Sakrileg (gebundene Ausgabe) / Dan Brown Testbericht
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Erfahrungsbericht von Lanzelot
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Buchhändlerin
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Zunächst einmal ein paar Warnhinweise für alle, die dieses Buch als Urlaubslektüre auserkoren haben: Wenn Ihr es unbedingt am Strand lesen müsst, sorgt für eine entsprechende Kopfbedeckung bzw. Sonnenschirm und eine Sonnencreme mit LSF 50 gehört auch unbedingt ins Gepäck. Lasst Kind, Hund und Kegel lieber zu Hause. Wenn Ihr einen romantischen Pärchenurlaub plant, rechnet damit, dass der/ die gerade lesende Partner/in ein paar Tage lang extrem unkommunikativ sein und nur mit einem schwarzen Hardcover vor der Nase anzutreffen sein wird. Geht am besten für ein Wochenende ins Lese-Exil.
Eh hier jemand „Thema verfehlt“ drückt: Gemach, gemach. Soll halt nur keiner sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt.
Kommen wir nun zum eigentlichen Thema. Dan Browns Thriller mit religions- und kunsthistorischen Bezügen sind seit „Illuminati“ kein Geheimtipp mehr. Beide Bücher sind hoch oben auf den Bestsellerlisten zu finden und ich habe sie natürlich schon aus diesem Grund nicht besonders interessant gefunden. Nun sind mir beide Titel in die Hände gefallen - und siehe da, dieses Vorurteil muss ich revidieren.
Wie auch in „Illuminati“ ist der Symbolkundler Robert Langdon die Hauptfigur. Er weilt gerade zu einem Vortrag in Paris, als er zum Tatort eines rätselhaften Verbrechens gerufen wird. Der Museumsdirektor des Louvre, Jacques Saunière, wird ermordet vor den Gemälden Leonardo da Vincis aufgefunden. Auf seinem Körper und um ihn herum merkwürdige Symbole und ein Code, der der Polizei zunächst Rätsel aufgibt.
Noch ehe er begreift, dass Kommissar Bezu Fache Langdon selbst für den Hauptverdächtigen hält, nimmt die Geschichte die erste atemberaubende Wendung, und wir ahnen schon: Dan Brown ist ein geschickter Erzähler, der seine Leser mit intelligenten Nebensächlichkeiten ablenkt und auf der nächsten Seite mit einer echten Überraschung aufwartet. Weil das so ist, verrate ich natürlich nur ganz wenig und schon gar nicht die Auflösung.
Zunächst einmal tritt die Kryptologin Sophie Neveu auf den Plan, die bei Pariser Polizei arbeitet, sehr zum Unbehagen des religiösen Obermachos Fache, und die zu allem Überfluss noch die Enkeltochter des verstorbenen Saunière ist. Sie und Langdon befinden sich unversehens auf der Flucht vor der Polizei und machen sich fortan auf eigene Faust auf eine großangelegte Schnitzeljagd um das Geheimnis des Museumsdirektors.
Recht schnell stellt sich heraus, dass Saunière Mitglied einer Geheimgesellschaft, der Prieuré de Sion, war. Seit Jahrhunderten hütet diese das Geheimnis des heiligen Gral, wohl eine der interessanten Mythen, die sich über die Jahrhunderte gehalten haben. Wer sich einmal mit dieser Geschichte befasst hat, findet viele Bezüge auch bei Dan Brown wieder - das Buch ist gut recherchiert, zweifellos - wem das alles völlig neu ist (ich hatte mich eigentlich nie damit auseinandergesetzt und erst im Nachhinein ein bisschen weitergelesen), werden keinerlei Vorkenntnisse abverlangt.
Es gibt verschiedene Theorien den heiligen Gral betreffend, eine sehr verbreitete davon ist die, dass der Abendmahlskelch Christi ein metaphorischer Begriff für das Göttlich Weibliche sei. Faktisch lässt sich das ohnehin nicht mehr nachweisen, aber Brown erzählt das so schlüssig und glaubwürdig, dass es ihm zumindest abnimmt.
Eine wichtige Rolle bei der Aufklärung des Falls spielt das Werk von Leonardo da Vinci, schließlich lautet der viel treffendere Originaltitel des Thrillers „The Da Vinci Code“. Da Vinci selbst soll derselben Geheimgesellschaft angehört haben wie der ermordete Museumsdirektor und auch viele weitere berühmte historische Persönlichkeiten, u.a. Isaac Newton. Speziell das Gemälde „Das letzte Abendmahl“, aber auch die „Mona Lisa“ werden vom Symbolologen Langdon in diesem Roman herangezogen, um versteckte Hinweise ans Tageslicht zu befördern.
Fakt und Fiktion ist hier bis zur Unkenntlichkeit vermischt, aber es macht riesigen Spaß, das zu lesen. Und es ist auch lehrreich, aber um das auszuführen, müsste ich doch mehr verraten, als ich vorhabe. Denn: Im Gegensatz zu dem Vorläufer „Illuminati“, der ziemlich viel blutige Action enthält, ist „Sakrileg“ vielmehr durch diese Ausflüge in Verschwörungstheorien, Gralssuche, Kunst-und Kirchengeschichte spannend und liest sich dabei auch nicht grauseliger als beispielsweise ein Henning Mankell.
So manches Überraschungsmoment möchte ich keineswegs vorwegnehmen, auch wenn das viele Kritiken natürlich längst getan haben. Apropos Kritiken: Der Vergleich mit „Harry Potter“ auf dem Klappentext ist gar nicht mal so abwegig. Selbstredend gibt es keine inhaltlichen Parallelen, aber sowohl Rowling als auch Brown verstehen es, den Leser auf eine Art literarische Schnitzeljagd zu schicken: immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen, ein bisschen was verraten, ablenken, wieder etwas verraten, auflaufen lassen...Natürlich ist „Sakrileg“ nichts für Kinder, aber erwachsenen „Harry Potter“-Fans, die nicht auf Fantasy fixiert sind, würde ich das Buch durchaus ans Herz legen.
Ebenso allen anderen, die mal wieder etwas richtig Spannendes lesen wollen. Und nebenbei mehr erfahren wollen über Frauen im (Vor-)Christentum, geheime Männerbünde, Sekten und derlei mehr. Auch wenn’s eine Fiktion ist: Skurriler als das, was in der Bibel steht, ist Dan Brown Vision nun auch nicht.
Bleibt zu kritisieren, was schon bei „Illuminati“ genervt hat (und nicht nur mich): Die total überflüssige, auf die letzten Seiten gequetschte Liebesgeschichte/ Affäre zwischen Langdon und seiner jeweiligen Co-Ermittlerin, also in diesem Fall Sophie Neveu. Ob das wohl ein Zugeständnis an den Verlag war, um damit auf Leserfang zu gehen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind Liebesgeschichten Dan Browns Stärke nicht. Seine sonst sehr subtilen Beschreibungen wirken hier plump und kitschig, und man kann nur froh sein, dass die Handlung davon kaum beeinträchtigt wird.
Trotzdem vergebe ich fünf Sterne für Hochspannung und erstklassiges Lesevergnügen.
Eh hier jemand „Thema verfehlt“ drückt: Gemach, gemach. Soll halt nur keiner sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt.
Kommen wir nun zum eigentlichen Thema. Dan Browns Thriller mit religions- und kunsthistorischen Bezügen sind seit „Illuminati“ kein Geheimtipp mehr. Beide Bücher sind hoch oben auf den Bestsellerlisten zu finden und ich habe sie natürlich schon aus diesem Grund nicht besonders interessant gefunden. Nun sind mir beide Titel in die Hände gefallen - und siehe da, dieses Vorurteil muss ich revidieren.
Wie auch in „Illuminati“ ist der Symbolkundler Robert Langdon die Hauptfigur. Er weilt gerade zu einem Vortrag in Paris, als er zum Tatort eines rätselhaften Verbrechens gerufen wird. Der Museumsdirektor des Louvre, Jacques Saunière, wird ermordet vor den Gemälden Leonardo da Vincis aufgefunden. Auf seinem Körper und um ihn herum merkwürdige Symbole und ein Code, der der Polizei zunächst Rätsel aufgibt.
Noch ehe er begreift, dass Kommissar Bezu Fache Langdon selbst für den Hauptverdächtigen hält, nimmt die Geschichte die erste atemberaubende Wendung, und wir ahnen schon: Dan Brown ist ein geschickter Erzähler, der seine Leser mit intelligenten Nebensächlichkeiten ablenkt und auf der nächsten Seite mit einer echten Überraschung aufwartet. Weil das so ist, verrate ich natürlich nur ganz wenig und schon gar nicht die Auflösung.
Zunächst einmal tritt die Kryptologin Sophie Neveu auf den Plan, die bei Pariser Polizei arbeitet, sehr zum Unbehagen des religiösen Obermachos Fache, und die zu allem Überfluss noch die Enkeltochter des verstorbenen Saunière ist. Sie und Langdon befinden sich unversehens auf der Flucht vor der Polizei und machen sich fortan auf eigene Faust auf eine großangelegte Schnitzeljagd um das Geheimnis des Museumsdirektors.
Recht schnell stellt sich heraus, dass Saunière Mitglied einer Geheimgesellschaft, der Prieuré de Sion, war. Seit Jahrhunderten hütet diese das Geheimnis des heiligen Gral, wohl eine der interessanten Mythen, die sich über die Jahrhunderte gehalten haben. Wer sich einmal mit dieser Geschichte befasst hat, findet viele Bezüge auch bei Dan Brown wieder - das Buch ist gut recherchiert, zweifellos - wem das alles völlig neu ist (ich hatte mich eigentlich nie damit auseinandergesetzt und erst im Nachhinein ein bisschen weitergelesen), werden keinerlei Vorkenntnisse abverlangt.
Es gibt verschiedene Theorien den heiligen Gral betreffend, eine sehr verbreitete davon ist die, dass der Abendmahlskelch Christi ein metaphorischer Begriff für das Göttlich Weibliche sei. Faktisch lässt sich das ohnehin nicht mehr nachweisen, aber Brown erzählt das so schlüssig und glaubwürdig, dass es ihm zumindest abnimmt.
Eine wichtige Rolle bei der Aufklärung des Falls spielt das Werk von Leonardo da Vinci, schließlich lautet der viel treffendere Originaltitel des Thrillers „The Da Vinci Code“. Da Vinci selbst soll derselben Geheimgesellschaft angehört haben wie der ermordete Museumsdirektor und auch viele weitere berühmte historische Persönlichkeiten, u.a. Isaac Newton. Speziell das Gemälde „Das letzte Abendmahl“, aber auch die „Mona Lisa“ werden vom Symbolologen Langdon in diesem Roman herangezogen, um versteckte Hinweise ans Tageslicht zu befördern.
Fakt und Fiktion ist hier bis zur Unkenntlichkeit vermischt, aber es macht riesigen Spaß, das zu lesen. Und es ist auch lehrreich, aber um das auszuführen, müsste ich doch mehr verraten, als ich vorhabe. Denn: Im Gegensatz zu dem Vorläufer „Illuminati“, der ziemlich viel blutige Action enthält, ist „Sakrileg“ vielmehr durch diese Ausflüge in Verschwörungstheorien, Gralssuche, Kunst-und Kirchengeschichte spannend und liest sich dabei auch nicht grauseliger als beispielsweise ein Henning Mankell.
So manches Überraschungsmoment möchte ich keineswegs vorwegnehmen, auch wenn das viele Kritiken natürlich längst getan haben. Apropos Kritiken: Der Vergleich mit „Harry Potter“ auf dem Klappentext ist gar nicht mal so abwegig. Selbstredend gibt es keine inhaltlichen Parallelen, aber sowohl Rowling als auch Brown verstehen es, den Leser auf eine Art literarische Schnitzeljagd zu schicken: immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen, ein bisschen was verraten, ablenken, wieder etwas verraten, auflaufen lassen...Natürlich ist „Sakrileg“ nichts für Kinder, aber erwachsenen „Harry Potter“-Fans, die nicht auf Fantasy fixiert sind, würde ich das Buch durchaus ans Herz legen.
Ebenso allen anderen, die mal wieder etwas richtig Spannendes lesen wollen. Und nebenbei mehr erfahren wollen über Frauen im (Vor-)Christentum, geheime Männerbünde, Sekten und derlei mehr. Auch wenn’s eine Fiktion ist: Skurriler als das, was in der Bibel steht, ist Dan Brown Vision nun auch nicht.
Bleibt zu kritisieren, was schon bei „Illuminati“ genervt hat (und nicht nur mich): Die total überflüssige, auf die letzten Seiten gequetschte Liebesgeschichte/ Affäre zwischen Langdon und seiner jeweiligen Co-Ermittlerin, also in diesem Fall Sophie Neveu. Ob das wohl ein Zugeständnis an den Verlag war, um damit auf Leserfang zu gehen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind Liebesgeschichten Dan Browns Stärke nicht. Seine sonst sehr subtilen Beschreibungen wirken hier plump und kitschig, und man kann nur froh sein, dass die Handlung davon kaum beeinträchtigt wird.
Trotzdem vergebe ich fünf Sterne für Hochspannung und erstklassiges Lesevergnügen.
20 Bewertungen, 1 Kommentar
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12.03.2005, 21:52 Uhr von kammerer86
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht muss ich sagen. Sehr informativ und aussagend. Weiter so.
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