Games Workshop Blood Bowl Testbericht

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Erfahrungsbericht von Fronko

American Football mit Elfen und Orks

Pro:

Spaß ohne Ende !!!

Kontra:

sehr TEUER

Empfehlung:

Ja

Du magst Brettspiele? Du hast ein Faible für American Football? Du bastelst/bemalst gerne? Du kommst Dir nicht blöd vor, mit kleinen Zinnfiguren zu spielen, die Elfen, Zwerge und Ähnliches darstellen? Du suchst nach einer Möglichkeit, Deinen Freunden Deine geistige und taktische Überlegenheit zu demonstrieren? Du hast viiiel zu viel Freizeit und sonst keine Hobbies?

Dann solltest Du dringend mal Bloodbowl ausprobieren! Ich habe selten ein so fesselndes Spiel erlebt. Der Plan ist der Folge: Du hast ein ca. 1,5 x 1 m großes Spielfeld und etwas mehr als 20 Spielfiguren, die in der Grundbox sind. Das Spielfeld ist eine Miniaturnachbildung eines Footballfeldes und die Spielfiguren sind die beiden Mannschaften. Jetzt brauchst Du nur noch einen Mitspieler und einmal die grundlegenden Regeln lesen und schon kann es losgehen.

Zur Begriffserklärung: Da man bei diesem Spiel Figuren hat, die Spieler darstellen (wie zum Beispiel Fußballspieler, nur dass die Jungs hier statt Fußball Bloodbowl spielen) aber auch die beiden Spieler (also die Typen aus Fleisch und Blut, die vor dem Spielbrett sitzen und die Zinnfiguren hin und her schieben) selbst dabei sind, kann es bei manchen Erklärungen hier im Text zu Missverständnissen kommen. Daher gilt folgendes: Du und Dein Mitspieler werden im Folgenden Trainer genannt und die kleinen Figuren werden Spieler, Figuren oder Modelle genannt.

Im Spiel sind beide Trainer abwechselnd dran mit ihren Spielzügen. Sinn des Spiels ist es, den Ball (der selbstverständlich auch dabei ist) in die gegnerische Endzone zu befördern, also einen Touchdown zu erzielen. Wer nach einer festgelegten Anzahl von Spielzügen die meisten Touchdowns gemacht hat, ist der Sieger. Simpel, oder? J

Man kann mit seinen Figuren über den Platz laufen, den Ball aufheben, passen, fangen, eine gegnerische Figur vermöbeln, und und und. Um zu sehen, ob diese Aktionen klappen, wird dann gewürfelt. Es gibt unterschiedlich geschickte Spieler, manche sind prädestiniert, sich um den Ball zu kümmern, während andere Spieler eher fürs „Grobe“ zuständig sind, sprich: den gegnerischen Spieler, der gerade im Weg rumsteht, aus demselbigen oder vielleicht gar aus dem Spiel zu prügeln. Das ist übrigens der Teil des Spiels, der für das Blood (= Blut) im Spielnamen sorgt.

Um das Ganze etwas genauer zu beschreiben: Es gibt für jede Mannschaft, die man spielt einen so genannten Teambogen, auf dem jeder Spieler der Mannschaft mit seinem „Profil“ vermerkt ist. Dieses Profil besteht einmal aus seinen körperlichen Charakteristiken Bewegung, Stärke, Geschicklichkeit und Rüstungswert sowie seinen Fertigkeiten (eine Art Zusatzregeln, später mehr dazu).

Der Bewegungswert bestimmt, wie weit dieser Spieler in einem Spielzug laufen kann, die Stärke gibt darüber Auskunft, wie gut (oder schlecht) man beim Blocken (lies: Prügeln) ist, die Geschicklichkeit legt fest, wie gut man mit dem Ball umgehen kann (aufheben, werfen, fangen) und der Rüstungswert schließlich bestimmt, ob sich der Spieler, wenn er vom Gegner umgeschubst wird, verletzt oder im nächsten Zug aufstehen und weiter machen kann.

Das Spielbrett ist in viele Felder unterteilt, jeder Spieler auf dem Platz hält sich immer in genau einem dieser Felder auf und kann sich, entsprechend seiner Bewegungsrate von Feld zu Feld über das Spielfeld bewegen. Wichtig ist, dass jede Figur pro Spielzug nur eine Aktion machen kann: bewegen, oder einen Gegner in einem angrenzenden Feld blocken (hauen), den Ball aufheben, einen Pass machen (den Ball werfen), eine Ballübergabe (den Ball einem angrenzenden Mitspieler geben). Wenn alle Figuren ihren Zug gemacht haben (wobei natürlich nicht jeder Spieler etwas machen muss, wenn der Trainer das für sinnvoll hält), ist der Spielzug vorbei und der andere Trainer ist dran, kann nun ebenfalls seine Figuren bewegen, Gegenspieler hauen und versuchen an den Ball zu kommen. Dies klappt nur, wenn man den gegnerischen Ballträger umhaut (dadurch verliert er den Ball) und ihn dann selbst aufhebt.

Um nun zu entscheiden, ob dem Spieler die Aktion gelingt, muss gewürfelt werden. Bei Aktionen, die etwas mit dem Ball zu tun haben, ist das ein Geschicklichkeitswurf. Das heißt, man konsultiert den Teambogen, schaut nach (oder weiß es auswendig) welche Geschicklichkeit das entsprechende Modell hat und dann würfelt man entsprechend einer Tabelle auf einen gewissen Mindestwurf. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Ein Spieler versucht einen Ball aufzuheben. Auf dem Teambogen ist dieser Spieler mit einer Geschicklichkeit von 3 verzeichnet. Laut Tabelle (die man übrigens ganz schnell auswendig kann, sie ist klein) bedeutet das einen Geschicklichkeitswurf mit Mindestwurf 4. Der Trainer würfelt jetzt einen sechsseitigen Würfel (ist auch im Lieferumfang enthalten). Ist das Ergebnis 4 oder höher (also „auf“ oder über dem Mindestwurf) hat die Aktion geklappt, würfelt er 3 oder weniger hat die Aktion nicht geklappt und der Trainer hat ein Problem, doch dazu später mehr. Abgesehen von der Tabelle, in der der Mindestwurf steht gibt es noch so genannte Wurfmodifikatoren. Diese Modifikatoren erleichtern oder erschweren den Geschicklichkeitswurf, je nachdem. Wenn zum Beispiel gegnerische Modelle in einem angrenzenden Feld stehen, wird der Wurf um einen Punkt erschwert (in dem Beispiel würde das einen Mindestwurf von 5 statt 4 bedeuten), allerdings ist eine Ballaufnahme (also der Versuch den Ball aufzuheben) auch generell um 1 erleichtert (was also doch wieder eine 4 als Mindestwurf bedeutet).

Wer das jetzt nicht genau verstanden hat, keine Sorge, diese Sachen sind im umfangreichen Regelbuch ausführlich und mit vielen Beispielen und Abbildungen erklärt.

Wenn dem Trainer eine Aktion nicht gelingt (weil zum Beispiel ein Geschicklichkeitswurf misslungen ist), hat der Trainer ein Problem. Dann ist nämlich ein so genannten „Spielzugverlust“ aufgetreten. Das bedeutet, dass der Spielzug für diesen Trainer sofort vorbei ist, er darf keine weitere Aktion mehr mit einem seiner Spieler machen und der andere Trainer ist nun mit seinem Spielzug dran. Das kann – je nachdem, bei welcher Aktion dieser Spielzugverlust aufgetreten ist – sehr ungünstig für den entsprechenden Trainer sein. Man sollte sich also genau überlegen, welche Aktion man macht und in welcher Reihenfolge man diese durchführt. Dies ist es, was einen guten Trainer ausmacht, denn hierbei wird meist über Sieg oder Niederlage entschieden.

Jetzt vielleicht zu den Teams. Jede Mannschaft kann bis zu 16 Spieler enthalten, von denen maximal 11 zur gleichen Zeit auf dem Platz stehen dürfen. Jeder Trainer kann sich seine Mannschaft individuell zusammenstellen, dazu steht ihm ein Budget von 1.000.000 virtuellen Goldstücken zur Verfügung. Zunächst mal kann er sich für eine Rasse entscheiden. In der Grundbox sind ein Menschen Team und ein Ork Team (Orks sind große, grüne, und fiese Ausgaben von Menschen) vorhanden, andere Rassen kann man sich extra kaufen (wie und wo man da dran kommt werde ich weiter unten erklären. Es gibt zum Beispiel noch Zwerge (klein aber zäh), verschiedene Elfenrassen (sehr geschickt, aber auch zerbrechlich), Skaven (das sind menschengroße Ratten - schnell und hinterhältig), Untote (langsam, aber schwer zu stoppen) und noch einen Haufen anderer Mannschaften. Die unterschiedlichen Teams haben natürlich auch unterschiedliche Fähigkeiten und jede Rasse verfügt über eine eigenen Liste von Spielertypen, zum Beispiel Werfer (die besonders gut im Passen sind), Fänger (schnell und flink), Blocker (die großen Jungs, die vor allem eins gut können – den Gegner vermöbeln), so genannte Feldspieler (die eigentlich nix besonderes können, aber dafür billig sind – quasi „Füllmaterial“) und letztlich die so genannten „Blitzer“ – die eigentlichen Stars im Team, die sowohl schnell sind, aber auch gut beim Blocken, dafür aber auch das Meiste kosten.

Wenn also die Rasse gewählt ist, muss der Trainer sein Team zusammenstellen. Das bedeutet, er kauft sich für das vorhandene Geld aus seiner Liste die Spieler zusammen. Jeder Spieler kostet einen Betrag, der vom Guthaben des Trainers abgezogen wird. Die 1.000.000 Goldstücke dürfen selbstverständlich nicht überschritten werden.

Jeder Spieler wird dann mit seinen Charakteristiken und Fertigkeiten auf dem Teambogen vermerkt. Außerdem kann der Trainer (und sollte es auch) weitere Goodies kaufen. Da gibt es zum Beispiel so genannte Trainingsmarken. Einmal pro Spielzug kann man einen misslungenen Würfelwurf (der eigentlich zum Spielzugverlust führen würde) wiederholen, indem man eine solche einsetzt. Das bedeutet, man ignoriert das misslungene Würfelergebnis und würfelt erneut auf den gleichen Mindestwurf. Das zweite Ergebnis ist aber bindend, ist der Wurf noch mal in die Hose gegangen, kann man nix machen. Oder man kauft sich Fan-Faktor – quasi die Beliebtheit bei den Fans, die ins Stadion kommen (welches man sich allerdings vorstellen muss – ein Stadion ist nicht im Lieferumfang dabei … kann man sich aber basteln, wenn man will). Diese Beliebtheit kann sich in bestimmten Situationen positiv für einen auswirken – wenn die Fans zum Beispiel den Schiedsrichter so einschüchtern, dass dieser mehr keine Fouls gegen die eigene Mannschaft pfeift. Foulen kann man nämlich auch, nur, wer erwischt wird, fliegt vom Platz. Oder man kauft sich einen Sanitäter … sollte sich ein Spieler verletzen, kann der Sanitäter einmal im Spiel eingesetzt werden um diese Verletzung zu heilen. Schließlich kann man noch einen Magier anheuern, der ins Spiel eingreifen kann, indem er einen Gegner mit einem Feuerball (oder anderen Zaubersprüchen) vom Feld bläst.

Was mir an diesem Spiel aber am besten gefällt, ist der Liga Modus. Man kann einerseits natürlich immer nur Einzelspiele machen und sich vor jedem Spiel eine neue Mannschaft kaufen. Viel spannender ist es aber doch, wenn man mit der gleichen Mannschaft weiterspielt, so dass die Spieler Erfahrung sammeln können und so mit der Zeit besser und besser werden. So kann man sein Team entwickeln und einzigartig machen, mit seiner eigenen Spielweise und Ausrichtung.

Im Einzelfall sieht das so aus: Wenn einem Spieler eine bestimmte Aktion gelingt (unter Anderem ein gelungener Pass zu einem Mitspieler, ein erzielter Touchdown, ein Verletzter Gegenspieler), erhält er dafür Erfahrungspunkte. Diese Punkte addieren sich und sobald ein bestimmter Schwellenwert überschritten ist, erhält der Spieler einen Aufstieg. Nach dem Spiel wird dann gewürfelt, was das denn für ein Aufstieg ist. Entweder, eine seiner Charakteristika steigt (er wird, schneller/stärker/geschickter) oder aber er würfelt einen Fertigkeitsaufstieg. Das bedeutet, dass der Trainer sich eine Fertigkeit aus einer wohl definierten Liste auswählen kann. Diese Fertigkeiten haben unterschiedlichste Auswirkungen. Zum Beispiel erlauben bestimmte Fertigkeiten einen Wiederholungswurf für bestimmte Aktionen (passen, fangen, Ball aufheben), so dass man zum Beispiel seine Trainingmarken für andere Gelegenheiten aufheben kann, andere Fertigkeiten machen Aktionen leichter (= senken den Mindestwurf) oder aber erlauben völlig neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Fähigkeit über Gegner hinweg zu springen. Es gibt insgesamt über 40 verschiedene Fertigkeiten, also kann man sich im Laufe der Zeit wirklich EINZIGARTIGE Mannschaften entwickeln.

Wow, Respekt, dass ihr bis hierher durchgehalten habt. Ich bin aber auch gleich fertig. Drei Dinge bleiben mir noch zu sagen. Erstens: Die Teams in der Grundbox müssen erst noch zusammen geklebt und evtl. bemalt werden, genau so wie alle Zusatzteams die man sich kauft. Das heißt, bevor man losspielen kann hat man schon noch etwas Aufwand. Man muss die Figuren natürlich nicht bemalen, es sieht halt schöner aus.

Zweitens der Preis ist recht hoch. Die Grundbox kostet (wenn mich nicht alles täuscht) um die 60 Euro, jedes Zusatzteam so zwischen 20 und 30 Euro. Dazu kommen ggf. Kosten für Farben und Pinsel, wenn man seine Figuren bemalen möchte. Alternativ kann man sich natürlich auch andere Figuren besorgen, z.B. Schachfiguren, oder Figuren aus anderen Brettspielen, Überraschungseier-Inhalte, Zinnsoldaten oder was auch immer man sich sonst so ausdenken mag. Wichtig ist halt nur, dass man eindeutig jede Figur auf dem Spielfeld dem entsprechenden Eintrag auf dem Teambogen zuweisen kann. Dazu kann man beispielsweise Zahlen oder Buchstaben auf die Spielfiguren malen.

Drittens: Wo gibt es das Zeug denn überhaupt? Bloodbowl wird von Games Workshop (im Folgenden GW genannt) hergestellt, einer Firma, die ursprünglich aus England kommt, inzwischen aber weltweit vertreten ist, so auch in Deutschland.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass eine Bloodbowl Liga umso mehr Spaß macht, je mehr Trainer mitspielen. Dann kann man sich vielleicht auch die recht hohen Anschaffungskosten teilen.

So, ich hoffe, ich konnte Euch die Sache schmackhaft machen, ich bin inzwischen süchtig nach dem Spiel. Bloodbowl hat definitiv das Zeug zum Beziehungskiller, seid also gewarnt.

Gruß, Fronko

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