Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns (VHS) Testbericht

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ab 10,13
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Erfahrungsbericht von stefbl

\"Seriöse Journalistin\" mit Schwabbelstellen

Pro:

perfekte Besetzung, superlustige Story, ein Muss für alle Bridget - Fans

Kontra:

leichte Abweichungen vom Roman

Empfehlung:

Ja

Gewicht: Spielt keine Rolle.
Zigaretten: 0
Schokolade: ein bisschen
Alkoholeinheiten: diesmal keine
Zum Schreien lustige Filme im Kino: einer!

Das lange Warten hat ein Ende, ENDLICH ist es soweit: Briget Jones ist zurück auf der Kinoleinwand. Schon eine halbe Ewigkeit hatte ich auf den Filmstart von „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ (Regie: Beeban Kidron) hingefiebert – immer wieder enttäuscht von Randnotizen in der Presse, dass sich der Start verzögern würde, der Streifen noch einmal umgeschnitten werden müsste, etc. Seitdem es die Bridget Jones-Romane auf dem deutschen Büchermarkt gibt, bin ich leidenschaftlicher und bekennender Bridget-Fan – jener Romanfigur von Helen Fielding, in der sich wohl jede Frau so erschreckend häufig immer wieder und wieder erkennt. Bridget träumt von der großen Liebe – und zieht das Chaos magisch an. Bridget setzt sich tagtäglich mit Figurproblemen auseinander – und hat dennoch kein Problem damit, mal einen ganzen Liter Eis auf einmal zu verdrücken. Und Bridget schreibt Tagebuch – so facettenreich, dass sie dort sogar den Tagesstand ihrer Gewichtskurve und den Alkoholkonsum des Vortages dokumentiert. Das zweite Buch, „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“, ist meines Erachtens noch um einiges besser als Teil 1, „Schokolade zum Frühstück“ – entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen an den Film. Der Roman, der seit dem ersten Erscheinungstag der Taschenbuchausgabe in meinem Bücherschrank steht, ist richtiggehend zerfleddert – so oft habe ich ihn schon gelesen.

*** Am Rande des Wahnsinns: Die Handlung ***

Der zweite Bridget Jones-Film knüpft nahtlos an das Ende des ersten Films bzw. des ersten Romans an. Bridget Jones ist seit einigen Wochen sehr glücklich mit Mark Darcy („Mein Freund ist Anwalt für Menschenrechte!“) liiert – und verbringt einen Großteil ihrer Zeit damit, ihren neuen Freund pausenlos anzuhimmeln. Bridgets gesamter Himmel hängt voller Geigen, ihr Job als „seriöse Journalistin“ stellt sie immer wieder vor spannende Herausforderungen („Bridget, mach endlich den verdammten Fallschirm auf!!!“) – wäre da nicht die Tatsache, dass Mark ziemlich oft zusammen mit einer anderen Frau – Rebecca – gesichtet wird. Rebecca hat natürlich „Beine bis zum Hals“ – und Bridget wartet vergeblich darauf, dass Mark ihr endlich einen Heiratsantrag macht. Klar, dass Bridget eifersüchtig wird – und damit mehr zerstört, als ihr lieb ist.

Ausgerechnet in dieser Zeit läuft ihr ein alter Bekannter über den Weg – Daniel Cleaver, Bridgets ehemaliger Chef, der jetzt beim Fernsehen arbeitet und mit Bridget zusammen eine Reisesendung moderieren soll. Gemeinsam führt der Weg die beiden nach Thailand – wo Bridget am Tag ihrer Heimreise an einem ganz anderen Ort landet, als sie sich gewünscht hat – nämlich in einem thailändischen Frauengefängnis.

Wird Bridget ihren Anwalt für Menschrechte zurückgewinnen? Lässt sie sich wieder von Daniel Cleaver einwickeln? Und geht die Sache mit dem thailändischen Gefängnis gut für Bridget aus? Das möchte ich an dieser Stelle hier natürlich nicht verraten – es ist für eine Besprechung des Films auch erst einmal zweitrangig.

*** Cast & Crew ***

Wie bereits im ersten Teil ist die Rolle der Bridget Jones mit Renée Zellweger besetzt, die sich auch diesmal für die perfekte Darstellung ihrer Filmfigur, einige Kilos anfutterte. Nach meinem Geschmack sieht sie mit den zusätzlichen Kilos um einiges besser und weiblicher aus als das klapprige Gerippe, das vor einigen Wochen im Rahmen der Promotion-Tour bei „Wetten dass“ auf der Couch saß … Doch egal, ob dick oder dünn: Das Schauspieltalent Renée Zellwegers ist brilliant. Ich kann mir niemanden vorstellen, mit dem die Rolle besser besetzt gewesen wäre – denn die Bridget, die uns hier auf der Kino-Leinwand präsentiert wird, hatte schon im ersten Teil verblüffend viel Ähnlichkeit mit jener Bridget, die ich beim Lesen des Romans in meinem Kopf hatte – noch bevor, der Film in den Kinos eingestartet war.

Ob Bridget, die „seriöse Journalistin“, Bridget, die untalentierte Skifahrerin oder Bridget, das liebeskranke Huhn – Renée Zellweger bringt all die verschiedenen Facetten des Charakters so gekonnt auf die Leinwand, dass man bei diesem Film vergisst, überhaupt im Kino zu sitzen. Obwohl Renée Zellweger in anderen Rollen nicht gerade zu meinen Lieblingsschauspielerinnen gehört – als Bridget Jones überzeugt sie auf der ganzen Linie.

Auch die beiden Männer-Rollen in „Am Rande des Wahnsinns“ sind prominent und perfekt besetzt. Colin Firth spielt auch diesmal wieder den seriösen Anwalt, dem Bridget ihr Herz geschenkt hat – und Hugh Grant den sexsüchtigen Journalisten, dem es weniger um die Recherche als um die Tatsache geht, möglichst viele Frauen flachzulegen. Obwohl ich im ersten Teil des Films mich nicht ganz mit Hugh Grant als Daniel Cleaver anfreunden konnte – in diesem Film hat er mich mehr überzeugt. Dennoch wirkt seine Rolle beizeiten etwas aufgesetzt – und Hugh Grant wird meiner Meinung nach deutlich von Colin Firth an die Wand gespielt, der den „berühmten Anwalt für Menschenrechte“ so mitreißend auf die Leinwand bringt, dass er die Herzen der vorwiegend weiblichen Zuschauerinnen im Sturm erobert. In einer Szene, als der arme Mark Darcy mal wieder sehr unter den Launen seiner Bridget zu kämpfen hatte, brachte es ein anderer Kino-Besucher neben mir auf den Punkt: „Oh jeee, DER hats mit der Frau echt nicht leicht“. Genau diese Aussage bringt die von Colin Firth gespielte Rolle auf den Punkt – er verkörpert perfekt den verliebten Mann, der eigentlich total in seine neue Freundin vernarrt ist, aber unter ihren typisch weiblichen Launen und Bridgets gelegentlichen Peinlichkeiten zu leiden hat – und dies durch sein Schauspiel auf der ganzen Linie untermauert.

Natürlich dürfen auch in der zweiten Bridget Jones-Verfilmung gelegentliche Auftritte von Bridgets Eltern nicht fehlen. Jim Broadbent und Gemma Jones verkörpern ihre Rollen auch diesmal wieder solide – stehen aber weitaus weniger im Mittelpunkt als im ersten Teil. Der Story tut dies aber überhaupt keinen Abbruch – im Gegenteil!

*** Das Kinoerlebnis ***

Obwohl ich von der ersten Bridget Jones-Verfilmung fast ein wenig enttäuscht war, weil der Roman sie meiner Meinung nach um Längen überragte, so hat mich der zweite Teil hingegen auf der ganzen Linie überzeugt. Natürlich kann ein Buch nicht eins zu eins auf der Leinwand wiedergegeben werden, und auch diesmal ist es nicht ausgeblieben, dass die Story etwas umgestaltet wurde (Daniel Cleaver ist im zweiten Buch weitaus weniger präsent als im Film!!!) – doch die Gesamtstimmung vom Buch, Bridgets permanenter Traum von der ganz großen Liebe, Bridgets immer noch ausgeprägte Tollpatschigkeit etc. werden hier nahezu identisch wie im Buch wiedergegeben. Der neue Bridget Jones-Film hat so viele Stellen, an denen ich Tränen gelacht habe, dass die im Vorfeld in den Medien oftmals geäußerte Kritik, es würde sich hier ja doch nur um einen Abklatsch von Teil 1 handeln, einfach nicht fair ist. Natürlich hat sich die Grund-Story des Films im Vergleich zu „Schokolade zum Frühstück“ nicht großartig gewandelt, natürlich steht immer noch die gleiche Bridget im Mittelpunkt, die so mit dem einen oder anderen Problemchen zu kämpfen hat – aber so ist nun auch mal der Roman, der die Geschichte von Bridget einfach weitererzählt. Genau dies wird auf jeden Fall auch vom Film geliefert – und auch, wenn ich natürlich viele Entwicklungen schon aus dem Buch vorhersehen konnte – die Umsetzung auf der Leinwand war einfach zum Brüllen komisch. 108 Minuten ist der komplette Film lang – und ich hab mich in absolut keiner Sekunde gelangweilt. Im Gegenteil: Von mir aus hätte der Film ruhig noch eine halbe Stunde länger gehen können – und ich hätte mit Sicherheit immer noch nicht genug davon bekommen!

Noch ein paar Vergleiche zwischen Film und Buch: Wie ich bereits erwähnt hatte, konnte das Buch natürlich nicht komplett verfilmt werden. So ist es leider auch so, dass einige meiner Lieblingsszenen im Film fehlten – Bridgets Loch in der Wand, das vergammelte Schnitzel in der Sporttasche – und die Tatsache, dass Bridget Jones nach ihrer Rückkehr aus Thailand leider nicht Thema auf den Titelseiten aller Zeitungen ist – weil nämlich dummerweise zeitlich Lady Di verunglücken musste. Auch das im Buch ausführlich beschriebene Interview mit Colin Firth fehlte – doch wie hätte hier auch die Verfilmung laufen sollen, wenn Colin Firth, der im Buch von Journalistin Bridget interviewt wurde, hier schon als Mark Darcy pausenlos im Einsatz war?

Kritik habe ich deshalb nur an zwei Szenen zu üben. Bridgets Zeit im thailändischen Frauenknast wurde im Film für meinen Geschmack als viel zu nett und harmlos dargestellt – im Buch war die gleiche Story ungleich dramatischer und mitreißender. Und auch die Story um Rebecca, die im Film geschaffen wurde, unterscheidet sich klar vom Buch – und präsentiert sich in ihrem Ausgang im Film allerdings als ein wenig lächerlich. Hier hätte durchaus noch etwas mehr am Drehbuch gefeilt werden können.

Kompensiert wird dies jedoch auf jeden Fall durch die unzähligen liebenswerten Szenen, in denen man als Zuschauer Bridget Jones immer wieder neu in sein Herz schließt. Eine meiner Lieblingsszenen ist zum Beispiel die, als Bridget sich unter einem Monster von Decke versucht, anzuziehen – nur, damit Mark ihre „Schwabbelstellen“ nicht sehen kann. Auch Bridgets Bekanntschaft mit thailändischen Psycho-Pilzen hätte nicht besser dargestellt werden können – genau wie ihre immer wieder peinlichen Liebesbekundungen, wenn Mark ausgerechnet gerade in Konferenzen sitzt … Schon allein die wären es wert, den Film noch ein zweites Mal anzuschauen. Und spätestens, wenn der Film auf DVD erscheint, werde ich dies auch mit Sicherheit machen.

*** Zusammenfassung und Fazit ***

Die Sache ist eindeutig: Für jeden Fan der Bridget Jones-Romane ist die Verfilmung von „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ ein Muss. Die Umsetzung ist absolut gelungen – und der zweite Teil meiner Meinung nach deutlich besser als „Schokolade zum Frühstück“. Übrigens ist „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ auf keinen Fall nur ein reiner Frauenfilm – zwar sind Frauen im Kino hier natürlich deutlich in der Überzahl, doch auch Männer werden an Bridget Jones ihren Spaß haben. Nicht nur, um herzlich über ihre diversen Dummheiten lachen zu können – sondern vielleicht auch, um die eine oder andere Frau besser zu verstehen. Denn bei allem Klamauk, der hier präsentiert wird: Auch dieser Film enthält erschreckend viel Wahrheit über das geheime Wesen von uns Frauen! Jeder Mann kann hier auf jeden Fall noch eine Menge lernen.

Ich vergebe aus all diesen Gründen für „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ volle fünf Sterne, weil selbst die von mir geäußerten Kritikpunkte einem großartigen Kino-Erlebnis keinen Abbruch tun. Und ich hoffe sehr, dass Helen Fielding sich doch noch einmal erbarmt und den Markt mit einem dritten Bridget Jones-Roman bereichert – und damit vielleicht auch die Grundlage für eine weitere Fortsetzung liefert.

stefbl, 28. Mai 2005
(Erstveröffentlichung bei ciao im Dezember 2004)

19 Bewertungen, 2 Kommentare

  • morla

    09.12.2005, 19:53 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • nicky82

    28.05.2005, 13:13 Uhr von nicky82
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht lg nicky