Sakrileg (gebundene Ausgabe) / Dan Brown Testbericht

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ab 6,13
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Erfahrungsbericht von Volker111

Petrus - Grundstein der Kirche oder Erbschleicher?

Pro:

Denkanregungen, erstaunliche Fakten, Spannung

Kontra:

konstruierter Schlussteil, Struktur

Empfehlung:

Ja

Dan Brown Sakrileg

■ ■ Vorwort ■ ■

Als vorläufig letztes Buch Dan Browns habe ich den Roman Sakrileg gelesen. Von der Reihenfolge fast ideal, denn Illuminati empfand ich als recht gut, Meteor etwas schwächer und Sakrileg konnte mich bisher am stärksten beeindrucken. Doch dazu im Bewertungsteil mehr.
Sakrileg ist für mich ein Roman, den ich besonders gerne als E-Book am PC gelesen habe.

Warum überhaupt ein Buch am PC lesen? Ist das nicht eher unbequem oder verliert das Lesen vielleicht sogar seinen speziellen Reiz? Nun, das hängt stark von den jeweiligen Umständen ab. Eine guten Monitor vorausgesetzt, natürlich auch einen ergonomisch optimalen Bürostuhl, strengt mich persönlich das Lesen am PC weniger an als z.B. das Lesen im Bett, wo ich als Brillenträger einer Gleitsichtsbrille Probleme habe, den idealen Lesewinkel zu finden und zudem oft Buchhaltung und Lichtquelle nicht so gut in Einklang bringe.

Trotzdem lese ich natürlich recht gerne noch vor dem Einschlafen, aber bequem ist es nicht unbedingt.

Am PC stelle ich den Acrobat-Reader auf 125% Schriftgröße ein, sitze ungefähr einen Meter vom PC entfernt und „blättere“ recht schnell mit der Bild Abwärtstaste die Seiten um. Ich brauche weder das Buch zu halten noch schräg zu schauen, nicht einmal den Nahbereich zu nutzen. Ich überblicke in entspannter Körperhaltung die ganze Seite und kann dementsprechend auch recht schnell lesen.

Doch der entscheidende Vorteil kommt noch. Falls das Buch Anregungen bietet, z.B. im Sakrilegfall die aus 666 Facetten bestehende Pyramide vor dem Louvre sich bildlich vorzustellen, nutze ich nebenher schnell die Suchmaschine Google und kann mir nun die Ausführungen wesentlich besser vorstellen. Einige der berühmtesten Gemälde, speziell aber für diesen Fall die Mona Lisa, die Felsengrottenmadonna und später natürlich noch das berühmte Abendmahlgemälde Leonardo da Vincis verdeutlichen die Darstellungen erheblich.

Nebenbei stieß ich noch auf eine ausgezeichnete Seite, auf der sämtliche Bilder des Louvres einschließlich der Skulpturen in sehr hoher Auflösung und Farbqualität vorhanden sind.
Der virtuelle Rundgang ohne stundenlang vorher anzustehen kann zwar die originale Begegnung nicht ersetzen, 3 Tage verbrachte ich vor vielen Jahren jeweils mehrere Stunden im Louvre, aber man gewinnt einen sehr guten Eindruck und erinnert sich gerne an die Momente der damaligen Besichtigung.

Vor allem aber die zunächst etwas überzogen wirkenden Theorien des Helden Langdon halten dann der Internet Recherche überzeugend stand. Egal, wie man die Thesen wertet oder gewichtet, die Fakten als solche lassen sich rasch bestätigen, sogar aus Schriften der Katholischen Kirche.

Kurzum, nicht nur um Leseproben recht einfach zu übertragen oder sich bei schwierigen Fremdworten, Namen, Begriffen nicht zu verschreiben, sondern diese einfach zu kopieren und aus dem Zwischenspeicher der Textverarbeitung bei Bedarf einzusetzen lässt es vorteilhaft erscheinen, das eine oder andere Buch am PC zu lesen.
Beim Roman Sakrileg nutzte ich aufgrund der diversen Theorien, historischen Aspekte das Internet neben dem Lesen so intensiv wie noch nie zuvor.

Aber keine Befürchtungen, das gedruckte Buch möchte ich trotzdem nicht missen und das E-Book kann dieses auch nicht ersetzen. Mir wäre es am liebsten, wenn man beim Kauf bestimmter Bücher eine zusätzliche codierte Lizenz zum Download der E-Book Fassung erhielte, denn die E-Book Fassung allein ist/wäre mir auch zu wenig.

■ ■■ Inhaltsanriss ■■ ■

Der Inhalt des typischen Brown´ schen Verfolgungs- und Actionthrillers wäre eigentlich recht schnell dargestellt, doch der eigentlich Reiz besteht für mich eher in der eingebauten und eben von den Fakten, Orten, Gebäuden her stimmenden Hypothese eines völlig von der offiziellen Lehrmeinung der Katholischen Kirche abweichenden Jesusbild. Die Untermauerungen dieser Theorien können von der Bewertung her natürlich abgewiesen werden, doch die Fakten als solche hat Dan Brown geschickt und trotzdem gewissenhaft genau und wahrhaft zusammen getragen.

Der den Illuminati Lesern bereits bekannte amerikanische Professor und Dozent für religiöse Symbolologie befindet sich in Paris, um eine Gastvorlesung zu halten. Dort soll er sich auch mit dem Museumsdirektor des Louvres treffen, doch der scheint die Verabredung erstaunlicher Weise vergessen zu haben. Hat er natürlich nicht, sondern er wurde im Louvre, an seinem Arbeitsplatz ermordet.

Die ihm noch bleibenden 15 Minuten bis zum Eintritt seines Todes nutzt Direktor Saunière um seiner Enkelin eine verschlüsselte Botschaft zukommen zu lassen, die einerseits das Geheimnis der Prieurè de Sion, des Ordens der Bruderschaft von Sion, bewahrt, andererseits dieses Geheimnis den „Würdigen“ mitteilt, die dann eines Tages es zum Nutzen der Menschen einsetzen können.

Der mit den Ermittlungen betraute Capitaine Bezu Fache verdächtigt unseren armen amerikanischen Professor, der jedoch mithilfe Sophie Neveus aus der Dechiffrierabteilung, gleichzeitig die Enkelin des Ermordeten, der Observation auf recht originelle Weise entfliehen kann und nun zusammen mit ihr (recht Illuminati ähnlich) eine Art Superschnitzeljagd ablegt, zum einen auf der Suche nach dem Heiligen Gral, Sangreal, später wird daraus Sang Real (Königliches Blut), zum anderen natürlich auf der Jagd nach dem wirklichen Mörder und seinen Auftraggebern.

Das bei Dan Brown irgendwann ein selbstloser Freund und Helfer sich als Superbösewicht entpuppt, nun auch hier bleibt er dem Illuminati-Prinzip treu.

Genug des Inhalts, der einen Teil seiner Spannung eher den Rätseln und Anagrammen verdankt und weniger dem doch von der Struktur her erahnbaren Handlungsablauf.
AMON ISIS altägyptischen Bilderschrift jedoch AMON L\'ISA, und was wird nun daraus? Klar, MONA LISA.
S. 177 „»Nicht nur, dass das Gesicht der Mona Lisa androgyne Züge trägt, auch ihr Name ist ein Anagramm auf die göttliche Vereinigung des Männlichen mit dem Weiblichen. Und das, meine Freunde, ist da Vincis kleines Geheimnis und zugleich der Grund für das wissende Lächeln der Mona Lisa.«
Endlich weiß der Leser, warum die Mona Lisa lächelt.

Ach ja, natürlich geht die spannende Jagd glücklich für unseren Professor mit einer diesmal etwas zarteren erotischen Beziehung zur Hauptheldin aus. Die große leidenschaftliche Liebesbeziehung Vittoria aus Illuminati bremste zu Beginn ein klein wenig, doch der Schluss des Romans muss scheinbar auch hier den Schuss Erotik und Romantik erhalten:
S.656 „»Robert, es wäre wunderbar, wenn wir uns in Florenz treffen könnten! Aber nur unter einer Bedingung.« Sophie wurde ernst. »Keine Museen, keine Kirchen, keine Grabmäler, keine Kunstwerke, keine Reliquien.«
»In Florenz? Eine ganze Woche? Etwas anderes kann man dort doch kaum machen.«
Sophie beugte sich wieder zu ihm herüber. Diesmal küsste sie ihn auf den Mund. Ihre Körper berührten sich, zögernd zuerst, dann leidenschaftlich. Als Sophie sich von Langdon löste, lag ein verheißungsvolles Leuchten in ihren Augen.
»Wirklich?« »Ja«, sagte Langdon. »Wirklich.«



■■ ■ Bewertung ■ ■■

Der Held Langdon gefällt mir im Handlungsbild nicht so gut wie im vorherigen Roman.
Andererseits passen seine überwiegend intellektuellen Fähigkeiten und seine eher schwächeren körperlichen Attribute besser zu dem Ablauf der Handlung und wirken glaubwürdiger als im letzten Roman.

Die Verfolgungsszenen, eigentlich die gesamte Handlung besitzt zwar durchaus Spannung und Dynamik, doch die Dramatik des Illuminati - Romans wird nicht erreicht. Mehr als aufgehoben wird dies jedoch durch die Darstellung der Anagramme, Rätsel und vor allem historischen Thesen. Sind die Merowinger wirklich Nachkommen Jesu Christi?

Ist Petrus, der Fels, in Wirklichkeit vielleicht eine Art Erbschleicher, der die von Jesus favorisierte Ehefrau Maria Magdalena ausbootete? Hatte Jesus vielleicht wirklich eine Tochter Sarah? Wurden von den mehr als 30 ursprünglich vorhandenen Evangelien tatsächlich alle Schriften systematisch durch die Kirche vernichtet, welche die männliche Vorherrschaft in der christlichen Kirche hätten gefährden können?
Ist der heutige Dreieinigkeitsglaube (Vater, Sohn und Heiliger Geist) noch vor dem Konzil zu Nizäa eine Minderheitentheorie gewesen, die aus politischen Gründen vom römischen Kaiser Konstantin präferiert und durchgesetzt wurde?

Nun, das sind nicht alle Fragen, die im Laufe des Romans erörtert werden, doch diese und weitere machen den Roman absolut lesenswert, da die Theorien nicht einfach nur phantasievolle Spekulationen sind, sondern sich durchaus auf entsprechendes Quellenmaterial stützen können.

Unabhängig von der spannend erzählten mörderischen Geschichte, von den recht gut dargestellten Handlungsträgern, bietet der Roman eine Unzahl von Anregungen, selbst zu hinterfragen und mithilfe des im Internet inzwischen vorhandenen Materials sich eine eigene Auffassung zu bilden, wobei ich nicht verschweigen will, dass auch die Theorien Dan Browns bzw. die seiner Romanhelden ihre Lücken oder Schwächen haben.

Ein verheirateter Jesus Christi, der eigentlich seine Frau als Erbin und Verwalterin seiner Kirche einsetzen wollte, wäre mir eine sympathische historische Figur, egal ob nun Gott oder nicht. Störend empfinde ich eher, dass er ein Abkömmling Salomons - des Königs der Juden, gewesen sein soll, der sich mit Maria Magdalena, historisch fast außer Zweifel auch eine Königstochter, vermählt hat und somit „echte Herrschaftsansprüche“ hatte.
Warum muss oder soll Gott ein König sein?
Nun, egal welchen Theorien man auch immer mehr GLAUBEN schenken will, die Art der Darstellung in diesem Roman hat mich fasziniert und daher erhält er von mir trotz einiger Schwächen im Geschehensablauf seine fünf Sterne.

Ich kann jedem Unterhaltungs- und Bildungsinteressierten diesen Roman nur wärmstens empfehlen.
Die 605 Seiten des recht passend illustrierten Buches im Lübbe Verlag kosten in der gebundenen Ausgabe 19,90 Euro. Gebraucht gibt es das Buch bei amazon.de ab 15,50, bei Ebay aber bestimmt noch günstiger, zwischen 8 und 10 Euro allerdings muss man schon rechnen.

Also, viel Spaß beim Lesen.

78 Bewertungen, 13 Kommentare

  • giselamaria

    04.02.2009, 15:13 Uhr von giselamaria
    Bewertung: sehr hilfreich

    dein Bericht ist super, wie alle Buchberichte. bw nur deshalb nicht weil er von 2005 ist :-(( von diesem Autor habe ich Illuminati gelesen, Sakrileg begonnen und wegelegt, war mir zu ähnlich :-))) immer in etwa das gleiche, meine ich ;-))) - LG Gisela

  • Puenktchen3844

    04.02.2009, 08:58 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein klasse Bericht. LG

  • blackangel63

    06.08.2008, 14:52 Uhr von blackangel63
    Bewertung: sehr hilfreich

    SoNnIgE mItTwOcHsGrUeSsE..aNjA

  • try_or_die87

    07.07.2008, 14:36 Uhr von try_or_die87
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Regensburg

  • Mondlicht1957

    25.03.2008, 15:59 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH LG Pet

  • anonym

    13.05.2007, 16:53 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • hjid55

    12.05.2007, 18:34 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh & lg Sarah

  • Baby1

    28.02.2007, 14:10 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • anonym

    24.10.2006, 13:14 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich hab's auch gelesen und fand es sehr gut. Aber bei "Meteor" muss ich dir leider widersprechen: Fand ich nämlich nicht "schwächer", sondern so was von spannend, dass ich dafür sogar 10 Sternchen vergeben würde! *zwinka* Lieben Gr

  • Django006

    13.09.2006, 23:37 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan :>))))

  • skorbut

    28.02.2006, 11:13 Uhr von skorbut
    Bewertung: sehr hilfreich

    als Theologiestudentin ein muss!

  • anonym

    22.01.2005, 15:10 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ist einfach der "hammer" sozusagen. nach illuminati natürlich ein muss. bei den ersten kapiteln war ich noch nicht so hingerissen, aber je weiter es ging, desto gebannter war ich dann doch! brisant brisant denke ich für viele leute... L

  • Mundi

    22.01.2005, 13:29 Uhr von Mundi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mona Lisa grinst so dämlich!