Billy Elliot - I Will Dance (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von melannium

Vom Traumtänzer zum Traum-Tänzer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Okay – ich geb’s zu: Eigentlich wollte ich diesen Film gar nicht ansehen. Denn was soll man bitte von einer 120-Minuten-Geschichte halten, die von einem kleinen Jungen erzählt, der Balletttänzer werden will? Ich ging davon aus, dass das Publikum zu 99 Prozent aus Frauen und Schwulen bestehen würde – und zu einem Prozent aus mir.

All meinen Widersprüchen zum Trotz siegte natürlich meine charmante hartnäckige Begleitung und schon, als wir den Kinosaal betraten, kamen mir die ersten Zweifel, ob ich mich nicht doch in diesem Film getäuscht haben sollte: Volle Ränge am Montag nachmittag um 14:30h? Junge Pärchen, ältere Ehepaare, Jugendliche, ein paar kleine Jungs mit Schulranzen,... Kann doch nicht sein!



| S | T | O | R | Y |

Industrielles Nordengland im Jahre 1984. Ein Reihenhaus-Arbeiter-Viertel in der typisch englischen Backsteinbauweise. Hier lebt Billy Elliot (Jamie Bell) mit seinem Vater, seinem älteren Bruder und der senilen Oma, die er ständig im Auge behalten muss. Billy’s Mutter ist schon längere Zeit tot – genau wie die Zeche, in der Billy’s Vater und sein Bruder den Lebensunterhalt bestreiten. Es kommt daher zu einem großen Streik der Bergleute, denn die Löhne, die den Arbeitern in der versiegenden Zeche gezahlt werden, sind minimal. Die Atmosphäre ist angespannt, die Aussicht perspektivlos.

Mittendrin der elfjährige Billy. Am liebsten spielt er die Platten seines Bruders und springt dazu wild im Zimmer umher. Das bereitet ihm Freude. Das Boxtraining, zu dem ihn sein Vater schickt, weniger. Er ist schlichtweg untalentiert.

Wie es der Zufall will, finden die örtlichen Ballettstunden in derselben Sporthalle statt. Eines Abends muss Billy den Hallenschlüssel bei der Ballettlehrerin (Julie Walters) abgeben, weil er mal wieder als einziger länger am Sandsack trainieren muss. Diese lässt sich aber in ihrem Unterricht nur ungern stören. „Wie ist Deine Schuhgröße?“ ist die einzige Frage, die sie Billy stellt. Billy antwortet natürlich nicht, aber die Lehrerin lässt nicht locker: „Trau Dich.“

Und – Billy traut sich. Jede Woche. Solange, bis sein Vater von seinem neuen Hobby erfährt. In seiner beschränkten Arbeiterwelt, ist für derartige „Traumtänzer“ kein Platz. Die Situation eskaliert, als Billy’s Lehrerin eigenmächtig einen Termin zum Vortanzen an der Royal Ballet School vereinbart. Wie der Film ausgeht, werde ich natürlich nicht verraten. Aber einige „Wandlungen“ kamen für mich doch recht überraschend.



| K | R | I | T | I | K |

Erstklassig die schauspielerische Leistung: Die Charaktere passen hundertprozentig zu den Darstellern und umgekehrt. Ich bin noch nicht einmal in der Lage zu sagen, wer in diesem Film am besten gespielt hat: Billy, die Ballettlehrerin, Billy’s Vater, Billy’s Bruder – sogar die Großmutter in der Nebenrolle kann das Publikum zum Lachen und zum Weinen bringen.
Erstklassig auch die Musik. Ein wirklich lohnenswerter und erstaunlich moderner Soundtrack mit eingängigen Songs von Eagle-Eye Cherry, T-Rex oder Stephen Gateley.

Alles in allem war ich von diesem Film mehr als überrascht, denn meine Befürchtung zwei Stunden lang schwanensee-tanzende Knaben in engen Strumpfhosen zu beäugen wurde glücklicherweise nicht erfüllt. Kein nervendes Ballettgedudel, keine engen Strumpfhosen, kein hirnloses Tanzschulmovie.

Vielmehr ein Film, in dem man lacht und weint, in dem man hofft und sich ärgert. Alle Gefühlslagen werden gleichermaßen angesprochen. Und obendrein werden noch zwei erstaunliche Dinge bewiesen: (1) Nicht alle Balletttänzer sind schwul und (2) „Wer das Leben findet, verliert andere Dinge“.



| F | A | Z | I | T |

Dieses melodramatische Märchen, das dem Zuschauer zuruft „Lebe Deinen Traum“ ist einer der besten Filme, die ich im vergangenen Jahr (2001) gesehen habe. Absolut oscarreif.

17 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Azira

    19.02.2002, 18:10 Uhr von Azira
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Film ist prima beschrieben in Deinem Beitrag. So habe ich den Film auch empfunden.