Borderline-Störung Testbericht
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Erfahrungsbericht von Patri500k
Essay: Borderline - Beschreibung, Erfahrungsbericht, Meinung
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Neben persönlichen Erfahrungen mit diesem Krankheitsbild möchte ich der Vollständigkeit halber auch etwas ganz allgemeines dazu schreiben. Doch zunächst beginne ich mit der
Beschreibung
°°°°°°°°°°°°
Der Borderline-Typus ist ein Krankheitsbild aus der Gruppe der \"Persönlichkeitsstörungen\". Diese Krankheitsbilder grenzen sich beispielsweise von den \"Neurosen\" oder \"Psychosen\" ab. Der Borderline-Typus ist eine Untergruppe der \"Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung\". Der Borderline Typus umfasst einen ganzen Katalog von Symtomen, wobei bei diesem Krankheitsbild nicht alle Symtomatiken auftreten müssen.
Die Störung der Persönlichkeit wird folgendermaßen beschrieben:
- Instabilität bezüglich Selbstbild (d.h. das Bild von sich selber ist starken Schwankungen unterworfen; besser: man hat keinen realistischen Bezug zu sich selbst)
- Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen (charakteristisch: Beziehungen werden zunächst erwartungsvoll und mit positiven Gefühl begonnen, werden aber schnell abgebrochen und negativ bewertet).
- Instabilität der Stimmung (sehr wechselhafte Episoden bzgl. depressiver Erkrankung, Antriebsschwäche oder normalen Phasen sowie \"manisch gefärbter\" Phasen / Spektrum reicht von \"himmelhochjauchzend\" bis \"zu-Tode-betrübt\").
Multible Störungen wie:
- frei flottierende Angst
- polymorph-perverse Sexualität
- multible Phobien
- Konversionssymtome (das sind z.B. Lähmungen, Hyperventilation, psychogene Sensibilitätsstörungen bzw. Krämpfe)
- dissoziative Reaktion (antisoziale Persönlichkeit)
- chronisches Depersonalisationserleben (Ich-Störung; man erlebt sich selbst als \"fremd\")
- episodischer Verlust der Impulskontrolle
- selbstschädigende Handlungen
- Suchttendenz
- Zwangssymtome
- konfliktbezogene Denk- und Wahrnehmungsstörungen
- pseudohalluzinatorische Erlebnisse
- Depressivität
- ohnmächtige Wut gegen sich selbst und andere
- kurzfristige psychotische Dekompensationen
[Quellen: Dilling, Reimer, Arolt \"Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie\"; Pschyrembel ]
Man sieht also, ein ziemlicher Batzen in Vergleich zu den Symtomen der anderen Persönlichkeitsstörungen. Dabei führt m.E. nach vieles der Ausprägung der Krankheit auf entscheidene Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung zurück.
Man sagt, die Bezeichnung Borderline-Störung gehe auf die besondere Situation der Erkrankung am Rande der \"Psychose\" und \"Neurose\" zurück (Borderline: engl. für Grenze; \"Grenzbereich der psychischen Störung)\", was m.E. nach unpassend ist.
Sie ist viel mehr typisch für die Entwicklung der Persönlichkeitsstörung und demzufolge auch in diesen Bereich der Persönlichkeitsstörungen eindeutig einzuordnen.
Viel passender ist die Bezeichnung dahingehend, daß der Boderline-Erkrankte wesentliche Störungen im Umgang mit \"persönlichen Grenzen\" hat sowohl in Bezug auf die eigenen \"Ich-Grenzen\" (Disziplin, kontinuität im Lebenswandel), als auch in die interpersonellen Grenzen zu seiner Umwelt (Ausdruck hierfür ist z.B. die Antisoziale Persönlickeit, nicht selten einhergehend mit Delinquenz; Störung der zwischenmenschlichen Persönlichkeit).
Verantwortlich sollen neben Veranlagung und Hirnschädigung auch die persönliche Entwicklung sein. Persönlich meine ich, daß gerade bei solchen Menschen das \"Borderline-Syndrom\" auftritt, welche in der Vergangenheit keine klaren Grenzen gesetzt bekommen haben. Schwerwiegende Erziehungsmängel (z.B. antiautoritäre Erziehung), aber auch ungewöhnliche soziale oder familiäre Umstände (plötzliche Verarmung, Scheidung etc.) begünstigen die Entstehung eines solchen Krankheitsbildes. Wesentlich sollen vor allem auch traumatische Erlebnisse sein.
Erfahrungsbericht
°°°°°°°°°°°°°°°°°
Vor etwa 3 Jahren wurde mir im Rahmen eines notwendigen Aufenthaltes in der Psychiatrie die Diagnose der \"Berderline-Persönlichkeitsstörung\" eröffnet.
Zunächst fand ich auch, daß viele der Symptome des Krankheitsbildes auf mich zutrafen und ich zog mir den Schuh gerne an, da er zu passen schien.
Das etwas mit mir nicht stimmte, war mir ja schon lange klar und bewusst geworden - dankbar war ich damals dafür, daß ich nun meiner Disfunktion einen Namen geben konnte.
Aus all dem geht hervor, daß ich heute anderer Meinung bin. Das liegt vor allem an folgenden Zusammenhängen:
Mir ist klar, daß meine persönliche Entwicklung durch psychosoziale Umstände entscheidend gehemmt worden ist. Damit einhergehend habe ich nie gelernt, persönliche Verantwortung zu tragen bzw. eigenverantwortlich zu handeln. Die Ausprägung unterschiedlicher Symtome im Rahmen meiner pschischen Störung geht ursächlich auf genau diese Ablehnung von persönlicher Verantwortung zurück - in Unterschiedlichen Situationen reagiere ich mit unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten in Bezug auf Anforderungen, die ich nicht bereit bin, zu erfüllen.
Zur Konkretisierung einige Beispiele:
Eine zwischenmenschliche Beziehung basiert in einem gesunden Stadium auf dem Prinzip Geben und Nehmen. Dabei stellt das Geben aber eine Verantwortung, eine Verpflichtung in einer erwachsenen Beziehung dar. Sobald eine solche Verpflichtung aufkommen könnte, ist es für mich persönlich einfacher gewesen, mit einem Abbruch der Beziehung zu reagieren. Ich konnte nur insoweit in zwischenmenschlichenBeziehungen funktionieren, wie ich es selber in meiner persönlichen Entwicklung gelernt habe; die Hemmnisse können dabei aber sehr individuell ausgeprägt sein. So habe ich zum Beispiel hauptsächlich die Zuneigung meiner Eltern durch finanzielle Zuwendung erfahren, so hatte ich in diesem Bereich auch niemals Probleme, dies in einer Beziehung einzusetzen und war immer der \"Geldgebende Part\", welcher gemeinsame Unternehmungen finanzierte und auch übertrieben teure Geschenke gemacht hat. Damit habe ich auch versucht, den mir unbekannten Aspekt einer Beziehung, nämlich die emotionale Verpflichtung, zu kompensieren bzw. zu ersetzen. Da ich aber gespürt habe, daß das nicht ausreichend ist, habe ich die Grenze des finanziellen Aspektes in einen ungesunden Rahmen erhöht - was sowohl zu persönlichen finanziellen Schwierigkeiten als auch zu einer Frustration in Bezug auf die Reaktion meiner Umwelt führte. Natürlich zog ich durch dieses Verhalten vor allem jene Menschen an, welche sich durch dieses Verhalten eigene Vorteile versprachen (nämlich die finanziellen), verschreckte aber jene, welche auf eine emotionale Basis setzen wollten.
Ein weiteres Beispiel: Den verantwortungsbewussten Umgang im Rahmen mit gesellschaftlichen Verpflichtungen habe ich weder bei meinen sehr verantwortungslosen Eltern lernen können (mein Vater hatte z.B. über 5 Jahre keinen Elan aufbringen können, während selbstständiger Tätigkeit eine Steuererklärung zu machen, was zu einer nachträglichen Schätzung des Finanzamtes führte und dementsprechend teuer wurde). Auch wurde ich nicht dazu angehalten, eigenverantwortlich zu agieren, d.h. z.B. mit dem Taschengeld sparsam umzugehen. Wenn ich es vor Ablauf des Monats bereits ausgegeben hatte, forderte ich einfach neues und bekam es ohne Zögern. Das sich dies natürlich nicht im Erwachsenenalter bei steigenden Bedürfnissen so fortsetzen konnte, liegt auf der Hand. Delinquenz und aggressive Wutausbrüche im Rahmen finanzieller Engpässe waren die Folge.
Und letztlich das schwerwiegenste Problem: Meine Unfähigkeit, die Verantwortung für das positive Verhalten und Ausgestalten meines Lebens zu übernehmen. Lieber suche ich die Schuld bei anderen Menschen, wann immer mir etwas misslingt. Ebenso sind Depressionen und Angstzustände äußerst solide Verbündete, wenn es darum geht, etwas nicht tun zu müssen. Die Verantwortung kann man dann prima auf den zuständigen Psychiater oder Psychologen abwälzen, man selber ist ja durch Angst bzw. Depressionen gelähmt und handlungsunfähig. So habe ich bis heute keine kontinuierlichkeit in meinem Lebenslauf aufweisen können; die Unterbrechung zwischen zwei Tätigkeiten sind zahlreich und niemals bin ich bei einer Sache länger geblieben. Die Lücken zwischen zwei Tätigkeiten wegen Krankheit sind länger als die Zeit der Beschäftigung.
Dieses schonungslose Geständnis meiner Persönlichkeitsdefizite, für die ich heute im Erwachsenenalter selbst verantwortlich bin, schreibe ich vor allem aus folgendem Grund:
Meinung/Anregung
°°°°°°°°°°°°°°°°
Wesentlich für die Beschreibung einer psychischen Erkrankung ist nicht die zugrundeliegende Symptomatik. Viele der heute für die Borderline-Störung zutreffenden Symtome gibt es genauso gut in anderen Krankheitsverläufen.
Im Rahmen meiner psychiatrischen Aufenthalte habe ich andere \"Borderliner\" kennengelernt und war erschrocken, daß wir trotz sehr unterschiedlicher Lebensgeschcihten und Hintergründe und auch unterschiedlicher Krankheitsausprägung in die gleiche Kategorie gesteckt worden sind.
Auf der anderen Seite habe ich \"Manisch-Depressive\" (Patienten, welche an einer affektiven bipolaren Störung litten) kennengelernt, welche wesentlich näher an meiner zugrundeliegenden Problematik lagen, als die anderen \"Borderliner\".
Ich persönlich bezeichne mich nicht mehr länger als \"Borderline-Typus\", denn wesentlich für die Beschreibung einer psychischen Erkrankung scheint mir doch die ganz persönliche, zugrundeliegende Erkrankung und Ursache!
Natürlich kann man diese erst nach umfangreichen Therapiebemühungen abschätzen, dennoch führen die vielen Diagnosemöglichkeiten sowie Kategorisierungen zumindest in meiner persönlichen Vergangenheit zu einer irritation und waren eher störend als denn förderlich. Solange ich mich mit einer speziellen \"Krankheitsform\" auseinandersetzen musste, konnte ich es vermeiden, meine ganz persönlichen Defizite zu beurteilen und durfte generallisieren.
Ich kann nur jedem Betroffenen dazu ratn, nicht den gleichen Fehler zu machen. Die Krankheitsbilder der Psychiatrie bzw. Psychotherapie reichen beiweiten nicht aus, eine individuelle Persönlichkeit mit der zugrundeliegenden ganz eigenen Lebensgeschichte und den damit verbundenen Problemen zu erfassen.
Auch der Umgang der Umwelt, eine Krankheit zu akzeptieren, weil man sie benennen kann, sugeriert einen in meinen Augen falschen Umgang.
Bei allen Patienten, welche aufgrund der entwicklungsbedingten Umstände seelische Verletzungen davon getragen haben, gilt es diese Defizite zu erkennen und aufzuarbeiten, aber auch diese Defizite akzeptieren und für akzeptanz in der Umwelt werben.
Konkret heißt das für mich in meinem Fall, daß ich nicht mehr als Boderliner, Depressiver oder Angstgestörter, Neurotiker oder ähnliches bezeichnet werden möchte, da dies eine unnötige Distanz beinhaltet. Da ich den Wunsch nach Integration verspüre und zudem bereit bin, das (bei mir liegende) Nötige zu tun, damit dies gelingt, ist es wichtig, nicht für meine Krankheit zu werben, sondern für das Verständnis an meiner individuellen Situation. Damit ist nicht gemeint, daß ich geschont werden muss, es sollte aber gelingen, daß meine Umwelt erfährt, warum mir einige Dinge so schwer fallen.
Ich denke auch, daß man im Umgang mit solchen Menschen diesen wesentlich mehr Gefallen tut, nicht sich mit einem Krankheitsbild, sondern sich mit den konkreten Problemen und deren Ursachen auseinandersetzt.
Ich wünsche allen Betroffenen und auch Angehörigen viel Glück
Beschreibung
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Der Borderline-Typus ist ein Krankheitsbild aus der Gruppe der \"Persönlichkeitsstörungen\". Diese Krankheitsbilder grenzen sich beispielsweise von den \"Neurosen\" oder \"Psychosen\" ab. Der Borderline-Typus ist eine Untergruppe der \"Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung\". Der Borderline Typus umfasst einen ganzen Katalog von Symtomen, wobei bei diesem Krankheitsbild nicht alle Symtomatiken auftreten müssen.
Die Störung der Persönlichkeit wird folgendermaßen beschrieben:
- Instabilität bezüglich Selbstbild (d.h. das Bild von sich selber ist starken Schwankungen unterworfen; besser: man hat keinen realistischen Bezug zu sich selbst)
- Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen (charakteristisch: Beziehungen werden zunächst erwartungsvoll und mit positiven Gefühl begonnen, werden aber schnell abgebrochen und negativ bewertet).
- Instabilität der Stimmung (sehr wechselhafte Episoden bzgl. depressiver Erkrankung, Antriebsschwäche oder normalen Phasen sowie \"manisch gefärbter\" Phasen / Spektrum reicht von \"himmelhochjauchzend\" bis \"zu-Tode-betrübt\").
Multible Störungen wie:
- frei flottierende Angst
- polymorph-perverse Sexualität
- multible Phobien
- Konversionssymtome (das sind z.B. Lähmungen, Hyperventilation, psychogene Sensibilitätsstörungen bzw. Krämpfe)
- dissoziative Reaktion (antisoziale Persönlichkeit)
- chronisches Depersonalisationserleben (Ich-Störung; man erlebt sich selbst als \"fremd\")
- episodischer Verlust der Impulskontrolle
- selbstschädigende Handlungen
- Suchttendenz
- Zwangssymtome
- konfliktbezogene Denk- und Wahrnehmungsstörungen
- pseudohalluzinatorische Erlebnisse
- Depressivität
- ohnmächtige Wut gegen sich selbst und andere
- kurzfristige psychotische Dekompensationen
[Quellen: Dilling, Reimer, Arolt \"Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie\"; Pschyrembel ]
Man sieht also, ein ziemlicher Batzen in Vergleich zu den Symtomen der anderen Persönlichkeitsstörungen. Dabei führt m.E. nach vieles der Ausprägung der Krankheit auf entscheidene Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung zurück.
Man sagt, die Bezeichnung Borderline-Störung gehe auf die besondere Situation der Erkrankung am Rande der \"Psychose\" und \"Neurose\" zurück (Borderline: engl. für Grenze; \"Grenzbereich der psychischen Störung)\", was m.E. nach unpassend ist.
Sie ist viel mehr typisch für die Entwicklung der Persönlichkeitsstörung und demzufolge auch in diesen Bereich der Persönlichkeitsstörungen eindeutig einzuordnen.
Viel passender ist die Bezeichnung dahingehend, daß der Boderline-Erkrankte wesentliche Störungen im Umgang mit \"persönlichen Grenzen\" hat sowohl in Bezug auf die eigenen \"Ich-Grenzen\" (Disziplin, kontinuität im Lebenswandel), als auch in die interpersonellen Grenzen zu seiner Umwelt (Ausdruck hierfür ist z.B. die Antisoziale Persönlickeit, nicht selten einhergehend mit Delinquenz; Störung der zwischenmenschlichen Persönlichkeit).
Verantwortlich sollen neben Veranlagung und Hirnschädigung auch die persönliche Entwicklung sein. Persönlich meine ich, daß gerade bei solchen Menschen das \"Borderline-Syndrom\" auftritt, welche in der Vergangenheit keine klaren Grenzen gesetzt bekommen haben. Schwerwiegende Erziehungsmängel (z.B. antiautoritäre Erziehung), aber auch ungewöhnliche soziale oder familiäre Umstände (plötzliche Verarmung, Scheidung etc.) begünstigen die Entstehung eines solchen Krankheitsbildes. Wesentlich sollen vor allem auch traumatische Erlebnisse sein.
Erfahrungsbericht
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Vor etwa 3 Jahren wurde mir im Rahmen eines notwendigen Aufenthaltes in der Psychiatrie die Diagnose der \"Berderline-Persönlichkeitsstörung\" eröffnet.
Zunächst fand ich auch, daß viele der Symptome des Krankheitsbildes auf mich zutrafen und ich zog mir den Schuh gerne an, da er zu passen schien.
Das etwas mit mir nicht stimmte, war mir ja schon lange klar und bewusst geworden - dankbar war ich damals dafür, daß ich nun meiner Disfunktion einen Namen geben konnte.
Aus all dem geht hervor, daß ich heute anderer Meinung bin. Das liegt vor allem an folgenden Zusammenhängen:
Mir ist klar, daß meine persönliche Entwicklung durch psychosoziale Umstände entscheidend gehemmt worden ist. Damit einhergehend habe ich nie gelernt, persönliche Verantwortung zu tragen bzw. eigenverantwortlich zu handeln. Die Ausprägung unterschiedlicher Symtome im Rahmen meiner pschischen Störung geht ursächlich auf genau diese Ablehnung von persönlicher Verantwortung zurück - in Unterschiedlichen Situationen reagiere ich mit unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten in Bezug auf Anforderungen, die ich nicht bereit bin, zu erfüllen.
Zur Konkretisierung einige Beispiele:
Eine zwischenmenschliche Beziehung basiert in einem gesunden Stadium auf dem Prinzip Geben und Nehmen. Dabei stellt das Geben aber eine Verantwortung, eine Verpflichtung in einer erwachsenen Beziehung dar. Sobald eine solche Verpflichtung aufkommen könnte, ist es für mich persönlich einfacher gewesen, mit einem Abbruch der Beziehung zu reagieren. Ich konnte nur insoweit in zwischenmenschlichenBeziehungen funktionieren, wie ich es selber in meiner persönlichen Entwicklung gelernt habe; die Hemmnisse können dabei aber sehr individuell ausgeprägt sein. So habe ich zum Beispiel hauptsächlich die Zuneigung meiner Eltern durch finanzielle Zuwendung erfahren, so hatte ich in diesem Bereich auch niemals Probleme, dies in einer Beziehung einzusetzen und war immer der \"Geldgebende Part\", welcher gemeinsame Unternehmungen finanzierte und auch übertrieben teure Geschenke gemacht hat. Damit habe ich auch versucht, den mir unbekannten Aspekt einer Beziehung, nämlich die emotionale Verpflichtung, zu kompensieren bzw. zu ersetzen. Da ich aber gespürt habe, daß das nicht ausreichend ist, habe ich die Grenze des finanziellen Aspektes in einen ungesunden Rahmen erhöht - was sowohl zu persönlichen finanziellen Schwierigkeiten als auch zu einer Frustration in Bezug auf die Reaktion meiner Umwelt führte. Natürlich zog ich durch dieses Verhalten vor allem jene Menschen an, welche sich durch dieses Verhalten eigene Vorteile versprachen (nämlich die finanziellen), verschreckte aber jene, welche auf eine emotionale Basis setzen wollten.
Ein weiteres Beispiel: Den verantwortungsbewussten Umgang im Rahmen mit gesellschaftlichen Verpflichtungen habe ich weder bei meinen sehr verantwortungslosen Eltern lernen können (mein Vater hatte z.B. über 5 Jahre keinen Elan aufbringen können, während selbstständiger Tätigkeit eine Steuererklärung zu machen, was zu einer nachträglichen Schätzung des Finanzamtes führte und dementsprechend teuer wurde). Auch wurde ich nicht dazu angehalten, eigenverantwortlich zu agieren, d.h. z.B. mit dem Taschengeld sparsam umzugehen. Wenn ich es vor Ablauf des Monats bereits ausgegeben hatte, forderte ich einfach neues und bekam es ohne Zögern. Das sich dies natürlich nicht im Erwachsenenalter bei steigenden Bedürfnissen so fortsetzen konnte, liegt auf der Hand. Delinquenz und aggressive Wutausbrüche im Rahmen finanzieller Engpässe waren die Folge.
Und letztlich das schwerwiegenste Problem: Meine Unfähigkeit, die Verantwortung für das positive Verhalten und Ausgestalten meines Lebens zu übernehmen. Lieber suche ich die Schuld bei anderen Menschen, wann immer mir etwas misslingt. Ebenso sind Depressionen und Angstzustände äußerst solide Verbündete, wenn es darum geht, etwas nicht tun zu müssen. Die Verantwortung kann man dann prima auf den zuständigen Psychiater oder Psychologen abwälzen, man selber ist ja durch Angst bzw. Depressionen gelähmt und handlungsunfähig. So habe ich bis heute keine kontinuierlichkeit in meinem Lebenslauf aufweisen können; die Unterbrechung zwischen zwei Tätigkeiten sind zahlreich und niemals bin ich bei einer Sache länger geblieben. Die Lücken zwischen zwei Tätigkeiten wegen Krankheit sind länger als die Zeit der Beschäftigung.
Dieses schonungslose Geständnis meiner Persönlichkeitsdefizite, für die ich heute im Erwachsenenalter selbst verantwortlich bin, schreibe ich vor allem aus folgendem Grund:
Meinung/Anregung
°°°°°°°°°°°°°°°°
Wesentlich für die Beschreibung einer psychischen Erkrankung ist nicht die zugrundeliegende Symptomatik. Viele der heute für die Borderline-Störung zutreffenden Symtome gibt es genauso gut in anderen Krankheitsverläufen.
Im Rahmen meiner psychiatrischen Aufenthalte habe ich andere \"Borderliner\" kennengelernt und war erschrocken, daß wir trotz sehr unterschiedlicher Lebensgeschcihten und Hintergründe und auch unterschiedlicher Krankheitsausprägung in die gleiche Kategorie gesteckt worden sind.
Auf der anderen Seite habe ich \"Manisch-Depressive\" (Patienten, welche an einer affektiven bipolaren Störung litten) kennengelernt, welche wesentlich näher an meiner zugrundeliegenden Problematik lagen, als die anderen \"Borderliner\".
Ich persönlich bezeichne mich nicht mehr länger als \"Borderline-Typus\", denn wesentlich für die Beschreibung einer psychischen Erkrankung scheint mir doch die ganz persönliche, zugrundeliegende Erkrankung und Ursache!
Natürlich kann man diese erst nach umfangreichen Therapiebemühungen abschätzen, dennoch führen die vielen Diagnosemöglichkeiten sowie Kategorisierungen zumindest in meiner persönlichen Vergangenheit zu einer irritation und waren eher störend als denn förderlich. Solange ich mich mit einer speziellen \"Krankheitsform\" auseinandersetzen musste, konnte ich es vermeiden, meine ganz persönlichen Defizite zu beurteilen und durfte generallisieren.
Ich kann nur jedem Betroffenen dazu ratn, nicht den gleichen Fehler zu machen. Die Krankheitsbilder der Psychiatrie bzw. Psychotherapie reichen beiweiten nicht aus, eine individuelle Persönlichkeit mit der zugrundeliegenden ganz eigenen Lebensgeschichte und den damit verbundenen Problemen zu erfassen.
Auch der Umgang der Umwelt, eine Krankheit zu akzeptieren, weil man sie benennen kann, sugeriert einen in meinen Augen falschen Umgang.
Bei allen Patienten, welche aufgrund der entwicklungsbedingten Umstände seelische Verletzungen davon getragen haben, gilt es diese Defizite zu erkennen und aufzuarbeiten, aber auch diese Defizite akzeptieren und für akzeptanz in der Umwelt werben.
Konkret heißt das für mich in meinem Fall, daß ich nicht mehr als Boderliner, Depressiver oder Angstgestörter, Neurotiker oder ähnliches bezeichnet werden möchte, da dies eine unnötige Distanz beinhaltet. Da ich den Wunsch nach Integration verspüre und zudem bereit bin, das (bei mir liegende) Nötige zu tun, damit dies gelingt, ist es wichtig, nicht für meine Krankheit zu werben, sondern für das Verständnis an meiner individuellen Situation. Damit ist nicht gemeint, daß ich geschont werden muss, es sollte aber gelingen, daß meine Umwelt erfährt, warum mir einige Dinge so schwer fallen.
Ich denke auch, daß man im Umgang mit solchen Menschen diesen wesentlich mehr Gefallen tut, nicht sich mit einem Krankheitsbild, sondern sich mit den konkreten Problemen und deren Ursachen auseinandersetzt.
Ich wünsche allen Betroffenen und auch Angehörigen viel Glück
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