Illuminati (Taschenbuch) / Dan Brown Testbericht

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ab 3,76
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  sehr anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Der Pharao auf dem Pfad der Erleuchtung

Pro:

Einfach genialer Stoff...

Kontra:

...der leider immer noch nicht verfilmt wurde ;-)

Empfehlung:

Ja

Der sagenumwobene Orden der Erleuchteten ist zurück, jedenfalls in Romanform. Als latenter Verschwörungstheoretiker ist sowas natürlich genau meine Kragenweite und oft schon bin ich in Buchläden immer wieder um dieses Buch herumscharwenzelt. Bei „meiner“ Weltbild-Filiale hab ich dann schließlich zugegriffen, als das Hardcover dort für 9,90 € statt für den regulären Preis von 19,90 auslag. Geschichte, Mythen und Geheimgesellschaften finde ich extrem faszinierend, vor allem, weil man davon ausgehen kann, dass in allem immer ein Körnchen Wahrheit steckt. Gerade die Illuminaten haben in der Riege der mystischen Kulte einen hohen Stellenwert in der Historie, manche meinen sogar, dass sie selbst heute noch hinter den Kulissen die wahren Weltherrscher sind, die auch das tagesaktuelle politische Geschehen über unsichtbare Kanäle diktieren. Man mag das glauben oder nicht, es steht jedoch mit Sicherheit fest, dass die Bruderschaft seit jeher ein ausgesprochen konspirativer Haufen gewesen (?) ist, der jede Menge Anlass zu Spekulation bietet. So auch im vorliegenden Roman von Dan Brown, der die Erleuchteten zum finalen Kampf gegen den Vatikan fiktiv (?) auferstehen lässt – mit sehr hohen Erwartungen ging ich das Werk auch an...

Der Steckbrief
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Titel: „Illuminati“
Original-Titel: „Angels and Demons“
Autor: Dan Brown
Ersterscheinungsjahr: 2000 (Simon & Schuster / NY)
Deutsche Übersetzung: Axel Merz
Erschienen: 2002 (Bastei – Lübbe / Bergisch Gladbach) *
Seiten: 640
ISBN: 3 – 8289 – 7150 - 4
Ausführung: HC mit Schutzumschlag *
Preis: Zwischen 8,90 (TB) und 19,90 € *

*) meine Version des Buches ist eine vergünstigte Lizenz-Ausgabe (2003) von Weltbild. Das Cover ist dem oben dargestellten ähnlich, zeigt aber zur Kapuzengestalt im Hintergrund das Interieur des römischen Pantheons samt dem „Dämonenauge“ und im Vordergrund die 4 archaischen Symbole der alchemistischen Grund-Elemente: Erde, Feuer, Luft und Wasser.

Allgemeines zum Thema
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Wer oder was sind die „Erleuchteten“ denn eigentlich und gab/gibt es sie wirklich? Letzteres lässt sich recht leicht mit Ja beantworten (man beachte nur das seltsame Pyramidensymbol nebst der Inschrift auf der 1 US$-Note), für die Beantwortung des ersten Teils der Frage muss man schon weiter ausholen: Die Illuminaten (oder korrekter: Illuminati) sind ein dem Klerus feindlich gesonnener Geheimbund aus meist hochintelligenten Persönlichkeiten und gehen zurück auf den berühmten italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei. Im Laufe der Zeit wurden die Mitglieder von der Kirche zu Ketzern und Satanisten abgestempelt, das war insofern leicht, als das sie „Luzifer“ (sinngemäß: „Lichtbringer“, von ital.: Luce = Licht) quasi im Namen tragen. Schon damals wirkte plumpe Propaganda Wunder. Waren die Illuminaten anfangs nur aufklärerische Wissenschaftler und Freidenker, mutierte die Organisation von Generation zu Generation in einen regelrechten Kirchenhasser Verein, dessen Methoden die christliche Gotteslehre zu untergraben immer diffiziler und auch drastischer wurden.

Etliche Gräueltaten wurden auf beiden Seiten verübt und es entstand eine Jahrhunderte dauernde Fehde zwischen beiden Lagern, bei denen es Illuminati immer wieder unerkannt bis in höchste weltliche Ämter schafften oder gar klerikiale Zirkel infiltrierten und dort von Innen heraus gegen die Kirche wirkten – auch vor Gewaltakten gegeneinander schreckte man beiderseits nicht zurück. Die direkte Reaktion Roms auf die vermeintliche Gefahr lag in der Inquisition. Was die wenigsten wissen: Die Hexenverbrennungen in dieser Periode waren nur Nebeneffekt (und Deckmäntelchen), primär ging es dem Papsttum darum die Illuminaten auszurotten. Doch die umtriebige Bruderschaft hat es mit List und Verschwiegenheit trotz aller Versuche bis in unsere Zeit geschafft zu überleben. In einem Zug mit den Erleuchteten wird auch häufig die Loge der „Freimaurer“ genannt, wenngleich das nicht das selbe ist, fanden sich gerade unter dieser häufig Mitglieder des mystischen Ordens. Es gibt eine ganze Menge sehr guter Literatur über dieses Thema, sodass ich es bei diesem recht groben Überblick mal bewenden lassen will...

Zur Story
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Eigentlich ist der Mittvierziger Professor Robert Langdon kein wirklicher Abenteurer sondern ein biederer Dozent und Experte für religiöse Symbolik an der University of Harvard, doch der ominös-nächtliche Anruf des Teilchenphysikers Maximilian Kohler vom Genfer CERN-Institut (Conseil Européen pour la Recherche Nuclaire) soll ihm mehr als nur den Schlaf dieser Nacht vergällen. Was Direktor Kohler ihm per Fax schickt, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: Der berühmte Professor Vetra ist im CERN auf grausame Art umgebracht und gebrandmarkt worden. Das Ambigramm „Illuminati“ ziert den Brustkorb der Leiche auf dem Fax und Langdon wird stante pede nach Genf zitiert – sofort und ohne zu packen steigt er in das ultra-moderne Überschallflugzeug des CERN, welches ihn bereits erwartet. Auf seiner nur wenige Stunden dauernden Reise in die Schweiz hat Langdon schon mal ein wenig Zeit darüber Gedanken zu machen, ob die berühmte Bruderschaft nach über 50 Jahren Stillschweigen der Erleuchteten tatsächlich wiederauferstanden sein kann und warum dieser grausame Mord überhaupt begangen wurde...

In Genf angekommen lüftet sich der Schleier nur wenig.
Der undurchsichtige an den Rollstuhl gefesselte Vollblutwissenschaftler Kohler zeigt dem entsetzten Experten aus den USA die Leiche von Vetra, der mit seiner Adoptiv-Tochter Vittoria an einem hochgeheimen Projekt zugange war: Der Erschaffung von Anti-Materie. Nach Eintreffen besagter Tochter, wird sehr schnell klar, dass es dem Attentäter und seinem Auftraggeber um genau diese hochbrisante Substanz mit der Zerstörungskraft mehrerer konventioneller Nuklear-Sprengköpfe ging. Das Ziel für die („saubere“) Massenvernichtungswaffe steht kurz darauf auch bereits fest – der Illuminatus will sich am Klerus für all die jahrhundertelange Schmach rächen, welche die Kirche der Wissenschaft angetan hat. In Rom findet gerade das grosse Konklave statt (die Papst-Wahl) und daher sind alle ranghohen Kardinäle und Aspiraten auf den Job des Pontifex natürlich anwesend. Dank seines Hashishin (Assassinen) hat der Illuminatus den Behälter mit der Antimaterie direkt vor den Augen der päpstlichen Schweizergarde unter die Vatikanstadt gejubelt, doch er will seinen Triumph noch weiter auskosten: Er entführt die 4 vielversprechensten Kandidaten auf den Papst-Titel (Die sog. Prefertiri) und plant sie einer nach dem anderen medienwirksam umzulegen. Die einzige Chance die Kardinäle und den Vatikan zu retten ist dem alten, rituellen Initiierungs-Pfad der Bruderschaft zu folgen – ein Pfad, der vor Jahrhunderten von niemand geringerem, als Galileo Galilei und den ersten Illuminaten gelegt wurde...

Pharaos Meinung
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Vom Start weg weiss „Illuminati“ zu gefallen, der kurze Prolog lässt bereits erahnen, was da alles kommen mag und spätestens, wenn Dan Brown respektlos den ersten hochangesehenen kirchlichen Würdenträger brutal über die Klinge springen lässt, weiss man nicht, ob die verbliebenen 3 Kardinäle die Sache heil überstehen, ganz zu schweigen von der enormen Anti-Materieladung unter dem Vatikan, welche im Umkreis von etwa 2 km alles in einem grellen Lichtblitz pulverisiert, sollte der Behälter nicht innerhalb von insgesamt 6 Stunden aufgespürt werden. So entwickelt sich der anfängliche, rätselhafte Mordfall zu einem teils überaus dogmatisch geführten Überlebenskampf zwischen Kirche, Wissenschaft und Medien. Bei der Hetzjagd durch Rom und Spurensuche in alten Archiven sitzt den Protagonisten die Uhr zudem ständig im Nacken. Ausser bei den beiden Hauptcharakteren (Robert Langdon und Vittoria Vetra) weiss man zwischendrin nie, auf welcher Seite so mancher Handelnde eigentlich steht. Alle Figuren sind gut und lebendig ausgearbeitet, der Schreibstil ist locker, somit ist der Roman trotz der 640 Seiten keine allzu schwere aber dafür umso unterhaltsamere Kost – auch für Gelegenheitsleser.

Die archaischen Puzzles, die es zu lösen gilt sind intelligent gemacht und verraten viel Kenntnis über die Thematik der Bruderschaft und den Strukturen des Vatikans, seitens des Autors. Er verflechtet hier gekonnt geschichtliche und wissenschaftliche Tatsachen mit Zukunftsmusik, natürlich ist die Geschichte frei erfunden und dürfte sich in dieser Form wohl kaum abspielen, logische Fehler konnte ich jedoch nicht ausmachen und das will bei mir notorischem Nörgler schon was heissen. Ich bin der Thematik ja eh nicht abgeneigt und wie der Autor auch schon im Vorwort erwähnt, stimmen die Örtlichkeiten, die physikalischen Grundlagen und die Historie des Vatikans und auch der Illuminati an sich, das hat er gut recherchiert und gekonnt zusammengefügt. Ein paar Begriffe aus der Mythologie und einige Brocken Italienisch und Latein sind vorteilhaft, diese Dinge werden teilweise unkommentiert stehen gelassen, was wie ich finde der Atmosphäre sehr dienlich ist. Der (deutsche) Übersetzter hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen einige Fußnoten einzufügen, wenn er der Auffassung war, dass einige Begriffe dennoch einer Erklärung bedürfen – netter Service ;-)

Die aufkeimende und beinahe unvermeidliche Romanze zwischen Robert und Vittoria stört die Geschichte nicht und schwelt dankenswerterweise nur latent im Hintergrund und gleitet nicht in Schnulz & Kitsch ab, das hätte ich Dan Brown auch nicht verziehen *g*. So mutet der Roman ein wenig wie Indiana Jones (speziell: „The Last Crusade“) und einige der guten alten drei ??? Stories an, bei dem es knackige Text- Logik- und Bilder-Rätsel zu lösen gibt und durch Kombinationsgabe erst am Ende ein Täter feststeht. Gestorben wird auch, und das recht gemein und blutig alá „Sieben“ oder „Resurrection“, Langdon ist jedoch weit von den Allüren eines Actionhelden (dem Assassinen ist er körperlich zu 100% unterlegen und kriegt von dem auch mächtig die Hucke voll) entfernt und irrt auch gern mal mit seinen Vermutungen, das macht die Figur menschlich und sympathisch. Vittoria ist ein sehr starker Charakter und bestimmt nicht die berühmte Quotenfrau bzw. der Hauptpreis für den Helden am Ende (mit Sonnenuntergang und dem ganzen Trallala). Sie steuert dank ihrer Orts- und Sprachkenntnis eine Menge bei, ausserdem ist sie als Teilchenphysikerin als einzige mit dem Anti-Materiekanister vertraut, den sie auch zusammen mit ihrem Daddy entworfen hat.

Fazit
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Ein äusserst kurzweiliger und rasanter Roman, der auf beeindruckende Art Realität und Fiktion zusammenfügt und am Ende ziemlich unvorhergesehen ausgeht, da Dan Brown es versteht Nebelkerzen zu werfen und den wahren Hauptschuldigen effektiv bis fast vor Schluss zu verschleiern. Nur wer auf den Punkt genau liest und richtig kombiniert, dem fallen inmitten der Story schon einige Sachen ins Auge, die auf den wahren Initiator dieser von Morden durchzogenen wilden Hatz durch Rom hinweisen. Nebenbei lernt man sogar eine ganze Menge wissenswertes über Geschichte. Dank der flüssigen Erzählweise des Autors fällt es leicht das – zugegeben – etwas dickere Buch komplett durchzuziehen, ich hab dafür circa 12 Stunden (beinahe) Non-Stop benötigt. Den einzigen Kontra-Punkt entleihe ich mir mal vom Sandwarrior, da bin ich mit ihm vollkommen einer Meinung: Das Teil gehört endlich verfilmt – es ist eine Schande, dass sich dafür noch kein Filmemacher ereifert hat, denn die Geschichte hat das Potenzial zu einem richtigen Blockbuster. 5 hell erleuchtete Sternchen und eine klare Lesempfehlung für (noch nicht-)Freunde des intelligenten Thrillers.

SoLong

Der Ambigramm-Pharao

Warnhinweis:
Schnellklicker sollen exkommuniziert und einer saftigen Anti-Materie Annihilation zum Opfer fallen...nix von wegen Himmel - straight to hell, folks ;-)

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