Illuminati (Taschenbuch) / Dan Brown Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  sehr anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von Gering

Apokalypsenstimmung feinster Art

Pro:

s.u

Kontra:

s.u

Empfehlung:

Ja

Apokalypse – Schinken gibt es deren viele und häufig sprechen diese auch nur einen ganz bestimmten Lesergeschmack an.
Das Buch von Dan Brown ILLUMINATI gehört zu diesem Thriller – Subgenre und findet sich derzeit in der Liste der meistverkauften Bücher recht weit oben wieder.

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INHALT

Robert Langdon, seines Zeichens Professor für Symbolologie an der Harvard University, erhält früh morgens einen merkwürdigen Anruf. Ein Maximilian Kohler, der sich als Teilchenphysiker bezeichnet, erwartet von ihm, sich mit ihm zu treffen, denn er habe wichtige Informationen für Landon. Landon selbst ist der Fachwelt vor allem durch seine Forschung zu den so genannten ILLUMINATI bekannt, einer mittelalterlichen Geheimgesellschaft von Wissenschaftlern, die sich zusammengeschlossen hatte, um das wissenschaftsfeindliche Denken der katholischen Kirche zu bekämpfen.
Für Langdon hört sich der Anrufer weniger glaubwürdig an, weswegen er das Gespräch recht schnell beendet. Als er aber kurze Zeit später ein Fax erhält, auf dem die schrecklich entstellte Leiche eines Mannes zu sehen ist, schockiert ihn nicht allein nur diese Tatsache, sondern vielmehr das Symbol, das dem Ermordeten in die Haut gebrannt wurde. Ein Symbol, dass nur eingeweihten der für längst erloschenen Geheimgesellschaft der ILLUMINATI bekannt gewesen sein kann.
Plötzlich erwacht das wissenschaftliche Interesse Langdons und so stimmt er zu, sich zu einem Treffen mit Maximilian Kohler fliegen zu lassen. Dieses findet eine Flugstunde später nach einem MACH 18 (!) Flug bei dem bekannten Forschungsinstitut CERN in der Schweiz statt, dessen Leiter Maximilian Kohler ist. Dort erfährt Langdon nicht nur, dass der Ermordete ein katholischer Priester und einer der fähigsten Teilchenphysiker gewesen ist, sondern , nachdem dessen Ziehtochter im CERN eingetroffen ist, dass es diesem und seiner Tochter gelungen ist, Antimaterie herzustellen. Und zwar langfristig, mit einer positiven Energiebilanz (= meint: man erhält mehr Energie als man für das Erschaffen derselben benötigt) und mit den entsprechenden Lagermodulen.
Erst jetzt wird auch klar, warum dem Ermordeten Körperteile entfernt wurden, denn über diese war der Zugang zu dem hochbrisanten Material, dass deutlich stärkere Kräfte freisetzt als eine Nuklearwaffe gleichen Gewichts, gesteuert. Und eben das Fehlen dieser Körperteile bereitet den Leser schon darauf vor, was neben dem Mord noch geschehen ist: Das hochbrisante Material ist verschwunden.
Gemeinsam mit der Tochter des Ermordeten macht sich Langdon auf Bitten des Vatikans auf nach Rom, denn dort zeigt eine Kamera des Überwachungssystems, die an einem nicht nachvollziehbaren Ort aufgestellt worden ist, einen merkwürdigen Gegenstand, der auf einem Display einen Countdown herunterzählt. Langdon und Vittoria, die Tochter des Opfers, wird klar, in welcher Gefahr der Vatikan schwebt: Denn die Antimaterie kann nur solange unter Kontrolle gehalten werden, solange die Akkus des Transportbehälters die Magnetfelder aufrecht erhalten, die die Antimaterie daran hintern, mit Materie in Kontakt zu kommen.
Dass der Vatikan Ziel eines vernichtenden Anschlages sein soll, ist schon schockierend genug. Gleichzeitig soll in wenigen Stunden der Konklave stattfinden, also der Wahlprozess, in dem der Nachfolger des 15 Tage zuvor verstorbenen Papstes bestimmt werden soll.
Damit droht nicht nur die Vernichtung der Gebäude etc., sondern der gesamten Führung des katholischen Kirche.
Und nicht nur das: Die vier inoffiziell als Kandidaten der Wahl bestimmten Kardinäle scheinen wie vom Erdboden verschlugt. Erst als sich ein Mann bei der Schweizer Garde meldet und ankündigt, diese vier seien in seiner hand und er würde ab acht Uhr beginnen, zu jeder vollen Stunde einen dieser Kardinäle zu töten, wird klar, dass die Kirche sich einer Situation gegenüber seiht, die die Existenz derselben so wie noch nie in Frage stellt.
Fieberhaft beginnt nun die Suche nach den Kardinäle n und der Antimaterie, doch schell wird deutlich, dass die Attentäter Kontakte innerhalb des Vatikans haben und sie somit Zugänge zu den geheimsten Orten der Christenheit haben.

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MEINUNG
Die Angabe des Inhaltes macht deutlich: So viel Neues hat Brown, was die Motive der Story angeht, nicht zu bieten. Aber bei Büchern ist es wie in der Küche – nicht die Zutaten allein entscheiden über geschmackvoll oder ungenießbar, sondern der Koch ist maßgeblich für das Geschmackserlebnis verantwortlich.
Wie das Thriller – Süppchen gekocht ist, möchte ich in einigen Punkten näher beschreiben:


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MOTIVE
Untergangsbücher in Verbindung mit der katholischen Kirche gibt es viele, und viele davon aus der Feder amerikanischer Autoren. Jetzt ließe sich fragen, was vor allem die Amerikaner an der Kirche haben, dass sie sich in Buchform so oft mit deren Ableben beschäftigen – eine Antwort habe ich dafür nicht.

Dennoch lassen sich auch einige der Motive erstaunlicherweise auch bei Nichtamerikanern wieder finden.
Vor allem der Hintergrund des in diesem Buch unterstellten technischen Backgrounds kommt bekannt vor: Eine zeit der Handlung ist nicht angegeben, doch spielt sie in einer von der Jetztzeit nicht weit entfernten. Die beschriebene Alltagstechnik hat jeder auch heute schon zu Hause. Handys usw., also nichts abgehobenes, wie es für einen futuristischen Thriller typisch wäre. Und dennoch habe einige wenige schon Techniken, die zwar nicht bekannt sind, die aber die Menschheit mehrere Schritte voraus bringen wird.
Nach eben diesem Muster der versteckten, nicht offensichtlichen technischen Progression (sicher auch verbunden mit einem gewissen GENIUS – Effekt) hat Hans Dominik seine Bücher gestrickt. Kennt ihr nicht? Nun Hans Dominik ist der Begründer der serialisierten Sci – Fi – Literatur mit einem Faible vor allem für Flugtechnik, der aber auch rechtskonservatives und rassistisches Gedankengut in vielen seinen Werken niedergeschrieben hat ( Klaus im Glück usw.).
Zwiespältig also, doch von der Machart her der Begründer eines Genres. Und eben hier macht Brown sicherlich unbewusst im Aufbau Entlehnungen.
Das Prinzip dabei ist, dem Leser die Möglichkeit dessen, was beschrieben wird, zu suggerieren gepaart mit einer gewissen Technikgläubigkeit, die freilich zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch deutlich stärker ausgeprägt gewesen ist, als heute.

Auch das Motiv des JUDAS, des hochrangigen Verräters in den eigenen Reihen ist so neu nicht, hat aber immer noch seine Wirkung, sofern des Rätsels Lösung nicht zu früh gelüftet wird.
Die Frage nach dem Attentats – Phänomen braucht man nach dem universellen Erlebnis des 11. September kaum erläutern.

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SPANNUNG und AUFBAU
Viele Romane funktionieren wie das klassische Märchen: Es gibt ein klares und deutlich wahrnehmbares GUT und ein ebensolches BÖSE. Das Salz an der Suppe in einem Thriller ist aber auch das Dritte Element, eben das, was sich als dickes Fragezeichen durch die Handlung zieht, wobei nicht die Frage ist, was es nun ist, sondern eher: WER ist der Schuft?
Nicht neu aber auch nicht abgedroschen sind die Autorenwerkzeuge, mit denen Brown Spannung erzeugt:
Der Wechsel zwischen den Personen, aus deren Sicht erzählt wird, der Abbruch eines Handlungsstrangs, wenn er gerade im Magen des Lesers Kribbeln auslöst, Vorausdeutungen, Andeutung, falsche Fährten, die den Leser in die Irre leiten und die falschen Personen unter Verdacht bringen – all diese bekannten Werkzeuge setzt Brown ein und zwar so, dass bis zum Ende des Buches, die letzten paar Seiten ausgelassen , der Leser vom Buch und der Handlung wirklich gefesselt ist.
Und Finten sind genügend in diesem 700 Seiten Thriller eingebaut, die den Leser bei Laune halten.
Durchschaubar freilich bleibt dann doch die Beziehungskiste zwischen den beiden Hauptprotagonisten Langdon und Vittoria: Dass die am Ende des Buches den Respekt des Vatikans und der Welt errungen haben und so glücklich und zufrieden in einem Hotelzimmer übereinander herfallen können, erinnert dann doch mehr an das berühmte James – Bond – Ende (also der männlichen Form des Happy Ends im klassischen Sinne).

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FIGUREN
Das Buch bedient sich auch hier wieder einiger Stereotypen (auch hier wieder der Hinweis: Das wird von mir in kleinster Weise negativ gemeint): Die klassische Held – Heldinnenbeziehung habe ich oben schon angedeutet, was die letzte Szene des Buches angeht.
Langdon als Held ist nicht nur intelligent, eingefleischter Junggeselle, sondern sieht auch noch hervorragend aus – was für die Verfilmung bedeutet, das GERING durchaus seine erste Rolle in einem Kinofilm bekommen könnte.
Gleiches gilt natürlich auch für Vittoria: Keine Orangenhaut, keine Fältchen oder störende Pickel oder ähnliches: Trotz eines sehr zeitraubenden Berufes ist sie sportlich, übertrifft im logischen Denken alles, was im CERN arbeitet, beherrscht fernöstliche Entspannungsübungen, ist wissend in fast allen Gebieten usw usf.
Also zwei richtige Menschen wie du und ich.
Beide wachsen zu einem Team zusammen und so lernt man sich dann auch besser kennen. Also wie gehabt.

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FAZIT


Nichts wirklich Neues, viel Altbekanntes – und doch ist die Suppe gut gekocht, abgeschmeckt und hat auch ordentlich gezogen. Für die Thrillerfans, die sich gerne auf den Themenzusammenhang einlassen, ein durchaus mit Lust lesbares Buch, dass viele Standartmacharten altbekannter Machart aufgreift, dieses aber in gekonnter Weise, sodass bis zum Schluss die Spannung erhalten bleibt. Wem das lästige Happy End im Hotelzimmer dann doch zu Rosamunde –Pilcher – artig erscheint, möge bitte die Lektüre auf S. 698 beenden.


Michael

23 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Striker1981

    10.07.2008, 15:33 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER

  • McSam

    12.06.2004, 14:04 Uhr von McSam
    Bewertung: sehr hilfreich

    ... soviele Gedanken habe ich mir über das Buch gar nicht gemacht. Und fand es einfach nur sehr spannend und das Ende "doof". Guter Bericht, Gruß McSam