Illuminati (gebundene Ausgabe) / Dan Brown Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von Anonym114

Schnitzeljagd durch Rom

Pro:

sehr spannend, reale Hintergrüne, faszinierender Stoff

Kontra:

große Ähnlichkeiten mit dem \"Sakrileg\"

Empfehlung:

Ja

Er hat schon eine Vorliebe für das Außergewöhnliche, für Verschwörungen, der Amerikaner Dan Brown. Seine Romane sind dunkel, ungewöhnlich, mysteriös. Dabei beginnt Illuminati auf einer sehr sachlichen Ebene, in einem Wissenschaftszentrum. Das Unheil, das dort beginnt, führt schließlich nach Rom. Warum dieser Roman lesenswert ist, dazu nun mehr.


DIE HAUPTFIGUREN:
ROBERT LANGDON:
Der Kunsthistoriker von der Harvard-Universität ist Brown-Lesern auch in/aus seinen anderen Romanen bekannt. Sein Spezialgebiet: Alte Symbole. Die dazu gehörigen Geschichten versteht er fesselnd und sehr plastisch zu erzählen. Der Mittvierziger schafft es außerdem, in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu behalten und klar die Lösung der Rätsel zu finden, auf die er trifft.
Robert Langdon ist von der Marke Held, nicht ganz unfehlbar, nicht ganz unverwundbar, aber doch sehr stark und zugleich sehr sympathisch.

VITTORIA VETRA:
Sie ist jung, schön, klug. Die Wissenschaftlerin Vittoria Vetra hat zusammen mit ihrem Adoptivvater Leonardo eine bahnbrechende Entwicklung gemacht: Sie sind der Antimaterie auf die Spur gekommen, haben Proben davon im Labor in eigens konstruierten Behältern abgesondert.
Aus Männersicht mag die Italienerin mit den langen dunklen Haaren quasi ein Traumfrau sein. Ich finde jedoch, dass sie in der Handlung doch stark im Schatten der männlichen Figuren bleibt.

MAXIMILIAN KOHLER:
Er ist der Leiter des Kernforschungszentrums, in dem die Vetras gearbeitet haben. Kohler scheint von Beginn an ein Machtmensch: Auch wenn er im Rollstuhl sitzt, so will Kohler doch die Kontrolle haben und behalten. So hat er eine Kamera und ein Telefon immer bei sich. Auch Langdon und Vetra gegenüber vertritt Kohler seine Positionen hart. Doch man merkt, dass auch Verbitterung über seine Behinderung zu seinem Verhalten beiträgt.

CAMERLENGO CARLO VENTRESCA:
Er ist oder besser war der Kammerdiener des Papstes und zugleich eine Art Ziehsohn des Heiligen Vaters. Denn der hat den Jungen nach dem Tod von dessen Mutter unter seine Fittiche genommen. Carlo Ventresca scheint ein gläubiger junger Mann, der mit Umsicht zwischen dem Tod des alten Papstes und der Wahl eines neuen die Amtsgeschäfte des Vatikans leitet. Zugleich macht er einen vernünftigen Eindruck, ist zugänglich für Langdon und Vetra als Probleme auftreten. Doch der Camerlengo hat noch eine andere Seite, die ihn auch interessant macht.


ILLUMINATI:
Ursprünglich, so erklärt Langdon im Roman, waren die Illuminati (die Erleuchteten) die gebildetsten Köpfe Europas, die sich der Suche nach wissenschaftlicher Wahrheit verschrieben hatten. Sie gründeten ihren Bund um das Jahr 1500 herum. Zu ihren Mitgliedern gehörte auch Galileo GalileiDie katholische Kirche habe sie erbarmungslos verfolgt, sie mussten sich verstecken und viele wollten der Kirche mit Gewalt begegnen. Die Illuminati tauchten in verschiedenensten Organisationen unter, so auch bei den Freimaurern.
Im Brockhaus findet man den Illuminantenorden auch im Zusammenhang mit den Freimaurern, auch als Geheimbund, auch mit dem Ziel durch die Prinzipien der Aufklärung weltbürgerliche Gesinnung zu fördern. Allerdings: Als Gründungsjahr wird dort 1776 genannt, als Mitglieder unter anderem Goethe und Herder.


DIE HANDLUNG:
Robert Langdon bekommt einen Anruf, mitten in der Nacht. Und ein Fax. Beides soll ihn dazu bringen, zum nur eine Flugstunde entfernten Wissenschaftszentrum von Maximilian Kohler zu fliegen. Allein mit telefonischen Bitten würde der Direktor von CERN den Symbolen Langdon wohl nicht überzeugen können. Doch auf dem Fax ist ein Toter zu sehen. Auf dessen Brust prangt ein Brandmal „Illuminati“ ist zu lesen.
Langdon macht sich auf den Weg zum Flughafen. Dort findet er anstelle eines herkömmlichen Flugzeuges eine futuristische Maschine. Und die bringt ihn in nur einer Stunde an sein Ziel: Von den USA in die Schweiz, zu CERN. Kohler zeigt ihm dort den Toten. Leonardo Vetra wurde ein Auge entfernt.
Als Vittoria von ihrer Forschungsreise wiederkehrt, führt sie die beiden Männer (Kohler und Langdon) in das Labor, in dem sie zusammen mit ihrem Vater gearbeitet hat. Sie führt ihnen vor, was, sie und ihr Vater erforscht haben: Die Antimaterie und ihre explosive Kraft. Jede der Proben ist in einem Spezialbehälter aufbewahrt, versehen mit einer Batterie, die sie 24 Stunden lang vor einer Explosion schützt. Alles scheint in Ordnung. Doch dann stellt sich heraus, dass eine Etage tiefer eine weitere, viel größere Probe lagerte. Und die wurde gestohlen.
Schnell wird klar, dass der Antimaterie-Behälter im Vatikan ist. Langdon und Vittoria müssen ihn in weniger als 24 Stunden ausfindig machen. Denn sonst gibt es eine Detonation, schlimmer als die einer Atombombe-Bombe.
Die Reise führt die beiden nach Rom. Dort, im Vatikan, findet gerade die Konklave statt: Der Papst soll neu gewählt werden – während irgendwo auf dem Geländern die Bombe tickt. Und es gilt noch weitere Verbrechen zu verhindern: Denn die vier Kandidaten für die Nachfolge des verstorbenen Papstes wurden entführt. Die Drohung steht im Raum, dass nun stündlich einer von ihnen sterben soll. Für Langdon und Vetra beginnt eine Schnitzeljagd. Sie müssen dem Rätsel auf die Spur kommen und dabei dem Geheimnis der alten Illuminati auf den Grund gehen.

DIE THEMEN:
FORSCHUNG: Was kann, was darf Forschung? Wo sind die Grenzen – die Grenzen dessen, was Menschen tun sollten? Dürfen Menschen in Gottes Handwerk fuschen? Die Bedrohung, die bei diesem Roman im Raum steht, hängt auch mit diesen Fragen zusammen. Denn Vater und Tochter Vetra haben mit ihren Forschungen etwas geschaffen, das zwar wissenschaftlich genial ist, das aber zugleich zum Tode tausender Menschen führen kann. Sicherlich ist Vetras Standpunkt nicht verkehr, dass Glauben und Forschung einander nicht widersprechen müssen. Doch zugleich hat er so eine Gefahr erschaffen.
TRADITION: Gerade im Vatikan spielt sie eine ganz entscheidende Rolle. Auch hier liegen Fragen wieder auf der Hand: Was ist wichtiger: Tradition oder Sicherheit? So stehen die Konventionen des Vatikan (z.B. zur Wahl des neuen Papstes) gegen die Notwendigkeit, den Petersdom und alles rundherum zu räumen, um die Kardinäle und alle übrigen Menschen zu retten.
DER KONTRAST ZWISCHEN TRADITION UND FORTSCHRITT/FORSCHUNG:
Zusätzlich zu den beiden einzelnen Begriffen ist auch die Verbindung von beiden wesentlich, da sie für Spannungen sorgt. Die Zeichen der Illuminati sind Teil der Vergangenheit. Sie verbinden sich mit denen der Zukunft, mit den Ergebnissen der Forschung. Beide gemeinsam scheinen die Tradition zu gefährden.

MEINE MEINUNG:
Von den Elementen her scheint sich eine sehr spannende Geschichte anzubahnen: Verschwörung, Gefahr, Geheimnisse, das ist eine faszinierende Mischung, an sich. Allerdings finde ich, die ich zuerst „Das Sakrileg“ von Brown gelesen habe, zu viele Elemente wieder, die ich schon kenne. In beiden Fällen muss Langdon mit einer Frau an seiner Seite Rätsel lösen, um Stück für Stück dem Bösen auf die Spur zu kommen. Beides Mal sind bekannte Orte (der Louvre im Sakrileg, der Vatikan hier) Schauplätze und tatsächlich (früher einmal) existente Geheimbünde im Spiel. Sicher, mitunter mag man es, wenn vertraute Elemente wiederkehren. Doch hier gibt es zu viele Parallelen. An sich finde ich es zwar gut, dass auch diesmal Langdon als Hauptfigur mit von der Partie ist. Doch mir erscheint es doch unglaubwürdig, dass er jedes Mal sich so sehr wie noch nie zuvor in eine schöne, kluge Frau verliebt. Mir würde es da besser gefallen, wenn da nur eine Frau wäre, die mit ihm beständig auch zusammen arbeitet.
Die Stärken der Idee, die Geschichten als eine Art Schnitzeljagd zu gestalten, verspielt Brown für meinen Geschmack, weil er sich zu sehr auf sein bekanntes und bereits erfolgreiches Muster verlässt. Das funktioniert aber bei mir nicht ganz, da mir die Ähnlichkeiten zu groß sind.
Dabei sind die Elemente wirklich nicht schlecht, die Themenschwerpunkte, auf die ich ja vorhin schon eingegangen bin, geben dem Roman Würze, die Illuminati und der Vatikan sind beide geheimnisumwoben, hinter die Kulissen zu blicken, ist daher sehr reizvoll. Mit diesem Pfund wuchert Brown dann auch, auch die „Illuminati“ haben ihren Sog. Nachdem ich die erste Unlust aufgrund der großen Ähnlichkeiten zum Sakrileg überwunden hatte, machte es Spaß, diesen Roman zu lesen.

DIE AUSGABE:
Ich habe „Die ILLUMINATI“ in der Ausgabe des Club-Bertelsmann gekauft. Was zuerst im Katalog wie ein normales Hardcover-Buch wirkt, ist tatsächlich eine Zwitterform: Man hat kein wirkliches Taschenbuch und kein wirkliches Buch mit festem Einband. Die dünne Papphülle ist etwas tiefer gezogen, so dass sie aus der Distanz optisch einem Hardcover ähnelt. Aber sie ist leichter, dünner und damit auch anfälliger für Knicke. Das englischsprachige Original erschien 2000 unter dem Titel „Angels and Demons“.
Mit einem Preis von 12 Euro ist sie auch vom Preis her ein Zwitter. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, da ich am selben Tag in einem normalen Buchladen eine Hardcover-Ausgabe für 11,95 gesehen habe. Die Bertelsmann-Ausgabe hat die Nr. 102541 und ist 701 Seiten dick.

FAZIT:
Dan Browns Illuminati ist auf alle Fälle ein spannendes Buch. Leute, mit zu schwachen Nerven, sollten lieber vorsichtig sein. Denn wer sich manche Bilder, die Brown beschreibt und die Langdon und Vetra mit ansehen müssen, vor Auge führt, mag ziemlich schockiert werden. Auch die Ähnlichkeiten mit dem „Sakrileg“ sind mir zu groß und schlagen auf’s Konto der Minuspunkte.
Ansonsten kann ich Brown aber auch sehr loben: Denn auch hier ist es ihm gelungen, reale Hintergründe (sowohl örtlich (Vatikan) wie thematisch (Illuminati)) mit seiner Phantasie weiter zu spinnen und daraus einen faszinierenden Stoff erstehen zu lassen. Wer noch keinen Dan Brown kennt, wird mit „Illuminati“ garantiert eine spannende Unterhaltung haben, für Leute, die schon das „Sakrileg“ gelesen haben, hier die Warnung, dass einige Ähnlichkeiten ziemlich groß sind. Doch trotzdem lohnt es, die „Illuminati“ zu lesen.

54 Bewertungen, 6 Kommentare

  • panico

    27.02.2007, 20:10 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico:-)

  • Baby1

    01.12.2006, 20:45 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anita

  • mcsuttner

    27.04.2006, 12:12 Uhr von mcsuttner
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich lese illuminati gerade und habe vorher sakkrileg gelesen. schade, dass sich die bücher so ähneln, aber spannend sind sie beide!!

  • schnekuesschen

    11.04.2006, 01:51 Uhr von schnekuesschen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht...LG sandy :-)))

  • liiiiindaaaaa

    06.04.2006, 13:28 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    das ist ein hammergeiles buch;)

  • celes

    30.06.2005, 15:22 Uhr von celes
    Bewertung: sehr hilfreich

    ... immer noch schmunzeln, weil man vater das buch wirklich nicht kennt *g*