Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Natascha

Wo bleibt die Schokolade?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Zugegeben, mit einem Bericht über diesen Film hinke ich der aktuellen Entwicklung hinterher und liefere vermutlich den 365. Bericht. Aber meine Begeisterung über dieses Machwerk erstklassiker Kino-Unterhaltung läßt mir dann doch keine Ruhe, auch die letzten von Euch noch zu überzeugen, doch den Weg ins Kino zu finden. Und vielleicht interessiert es ja doch noch den einen oder anderen....

Die Kurzfassung dieses Films lautet: Das, was sich Hollywood unter dem ganz normalen Single-Alltag einer 32-jährigen vorstellt.

Die Langfassung dagegen sieht doch etwas anders und vor allem deutlich begeisterter aus. Ich hatte den Besuch dieses Films zum Geburtstag \"gewonnen\" - noch einmal dem Single-Dasein nachfühlen, wie es denn früher war und heute sein könnte. Ich muß gestehen, daß ich hinterher feststellte, daß mein Single-Dasein äußerst langweilig und ich selbst, obwohl durchaus gelegentlich mit spitzen Bemerkungen zugange, doch so frech und vorlaut wie Bridget nie geworden bin.

Nach dieser langen Vorrede dann endlich zur Hauptperson, der schon im Titel angesprochenen Bridget Jones: 32, \"normal\" gebaut, trinkt und raucht deutlich zuviel, Faible für Schnulzen und Selbstmitleid - und ist ein hoffnungsloser Fall für die Paarvermittlung von Eltern und Freunden. Das liegt vor allem an ihrer Charaktereigenschaft, immer mit dem herauszuplatzen, was ihr gerade in den Sinn kommt.

Das kann, wie etwa auf der Weihnachtsparty ihrer Eltern (sehr hübsches Outfit in bordeaux-rot-gerüscht mit Cord-Weste und Rock, treffend als \"Sofa\" beschrieben), dazu führen, daß der von den Eltern ausersehene erfolgreiche Völkerrechts-Anwalt Mark (im ähnlich abschreckenden Eltern-vermittelten Rentier-Strick-Pulli erscheinend) zugeschwallt wird mit den angeblichen guten Vorsätzen für\'s neue Jahr - nach dem Motto: \"Bloß irgendwas sagen als schweigend dazustehen\". Dies gilt erst recht, wenn die Vorstellung der Eltern mit dne Worten erfolgt ist: \"Dies ist Mark, bei ihm hast Du nackt auf der Wiese herumgetollt\". Entsprechend angewidert trennen die beiden sich - und laufen sich prompt nach diesem ersten Treffen im kommenden Jahr immer wieder über den Weg - sei es bei der Vorstellung eines Buches, bei dem Bridget in ihrer Funktion als Öffentlichkeitsarbeits-Mitarbeiterin (wobei dies ein echter faux-pas ist: Kein Mensch würde jemanden wie sie für die Öffentlichkeitsarbeit einstellen!) patzt, als eher laute und penetrante Gespielin ihres Chefs (mit dem sie mittlerweile eine Affäre begonnen hat) beim romantischen Wochenendausflug, beim Dinner mit guten Freundne, wo Bridget als einzige als Single aufläuft und alle anderen sie mitleidig betrachten, und auch in ihrer Rolle als Rasende Reporterin (gleichfalls eher undankbar) beim Versuch, einen weltbekannten Flüchtling zu interviewen.

Mark ist aber für Bridget eher ein kleineres Übel - vor allem beschäftigt sie die ziemlich sexistisch beginnende Liebesgeschichte mit ihrem Chef. Der ist ein ebensolcher Liebeschaot wie sie - aber die Mischung beider Desperados läßt sie sich auch wunderbar ergänzen. Bis sich der liebe Chef entscheidet, die schnuckelige US-Chefin seines Verlags ganz persönlich zu betreuen. Für Bridget ist daraufhin wieder vorgesehen, als Single durch die Welt zu tingeln.

Diese Erfahrung macht gleichzeitig ihr Vater, der von seiner Frau verlassen wird zugunsten eines TV-Shop-Moderators. Während Vater und Tochter in heimeliger Schlafanzug-Atmosphäre vor dme Fernseher vergammeln, läuft Mama zu - für ihr Alter wirklich bemerkenswerter - Form auf, wird Präsentatorin in just diesem TV Shop, peppt sich auch äußerlich mächtig auf und verläßt das Couch-Blümchen-Cord-Kleid-Styling ein für alle mal.

Dieser Teil der Story hätte nicht unbedingt sein müssen, liefert aber doch immerhin durch das leidige Thema \"Familie und Familienverpflichtungen\" einige Running Gags.

Was den Film so hinreißend macht, ist der ziemlich unverfälschte und ziemlich originelle Humor, der sich vor allem aus der Situationskomik und einer wirklich guten Beobachtung ergibt. Ich habe selten in einem Film laut herausgelacht - hier aber ist es mir mehrfach passiert. Hinreißend ist etwa die \"blaue Suppe\" - eigentlich ein blöder, eher slapstick-artiger Witz, der aber auf ganz eigenwillige Weise daherkommt.

Einen wirklichen Pluspunkt kann der Film auch durch die Besetzung gewinnen. Colin Firth als Mark ist zwar etwas farblos, hat aber auch laut Drehbuch nicht viele Chancen, Farbe zu bekommen. Und das WEchselspiel vom mißverstandenen Schweige-Macho voller Ablehnung zum eigentlich doch ganz liebenswert-kantigen \"Stille-Wasser-Sind-Tief\"-Typen gelingt ausgesprochen gut, da beiden Charakteren eine Entwicklung und eine Annäherung zugestanden wird. Hugh Grant schafft es tatsächlich, nicht nur gut auszusehen, sondern auch ein Stück weit den Fiesling mangels Rückgrat zu verkörpern - ein erstes Mal, daß er nicht die 100%ige Sympathie-Figur verkörpert.

Und so, wie er zumindest ansatzweise gegen sein Image besetzt ist und allein dadurch den Zuschauer irritiert (und damit auch bei der Stange hält), ist das erst recht beim Charakter von Bridget Jones. Rennée Zellweger macht allen Hoffnung, daß man für eine Hollywood-Karriere wirklich auch nur mittelmäßig aussehen darf, daß Cellulitis nicht nur ein Problem deutscher Frauen ist und daß schlechte Haut auch mit der professionellsten Beratung und bester Schminktechniken wohl immer durchscheint. Glücklicherweise macht der Film nie den Versuch, sie vom Aschenputtel in eine stolze Prinzessin zu verwandeln: Die Haare bleiben strähnig-langweilig; die Oberschenkel dick; die Taille eher weniger feststellbar. Man erwartet zwar beständig, daß es jetzt endlich \"losgehe\" mit der aus der Hülle zu befreienden Schönheit, aber als dies auch nach der Trennung vom Liebhaber immer noch nicht geschieht, lehnt man sich beglückt im Kinosessel zurück und genießt, einmal nicht von Hollywood in die immer gleichen Märchen versetzt zu werden.

Der besondere Reiz des Films liegt in der Tat genau darin: Obwohl es ein Hollywood-Machwerk ist, bleibt er - trotz aller gezielter Pointen und gestylter Happenings (beispielsweise sind die drei Freund Bridgets wirkliche Kunstfiguren) - bemerkenswert bodenständig. Eine Identifikation gelingt wirklich - und hinterher wünscht jede(r) sich, doch auch einmal so tolpatschig sein zu dürfen.

Einziges Manko: Ich vermißte den ganzen Film über die Schokolade des Titels...???

Vielen Dank für\'s Lesen dieser wahrlich nicht ganz kurzen Meinung,

Natascha

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