Illuminati (Taschenbuch) / Dan Brown Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  sehr anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von linnie

Alles kommt anders als man denkt...

Pro:

die ersten 500 Seiten, der geniale Schreibstil von Brown, Spannung pur

Kontra:

die letzten 100-150 Seiten, die James-Bond-Elemente, zu viele Familientragödien

Empfehlung:

Ja

Vatikanthriller, ganz oben in den Bestsellerlisten, alle Rezensionen darüber sehr gut, Klappentext klingt spannend, aber dann...??? Ich habe das Buch wahrlich verschlungen und die letzten 300 Seiten am Stück gelesen, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte, doch am Ende fühlte ich mich doch etwas verschaukelt....

** Der Inhalt
Robert Langdon, ein berühmter Harvard-Professor und Experte für Symbologie wird mitten in der Nacht durch einen mysteriösen Telefonanruf geweckt. Jemand braucht seinen Rat, doch Langdon wimmelt den Anrufer ab, weil es ihm spanisch vorkommt, dass jemand seine Telefonnummer herausgefunden haben soll. Doch dann erreicht ihn ein Fax und sofort ist sein Interesse geweckt: Auf dem Fax ist das Bild eines toten Mannes zu sehen, dessen Oberkörper ein Brandzeichen ziert, ein Ambigramm (also ein Zeichen, das auch auf dem Kopf zu lesen ist) mit dem Schriftzug "Illuminati". Langdon beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit den Illuminati und ist überrascht zu sehen, dass die Illuminati zurückgekehrt zu sein scheinen. Außerdem fasziniert ihn das Ambigramm, da Computer seit Jahren vergeblich versuchen, ein Ambigramm des Wortes "Illuminati" herzustellen.

Langdon erhält kurz nach dem Fax einen weiteren Anruf und erfährt, dass er unverzüglich zum Flughafen aufbrechen soll. Dort erwartet ihn ein ziemlich futuristisches Flugzeug, das ihn innerhalb einer Stunde (!) in die Schweiz zum CERN fährt. Das CERN ist eine berühmte Forschungsanstalt in Genf, wo unter anderem das WWW erfunden wurde. Im CERN wird Langdon vom Leiter der Forschungsanstalt, Prof. Kohler, empfangen. Dieser klärt Langdon darüber auf, dass der tote Mann auf dem Bild Leonardo Vetra ist, einer der Physiker des CERN. Bald taucht Vittoria Vetra, die Tochter des ermordeten Physikers, auf, die Langdon und Kohler das Labor zeigt, in dem sie und ihr Vater heimlich, still und leise Antimaterie erzeugt haben. Diese Antimaterie ist höchst gefährlich und führt bei Berühung mit gewöhnlicher Materie sofort zur Annihilation, wobei eine große Menge an Energie frei wird. Im Labor wurde ein Viertelgramm Antimaterie gelagert, welche einen Bezirk im Umkreis eines halben Kilometers zerstören kann.

Doch diese Antimaterie ist verschwunden. Sie wird in einem Behälter durch Magnetfelder von der Annihilation mit Materie abgehalten. Wird sie aus der Ladestation im CERN genommen, so reichen die "Batterien" noch 24 Stunden lang, bevor es zur Annihilation kommt. Die Zeitbombe tickt also. Kohler erhält einen mysteriösen Anruf aus dem Vatikan, wo auf einer Sicherheitskamera der Behälter mit der Antimaterie, den deutlich das "CERN"-Logo ziert, zu sehen ist. Langdon und Vittoria Vetra fliegen in den Vatikan, um dort vor der Antimaterie zu warnen.

Im Vatikan findet zur Zeit das sogenannte Konklave, also die Wahl des neuen Papstes statt. Der alte Papst ist zwei Wochen zuvor an einem Hirnschlag (?) gestorben und das Sagen im Vatikan hat seitdem der Camerlengo (=der Kammerdiener des Papstes) übernommen. Sämtliche Kardinäle sind zur Wahl angereist und warten auf den Beginn der Zeremonie. Nur mit Mühe und Not können Langdon und Vittoria die Schweizergarde von der Dringlichkeit der Suche nach der Antimaterie überzeugen. Erst der Camerlengo nimmt sich ihres Problems an und hat ein offenes Ohr für die bevorstehende Katastrophe. Das Problem ist leider, dass die Antimaterie nicht zu detektieren ist und auch nicht nachgeprüft werden kann, wo die Sicherheitskamera steht, die die Antimaterie filmt. Nur eines ist sicher: Kamera und Antimateriebehälter befinden sich auf dem Gelände des Vatikans.

In diese verzwickte Situation platzt ein Anruf heran: Ein Assassine teilt dem Camerlengo mit, dass er die vier "preferiti" (die vier aussichtsreichsten Kandidaten für die Papstwahl) entführt hat und jeden davon zur vollen Stunde beginnend um 20 Uhr in einer Kirche der Illuminati umbringen und die mit den Zeichen der Wissenschaft brandmarken wird. Der Wettlauf mit der Zeit hat begonnen, der erste Mord an einem preferiti steht bevor und die Antimaterie wird um Mitternacht für eine gewaltige Explosion sorgen, die die gesamte Vatikanstadt dem Erdboden gleichmachen wird.

Langdon vermutet einen Hinweis auf den "Weg der Erleuchtung" in einer der Schriften Galileis und macht sich daraufhin mit Vittoria zusammen auf die Suche nach der Originalschrift. Der Weg der Erleuchtung führt nach und nach zum Versammlungsort der Illuminati. Die Zeichen der Wissenschaft "Erde, Luft, Feuer und Wasser" kennzeichnen die vier Kirchen auf dem Weg dorthin, in welchen die Kardinäle umgebracht werden sollen.

Schnell finden Langdon und Vittoria den Hinweis in Galileis Schrift und versuchen, diesen zu deuten. Daraufhin machen sie sich mit einem Teil der Schweizergarde auf den Weg zur ersten Kirche, um dort feststellen zu müssen, dass sie dort am falschen Ort sind und den ersten Kardinal sicherlich nicht mehr retten können. Zeitgleich beginnt die hoffnungslose Suche nach der Antimaterie in der Vatikanstadt.

Können die preferiti gerettet werden? Was wird aus dem Konklave? Wer steckt hinter den Anschlägen? Wer ist der sogenannte "Janus", der den Assassinen angeheuert hat?

** Über den Autor
Bevor sich Dan Brown einen Namen als Autor spektakulärer Thriller machte, lehrte er Englisch an der Phillips Exeter Academy. Er lebt mit seiner Frau in Neuengland, USA. Im Dezember wird das neue Buch von Dan Brown mit dem Titel "Meteor" (700 Seiten, 8,90 Euro laut Amazon.de) als Taschenbuchausgabe erscheinen. Mehr steht über ihn leider nicht im Klappentext und mehr habe ich auch nicht im Internet über Dan Brown gefunden.

** Über das Buch
Das Buch ist ein wahrer "Page-Turner", die letzten 300 Seiten habe ich am Stück gelesen, weil das Buch soo spannend war, dass ich es nicht mehr zur Seite legen konnte. Das gesamte Geschehen des Buches passiert innerhalb von etwa 20 Stunden. Trotzdem schafft Brown es, dass keine Seite des Buches langweilig wird. Der Schreibstil von Brown ist wirklich fantastisch. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich so gut unterhalten und so sehr gefangen genommen hat. Obwohl die 640 Seiten über einen so kurzen Zeitraum berichten, passiert so viel, dass sich die Ereignisse regelrecht überschlagen. Als Leser arbeitet man sich von Kapitel zu Kapitel, um Langdon und Vittoria Vetra auf ihrem Weg der Erleuchtung zu begleiten. Immer will man wissen, ob der nächste Kardinal gerettet werden kann oder was mit dem Vatikan geschehen wird.

Die Kapitel sind recht kurz (es waren insgesamt etwa 150 Kapitel) und es wird praktisch kein überflüssiges Wort geschrieben. Kein Satz ist fehl am Platze, bis 100 Seiten vor Schluss. Da verließ mich dann leider die Faszination des Buches und ich war plötzlich maßlos enttäuscht. Die Aufklärung der Mysterien war fast schon lächerlich. Da kam ich mir doch sehr verschaukelt vor. Am Ende streut Brown sogar noch einige Elemente ein, die einen guten James Bond Film ausmachen würden, furchtbar!

Schon zu Beginn des Buches deutet Brown bei seinen Hauptfiguren zurückliegende schicksalhafte Ereignisse an. Im Laufe des Buches wird aufgeklärt, was Langdon, Vittoria Vetra, Kohler und der Camerlengo in ihrer Kindheit erlebt haben, das ihr weiteres Leben geprägt hat. Insgesamt waren mir das doch ein paar Tragödien zu viel. Die Verwicklungen wurden zwar alle aufgelöst, doch wie??? Man sollte sich wirklich die Mühe machen und für das Buch ein neues Ende schreiben!

Zwischendurch wird viel über den Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft diskutiert. Diese Diskussionen sind sehr interessant. Warum zum Beispiel wollte die Kirche Wissenschaft und Fortschritt so oft aufhalten? Welche Rolle haben die Illuminati in diesem Konflikt gespielt? Wer allerdings in einem Roman mehr über Illuminati und Freimaurer erfahren will, sollte "das Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco lesen (doch Vorsicht: ziemlich langatmig und detailliert geschrieben).

Interessant fand ich die Details über die Wahl eines neuen Papstes. Da wurden einige Dinge beschrieben, die ich noch nicht wusste, dass zum Beispiel der Papst nicht obduziert werden darf nach seinem Tod, dass bis zur Wahl eines neuen Papstes der Camerlengo das Sagen im Vatikan übernimmt und wie genau ein Konklave vonstatten geht. Sehr schön beschrieben fand ich auch die Suche nach dem Weg der Erleuchtung, da unternimmt der Leser zusammen mit Langdon und Vetra eine aufregende Reise durch Rom, in der man doch viel über die Sehenswürdigkeiten in den Kirchen und einige Künstler, die (angeblich) zu den Illuminaten gehörten, lesen kann.

Als Leser ist man bei allen Geschehnissen direkt dabei. Zwischendurch begleitet man kurz den Assassinen, doch ist man dennoch nicht allwissend. Auch als Leser tappt man völlig im Dunkeln und weiß bis zum Schluss nicht, wer zu den Bösen gehört.

Ein bisschen überflüssig fand ich das Gewicht, das den Medien in diesem Buch verliehen wurde. So hat sich der Assassine ein Filmteam vom BBD dazu ausersehen, die Morde an den Kardinälen der Weltöffentlichkeit zu zeigen. Gunther Glick mit seiner Videographin fährt daraufhin von einer Kirche auf dem Weg der Erleuchtung zur nächsten, um dort sensationslüstern die Morde zu filmen. Glick fühlt sich, als ob Weihnachten und Geburtstag für ihn auf einen Tag fielen, das finde ich ziemlich übertrieben. Sind Reporter heutzutage schon so sensationslüstern, dass nichtmal der bevorstehende Untergang der katholischen Kirche und der mögliche Tod von unzähligen Menschen dazu führt, dass man so etwas wie ein Gewissen entwickelt???

** Fazit
Illuminati ist ein sehr spannender und unterhaltsamer Vatikanthriller mit einem maßlos enttäuschenden und lächerlichen Ende. Hätte Brown sich eine Auflösung ausgedacht, die den ersten 500 Seiten gerecht geworden wären, hätte ich dem Buch bedenkenlos 5 Sterne gegeben, doch nun muss ich einfach 2 Sterne abziehen. Das Buch ist immer noch sehr lesenswert, alleine schon aufgrund des kurzen, knappen und flüssigen Schreibstils von Dan Brown, der dazu führt, dass man auch mal 300 Seiten an einem Abend lesen kann. Das Buch nimmt einen wirklich gefangen, sodass man es nicht lesen sollte, wenn man gerade keine Zeit hat. Empfehlen kann ich es immer noch, aber für das Buchende übernehme ich keine Verantwortung ;-)


Bei Amazon kostet das Taschenbuch 8,90 Euro neu und hat 800 Seiten. Ich habe den Weltbild-Reader im Hardcover-Format gelesen. Dort hat das Buch 640 Seiten und kostet um die 12 Euro. Original-Titel: "Angels and Demons"

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