Bodum Kaffeebereiter Kenya 1783 1l Testbericht

Bodum-kenya-1788-01
ab 16,81
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Summe aller Bewertungen
  • Qualität & Verarbeitung:  sehr gut
  • Handhabung & Komfort:  sehr gut
  • Design:  sehr gut

Erfahrungsbericht von Micha_S

Ich mag\'s französisch

  • Qualität & Verarbeitung:  sehr gut
  • Handhabung & Komfort:  gut
  • Design:  sehr gut
  • Besitzen Sie das Produkt?:  ja

Pro:

Angenehmer, kräftiger Kaffeegeschmack Elegantes, kompaktes Gerät Keine Filtertüten nötig

Kontra:

Abwasch ist etwas aufwendiger Ungünstige Wirkung auf Cholesterinspiegel Unbequemere Kaffeesatzkompostierung

Empfehlung:

Ja

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht um Kaffeezubereitung. Der Bodum-Website www.bodum.com - eine deutsche Seite gibt es leider nicht - entnehme ich, dass Bodums nach dem Pressfilterverfahren arbeitenden Kaffeemaschinen von den Amerikanern auch als \"French press coffee brewer\" bezeichnet werden. Interessanterweise hat Bodum 1982 eine französische Klarinettenfabrik übernommen, um in den Besitz des Pressfilterpatents zu gelangen, das diese Firma nebenher hielt, und produziert nun laut eigenen Angaben einen der beliebtesten Kaffeezubereiter der Welt. Einen solchen französischen Press-Kaffeebrüher im Design Kenya bekamen meine Frau und ich zu Ostern geschenkt. Im folgenden unterziehe ich ihn einer kritischen Betrachtung.

Wie funktioniert\'s?
Wer, wie ich, seinen Kaffee bisher in einer konventionellen elektrischen Kaffeemaschine mit Filtertüten aufgebrüht hat, muss sich umgewöhnen. Bereits das Ausgangsmaterial, das Kaffeepulver, sollte anders beschaffen sein, nämlich grob gemahlen. Vakuumverpackter gemahlener Kaffee ist aufgrund seiner feinen Körnung ungeeignet zur Pressfilterung - ein Teil davon würde den Filtereinsatz passieren, ihn möglicherweise auch verstopfen, und sich später in der Tasse wiederfinden. Da wir grundsätzlich ganze Bohnen kaufen und den Kaffee frisch mahlen, ist das für uns kein Problem; wir müssen lediglich ein Rädchen an der Kaffeemühle entsprechend einstellen. Das Kaffeepulver gibt man in gleicher Dosierung wie bei Tütenfilterung direkt in das Kaffeebrüher-Glasgefäß. Darauf gießt man heißes Wasser (nicht siedend, vielleicht 90 Grad C heiß) in entsprechender Menge und rührt die Brühe um, damit sich das Pulver möglichst gleichmäßig im Wasser verteilt. Mit locker (ohne Kontakt zur Flüssigkeit) eingestecktem Presskolben und aufgesetztem Deckel lässt man den Sud vier Minuten ziehen. Das Kaffeepulver setzt sich während dessen bereits größtenteils auf dem Boden ab. Anschließend drückt man den Kolben am Kugelknauf der Stange, an deren anderem Ende er befestigt ist, langsam nach unten. Die Flüssigkeit strömt durch den Siebeinsatz des Kolbens, das Pulver wird (weitestgehend) im unteren Teil des Gefäßes \"eingefangen\". Der Kaffee ist fertig und lässt sich dank stabilem Kunststoffgriff und Ausgießer am Gefäß kleckerfrei in Tassen füllen.

Geschmacksvergleich
Mein erster Eindruck war: Der Kaffee schmeckt wie bisher, also wie von der Maschine durch ein Papierfilter aufgebrüht. Nun bin ich (Micha_S) zugegebenermaßen kein Kaffeekenner, trinke eher wenig Kaffee und den auch noch mit reichlich Kondensmilch. Um trotz meines wenig geschärften Kaffee-Geschmackssinnes zu einer differenzierten Aussage zu kommen, habe ich einen direkten Vergleichstest durchgeführt: Dieselbe Menge Kaffebohnen aus einer Tüte einmal feiner, einmal gröber gemahlen und mit identischer Wassermenge nach beiden Verfahren aufgebrüht. Die Resultate habe ich im Wechsel in kleinen Schlucken zu mir genommen - und siehe da, ich konnte einen gewissen Unterschied herausschmecken! Der Pressfilterkaffee schmeckt etwas kräftiger, etwas herber, für meinen Geschmack damit ein wenig besser. Meine Frau kam übrigens zum gleichen (knappen) Ergebnis.

Umweltbelastung
Bei einem Gerät, dass man täglich einsetzt, scheint mir eine kleine \"Ökobilanz\" angebracht: Die elektrische Kaffeemaschine verlangt als einziges Hilfsmittel eine Papiertüte, und in dieser wird schließlich der \"Bio-Abfall\" praktisch entsorgt. Daher beschränkt sich der Abwasch auf kurzes Ausspülen von Filterhalter und Kanne. Beim Einsatz des Bodum-Kaffeezubereiters benötigt man zusätzlich einen Wassererhitzer, aus Energie-Effizienzgründen idealerweise als separates Gerät, wenn man wie wir keinen Gas-, sondern einen Elektroherd besitzt. Einen kräftigen Erhitzer vorausgesetzt, ist vor allem eine große Kaffeemenge im Bodum-Gerät um einige Minuten schneller zubereitet als durch die elektrische Maschine. Bei kleineren Mengen macht die immer erforderliche Einwirkzeit von vier Minuten den Geschwindigkeitsvorteil beim Erhitzen zunichte. Der Einsparung der (umweltfreundlichen, kompostierbaren) Filtertüte steht ein erhöhter Abwaschaufwand für Glasgefäß und Filterkolben mit etwas größerem Wasserverbrauch gegenüber. Natürlich lässt sich der Kaffeebrüher nach weitgehender Entfernung des Kaffeesatzes auch im Geschirrspüler reinigen. Allerdings kann man den Kaffesatz nicht ganz so einfach kompakt in den Komposteimer werfen (wir haben jedoch die Möglichkeit, ihn mit einem Schuss Wasser in den Garten zu schütten). Hinsichtlich Umweltbelastung und Bequemlichkeit schneidet daher die Pressfilter-Kaffeezubereitung geringfügig schlechter ab. Andererseits bedeuten Herstellung und Entsorgung einer elektrischen Kaffeemaschine mit ihren vielen kaum trennbaren Kunststoff- und Metallteilen sicherlich eine höhere Umweltbelastung als die Produktion des vermutlich langlebigen Bodum-Kaffezubereiters, der aus wenigen, leicht zu trennenden (weil geschraubten) Glas-, Metall- und Kunststoffteilen besteht.

Gesundheitlicher Aspekt
Man sollte es zunächst kaum glauben, aber es macht aus gesundheitlicher Sicht offenbar einen Unterschied, ob man den Kaffee durch ein Papier- oder ein Pressfilter aufbrüht - jedenfalls sofern man entsprechenden Hinweisen Glauben schenkt, die sich im Internet finden lassen (Tipp: Suchbegriffe Kaffee und Cholesterin). Bestimmte Inhaltsstoffe des Kaffees (Fette), die sich ungünstig auf den Cholesterinspiegel auswirken sollen, bleiben nämlich im Papierfilter hängen, durchdringen jedoch die gröberen \"Poren\" des Pressfilters. So gesehen, sollten zumindest Personen mit ohnehin schon ungünstigen Blutfettwerten, wenn sie denn auch noch viel Kaffee trinken, besser nicht komplett auf die Pressfiltermethode umschwenken (oder - wie die Franzosen - außerdem viel Rotwein trinken...).

Kosten
Ein Blick in die Haushaltsabteilung eines Kaufhauses oder auch ins Internet zeigt, dass es Kaffeezubereiter von Bodum in unterschiedlichen Größen und Designs gibt; die Preisspanne reicht von etwa 12 bis über 50 €. Unser ein Liter (entsprechend sieben Tassen auf der Skala unserer elektrischen Kaffeemaschine) fassendes Modell Kenya war wie gesagt ein Geschenk, würde jedoch rund 13 € kosten.

Fazit
Wir haben die elektrische Kaffeemaschine aus der Küche verbannt. Statt ihrer steht nun die elegante Bodum Kenya in einer Ecke der Arbeitsfläche unserer Küche. Ausschlaggebend waren der - wenn auch geringe - geschmackliche Vorzug, den wir auf französische Art zubereitetem Kaffee geben, und auch ein wenig die ansprechendere Optik des hohen Glasgefäßes. Die gesundheitlichen Gefahren, die von dieser Zubereitungsmethode ausgehen, versuchen wir durch erhöhten Rotweinkonsum zu kompensieren.
Ich kann nur jedem Kaffeegenießer empfehlen, einmal pressgefilterten Kaffee zu probieren. Vielleicht kommst Du auch auf den Geschmack!

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