. Und vor allem: Er braucht keine großen Namen, um das Publikum ins Kino zu locken. Denn "Billy Elliot" war ein großer Überraschungserfolg, der seine Kosten um ein Vielfaches wieder eingespielt hat. Wer will da noch "Titanic" sehen?
Fazit
****
Ein Kino-Besuch, der sich mehr als gelohnt hat. Kurzweilig, dramatisch, komisch und spannend, ein wirklich gelungener Kino-Abend. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und jedem, der sich diesen kleinen feinen Film bisher entgehen ließ, kann ich nur raten, diese Sachlage so schnell wie möglich zu ändern. Schade nur, dass es nicht mehr Filme dieser Art gibt, bzw. dass es nicht mehr in unsere Kinos schaffen. Schon gar nicht in der Pampa.
(c) Suppengirl, 11.01.2001
PS: Sorry, dass nun ein Bericht von mir ganz oben steht, der fast ein Jahr alt ist, obwohl ich ihn garantiert nicht geupdatet habe (oder wie das heißt). Ich schreib zur Zeit kaum Neues, les mir aber von Zeit zu Zeit meine alten Berichte durch. Und der Lehrer in mir verkraftet es einfach nicht, dabei eventuell aufgefundene Tippfehler stehen zu lassen. Deshalb...
Grüßle
Suppi
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-15 22:41:13 mit dem Titel Englische Filme sind einfach anders
Endlich endlich endlich hatte ich die Gelegenheit, mir im Kino "Billy Elliot" anzusehen. Ich hatte schon sehr viel über diesen Film gehört, eigentlich nur Positives und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Lange musste ich darauf warten, diese zu überprüfen, denn bei mir in der Pampa * jammer * laufen immer nur die gaaaaaanz großen Publikumsreißer, die dann aber auch mehrere Wochen oder gar Monate.
Leider begann "Billy Elliot" für mich mit einem großen Ärgernis. Wenn man eine Kino-Vorstellung besucht, die um 18.30 Uhr beginnt, kommt man in den Genuss des eigentlich positiven Nebeneffekts, dass man keine Werbung über sich ergehen lassen muss. Wenn dann allerdings der Film fünf Minuten zu früh beginnt, und man dadurch den Anfang verpasst, dann ist das eigentlich eine bodenlose Unverschämtheit. Wenn ich nicht so lange auf den Film gewartet hätte und später kaum noch eine Chance gehabt hätte, ihn zu sehen, dann wäre ich wohl wieder rausgegangen und hätte mein Eintrittsgeld zurück verlangt.
Nun aber endlich zum Film!
Story
*****
Die Geschichte ist Mitte der Achziger Jahre in einer kleinen Stadt in England angesiedelt. Die meisten Einwohner dieser Stadt verdienen ihr Geld im Bergbau. Da "Die eiserne Lady" Margaret Thatcher zu dieser Zeit nicht gerade eine bergbaufreundliche Politik betreibt, befinden sich (fast) alle Arbeiter im Streik. Die Stimmung ist trüb.
In dieser Umgebung lebt der 11jährige Billy Elliot, gemeinsam mit seinem Vater, seinem älteren Bruder Tony und seiner etwas verschrobenen Großmutter. Seine Mutter ist gestorben, das Geld ist knapp, Bruder und Vater sind hauptsächlich damit beschäftigt Streikbrecher und Polizei aufzumischen. Den einzigen "Luxus", den er sich leisten kann, ist der Boxunterricht, den ihm sein Vater finanziert. Außerordentlich viel Talent und Freude bringt er für diese Sportart jedoch nicht auf. Durch Zufall gerät er an eine Ballettklasse, die im gleichen Gebäude trainiert wie die Boxgruppe. Er ist fasziniert von Musik und Bewegung und nachdem er sich über seine eigenen anfänglichen Skrupel hinwegsetzt ("Tanzen nicht nur Schwule Ballett?"), investiert er von nun an - heimlich - die 50 Pence in Ballett- statt Boxunterricht. Als sein Vater dahinter kommt, unterbindet er diese unmännliche Treiben. Billys Ballettlehrerin hat aber andere Pläne, denn sie hat längst sein Potenzial erkannt...
Darsteller
********
Eine beinahe durchwegs unbekannte Darstellerriege ist wohl mit dafür verantwortlich, dass "Billy Elliot" so unverbraucht und frisch wirkt.
In der Titelrolle spielt sich Neuentdeckung Jamie Bell in das Herz der Zuschauer. Von den ersten unbeholfenen Versuchen von Pirouetten und anderen Grausamkeiten - dem Darsteller fielen diese sicher schwer, schließlich tanzt er tatsächlich seit Jahren leidenschaftlich Ballett -, über seine besessenen Anstrengungen, die Glücksgefühle bei seinen ersten Erfolgen und schließlich die absolute Ekstase beim Tanzen: Jamie Bell lässt den Zuschauer Teil haben an der Leidenschaft Ballett. Ehrlich gesagt, bin ich nicht wirklich ein Fan dieser Art des Tanzes, zu künstlich, ja zum Teil richtiggehen albern fand ich bisher dieses Gehüpfe und Gedrehe. Als ich nach "Billy Elliot" das Kino verließ, hatte ich aber selbst plötzlich richtig Lust darauf mich zu bewegen. Und wenn ich nicht schon zu alt wäre, wer weiß, vielleicht hätte ich mich schon heute zum Unterricht angemeldet!
Einzig Julie Walters in der Rolle von Billys Lehrerin und Förderin Mrs Wilkinson, war mir auch vor "Billy Elliot" bekannt. Einige können sich vielleicht noch an ihre Rolle als Phil Collins Ehefrau in "Buster" erinnern. Auch sie überzeugt in ihrer Rolle: Eigentlich ebenso desillusioniert wie die Arbeiter der Stadt, lebt sie in einer nicht gerade glücklichen Ehe vor sich hin. Den Ballettunterricht sieht sie nur als Geldquelle, von ihrer einztigen Leidenschaft für das Tanzen ist nicht mehr viel zu spüren. Sie lebt mit Billy auf, als sie sein Talent erkennt, und setzt alles daran ihn zu fördern.
Jamie Daven und Gary Lewis als Billys Bruder und Vater zeigen deutlich den Zwiespalt dieser Zeit auf. Zum einen wollen sie ihr Gesicht nicht verlieren, pochen auf ihre Rolle als richtige Männer. Und sind doch innerlich zerrissen und verzweifelt ob ihrer ungewissen und ungesicherten Zukunft. Sie brausen auf, sind vor allem zu Billy hart (schließlich soll er auch mal ein "Mann" werden), nur um ihre Traurigkeit zu verschleiern.
Besonders liebevoll sind auch die kleinsten Nebenrollen besetzt. Vor allem Jean Heywood als Großmutter und Stuart Wells als Billys bester Freund Michael (und was für ein guter Freund... ;o)) versprühen Charme und den Reiz des Verschrobenen.
Umsetzung
*********
Regisseur Stephen Daldry beweist wieder einmal, was mich an kleinen englischen Filmen schon immer gereizt hat: Ein Film braucht keinen Glamour, um zu verzaubern. Er braucht keine ebenmäßigen überbezahlten Hollywoodstars, um zu überzeugen. Er braucht keine verzwickte Story, um spannend zu sein. Er braucht kein Millionenbudget, um authentisch zu sein. Und vor allem: Er braucht keine großen Namen, um das Publikum ins Kino zu locken. Denn "Billy Elliot" war ein großer Überraschungserfolg, der seine Kosten um ein Vielfaches wieder eingespielt hat. Wer will da noch "Titanic" sehen?
Fazit
****
Ein Kino-Besuch, der sich mehr als gelohnt hat. Kurzweilig, dramatisch, komisch und spannend, ein wirklich gelungener Kino-Abend. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und jedem, der sich diesen kleinen feinen Film bisher entgehen ließ, kann ich nur raten, diese Sachlage so schnell wie möglich zu ändern. Schade nur, dass es nicht mehr Filme dieser Art gibt, bzw. dass es nicht mehr in unsere Kinos schaffen. Schon gar nicht in der Pampa.
(c) Suppengirl, 11.01.2001
PS: Sorry, dass nun ein Bericht von mir ganz oben steht, der fast ein Jahr alt ist, obwohl ich ihn garantiert nicht geupdatet habe (oder wie das heißt). Ich schreib zur Zeit kaum Neues, les mir aber von Zeit zu Zeit meine alten Berichte durch. Und der Lehrer in mir verkraftet es einfach nicht, dabei eventuell aufgefundene Tippfehler stehen zu lassen. Deshalb...
Grüßle
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